THE RING OF FIRE.

Schon die Einladung gab eindeutige Rauchzeichen, in welche Richtung die kulinarische Route führen würde: Auf einen kompromisslosen Holzweg. In einer offenen Feuerküche braten, brutzeln schmoren und räuchern, äschern und kohlen.

Ich habe mich vom Menü überraschen lassen und mit dem Burner-Trio gesprochen.

Drei experimentierfreudige Gastronomen: Laura Schälchli, Valentin «Vale-Fritz» Diem und Fanny Eisl. Eine erlebnisreiche Idee: Das Pop-up-Dinner «Wood Food» vom 4. bis zum 27. September.

Laura, ihr seid keine gewöhnlichen Beizer. Du bist Absolventin der gastronomischen Uni in Pollenzo, Valentin ist Autodidakt, Fanny studiert Design. Wie habt ihr euch gefunden und was treibt euch an?

Laura: «Fanny und Vale arbeiten seit einer Weile zusammen. Als ValeFritz die Location angeboten wurde, hat er mich angefragt ob ich mit Ihnen ein Pop-Up Restaurant machen würde. Ich kenne Vale seit einer Weile, dies war aber das erste Projekt zusammen. Wir drei lieben die Gastronomie und Wood Food kombiniert alle unsere 3 Styles.» 

Bis die Gäste gesetzt werden, spielt ein Akkordeonist zum Apéro Bekanntes von Yann Tiersen. Dazu werden seltene, saftige Fleischwürfel gereicht: Flank-Steak von der 10-jährigen Milchkuh.

Das ist wohl kaum dieses legendäre spanische Txogitxu-Fleisch von Imanol Jaca?

Vale: «Diese Milchkuh kommt aus dem Toggenburg und wird in mehreren Bearbeitungsschritten zubereitet. Das Flank ist ein hierzulande unterschätztes Stück, welches sich durch viel Geschmack und guten Biss auszeichnet – nicht zu viel und nicht zu wenig… Wir servieren es mit Selleriegrünsalz; dieses erinnert mich an Heu und kräuterige Naturaromen, welche sehr gut zu Kuhfleisch passen.»

Passend zum Thema und entschlossen kräftig die Cocktail-Kreationen: «Valley Fizz» (Gin, Rosmarin, Grapefruit, Limette, Soda) oder «Peach Smash» (Bourbon, geräucherter Pfirsich, Zitrone, Pfefferminz).

Ihr liebt es gerne verspielt und unkonventionell. Die Herkunft bester regionaler und saisonaler Zutaten ist euch wichtig. Und eine frische, aufrichtige, schnörkellose Zubereitung der Speisen.

Könnt ihr euch vorstellen, dauerhaft eine eigene Beiz nach diesen Kriterien zu führen?

Laura: «JA EHHHHH»

Vale: «Ja, das kann ich mir vorstellen. Wenn man mit hochwertigen Produkten arbeitet, muss man dies nicht verstecken. Es ist naheliegend diese schnörkellos zuzubereiten.»

Die Gäste sitzen an zwei langen Tischreihen. Eine MDF-Platte nach der anderen auf Malerböcken. Das Dämmerungslicht scheint durch das Scheddach.

Danach kommt es von klaren Oversize-Glühbirnen, die von langen Baumästen die über den Tischen hängen, baumeln. Schlicht und zweckmässig und gleichwohl stimmig und charmant in dieser alten Gewerbehalle, die einst Stallung war, Zuletzt als Taxizentrale diente und für diese Zwischennutzung angemietet wurde.

Ihr seid jeden Abend ausgebucht. 80 Gäste, drei Wochen lang. Wie wird eure körperliche Verfassung danach sein? Und die finanzielle? Und eure Gemütslage?

Laura: «Körperlich: Euphorisch, getränkt von der Energie und Feedback der Gäste und dankbar, dass unsere Arbeit anerkennt wird. Finanziell: Wir bezahlen allen sehr faire Löhne, kaufen gute Produkte und solange wir jeden Abend ausgebucht sind wird sich dies finanziell auch lohnen. »

Zum Auftakt gibt es Holzofenbrot (nicht selbst gebacken, aber von einem Bäcker, ders kann), geräucherte Entenbrust und Rohmilchbutter mit Aktivkohle.

Das mit der Aktivkohle müsst ihr bitte erklären, gibt’s da ausser der gräulichen Farbe der Butter einen gustatorischen Mehrwert?    

Vale: «Aktivkohle in dieser geringen Dosierung hat keinen Geschmack, vor allem auch, weil die Rohmilchbutter sehr lange gereift ist und einen käsig-dominanten Geschmack aufweist. Allerdings bin ich der Meinung, dass man auch visuell würzen sollte. Die Aktivkohle ist ein visuelles Symbol von unserem Projekt und Essen auch ein organoleptisches Erlebnis. Des Weiteren wirkt sich die Kohle positiv auf die Verdauung aus und hat eine Bindende Wirkung.»

Das Essen wird auf Platten serviert. Die Gäste am Tisch bedienen sich selbst oder gegenseitig. Ein gutes Schmiermittel für anregenden verbalen Austausch. Leider steigt der Geräuschpegel schnell auf Niveau Hüttengaudi. Zum Glück abgefedert durch ein aufgeschlossenes, entspanntes fancy Publikum. Das auch mal neugierig zur lodernden Küche schlendert und dort offen von Köchen und Service empfangen und besmalltalked wird.

Von meinem Tischnachbarn habe ich erfahren, dass du an der HSG Marketing studiert hast, Valentin. Betreibst du so etwas wie virale Gastronomie? Als quer eingestiegener Underground-Koch ohne klassische Ausbildung?

Vale: «Manchmal ist es ein Vorteil nicht eine klassische Kochausbildung genossen zu haben. Und sicherlich hat das Studium dazu beigetragen einige Dinge mit einem Breiteren Blickwinkel zu betrachten. Dennoch versuche ich grundsätzliche einfach gut zu kochen. Ich möchte auch nicht eins auf Underground oder viral oder sonst was machen, sondern vor allem kochen.»

Die verkohlte Süsskartoffelcrème zu den Salzkartoffeln in Schale hat eine super seidige Textur und eine feine Aromatik.

Der geräucherte Karpfen hat neben einem intensiven Geschmack eine saftige, ungewöhnlich fleischige Konsistenz. Fast ein Siedfleischsalat aus Fisch.

Geile Leder-Schürze trägst du, Vale. Schuhmacher, Bierbrauer oder Schlachter?

Vale: «Ich habe da eigentlich mehr an Schmied gedacht… Mir gefällt die Schürze sehr, obwohl sie ziemlich schwer ist. Ich kann aber jedem, der am Feuer arbeitet, eine massivere Schürze empfehlen …»

Es folgen richtig knackige, richtig gute Buschbohnen mit Parmesan und Granatapfel. Tolle Kombi. Und kühn: Als eigenständiger gang serviert! Eine schöne Genugtuung, eine schallende Ohrfeige für all die traurigen, mit Speck umwickelten Bohnenbündchen, die anderswo am Tellerrand eine langweilige Statistenrolle besetzen. Bravo, eines meiner liebsten Gerichte an diesem Abend.

Man geht raus eine rauchen. Ashes to ashes und Rauch zu Rauch. Man ahnt ja nicht, dass man eine Grubenlampe hätte mitbringen sollen. Zurück in der Halle sieht man kaum noch die Hand vor dem Gesicht, so dick hängen die Rauchschwaden im Raum.

Die kommen von der Arvenwurst auf dem Grill. Die vielleicht beste Wurst bisher. Serviert mit grünen Linsen. Wir sind so frech und schnorren nach einer Zugabe – und bekommen tatsächlich eine weitere Wurst als Supplément.

Sie kommt aus Patrick Marxers Manufaktur «Das Pure». Das würzige Geheimnis: Der Weisswein, bekommt eine intensive Arvenholz-Infusion, bevor er der dem Brät beigemischt wird.

Hand hoch, wer von euch drei hat schon dort gearbeitet? Was ist das Wichtigste, das ihr von dort mitgenommen habt?

Laura: «Ich habe ein Jahr bei DAS PURE gearbeitet. Dort habe ich gelernt, dass wir Fleisch oder Fisch einfach Fleisch sein lassen sollen, ohne Nitrit, Zusätze etc. Die Wurst ist ECHT und Konsumenten sind erstaunt wie gut es schmeckt. Back to the Basic!» 

Nach den Eierschwämmli mit Sommertrüffel und Beeren folgt ein grilliertes Lammherz mit Bergamotte und Birnel.

Das habt ihr ins Menü genommen, weil das alle gern haben, gell?

Vale: «Ich finde, man sollte alles von einem Tier essen. Also auch die Innereien, welche ich persönlich kulinarisch sehr schätze. Also war für mich auch klar, dass Innereien einen Teil des Menüs sein werden. Lamminnereien sind wiederum gute „Einsteiger“-Innereien, da sie sehr fein im Geschmack sind. Die Konsistenz von Herz mag ich ebenfalls und erinnert ja schon fast an „normales“ Fleisch.»

Laura: «Wir wollen unsere Gäste überraschen, auf eine Enddeckungsreise nehmen und vielleicht auch ein bisschen verführen.»

Mir hat es gut geschmeckt und mich noch mehr begeistert. Ich habe schon selbst Lammhirn zubereitet aber noch nie irgendwo Lammherz serviert bekommen. Bravo Nummer zwei!

Und gleich noch ein drittes Bravo für die extrem geschmacksintensive, fantastisch viskose, leicht säuerlich abgeschmeckte Artischocken-Crème als Begleitung!

Als letzter Gang vor dem Käse mit Früchtebrot und dem Dessert (die beide das Schlussfeuerwerk leider nicht wirklich zünden konnten) gefiel ein knackig sautierter Fenchel mit Lavendelbutter und kaltgeräuchertem Perlhuhn.

Heute ist der letzte Wood Food Abend. Ich wünsche euch einen feierlich-glühenden Abschluss! Was plant ihr als Nächstes?

Laura: «Wir fahren mit dem ganzen Wood Food Team nach Schaffhausen um genüsslich zu saufen und zu fressen im Restaurant D’Chuchi

Danke für die ergänzenden Bilder: 
Lukas Lienhard 
Nick Lobeck 



Achtung, fertig, Lesung!

Augen auf, Ohren spitzen, Papillen wecken: Wir kochen «Italien vegetarisch».

Der allerbeste Carlo auf der Welt hat mich eingeladen, mein neues Buch in seinem einzigartigen Restaurant Cucina e Libri zu präsentieren.

Selbstverständlich kochen wir gemeinsam ein passendes Menü mit Rezepten aus dem Buch. Das Ganze läuft innerhalb des Buchfestivals Zürich liest. Reservationen werden ab sofort von Carlo unter cucinalibri@bluewin.ch oder 044 383 21 39 entgegen genommen.

Datum & Zeit: 24. Oktober 2014 | 19.00 – 23.00 Uhr (Ausverkauft!)
Eintritt: CHF 100.00 (inkl. Begrüssungscocktail und Fünfgangmenü)

Ganz besonders freue ich mich, dass meine Herausgeberin Katharina Seiser mit dabei sein wird.

[Edit 19. September]: Supplément! Wir machen eine zweite kulinarische Lesung.

Datum & Zeit: 27. November 2014 | 19.00 – 23.00 Uhr (Ausverkauft!)
Eintritt: CHF 100.00 (inkl. Begrüssungscocktail und Fünfgangmenü)

Reservationen nimmt Carlo unter cucinalibri@bluewin.ch oder 044 383 21 39 gerne entgegen.


Die essenzielle Nudel.

Eine wie keine: Exzeptionelle Pasta mit Gerste aus Abruzzo.

Kürzlich war ich in Sulmona und was sehe ich da im Soldo di Cacio, dem Laden der Locanda da Gino?

Diese wunderbare Box mit der höchst hochwertigen Pasta Ma’kaira aus abruzzesischem Weizen und Gerstengraupe. Hergestellt im Casino di Caprafico, wo auch die Linsen produziert werden, über die ich hier schon geschrieben habe.

Die Qualität dieser Pasta ist aussergewöhnlich. Wie auch der Preis, zugegeben. Dafür schmeckt sie aber auch wie keine andere. Körnig. Mit dem leichten Strohduft von reifem Weizen. Und im Gegensatz zur schlichten Verpackung gibt sie sich beim Kochen extrem geschwollen und vollmundig. Eine so raue Oberfläche sieht man selten, selbst bei anderen hochwertigen Nudeln, die durch Bronzeformen gepresst werden. Und die schreit förmlich nach der Verbindung mit einer Sauce.

Allerdings sollte man sich da zurückhalten und das feine Aroma der Pasta nicht mit brachialen Saucen erschlagen. Man geniesst sie erst mal am besten nur mit etwas Olivenöl und geriebenem Käse. So wird man sich am besten bewusst, in welcher Liga diese Pasta spielt (und leider auch, in welcher die Supermarktpasta spielt, die man sonst so verdrückt und die man immer für recht okay gehalten hat).

Jetzt, wo es reife Gartentomaten im Überfluss gibt, vermählt sich aber auch ein schlichter Sugo al pomodoro sehr gut mit den leicht kantigen Chitarra-Spaghetti. Die Zubereitung erfordert allerdings ein wenig Aufwand. Was sich durch einen intensiven, fruchtig-süssen Geschmack längstens rechtfertigt.

Die vollreifen Tomaten waschen und den Strunk herausschneiden. Dann die Tomaten, und nur die Tomaten, ohne nichts anderes, vierteln und eine gute Stunde in einem hohen Topf zugedeckt einkochen, bis sie zerfallen. Danach durch die Passiermühle drehen.

In der Zwischenzeit konfieren wir im Backofen ein paar schöne Datterini-Tomaten: Längs in die Hälfte schneiden und mit der Schnittfläche nach oben auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. Salzen, pfeffern und mit Staubzucker überpudern.

Mit Olivenöl beträufeln und 1 Stunde bei 140 Grad Umluft konfieren. 10 Minuten vor Ende fein geschnittenen Knoblauch und ein paar Zweige frischen Thymian dazugeben. Dann in einem Teller bereitstellen. Und dabei vor allem jeden Tropfen vom hocharomatischen Öl auffangen.

Die passierten Tomaten, die noch sehr viel Wasser aufweisen, müssen jetzt nochmals offen eingeköchelt werden, bis nur noch dicke Tomaten-Polpa – eigedicktes Fruchtfleisch – übrig ist.

Erst jetzt setzen wir den Sugo an: Eine kleingewürfelte Zwiebel (am besten eine süsse Tropeazwiebel) in reichlich Olivenöl schwimmen lassen und bei mittlerer Hitze geduldig weichschmoren. Dann die Tomaten-Polpa dazugeben und zugedeckt 20 Minuten einköcheln. Gut salzen, pfeffern und mit frisch gezupftem Basilikum aromatisieren.

Die Pasta in reichlich Salzwasser al dente – wirklich sehr bissfest – kochen. Für perfekte Spaghetti al pomodoro muss die Pasta in der Tomatensauce fertig gegart werden. Nur wenn sie in der Sauce geschwenkt werden, saugen sich die Spaghetti mit dem aromatischen Sugo voll, der sich noch so gerne an die Nudel schmiegt.

Dazu in einer grossen Schwenkpfanne (beschichtet oder auch nicht) ein paar Löffel Sugo und einige konfierte Datterini-Tomaten erhitzen, die tropfnassen Spaghetti aus dem Kochwasser hineinheben und gut durchschwenken. Schrittweise mehr Sugo dazugeben und bei mittlerer Hitze 1 bis 2 Minuten amalgamieren.

Anrichten, mit weiterem Sugo nappieren, die konfierten dazugeben und wenn man hat, ein paar Tropfen Basilikum-Öl von PPURA über den Teller träufeln.

Die Pasta schmeckt so reich, so vollmundig und die Tomaten so ausgewogen und komplex zugleich, dass man vermutlich jede Pasta al pomodoro die man sonstwie zubereitet oder sonstwo gegessen hat, getrost vergessen kann.

Zumindest für eine gewissen Zeit. Sagen wir, so lange, bis ihr selbst einmal solch einmalige Spaghetti zubereitet habt.


Etwas Warmes zum Herbstbeginn.

Bin wieder käuflich – und auch noch stolz drauf.

Diese Woche wird im Brandstätter Verlag fleissig verpackt und verschickt. Und ab nächster Woche treffen die ersten Exemplare bei den Buchhändlern in Österreich und Deutschland ein. In der Schweiz müssen wir uns leider bis zur zweiten Septemberwoche gedulden. Aus Gründen. Habt Dank für euer Verständnis! (Und geniesst die Vorfreude).

Allein die Herbstrezepte wollen sofort gekocht und gekostet werden: wie der süß-sauer marinierte Kürbis alla scapece, die eingelegten Auberginen, Dinkelsuppe, verheiratete Kartoffeln, Wiesenchampignon-Salat, Chitarra-Spaghetti mit Safran und Trüffel, Kürbis-Tortelli, gebackene Feigen oder Rotweinbirnen zum Dessert und Vieles mehr!

Ich habe meines bereits erhalten und kann euch verraten: Es ist wahnsinnig schön geworden! Hochwertig gebunden als Hardcover in Halbleinen. Und gleich mit drei Lesebändchen – als italienische Trikolore – naturalmente.

Schmiegt sich besonders gern an seine deutschen und österreichischen Geschwister.

IVEG-Serie_s

Augenfällig: Obwohl jedes Buch der Vegetarisch-Reihe einen eigenen Fotostil hat, ist die Bildsprache einheitlich. Liegt unter anderem auch an der prägenden Gestaltung von Miriam Strohbach.

IVEG Drei Layouts_s

Hier habe ich die wichtigsten Daten und Bestellmöglichkeiten aufgeführt.

Wir lesen uns!


Weniger Scharf, mehr Schmack

Bester schwarzer Pfeffer ever: Schwarzer Kampot-Pfeffer aus Kambodscha.

Meine Ma hat so einen total charmanten Italo-Akzent, wenn sie Schweizerdeutsch spricht. Eines meiner Lieblingsworte von ihr ist Schmack. Ihre Version von Geschmack. Einfach kürzer, verdichteter und schnalziger.

Klingt wunderbar knackig. Sprecht mir nach: “Die Tòmate ende riktig Schmack!” (Diese Tomaten schmecken wirklich gut!) 

In der pejorativen Anwendung kann damit sogar noch mehr Druck abgelassen werden. Sprecht mir nach: “Die Tòmate ende ga kai Schmack!” (Diese Tomaten schmecken nach gar nichts!)

Schwarzer Kampot-Pfeffer hat, das könnt ihr mir glauben, definitiv Schmack. Nachteil: Einmal gekostet, will man nie mehr was anderes.

Gewöhnlicher schwarzer Pfeffer vom Supermarkt verwende ich schon lange nicht mehr. Riecht für mich wie Staub, der unter dem Küchenschrank zusammengekehrt wird. Dazu noch aufdringlich scharf. Aber auch mein bevorzugter Tellicherry-Pfeffer hat es schwer gegen die feinwürzigen floralen Noten und die warme, komplexe, nicht zu scharfe Aromatik von Kampot-Pfeffer.

Das Kölner Jungunternehmen Hennes’ Finest hat mir ein Glas von diesem biologisch angebauten, fair gehandelten und handverlesenen Pfeffer zum Test geschickt. Auf der Website werden die erlesenen Produkte, Anbaubedingungen und Farmer ausführlich beschrieben.

Die speziell gefertigte, schlichte Pfeffermühle aus Schweizer Buchenholz sorgt mit einem ebenfalls in der Schweiz hergestellten Präzisions-Mahlwerk für die perfekte Zerkleinerung und Dosierung des Pfeffers. Schon der erste Dreh ist die reine Freude. Und der ätherische Duft, der sich unmittelbar verbreitet, eine Erhellung.

Auch damit beweisen die Jungunternehmer reichlich Schmack.


Unwiderstehlich fette Brummer

Meine Cousine Cathia hatte einst einen Kater. Als Haustier, nicht als Befindlichkeit. Mauz war sein Name. Und Oliven sein Kick. Grüne Oliven genauer gesagt. Wann immer er eine verabreicht bekam, drehte er katzenkulinarisch im roten Bereich. Er mochte grüne Oliven so verdammt gerne, dass er jedes Mal beinahe ausflippte (unkontrolliertes Umherrennen, ostentatives Betteln, permanentes Miauen) und vermutlich ein ganzes Glas davon hätte verputzen können.

Ich konnte Mauz ganz gut verstehen. Mir geht es genauso. Grüne Oliven sind auch meine Droge. Mehr noch als schwarze. Aber es müssen die richtigen sein. Denn 99% der grünen Oliven, die man so kaufen kann oder zum Aperitif aufgetischt bekommt, sind jedes Mal eine Enttäuschung. Sie sind zu hart, zu bitter, zu salzig und geschmacklich verfälscht. Sie haben diesen metallischen Fehlton, der vermutlich von der Natronlauge und anderen Chemikalien kommt, mit denen sie behandelt werden. Sie schmecken dann so überhaupt nicht pflanzlich, süsslich gereift und grünlich-grasig, wie eine perfekte grüne Olive schmecken sollte.

Ich wache nachts mit Heisshunger auf grüne Oliven auf. Ungelogen. Oder wenn ich Sport mache und mich lange quäle, dann sehne ich mich nicht, wie vielleicht andere, nach einem kühlen Getränk oder einer entspannenden Dusche sondern: Nach einem Bottich voller in Salzlake schwimmender grüner Oliven, wie sie auf italienischen Märkten angeboten werden. Ist so.

Oliven sind übrigens alle grün, bevor sie geerntet werden. Auch die schwarzen. Grüne werden unreif gepflückt und mit Salzlacke oder eben Natronlauge behandelt, bis sie geniessbar sind. Das Ziel ist, sie a) weich zu bekommen und ihnen b) die Bitterkeit auszuwaschen.

Für schwarze Oliven lässt man die grünen am Baum reifen, bis sie sich dunkel verfärben – in ein Dunkelgrün, Dunkelviolett oder fast Schwarz. Auch hier: Qualitativ mindere schwarzen Oliven werden zusätzlich mit Eisengluconat gefärbt.

Meine liebste Sorte grüne Oliven heisst Bella di Cerignola und kommt aus Apulien. Es gibt auch sehr gute Olive Ascolane oder Olive di Gaeta, aber keine ist so prall, fruchtig und weich wie eine Cerignola-Olive. Sie zu finden ist nicht leicht. Vor allem nicht in der richtigen, dickfleischigen Konsistenz, Süsse und dem genau richtigen Mass an Restbitternoten, die dem Geschmack Rückgrat verleiht.

In Italien kaufe ich immer so viel ich finden kann.

Es gibt unterschiedliche Produzenten und die preisliche und qualitative Spanne ist recht breit. Entscheidend für die Qualität ist die Lake, mit der die rohen Oliven entbittert und konserviert werden.

Im Idealfall ist die Lake so mild, dass Biss und Geschmack einen einzigartig ausbalancierten Genuss bieten. Handwerkliche, traditionelle Betriebe verwenden eine solche. Sie besteht nur aus Wasser und Salz. Dafür nimmt man in Kauf, dass der Prozess im Gegensatz zur Behandlung mit Natronlauge wie sie grössere, industrielle Hersteller einsetzen, um ein Vielfaches länger dauert. Ausserdem verfärbt sich die Olive in der natürlichen Salzlake dunkel und zuweilen etwas weniger appetitlich, als wenn sie mit chemischen Stabilisatoren grellgrün aufgemotzt wird.

Einer schönen Cerignola muss man gebührende Aufmerksamkeit einräumen. Bevor man sie geniesst, muss man sie aus der Salzlake schöpfen und etwa eine halbe Stunde wässern. Dann isst man sie zum Aperitivo. Zwischendurch oder zu Antipasti. Man sollte sie auf keinen Fall in irgendwelchen Gerichten verkochen. Das wäre schade. Sie schmeckt alleine für sich, ohne jegliche weitere Zubereitung, grossartig.

Und selbstverständlich immer nur mit Stein. Entsteinte Oliven sind für meinen Geschmack ohnehin ein Frevel. Man wird dem Spielvergnügen im Mund beraubt und dem sich veränderndem Geschmack, je näher man sich kauend dem Stein nähert. Entsteine und dann erst noch mit Paprika, Sardellen oder Mandeln gefüllte grüne Oliven soll essen wer will. Ich jedenfalls nicht. Blödsinn.

Ich vergnüge mich verträumt mit der Bella di Cerignola – den unwiderstehlich fetten Brummern aus Apulien.


So weit sind wir nun also.

Nouvin_s

Fundstück der Woche: Ein “Glas” Wein im PET-Becher.

Gab ja schon mal so was. Hatte ebenfalls den Sex-Appeal einer Stützstrumpfhose.

Aber vielleicht ist der Wein ja gar nicht zum Trinken gedacht. Sondern vielmehr zum Auslöffeln. Anstelle eines Frühstück-Jogurts. Na dann, Prost!


Sarah hat es wirklich getan.

Viele sitzen tagsüber da und denken sich: Scheissjob, Scheissjob, Scheissjob.

Ich weiss das. Jede Woche kommt jemand auf mich zu, der unzufrieden mit seiner Arbeit ist und zu mir sagt: «Ich würde viel lieber etwas mit Food machen. Mit meinen Händen arbeiten. Etwas Geniessbares produzieren. Gäste mit gutem Essen glücklich machen.»

Sarah Krobath war erfolgreiche Werbetexterin in einer führenden Wiener Werbeagentur. Auch Sie hatte ihre Gründe, als sie ihren Traumjob schmiss.

Sie beginnt ein Praktikum bei den jungen wilden Schweizer Käsemachern von Jumi. Und schon nach der ersten Woche wird Sie nach London geschickt, um die innovativen Käsespezialitäten auf dem Markt und Spitzenköchen zu verkaufen.

Nach dem Praktikum hängte sie gleich noch ein Studium der Universität der Gastronomischen Wissenschaften im Piemont an.

Was sie dabei alles gelernt hat und vor allem, wie sie diese abrupte Kehrtwende in ihrer Karriere erlebt hat, erzählt sie in ihrem eBook mit dem erfrischenden Titel Who the f*** is Heidi?

Dringende Leseempfehlung! Nicht nur an alle Sesselkleber da draussen. Auch allen, denen Geschmack und Genuss etwas bedeutet.

Letzten Samstag präsentierte Sarah ihr Buch am Ort des Geschehens, beim Jumi-Sommerfest im Emmental. Neben Käse gab es auch wahnsinnig gute Fleischerzeugnisse von Jumi zu kosten. Und natürlich selbstgemachte Züpfe!

Dominik Flammer, der das Gespräch führte, veröffentlicht übrigens im Herbst die Enzyklopädie der alpinen Delikatessen: Das kulinarische Erbe der Alpen.

Leseempfehlung Nummer zwei!


Mieses BBQ-Wetter? Grosser Trost.

Selbst wenn ich ganz scharf nachdenke: Nein. Es fällt mir niemand ein, der sich nicht sofort nach dem ersten Bissen in meinen Lamm-Steak-Salad verlieben würde.

Hier gehts zum Rezept.


Alles passt, es muss Sommer sein.

Es gibt genau ein Mal im Jahr die Möglichkeit, die Kirschen von unserem gebrechlichen Kirschbaum zu pflücken. Wenn uns die Junisonne über Tage mit voller Kraft von heute auf morgen in den Sommer katapultiert.

Dann muss man sie nehmen. Bevor der Regen kommt und die pralle Frucht verletzt und faulen lässt. Dann sind alle gefragt, die pflücken können – oder willens sind.

Und will man das Glück perfekt machen, bäckt man damit schleunigst den besten Kirschpfannkuchen, den man hinbekommen kann.

An so einem perfekten, heissen Frühsommertag, will man ein rauschendes Festmahl im Freien feiern. Also bäckt man gleich weiter. Und ist glücklich, dass die Focaccia dank dem lievito madre, der eigenen Mutterhefe, die man hegt und pflegt, so luftig und knusprig glückt.

Zur Vorspeise einen meiner liebsten Sommersalate. Mit Cannellini-Bohnen, Sellerie und leicht bitterem Ciccorino rosso.

Angemacht mit einem fantastischen Olivenöl, das ich neu entdeckt habe: L’Olio Tenero aus den Marken. Kalt gepresst aus der Monovarietät Tenera Ascolana. (Die Olivensorte, mit denen die berühmten gefüllten Olive all’ Ascolana zubereitet werden). Mehrfach ausgezeichnet. Mild und gleichzeitig intensiv fruchtig mit Noten von grünen Tomaten und Kräutern.

Das Öl kann übrigens auch im Kontor meines lieben Bloggerkollegen Mike bezogen werden.

L'olio tenero_s

Und weil es so heiss ist, und man aber trotzdem das Essen mit einem passenden Wein begleiten möchte, aber bitte keinen so schweren, kommen die Schaller vom See genau richtig.

Das hingebungsvolle Winzerpaar aus Podersdorf produziert gleich drei neue, besonders leichte Weine.

Zum Antipasto mit handwerklich hergestelltem neapoletanischem Affettato – Salsiccia piccante, geräucherte Salami tipo napoletano und eine zartwürzige Pancetta – gesellt sich der prickelnde Rosé secco aus Cabernet Sauvignon und Zweigelt und macht richtig gute Laune.

Collage Antipasto

Zu der ultradünnen, ebenfalls neuen Pasta extra fine von Lieblings-Pastamacher und amico Cemal kommt die Cuvée weiß sehr, sehr gut. Fruchtbetont, knackig und sehr erfrischend.

Die dünnen und sehr feinen Maccheroncini, wie sie im Ursprungsort Campofilone genannt werden, sind mit sizilianischer Zitrone verfeinert – schlicht genial. Sie sind schon in 2 Minuten al dente und man könnte sie ohne weiteres einfach mit Butter geniessen.

Natürlich passen dazu auch Meeresfrüchte oder Fisch hervorragend. Ich habe dazu frische Scampi mit Zucchinistiften kombiniert. Mit einer Sauce aus den gerösteten Krustentierschalen, mit Weisswein deglaciert und mit wenig Butter gebunden.

Man kann das Meeresrauschen hören!

PPURA pasta extra fine_s

Zum Hauptgang dann Medaillons vom Lammrücken in der Pfefferkruste. Eine einfache Parmigiana di melanzane dazu und ein Kräuterpesto mit dem Olio Tenero.

Lamm Medaillon_s

Dazu die Cuvée rot und die Freude wird richtig gross. Mit schmalbrüstigen 11,5 % vol. holt dieser Wein ganz schön tief Atem. Zweigelt und Sankt Laurent mit viel Struktur, viel Frucht, viel Beeren und dabei so leicht wie eine Sommerbrise. Davon kann man nicht genug bekommen.

Collage Rotwein

Man könnte tanzen vor Freude.

Schaller Etikette rot_s

Doch dann kommt das Dessert. Also lässt man die Geschmacksknospen weiter tanzen und geniesst zum Schluss den saftigen Kirschpfannkuchen mit den nur wenige Stunden zuvor geernteten Kirschen.

Vielleicht ist das alles so einmalig gut, gerade weil man es nicht jeden Tag hat. Aber von mir aus könnte der Sommer das ganze Jahr über bleiben.



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