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Sind sie nicht suess?

Kinder, Kinder – da hätten die Italiener jede Menge Probleme zu lösen.

Aber nein, sie suchen lieber Wege und Mittel, um möglichst wenig selber zu bewältigen: Zum Beispiel das schweisstreibende Öffnen von Zuckertütchen.

Dazu wurde ein kurioser Apparat mit einem kurligen Schlitz entwickelt: Darin verbirgt sich ein rotierendes Messer (kennt man aus Indiana Jones).

Hält man das Zuckertütchen in den «Era Sugar Service», wird es „guillotiniert“. Hurra! Es fliesst kein Schweiss und erst recht kein Blut.

Dafür rieselt beim Herausziehen jeweils etwas Zucker herunter, weshalb die Theke mit der Zeit schön klebrig wird.

Zwei Tage nach meiner Entdeckung in der Bar war das Gerät übrigens defekt. Jemanden finden, der es repariert? Ha! Sie Spassvogel.


Merci fuer die Postkarte, Sylvia.

Hab in den Ferien auch ein paar ausgebleichte «Echtfotopostkarten» gefunden.

Musste mich allerdings erst durch schlimmen Neuzeit-Trash wühlen, bis ich in der vierten «Tabaccheria» endlich auf Seventies-Trouvaillen stiess.

Weisst du, was ich bemerkenswert finde? Diese Landbeizen. Die wurden wirklich besucht! Ich meine von Gästen, nicht von Rach oder Bumann.

Da packte Papa die Familie am Sonntag in seine knallbunte Blechbüchse mit Chromradkappen und jagte (okay, schlich) den Pass (okay, die Pässe) hoch zum Landgasthof. Und wer sich dank den vielen Kurven übergeben konnte, war sogar richtig hungrig.

Den Wagen parkte man praktisch unter den Tisch. Logisch, gab ja noch keine reservierten Nahzone-Parkplätze für blauäugige, MBT-tragende, vom Mann mit Migrationshintergrund getrennt lebende Frauen mit Schleudertrauma.

Im Freien durfte man auf richtigen, pastellfarbigen Gartenmöbeln sitzen, nicht auf Scheiss-Monoblocks. Und obwohl das Innen-Dekor aussah wie von der Brockenstube, war alles strahlend neu und rausgeputzt.

Es roch nicht irgendwie komisch sondern nach Ammoniak, PVC oder Bratfett.

Die Wirte hatten auch alle denselben Riecher: Dank Mobilitätsboom war sogar im hintersten Kracher mit einem Gastrobetrieb gut Geld zu machen.

Das dachten auch die Werber und pflasterten die Hütte von unten bis oben voll.

Der Glaube an eine florierende Zukunft versetzte Berge. Und zwar direkt in die Köpfe der Gäste: Alpin wurde in. Irgendwo hinaufzukraxeln war anscheinend gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Aufstieg.

Das Essen, das darf man glaub ich behaupten, war wie man es sich heute gerne schönredet: lokale Produkte – regionale Rezepte. Und die Getränke waren nicht teurer als das Essen.

Hach, ich würde mich gerne für einen Tag wieder wie ein kleiner Junge fühlen. Wohin könnten wir zusammen so einen schnuckeligen Ausflug unternehmen?


Stange und Espresso, bitte.

Anscheinend unvorstellbar inkompatibel: Zeitgleich Bier und Espresso trinken.

Mir fällt das schon gar nicht mehr auf. Aber mein Freund Sardenny hat mich letzthin darauf aufmerksam gemacht: «Hey, ich hab das jetzt auch mal probiert! Das mit der Stange und einen Espresso dazu. Du trinkst das doch immer? Funktioniert voll, hammer Durstlöscher!»

Sag ich doch. Wenn es so richtig hot in the City ist, man zum Beispiel total auf dem Shopping-Hund ist, einen Koffeinflash zum regenerieren braucht und gleichzeitig nahe am dehydrieren ist, gibt es nichts besseres.

Da ist einmal dieses majestätische Bild vom eiskalten Bier mit Schaumkrone in einem beschlagenen Glas – unschlagbar, kein Kerl mit trockener Kehle kann da widerstehen.

Aber bei 34 Grad im Schatten im Sturz runtergekippt, ist die Wirkung auf den Bewegungsapparat so verheerend wie eine Blutgrätsche von einem Chilenischen Verteidiger.

Espresso macht müde Beine munter. Aber bei Sommerhitze auch eine Zunge wie ein Bärenfell. Deshalb serviert ja auch jeder halbwegs humanitär veranlagte Barista ungefragt ein Eiswasser dazu. Ganz okay, aber eben nur Wasser. Und somit zu dünn. Ein Bier muss her.

Der perfekte Ablauf für «Stange/Espresso» sieht das Eintreffen beider Getränke zur gleichen Zeit vor: Der Espresso dick und heiss. Das Bier kühl und schaumig. Davon nimmt man erst Mal einen kräftigen Schluck.

Dann kann man sich Zeit nehmen, um den Espresso reichlich zu zuckern und ihn genüsslich umzurühren. Zucker ist wichtig, wir brauchen bei der Affenhitze leichten Treibstoff, um die Blut-Hirn-Schranke mit vollem Karacho zu durchbrechen!

Das ideale Schluckverhältnis der beiden Getränke liegt dann abwechselnd bei etwa 3:3 Espressonippern zu Bierschlucken. Die Rausch-Aufputsch-Balance hält sich ziemlich die Waage.

Wackliger hingegen ist das Bestellen der Combo. Das Personal rafft in der Regel nicht, was man will. Eine Bestellung zu zweit spielt sich meistens so ab:

– Eine Stange und einen Espresso, bitte.
– Stange und Espresso, kommt sofort.
– Moment! Für mich ein Bitter Lemon.
– Aha, Stange und Bitter Lemon. Kommt sofort.
– Und einen Espresso.
– Wie jetzt, Bitter Lemon und Espresso?
– Nein, Stange und Espresso.
– Also doch kein Bitter Lemon?
– Doch für mich!
– Und was bestellen Sie?
– Eine Stange und einen Espresso.
– Ach so, kommt noch jemand.
– Nein.
– Dann ist beides für Sie? Stange und Espresso?
– Ja.
– Okay, zuerst den Espresso oder die Stange?
– Beides gleichzeitig bitte!
– Stange mit Espresso und Bitter Lemon?!?
– Genau.
– Also Stange, Espresso, Bitter Lemon. Für sie zwei. Gleichzeitig. Kommt sofort.

Nebenbei und als bierlose Alternative sei an dieser Stelle wieder einmal die Koffeinpeitsche in Erinnerung gerufen.

Schwierig, ja praktisch unlösbar halte ich hingegen das Wein-/Espressodilemma nach einem mehrgängigen Menu.

Zum einen möchte man ja zum Dessert ungern auf den Espresso verzichten, und vielleicht braucht man ihn auch, weil man schon etwas dösig ist.

Zum anderen möchte man doch aber unbedingt noch bei diesem schönen Rotwein bleiben und damit die interessanten Tischgespräche möglichst lange nähren.

Unlösbar, sag ich doch.


Und der Tag ist gerettet

Über mieses Wetter schimpfen ist grauslich. Trinken wir es lieber schön.

Wer sofort Sommer auf den Tisch will, bekommt das mit diesen vorzüglichen Weinen von Torrevento locker auf die Reihe.

Francesco Liantonio präsentierte das Weingut seiner Familie aus der apulischen Alta Murgia im Restaurant «Heimelig» von Carlo Bernasconi in Zürich.

Neben Wein produziert Torrevento auch Olivenöl und die exklusive, langsam mit viel Handarbeit hergestellte Pasta «Altigrani» aus eigenem Weizen. Leider geht die Super-Pasta jedoch fast ausschliesslich an ausgesuchte Kunden und Restaurants.

Ausserdem gibt es noch den Agriturismo, das Hotel, ein vegetarisches Restaurant, den nahen Strand, 120 Pferde zum ausreiten oder ein UNESCO Weltkulturerbe zu erklimmen; eine im 13. Jahrhundert von Friedrich II erbaute Burg.

Nur falls jemand Argumente braucht, das nächste Ferienfähnchen in diese Destination zu stecken.

Torrevento aber ist nicht nur ein innovatives, engagiertes und umweltbewusstes Unternehmen, es ist auch noch unglaublich fair in der Preisgestaltung seiner Spitzenweine. Das Flagschiff, den Vigna Pedale Castel del Monte (ein reiner uva di Troia, ausgezeichnet mit tre bicchieri) gibt es für einen barmherzigen Batzen – in der Schweiz bei Archetti Weine.

Eine Neuheit ist der prickelnde Weisse mit der ondulierten Etikette, der auf den hübschen Namen Mare Mosso (bewegte See) hört. Er spült einen gedanklich im Nu auf eine lauschige Veranda mit Blick aufs Meer.

Von irgendwas Schönem müssen wir schliesslich träumen, nicht?

Spätestens sieben Weine später und mit der Begleitung von Carlo‘s delikatem Menu fällt das umso leichter: Hausgemachte Focaccia, lauwarmes Gemüse auf einem gemischten Salat, handgemachte – und wie es sich gehört – unförmige Ravioli gefüllt mit Ragù vom Ochsenschwanz, zartem Rindsfilet und einer schönen Mousse al cioccolato.

Bravo Carlo, grazie Francesco!

(Fotos 1, 2, 3: ROPO/MuA)


Wahre Freudschaft

Wurst und Brot. Zwei wahre Freunde. Freunde, die man zum Fressen gern hat.

Zugegeben, damit geht man mehr durch dick als durch dünn, aber gerade der Sommer schreit sowohl nach Grillwurst wie auch nach Sandwich. Am besten also, man kombiniert beides.

Natürlich ist es nicht wurst ist, welche Wurst man isst. Nur die beste sollte einem gut genug sein. Wie zum Beispiel diese klassische sizilianische Salsiccia al Finocchio, welcher Metzgermeister Pippo mit etwas Peperoncino Feuer in den Hintern geblasen hat.

Als letzte Ruhestätte, auf die sich die scharf angegrillte Salsiccia betten darf, empfehle ich eingelegte Peperoni. Italienische, versteht sich. Nicht diese Mini-Chemiemülldeponien aus Spanien oder Holland.

Die Haut der Peperoni sollte entfernt werden. Aber nicht, wie hie und da empfohlen, mit der mörderischen Methode (im Plastiksack ersticken). Sondern ganz simpel: Peperoni ganz im Ofen rösten (Grillfunktion, 240 Grad, sobald eine Seite schwarz wird wenden), danach einfach auskühlen lassen.

Daraufhin sacken sie bildlich in sich zusammen, die Haut beginnt sich alleine vom Fleisch zu lösen und kann nunmehr leicht abgezogen werden.

Erst jetzt in Streifen schneiden, salzen, pfeffern und in bestem Olivenöl ertränken. Ein paar zerdrückte Knoblauchzehen gesellen sich liebend gerne dazu.

So eingelegte Peperoni halten sich gerne ein paar Tage als Vorrat, denn sie machen sich nicht nur auf einem Antipasto-Teller mit Salami und Prosciutto beliebt, sondern auch als Begleitung zu Grilladen oder würzigem Käse.

Die Schnittfläche des Brötchens, der Focaccia, Ciabatta oder was immer das Ding zusammenhalten soll, muss ebenfalls im Ofen angetoastet werden. So weicht es weniger schnell durch, wenn es belegt wird.

Und dann heisst es: Kiefer ausrenken, Finger lecken, an der Bierflasche nuckeln!


Erhellung zu Pfingsten

Etwas Schöneres als knusprigfrisches, selbst zubereitetes Brot an Pfingstmontag? Weiss nicht, Frieden auf Erden?

Ach, es gibt Geschichten, die sich seit zweitausend Jahren halten, weil Menschen nicht müde werden, sie immer wieder von neuem weiter zu zwitschern – und das ganz ohne angesagte Kommunikationsmittel.

Und dann gibt es andere die von einem kleinen Wunder handeln. Die ihre Reise vor vier Jahren durch die Food-Blogs gestartet haben (was für dieses Medium eine halbe Ewigkeit ist) und demnach eigentlich schon so etwas wie tot sein müssten.

Das wäre jedoch mehr als jammerschade. Deshalb muss wieder mal jemand zur Posaune greifen und engelsgleich verkünden: Das No Knead Bread ist das beste Brot, das jeder zuhause selber backen kann!

Alles was man sehen muss, wird in diesem Video gezeigt. Alles, was man darüber lesen muss, hat Katha von esskultur.at in ihrer akribischen Art und Weise in vier Teilen zusammengetragen (inklusive Zeitplan als PDF). Danke an dieser Stelle.

Genau genommen ist die Geschichte ja überhaupt nicht neu. Mehr neu erzählt. Denn waren nicht schon die Ägypter die Weltmeister im Brotbacken? Und das vor über 5000 Jahren? Es gibt doch auch diesen Song von den Armreif-Bäckerinnen «Bake like an Egyptian» oder so ähnlich.

Und wie die aktuelle ZEIT-Beilage «MAHLZEIT – richtig essen, erster Teil», Vermutungen bestätigt, soll es ja auch immer mehr Menschen geben, die endlich, endlich wieder auf den echten Geschmack von einfachen Lebensmitteln zurückkommen. Na wer sagts denn.

Im Interview zum Thema Brot zum Beispiel, antwortet Rainer Hensen auf die Frage, was ist drin im guten Brot? «Was ist nicht drin, muss die Frage heissen.» – Ich bin vor Freude an die Decke gesprungen.

In meinem erstgebackenem No knead Bread hatte es 425 g Halbweissmehl, 1 g Trockenhefe, 325 ml Wasser und 10 g Meersalz – und das Resultat mehr als in sich!

Mysteriöse Dinge spielen sich unter dem Deckel der altehrwürdigen, gusseisernen Dru 18-Cocotte ab.

Zutaten zusammenrühren (nicht kneten) 18 Stunden gehen lassen, Teig falten, 2 Stunden ruhen lassen und dann in einer brandheissen Cocotte bei 280 Grad 30 Minuten backen. Deckel entfernen und bei 250 Grad weitere 15 Minuten backen.

Es ist ohne Zweifel das beste Brot, das ich je gebacken habe. Und bei weitem eines der besten, das ich in meinem Umkreis bekommen kann.

Katha fragt sich, zu Recht, ob es nicht einen besseren, deutschen, Namen für das No knead Bread gibt. Ich nenne es ab jetzt schlicht Hausbrot.

Denn so und nicht anders sollte ein gutes, einfaches Hausbrot schmecken. Und weil ja auch nichts Kompliziertes dabei ist. Wie in «Hauskatze» oder «Hausschuhe». Sogar die Gefahr, dass dieser Hefeteig wie eine Mieze rumzickt und dann schmeckt wie ein warmer Hausschuh ist gleich Null.

Knetet nimmer und werdet glücklich.

Es ist vollbracht! Nach dem ersten Mal wird man es kaum glauben können.


Semiprofessionelles Semifreddo

Hand hoch, wer hat noch nie ein Parfait hergestellt?

Na schön, dann waren wir ja bis vor kurzem zu zweit. Wer seine Unschuld verlieren möchte: Jetzt wäre eine Parade-Gelegenheit, mit einer Premiere die perfekte Begleitung für Erdbeeren zu kreieren.

Mich hat neulich Magdi mit ihrem Semifreddo verführt. Ich habe es praktisch identisch kopiert, mit Ausnahme der Butterzugabe. Die habe ich weggelassen.

Stattdessen habe ich mich an das Basisrezept vom Grossen Lafer gehalten. Dort wird statt der Butter Eischnee von 3 Eiern mit 250 ml geschlagener Sahne unter die Ei-Zucker-Vanille-Masse gehoben.

Zum Schluss dann einfach den mit Zucker eingekochten, pürierten Rhabarber (oder jedes andere beliebige Früchtepüree) unterrühren.

Das Buch entpuppt sich ohnehin als wertvoller Begleiter für sehr viele Basisrezepte mit sehr schönen Abwandlungen. Und es wartet mit Selbstverständlichkeiten auf, die man als Nichtprofi schlicht ignorieren würde: Erdbeeren für eine Sauce zu pürieren zum Beispiel.

Klingt banal, aber mich hätte es bis vor kurzem einfach gereut, so schöne Erdbeeren durch den Blender zu jodeln! Dabei ist die Sauce schlicht genial: 200 g Erdbeeren mit 50 g Zucker pürieren, durch ein Sieb streichen, fertig.

Und das Schöne am Semifreddo, Parfait oder von mir aus auch Halbgefrorene ist, dass man mit relativ wenig Zubereitungsaufwand lange von diesem Desserttraum zehren kann.

Wartet es doch geduldig im Tiefkühlfach, um allfällige Gelüste nach Süssem zu stillen. Aber nicht sofort; wie Magdi empfiehlt, eine halbe Stunde vor Servieren im Kühlschrank antauen lassen.


Erste Adresse in Hamburg

Wer träumt nicht davon, einmal ein eigenes, kleines Restaurant zu betreiben?

Klar, die mit einem gesunden Sinn für Realität sagen sich, träumen darf man doch. Den notorischen Träumern, befiehlt hoffentlich rechtzeitig jemand, träum weiter!

Und dann gibt es noch die wenigen Mutigen, die mit klarem Sachverstand und viel Herz ein Bijou realisieren, das man respektvoll mit einem Ausdruck umschreiben kann: Ein Traum.

Wie gesagt, ich war neulich zum ersten Mal in Hamburg. Und es gäbe dort weiss Gott genügend gastronomische Hot Spots, die man anlaufen könnte. Aber ich wusste genau, in welches Restaurant ich als allererstes gehen würde: Ins Trific.

Die Glasfront, die Einrichtung und das Ambiente könnten dazu verleiten, das Trific als Boutique-Restaurant zu bezeichnen.

Aber mit dieser gespreizten Marketingterminologie würde man dem Trific unrecht tun. Weil hier macht nicht irgendjemand auf irgendwas.

Hier stehen zwei, die bei sich selber angekommen sind, mit beiden Beinen im Leben. Oliver Trific am Herd und seine Frau Tanja im Service. Das war ihr Ziel und das ist ihre Mitte.

Ich bildete mir ein, Oliver ein wenig zu kennen, weil wir unsere Blogs gegenseitig gelesen, uns ein paar Kommentare und Mails getippt oder kurz auf Facebook gechattet hatten.

Und doch – es ist immer wieder faszinierend – die Haltung, die jemand an den Tag legt, nennen wir es Ehrlichkeit, kann man nicht faken.

Auch nicht gegenüber sich selbst. Nach Jahren als Koch in Sternelokalen und später als Foodstylist für renommierte Auftraggeber ist die Zeit reif, seiner Berufung ungeschminkt nachzugehen.

Diese Ehrlichkeit macht auch die Stimmung im Restaurant aus.

Von der schlanken Auswahl an marktfrischen Gerichten mit regionalem Bezug bis zur unversnobten Weinkarte.

Worum es den beiden grundsätzlich geht, bringen sie in diesem Interview mit dem gemeinsamen Freund Stevan Paul wunderbar auf den Punkt.

Für mich ist das Trific eines dieser seltenen Restaurants, bei denen es nicht darauf ankommt, was auf der Karte steht, sondern wie es auf den Teller kommt.

Ungekünstelt, aber handwerklich impeccable. Und ein bisschen, wie wenn man zu guten Freunden essen geht.

Es wäre im besten Sinne, dieser Vergleich sei erlaubt, eine Osteria, wie sie im italienischen Slow Food-Guide steht: Der Patron steht selber in der Küche und konzentriert sich auf selbstgemachte, schnörkellose Gerichte.

Wenn immer möglich mit biologischen Produkten aus der Region. Die Handschrift ist zeitgemäss und inspiriert von der Küche Italiens und Frankreichs.

Man muss hier niemandem etwas beweisen – ausser vielleicht, dass es möglich ist, seinen Traum mit Gästen teilen zu können, ohne dass man ihnen eine Illusion servieren muss.


Los grandes exitos de Dieter Meier

Wineontherocks ist nicht your typical wine show und Finkus Bripp, Sommelier with a mission, lässt nichts anbrennen.

Als sich letzten Winter unsere weihnachtlich illuminierten Wege in Dieter Meiers Weinkontor kreuzten und dann auch noch Santa Meier persönlich auftauchte, war der Wineontherocks-Anonymeköche-Joint perfekt.

Finkus wollte bei „Dieda Maya“ (wie er auf Kanadisch-Deutsch ausspricht) drehen, um alles über Meiers Bio-Wein und Bio-Premium Beef aus Argentinien zu erfahren. Und ich sollte gemäss Finkus‘ Vision dabei sein und etwas kochen. Dass Dieter ja dazu sagte, war ein Geschenk von grotesker Güte.

Bevor man nun anfängt aufzuzählen, was Dieter Meier in seinem Leben alles schon gemacht oder dargestellt hat, könnte man genauso gut fragen, was alles nicht?

Eine mögliche Antwort dazu liefert er gleich selber, als Präsident der Association des Maîtres de rien.

Selbst die Tatsache, dass er sich Meier nennt, obwohl er Meier heisst, gilt als des Meisters Coolness. Er erzählt dazu eine Episode, die ihm einst in Hamburg widerfuhr. Als in einer Bar seine erste Single lief, sprach ihn ein Punk an: «Die Musik ist Scheisse, aber dass du dich Meier nennst, finde ich geil!»

Gedreht wurde in Dieter Meiers Restaurant Bärengasse, am teuersten Standort der klassischen Schweizer Monopoly-Edition: Zürich Paradeplatz.

Ich habe mich mit einer Flasche Demiglace der Marke Anonyme Köche (Lizenznehmer bitte melden) gewappnet, mit der Absicht, sein Entrecôte mit einem Rotweinjus aus seinem sublimen Malbec zu begleiten.

Das war lustig. Meier mag es nicht überkandidelt, wie er sagt. Aber die Sauce gefiel ihm gut, wie auch die Demiglace in der AK-Flasche. Sein Koch wollte mir ja den gewöhnlichen Kochwein reichen. Als ich sagte, sorry, ich brauche einen Ojo de Agua, musste er sich erst absichern: «Herr Meier …?» «Ja, ja, schon okay. Claudio darf machen was er will.»

Aber genug der Worthülsen, here we go! Die ersten beiden Episoden drehen sich um den Wein, in der dritten wird dann gekocht. Das Fleisch ist einzigartig und es lohnt sich, sich jede Silbe von Meiers Erklärungen auf der Zunge zergehen zu lassen.

Sein Statement zur Fleischqualität ist grandios: You can‘t cheat with meat!
Danke an Dieter und Finkus and – keep on keeping ON!

INTERVIEW WITH DIETER MEIER – MALBEC, MENDOZA AND ORGANIC FARMING from Finkus Bripp on Vimeo.

INTERVIEW WITH DIETER MEIER – MALBEC BLENDS, MENDOZA AND DIETER THE ARTIST from Finkus Bripp on Vimeo.

Brazing ORGANIC BEEF with Dieter Meier, Bärengasse – Zurich from Finkus Bripp on Vimeo.


Horizonterweiterung in Hamburg

Eine Lesung und ein weiteres Kapitel Anonyme Köche das noch geschrieben – oder besser, gedreht – werden will, haben mich nach Hamburg gelotst.

Das erste Mal übrigens: Hamburg. Die Stadt ist zum Verlieben. Genau wie die Menschen, die ich hier kennenlernen durfte.

Hier schreibt man Zentrum mit C. Centrum. Ungewohnt, aber passend. Irgendwie humanistisch. Die Stadt wirkt friedvoll und erstaunlich empfänglich für lateinische Lebensart. Der Papst könnte durchaus hier leben, statt in Rom. Entschuldigung, wo bitte gehts denn hier zum Pontifex? Immer Richtung Centrum! Danke. Ave!

Sympathischer Hamburger Habitus: bisschen retro, bisschen arty, bisschen Italianità kultivieren.

Sogar am Steindamm im Stadtviertel St. Georg, wo mein Hotel lag, war es beschaulich, wenn auch nicht die erste Adresse, um essen zu gehen.

Ein kariertes Sitzkissen macht noch keinen Appetit auf einen Frühlingsteller.

Dem Claim ist mutig!

Die meisten hatten mir abgeraten in. St. Georg abzusteigen. Mach das auf keinen Fall! Drogen! Prostitution! Albaner! Aber ja. Und um 1200 wurde hier ein Lepra-Hospital errichtet, 1564 ein Pestfriedhof und der Galgen von Hamburg stand ebenso hier. Alles Geschichte.

Eine andere ist die 25-jährige Geschichte von Universum Box Promotion, Hamburg. Das Erste, komischerweise, was ich mir bei der Ankunft im Hotelzimmer ansah, war dieser Clip

Gleich dahinter jedoch, an der Langen Reihe, liegt Entenhausen. Besser gesagt, das Restaurant X.O.K., wo ich die beste Pekingente gegessen habe, seit ich in Peking Pekingente gegessen habe. Mit einer ultrakrossen Haut.

Die Ambiance ist casual und einladend, es gibt Buffet oder à la carte. Alles wird frisch zubereitet, vieles selbst gemacht.

Dort war am Mittwochabend auch meine Lesung mit Essen. Das Hamburger Abendblatt hatte einen prominenten Veranstaltungshinweis veröffentlicht und das Restaurant war gut besetzt. Sogar aus Hannover sind extra welche angereist (liebe Grüsse!).

Die meisten waren wohl, wie ich, wegen Stevan Paul gekommen. Der hat wie immer mitreissend gelesen!

Nicht nur das Publikum hatte gut lachen an der ersten Lesung mit Essen im Restaurant X.O.K.

Die beste Currywurst auf diesem Planeten bekommt man nicht etwa in Berlin sondern bei Curry Queen in Eppendorf. Ich kann das zwar nicht wirklich beurteilen, denn es war meine erste Currywurst ever! Aber der Laden ist sehenswert, das Konzept überzeugt und die Würste erst recht.

Verschärftes Logo für scharfe Würste.

Auch hier wird alles frisch zubereitet und teilweise selbst hergestellt, von den Würsten über den Ketchup (kommt demnächst in den Verkauf) bis zu den ausgefallenen Currymischungen.

Aufgefallen ist mir das El Bulli-Bier.

Dachte erst, Bully Herbig hätte da was o’zapft, aber auf die Schnapsidee ist er noch nicht gekommen.

Wie El Bulli? Hopfensaft von Ferran Adria? Gleich probiert, die 0,75 l-Pulle für 11,90 Euro. Kommt als Weinflasche daher, das Bier soll aus Weissweingläsern getrunken werden und bis zum nächsten Schluck im Weinkühler stehen.

Du, das perlt aber! Schmeckt ganz angenehm. Und sehr nahe an meinem Lieblingsbier aus Basel, Ueli Bier. Geschmacklich zumindest, preislich ist Ueli dreimal günstiger. Und wir reden hier immerhin von Schweizer Preisen. Aber Marketing ist eben teuer.

Im Designhotel Side musste ich mir unbedingt noch den Reifeschrank der Meatery anschauen. Und was für ein Glück, Küchenchef Hendrick Maas himself nahm sich die Zeit, mir alles über Sinn und Zweck dieses Konzepts näher zu bringen.

Window-Shopping für Fleisch-Fetischisten

Mehr über ihn, dry aged Premium-Beef, das anscheinend sehr en vogue ist und 800 Grad heisse Öfen in denen die Fleischbrocken gegrillt werden gibt es übrigens in der aktuellen BEEF! am Kiosk.

Gewiss, die Einhaltung der Bestimmungen betreffend Lebensmittelhygiene ist eine besondere Herausforderung für Gastronomiebetriebe.

Aber sollten die Reinlichkeits-Lorbeeren wirklich in Form einer unappetitlichen Affiche der Stiftung Warentest die Fassade zieren?

Klar verlässt man sich bei der Wahl eines Restaurants nur ungern auf gut Glück.

Hamburg scheint jedoch in dieser Hinsicht unter einem guten Stern zu stehen.

Meine erste Adresse ist übrigens das Restaurant Trific. Mehr dazu jedoch im nächsten Post.



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