Eine Pasta zum umarmen.

Pasta e fagioli

Man braucht etwas, das die Seele wärmt, in diesen kalten Tagen. Diese Pasta e fagioli zum Beispiel.

Gewöhnlich bereite ich Pasta e fagioli jeweils recht gerne recht flüssig als Bohnensuppe zu, etwa hier. Diese Variante ist etwas ganz anderes. Nicht flüssig. Das pure Gegenteil: Sauce und Bohnen sind von geradezu breiiger Konsistenz.

Das Gericht ist brutal vollmundig. Und sehr sättigend. Für das Bäuchlein und fürs Gemüt. Weil sie so sanft und mollig ist.

Man sollte sich jedoch ein Herz fassen und die Pasta wirklich al dente kochen. Ich meine, so wie in Italien. Ich erschrecke jedes Mal, wenn ich dort Pasta serviert bekomme. Sie hat immer noch einen Grad mehr Biss, als wenn ich sie bissfest koche. Also, nur Mut. Sie schmeckt so viel besser (auch wenn biedere Zeitgenossen rummäkeln, weil sie Pasta immer viel zu weich essen).

Ich habe Rigatoni von Guiseppe Cocco aus den Abruzzen genommen. Es gingen aber auch sehr gut, sagen wir mal, Mezze Maniche oder andere kurze Nudeln mit Loch sowie Nudeln in Muschelform.

Der Borlotti-Bohnen-Sugo mit Knoblauch, Salbei und zerdrückten Kartoffeln überzieht die Rigatoni mit einem cremigen, aromatischen Schmelz. Jede einzelne Rigatoni-Röhre ist rundherum mit Sauce umhüllt. Allerdings nur gerade so viel, dass man den nussigen, leicht nach Stroh duftenden Eigengeschmack der sehr bissfesten Pasta noch deutlich schmeckt.

Zu viel Sauce an der Pasta – das weiss, wer hier regelmässig mitliest – das lässt Italiener schaudern. Zu wenig ist ihnen aber auch ein Gräuel. Nackte, nicht mit Sauce überzogene Pasta mit einem Pflatsch Sauce obendrauf, ist ebenso schlimm. Bei diesem Rezept ist die Balance so wie sie sein soll.

Am Vortag 200 g getrocknete Borlottibohnen einweichen (mindestens 12 Stunden), dann die Bohnen weichkochen (etwa 2 Stunden) und auskühlen lassen. Dazu zwei mittelgrosse, vorwiegend mehlig kochende Kartoffeln in der Schale weichkochen, ebenfalls auskühlen lassen. Beides bereitstellen.

Dann beginnen wir mit dem Soffritto: Olivenöl in einem Topf erhitzen. Eine Hand voll sehr fein gewürfelten Knollensellerie (Stangensellerie geht auch) darin weichschmoren. Er soll keine Farbe nehmen.

Nach 5 Minuten das Öl mit fein gewürfeltem Knoblauch und ein paar Salbeiblättern aromatisieren. Salbeiblätter nach 2 Minuten entfernen.

200 ml passierte Tomaten dazugeben, 10 Minuten zugedeckt einköcheln, damit sich die Aromen verbinden. 100 ml Wasser und die grob gewürfelten, vorgekochten Kartoffeln dazugeben und den Sugo 1 Stunde zugedeckt köcheln lassen.

Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer vollständig zerdrücken. Mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer kräftig abschmecken.

Die zerdrückten Kartoffeln machen den Sugo unglaublich cremig, dickflüssig und mild. Von der Säure der Tomaten ist nur noch wenig bemerkbar. Würde man den Sugo jetzt mit der Pasta mischen, könnte man auch Pasta e patate servieren.

Nun kommen die Bohnen zum Sugo. Wir wärmen sie darin in der Zeit, in der die Pasta gekocht ist und wir sie abseihen können. Etwas Pastawasser dabei auffangen und wenn nötig den Sugo damit etwas verdünnen.

Beim Mischen der Sauce mit der Pasta achte ich immer sehr pingelig auf das akkurate Verhältnis: Die 500 g Pasta für vier Personen können unter Umständen zu viel sein für die Sugomenge oder umgekehrt. Deshalb nicht alles aufs Mal mischen, sondern nach und nach. Dabei mit einem grossen Schaumlöffel die Rigatoni sanft untereinander heben, damit sie nicht brechen und die Bohnen nicht zerquetschen.

Jaja, wir betreiben hier keine Wissenschaft für einen profanen Pastateller, aber seit wir die Bohnen eingeweicht und den Sugo gekocht haben, sind mindestens 16 Stunden vergangen. Da wollen wir nicht auf den letzten Metern patzen!

Es sind wirklich diese kleinen Schritte, die aus einem einfachen Rezept etwas Besonderes machen.

Pasta e fagioli

Parmesan dazu oder nicht, ist eine sehr persönliche Geschmacksfrage. Ich finde, ohne fehlt etwas. (Das würde ich bei flüssigen Pasta e fagioli nie sagen!).


Cosi fan tutte.

Spuntature di maiale con polenta – ein Trigger, der bei den meisten Italienern einen unkontrollierten Speichelfluss auslöst.

Schweins-Brustspitzen und Polenta mit Tomatensugo sind seit Urzeiten so unschlagbar unzertrennlich gut wie Enzo & Ferrari oder Parma & Schinken.

Und vermutlich schmeckt kein italienischer Klassiker mit so unglaublich wenig Zutaten so intensiv und so gut.

Die Brustspitzen vom Schwein? Damit muss man gar nichts machen. Nicht marinieren, nicht würzen, gar nichts. Sie kommen direkt unter die Grillschlange bis sie eine schöne Farbe haben und das überschüssige Fett abgetropft ist. Geht bei 200 Grad so 45 Minuten. Jeweils nach 10 – 15 Minuten wenden.

Spuntature Grill_s

Der Tomatensugo – es klingt beinahe lächerlich – geht so: Zwiebeln im Olivenöl weichschmoren, sehr gute Dosentomaten dazugeben, salzen, pfeffern, fertig. Mindestens 1 Stunde köcheln. Dann die Schweinerippchen dazugeben und eine weitere Stunde simmern lassen.

Spuntature Sugo_s

Die Bramata-Polenta will sowieso nichts anderes als gesalztes Wasser und eine Stunde konstante mittlere Hitze bis sie dick und süsslich wird. Dann bekommt sie reichlich Sugo, ein Stück Fleisch und grosszügig Parmesan.

Ah, ja. Es gibt eine Steigerung: Polenta mit Schweinsbrustspitzen UND Salsicce. Göttlich.


Catalogna revisited.

Catalogna mit Meyer Lemon_s

«Bitter, fruchtig, süss und sauer.» 28 x 28 cm, Mischtechnik, Öl auf Catalogna, 2014.

Es ist einer meiner liebsten Teller: Catalogna mit Burrata.

Blattzichorie im Salzwasser blanchiert und anschliessend ripassata al olio, wie man auf Italienisch sagt.

Das heisst: Olivenöl erhitzen, mit Knoblauch und Peperoncino aromatisieren und die tropfnassen Catalogna-Blätter ein paar Minuten darin schwenken. Warm servieren und eine schöne Burrata oder eine Mozzarella di Bufala dazu geniessen.

Eine beliebte Variante ist: Catalogna nach dem Blanchieren abtropfen, mit Olivenöl und Zitronensaft anmachen und lauwarm servieren.

Mit dem Abrieb und dem Saft einer meiner Meyer-Zitronen ist diesmal so etwas wie ein geschmacklicher Neoexpressionismus daraus geworden!


Kontrollierte Kernschmelze.

Wir müssen uns mehr Gedanken über die Kerntemperatur von Gemüse machen.

Echt jetzt. Für zartes Fleisch tun wir es ja auch. Manchmal zwar eine Spur zu blasiert und überspannt. Was dann ganz schön anstrengend sein kann.

Aber keine Angst. Für einen perfekten Auberginenauflauf braucht es keine digitale Temperatur-Pistole und keine Bratenthermometer-App. Fingerspitzengefühl reicht.

Hab ich übrigens schon mal erwähnt, wie sehr mir das dumme Verb niedergaren auf den Senkel geht? Wenn man Fleisch bei niedriger Temperatur gart (englisch: low temperature cooking), kann man gerne – wenn es auch etwas arg gespreizt ist – von Niedrigtemperaturgaren sprechen. Aber bitte nicht von niedergaren, wie man umgangssprachlich leider oft hört und liest. Das klingt wie niedermachen. Was soll das heissen, sein Fleisch zur Schnecke machen?

Wer gerne mit der Sous-Vide-Methode arbeitet, bereitet neben Fleisch und Fisch auch Gemüse im kontrollierten Wasserbad zu. Das hat viele Vorteile. Das Gemüse bleibt auf den gewünschten Punkt saftig, knackig und farblich stabil.

Aber es gibt Gerichte, bei denen man so nicht weit kommt. Weil unterschiedliche Gar-Etappen gefragt sind und sich zum Schluss alles in einem finalen Zubereitungsschritt zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen soll.

Nehmen wir diese klassische Parmigiana di Melanzane. Heute habe ich sie wie immer zubereitet, und doch ganz anders. Mein liebstes Rezept findet sich natürlich in «Italien vegetarisch». Keine Hexerei. Simple Zutaten. Einfache Zubereitung. Grossartiger Genuss.

Nur, heute hatte ich schon mal eine andere Aubergine als sonst. Eine handballgrosse Violetta di Sicilia. Ein kugelrundes Prachtexemplar. Schwer, leuchtend lila mit wilden weissen Nuancierungen. Und vermutlich eine der letzten dieser Saison.

Daraus wollte ich noch einmal eine Parmigiana machen. Aber nicht, wie gewöhnlich, nebeneinander in eine Auflaufform geschichtet. Sondern in einzelnen Scheiben und Schichten hochgetürmt wie einer dieser saftstrotzenden Porno-Burger.

Was wir an einer Parmigiana hassen und wie sie auf keinen Fall sein sollte:

  • Matschig. Eine in sich zusammengefallene Pampe macht keine Freude.
  • Wässrig. Das ist wirklich schlimm. Auberginen, die den Sugo verwässern. Igitt.
  • Verbrannt. Eine feine Kruste ist okay. Bitter, trocken und hart ist pfui.

Es fängt mit dem Schneiden der Aubergine an. Scheiben von 8 mm sind zu dünn, 12 mm sind zu dick. Ein Zentimeter ist für das Kaugefühl genau richtig.

Bei mir wandern die Scheiben ohne Salz und ohne Öl in den 240 Grad heissen Ofen. Nebeneinander auf Backpapier liegend. Jetzt müssen wir weniger auf die Zeit schauen, als vielmehr durch das Ofenfenster gucken. Denn wenn die Oberfläche der Auberginenscheiben leicht gebräunt ist, wenden wir sie und lassen sie auf der anderen Seite bräunen.

Der Duft gibt auch sicheres Geleit. Wir wollen milde, nussige Röstaromen und Auberginenduft riechen.

Dann nehmen wir sie heraus und lassen sie auskühlen. Sie sehen jetzt ein wenig aus wie getrocknete Pilze. Sie sind kompakt, innen weich, aussen fest und sie sind kein bisschen ölig. Was total super ist. Ich bin nämlich kein Fan von gebratener und im Ei gewendeter Aubergine für Parmigiana. Ist mir zu mastig.

In der Zwischenzeit wird ein simpler Sugo aufgesetzt.

Knoblauch im Olivenöl sanft erhitzen. Passierte Tomaten dazu. Deckel drauf. 30 Minuten köcheln. Danach generös salzen und moderat pfeffern. Frisch geschnittene Petersilie dazugeben, fertig.

Jetzt geht es ans Schichten. Etwas Olivenöl auf dem Boden einer runden Gratinform verteilen. Eine erste Auberginenscheibe darauf legen. Sugo darauf verteilen. Hallo, darauf verteilen – nicht ertränken. Dann eine hauchdünne Schicht Paniermehl darüberstreuen. Eine ebenso dünne Schicht Parmesan darüber reiben. Und schliesslich ein paar Streifen Mozzarella darauf setzen (nicht die ganze Fläche damit bedecken).

So weiterfahren, bis alle Scheiben aufgebraucht sind. Bei mir waren es acht Schichten. Zum Schluss mit Sugo, Paniermehl und Parmesan und Petersilie überdecken. Keine Mozzarella.

Im Ofen bei relativ niedrigen 160 Grad backen, bis die ideale Kernschmelze erreicht ist. Auch das kann man von blossem Auge beurteilen: Die Schichten fallen ineinander, sind aber noch einzeln sichtbar. Die Mozzarella ist weich, läuft nicht davon und ist nicht hart oder trocken. Und der Sugo wird blödsinnig cremig. Durch und durch eins mit der nussigen Cremigkeit der Auberginen verbunden. Traumhaft.

Jetzt kommt die dritte Kerntemperatur-Kontrolle: Man darf die Parmigiana auf keinen Fall heiss anschneiden und essen. Grober Schnitzer!

Ruhen lassen und warten bis das Innere lauwarm ist. So geniesst man den vollen Geschmack. Ausgewogen, aromatisch, orgiastisch.


Selten delikat – Meyer Lemon Bars.

Meyer Bars_s

Wenn dir jemand Meyer Zitronen gibt, mach Lemon Bars draus.

Was brauch ich Myrrhe, Gold und Weihrauch, wenn mir die liebe Katharina Meyer Zitronen schenkt. Die hocharomatische, sehr saftige Zitrone mit besonders milder Säure ist für Zitrus-Aficionados so etwas wie das goldene Ei.

Was das Besondere an Meyer Lemons ist? Zum Crash-Kurs hier entlang bitte: In Katharinas kulinarischen Schatzkammer esskultur.at findet sich alles was man darüber wissen muss und vor allem auch, was man am besten daraus macht.

Aus dieser Liste habe ich als Erstes die sehr unkomplizierten und schnell gemachten Lemon Bars von Foodbloggerin Küchenschabe zubereitet.

Nach einem sonntäglichen Festmenü mit einer unvergleichlich zarten englischen Salzwiesenlamm-Keule war das Dessert quasi der gustatorische Ritterschlag.

Zutaten für den Teig

  • 120 g Mehl
  • 60 g Kristallzucker
  • 1/2 TL Fleur de sel
  • 120 g klein gewürfelte Butter

Zutaten für die Füllung

  • 2 grosse Eier
  • 120 g Feiner Kristallzucker
  • 2 EL Mehl
  • 1 Prise Fleur de sel
  • Abrieb und Saft 1 Meyer-Zitrone

Butter, Zucker, Salz und Mehl mit den Händen mischen, bis der Teig krümelig ist. In Frischhaltefolie packen und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Eine eckige Backform (ca. 26 x 20 cm) mit Backpapier ausschlagen. Teig gleichmässig etwa 1 cm hoch in die Backform drücken.

Ungefähr 20 Minuten blind backen, bis die Oberfläche hellbraun ist. Zur Seite stellen und etwa auskühlen lassen.

Meyer Blindbacken_s

Für die Füllung Eier, Zucker, Mehl und Salz schaumig rühren. Zitronenabrieb und Saft zufügen.

Auf den Teig giessen und 15 bis 18 Minuten backen bis die Oberfläche zu bräunen beginnt. Komplett auskühlen lassen. Mit Staubzucker bestreuen. In schmale Schnitten schneiden.

Meyer Backform_s

Der Teig ist perfekt – mürbe, saftig und mit einem knusprigen Boden. Die Füllung ist sehr aromatisch, super zitronig, fast schon parfümiert, mit einem Hauch Mandarine und irgendwie very british.

Die Balance zwischen Süsse und milder Säure ist vollkommen. Danke für das Rezept Küchenschabe – wird sofort ins Standardrepertoire aufgenommen. Sofern  ich denn wieder einmal Meyer Zitronen bekomme.

Meyer Bars close_s


Hopp-hopp, catch up!

Ketchup mit dem besten Label überhaupt: Home Made!

Halt, halt: Ich habe es auch zum ersten Mal selbst gemacht. So ist es nicht.

Von all den Lebensmitteln und Genussprodukten, die man ab und zu selbst herstellen möchte, ist Tomatenketchup vielleicht nicht gerade das Dringendste, das einem in den Sinn kommt. Aber es hat sich auch diesmal bewahrheitet. Egal, was du zubereitest: Mach es selbst und mach es gut – dann wird es besser.

Meines geht so:

  • 1 Kilo vollreife Tomaten
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 EL Sonnenblumenöl
  • 1 EL Tomatenmark
  • 50 g Zucker
  • 50 ml Balsamico-Essig
  • 1 TL Salz
  • je ½ TL Chili und Paprikapulver
  • 1 Gewürznelke
  • 1 TL frisch geriebener Ingwer
  • 1 Zweig abgestreifte Thymianblättchen

Tomaten unten kreuzweise einschneiden, mit heissem Wasser überbrühen, schälen und den Strunk entfernen. Zugedeckt 30 Min. einkochen. Knoblauch und Zwiebel fein würfeln und mit dem Zucker sanft im Öl weichschmoren. Alles mit den anderen Zutaten zu den Tomaten geben und weitere 30 Min. weiterköcheln. Mit dem Mixstab pürieren, durch ein feines Sieb streichen. Nach Bedarf mit Zucker, Salz und Essig abschmecken und offen einkochen, bis das Ketchup schön eindickt und sämig wird. In ein sterilisierte Twist-off-Glas oder eine Flasche füllen und im Kühlschrank aufbewahren.

Wer mag, schärft es mit geräuchertem Pimentón de la Vera Paprikapulver.

Diesen hausgemachten Ketchup hätte ich gerne gehabt, als ich meine Burger aus Iberischer Gans gemacht habe.

Ketchup Topf_s

Zwei weitere Ketchup-Rezepte verrate ich drüben bei Local Flavors.

 


Die essenzielle Nudel.

Eine wie keine: Exzeptionelle Pasta mit Gerste aus Abruzzo.

Kürzlich war ich in Sulmona und was sehe ich da im Soldo di Cacio, dem Laden der Locanda da Gino?

Diese wunderbare Box mit der höchst hochwertigen Pasta Ma’kaira aus abruzzesischem Weizen und Gerstengraupe. Hergestellt im Casino di Caprafico, wo auch die Linsen produziert werden, über die ich hier schon geschrieben habe.

Die Qualität dieser Pasta ist aussergewöhnlich. Wie auch der Preis, zugegeben. Dafür schmeckt sie aber auch wie keine andere. Körnig. Mit dem leichten Strohduft von reifem Weizen. Und im Gegensatz zur schlichten Verpackung gibt sie sich beim Kochen extrem geschwollen und vollmundig. Eine so raue Oberfläche sieht man selten, selbst bei anderen hochwertigen Nudeln, die durch Bronzeformen gepresst werden. Und die schreit förmlich nach der Verbindung mit einer Sauce.

Allerdings sollte man sich da zurückhalten und das feine Aroma der Pasta nicht mit brachialen Saucen erschlagen. Man geniesst sie erst mal am besten nur mit etwas Olivenöl und geriebenem Käse. So wird man sich am besten bewusst, in welcher Liga diese Pasta spielt (und leider auch, in welcher die Supermarktpasta spielt, die man sonst so verdrückt und die man immer für recht okay gehalten hat).

Jetzt, wo es reife Gartentomaten im Überfluss gibt, vermählt sich aber auch ein schlichter Sugo al pomodoro sehr gut mit den leicht kantigen Chitarra-Spaghetti. Die Zubereitung erfordert allerdings ein wenig Aufwand. Was sich durch einen intensiven, fruchtig-süssen Geschmack längstens rechtfertigt.

Die vollreifen Tomaten waschen und den Strunk herausschneiden. Dann die Tomaten, und nur die Tomaten, ohne nichts anderes, vierteln und eine gute Stunde in einem hohen Topf zugedeckt einkochen, bis sie zerfallen. Danach durch die Passiermühle drehen.

In der Zwischenzeit konfieren wir im Backofen ein paar schöne Datterini-Tomaten: Längs in die Hälfte schneiden und mit der Schnittfläche nach oben auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. Salzen, pfeffern und mit Staubzucker überpudern.

Mit Olivenöl beträufeln und 1 Stunde bei 140 Grad Umluft konfieren. 10 Minuten vor Ende fein geschnittenen Knoblauch und ein paar Zweige frischen Thymian dazugeben. Dann in einem Teller bereitstellen. Und dabei vor allem jeden Tropfen vom hocharomatischen Öl auffangen.

Die passierten Tomaten, die noch sehr viel Wasser aufweisen, müssen jetzt nochmals offen eingeköchelt werden, bis nur noch dicke Tomaten-Polpa – eigedicktes Fruchtfleisch – übrig ist.

Erst jetzt setzen wir den Sugo an: Eine kleingewürfelte Zwiebel (am besten eine süsse Tropeazwiebel) in reichlich Olivenöl schwimmen lassen und bei mittlerer Hitze geduldig weichschmoren. Dann die Tomaten-Polpa dazugeben und zugedeckt 20 Minuten einköcheln. Gut salzen, pfeffern und mit frisch gezupftem Basilikum aromatisieren.

Die Pasta in reichlich Salzwasser al dente – wirklich sehr bissfest – kochen. Für perfekte Spaghetti al pomodoro muss die Pasta in der Tomatensauce fertig gegart werden. Nur wenn sie in der Sauce geschwenkt werden, saugen sich die Spaghetti mit dem aromatischen Sugo voll, der sich noch so gerne an die Nudel schmiegt.

Dazu in einer grossen Schwenkpfanne (beschichtet oder auch nicht) ein paar Löffel Sugo und einige konfierte Datterini-Tomaten erhitzen, die tropfnassen Spaghetti aus dem Kochwasser hineinheben und gut durchschwenken. Schrittweise mehr Sugo dazugeben und bei mittlerer Hitze 1 bis 2 Minuten amalgamieren.

Anrichten, mit weiterem Sugo nappieren, die konfierten dazugeben und wenn man hat, ein paar Tropfen Basilikum-Öl von PPURA über den Teller träufeln.

Die Pasta schmeckt so reich, so vollmundig und die Tomaten so ausgewogen und komplex zugleich, dass man vermutlich jede Pasta al pomodoro die man sonstwie zubereitet oder sonstwo gegessen hat, getrost vergessen kann.

Zumindest für eine gewissen Zeit. Sagen wir, so lange, bis ihr selbst einmal solch einmalige Spaghetti zubereitet habt.


Mieses BBQ-Wetter? Grosser Trost.

Selbst wenn ich ganz scharf nachdenke: Nein. Es fällt mir niemand ein, der sich nicht sofort nach dem ersten Bissen in meinen Lamm-Steak-Salad verlieben würde.

Hier gehts zum Rezept.


Alles passt, es muss Sommer sein.

Es gibt genau ein Mal im Jahr die Möglichkeit, die Kirschen von unserem gebrechlichen Kirschbaum zu pflücken. Wenn uns die Junisonne über Tage mit voller Kraft von heute auf morgen in den Sommer katapultiert.

Dann muss man sie nehmen. Bevor der Regen kommt und die pralle Frucht verletzt und faulen lässt. Dann sind alle gefragt, die pflücken können – oder willens sind.

Und will man das Glück perfekt machen, bäckt man damit schleunigst den besten Kirschpfannkuchen, den man hinbekommen kann.

An so einem perfekten, heissen Frühsommertag, will man ein rauschendes Festmahl im Freien feiern. Also bäckt man gleich weiter. Und ist glücklich, dass die Focaccia dank dem lievito madre, der eigenen Mutterhefe, die man hegt und pflegt, so luftig und knusprig glückt.

Zur Vorspeise einen meiner liebsten Sommersalate. Mit Cannellini-Bohnen, Sellerie und leicht bitterem Ciccorino rosso.

Angemacht mit einem fantastischen Olivenöl, das ich neu entdeckt habe: L’Olio Tenero aus den Marken. Kalt gepresst aus der Monovarietät Tenera Ascolana. (Die Olivensorte, mit denen die berühmten gefüllten Olive all’ Ascolana zubereitet werden). Mehrfach ausgezeichnet. Mild und gleichzeitig intensiv fruchtig mit Noten von grünen Tomaten und Kräutern.

Das Öl kann übrigens auch im Kontor meines lieben Bloggerkollegen Mike bezogen werden.

L'olio tenero_s

Und weil es so heiss ist, und man aber trotzdem das Essen mit einem passenden Wein begleiten möchte, aber bitte keinen so schweren, kommen die Schaller vom See genau richtig.

Das hingebungsvolle Winzerpaar aus Podersdorf produziert gleich drei neue, besonders leichte Weine.

Zum Antipasto mit handwerklich hergestelltem neapoletanischem Affettato – Salsiccia piccante, geräucherte Salami tipo napoletano und eine zartwürzige Pancetta – gesellt sich der prickelnde Rosé secco aus Cabernet Sauvignon und Zweigelt und macht richtig gute Laune.

Collage Antipasto

Zu der ultradünnen, ebenfalls neuen Pasta extra fine von Lieblings-Pastamacher und amico Cemal kommt die Cuvée weiß sehr, sehr gut. Fruchtbetont, knackig und sehr erfrischend.

Die dünnen und sehr feinen Maccheroncini, wie sie im Ursprungsort Campofilone genannt werden, sind mit sizilianischer Zitrone verfeinert – schlicht genial. Sie sind schon in 2 Minuten al dente und man könnte sie ohne weiteres einfach mit Butter geniessen.

Natürlich passen dazu auch Meeresfrüchte oder Fisch hervorragend. Ich habe dazu frische Scampi mit Zucchinistiften kombiniert. Mit einer Sauce aus den gerösteten Krustentierschalen, mit Weisswein deglaciert und mit wenig Butter gebunden.

Man kann das Meeresrauschen hören!

PPURA pasta extra fine_s

Zum Hauptgang dann Medaillons vom Lammrücken in der Pfefferkruste. Eine einfache Parmigiana di melanzane dazu und ein Kräuterpesto mit dem Olio Tenero.

Lamm Medaillon_s

Dazu die Cuvée rot und die Freude wird richtig gross. Mit schmalbrüstigen 11,5 % vol. holt dieser Wein ganz schön tief Atem. Zweigelt und Sankt Laurent mit viel Struktur, viel Frucht, viel Beeren und dabei so leicht wie eine Sommerbrise. Davon kann man nicht genug bekommen.

Collage Rotwein

Man könnte tanzen vor Freude.

Schaller Etikette rot_s

Doch dann kommt das Dessert. Also lässt man die Geschmacksknospen weiter tanzen und geniesst zum Schluss den saftigen Kirschpfannkuchen mit den nur wenige Stunden zuvor geernteten Kirschen.

Vielleicht ist das alles so einmalig gut, gerade weil man es nicht jeden Tag hat. Aber von mir aus könnte der Sommer das ganze Jahr über bleiben.


Don’t call it Hummus

Linsen_s

Was weiss ich, wonach es euch gelüstet, wenn ihr morgens aufwacht. Bei mir können das schon mal Linsen sein. Da kann ich dann aufstehen und noch vor dem ersten Espresso anfangen zu kochen. Was heiss kann – ich muss.

Es dürfte wohl kaum jemandem entgangen sein, wie sehr ich Linsen liebe. Es sind meine liebsten Hülsenfrüchte. Vor allem die braunen Berglinsen, die in der Region meiner Eltern angebaut werden: Abruzzo.

Diese Linsen hier kommen für einmal nicht aus Santo Stefano di Sessanio, mit denen ich gerne Past’ e lenticchie, also Linsensuppe, mache, sondern aus der Provinz Chieti.

Der Landwirtschaftsbetrieb, an den auch ein kleiner Agriturismo angegliedert ist, produziert alte Getreidesorten auf traditionelle und biologische Weise an.

Ich liebe es, wenn sich schon frühmorgens im Haus der Duft eines Soffrittos verbreitet: Knoblauch, Sellerie, Karotte und Lorbeer werden geduldig im Olivenöl weichgeschmort. Dann kommen passierte Tomaten hinzu. Diese werden einige Minuten mit dem aromatisierten Öl offen eingeköchelt. Das ist wichtig, damit sich die würzigen Geschmacksstoffe verdichten und daraus eine Sauce entsteht, die nicht einfach nach aufgewärmten Tomaten schmeckt, sondern nach einem Sugo.

Danach kommen die abgebrausten, nicht eingeweichten Linsen hinzu. Gut mit Wasser bedeckt köcheln sie zugedeckt bei sanfter Hitze und werden in weniger als 30 Minuten weich.

Zum Schluss nur noch mit Salz und schwarzem Pfeffer aus der Mühle abschmecken. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber es ist für mich jedes Mal ein kleines Wunder, wie viel intensiver Geschmack dieser kleinen Hülsenfrüchte abgeben, ohne dass man dafür Würzkapriolen schlagen muss.

Kleine lauwarme Portion als Vorspeise gefällig?

Warum ich noch nie auf die Idee gekommen bin, die Linsen wie für ein Hummus zu pürieren, ist mir ein Rätsel: Schmeckt natürlich fantastisch!

Auch auf einer kleinen Bruschetta, die man vor dem Rösten mit etwas Knoblauch einreiben und mit Olivenöl beträufeln kann. Dazu noch eine Prise pep’cell’ – frischen oder getrockneten Peperoncino – und schon ist mein herzhaftes Frühstück fertig.

Linsenpüree_s



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