Mieses BBQ-Wetter? Grosser Trost.

Selbst wenn ich ganz scharf nachdenke: Nein. Es fällt mir niemand ein, der sich nicht sofort nach dem ersten Bissen in meinen Lamm-Steak-Salad verlieben würde.

Hier gehts zum Rezept.


Alles passt, es muss Sommer sein.

Es gibt genau ein Mal im Jahr die Möglichkeit, die Kirschen von unserem gebrechlichen Kirschbaum zu pflücken. Wenn uns die Junisonne über Tage mit voller Kraft von heute auf morgen in den Sommer katapultiert.

Dann muss man sie nehmen. Bevor der Regen kommt und die pralle Frucht verletzt und faulen lässt. Dann sind alle gefragt, die pflücken können – oder willens sind.

Und will man das Glück perfekt machen, bäckt man damit schleunigst den besten Kirschpfannkuchen, den man hinbekommen kann.

An so einem perfekten, heissen Frühsommertag, will man ein rauschendes Festmahl im Freien feiern. Also bäckt man gleich weiter. Und ist glücklich, dass die Focaccia dank dem lievito madre, der eigenen Mutterhefe, die man hegt und pflegt, so luftig und knusprig glückt.

Zur Vorspeise einen meiner liebsten Sommersalate. Mit Cannellini-Bohnen, Sellerie und leicht bitterem Ciccorino rosso.

Angemacht mit einem fantastischen Olivenöl, das ich neu entdeckt habe: L’Olio Tenero aus den Marken. Kalt gepresst aus der Monovarietät Tenera Ascolana. (Die Olivensorte, mit denen die berühmten gefüllten Olive all’ Ascolana zubereitet werden). Mehrfach ausgezeichnet. Mild und gleichzeitig intensiv fruchtig mit Noten von grünen Tomaten und Kräutern.

Das Öl kann übrigens auch im Kontor meines lieben Bloggerkollegen Mike bezogen werden.

L'olio tenero_s

Und weil es so heiss ist, und man aber trotzdem das Essen mit einem passenden Wein begleiten möchte, aber bitte keinen so schweren, kommen die Schaller vom See genau richtig.

Das hingebungsvolle Winzerpaar aus Podersdorf produziert gleich drei neue, besonders leichte Weine.

Zum Antipasto mit handwerklich hergestelltem neapoletanischem Affettato – Salsiccia piccante, geräucherte Salami tipo napoletano und eine zartwürzige Pancetta – gesellt sich der prickelnde Rosé secco aus Cabernet Sauvignon und Zweigelt und macht richtig gute Laune.

Collage Antipasto

Zu der ultradünnen, ebenfalls neuen Pasta extra fine von Lieblings-Pastamacher und amico Cemal kommt die Cuvée weiß sehr, sehr gut. Fruchtbetont, knackig und sehr erfrischend.

Die dünnen und sehr feinen Maccheroncini, wie sie im Ursprungsort Campofilone genannt werden, sind mit sizilianischer Zitrone verfeinert – schlicht genial. Sie sind schon in 2 Minuten al dente und man könnte sie ohne weiteres einfach mit Butter geniessen.

Natürlich passen dazu auch Meeresfrüchte oder Fisch hervorragend. Ich habe dazu frische Scampi mit Zucchinistiften kombiniert. Mit einer Sauce aus den gerösteten Krustentierschalen, mit Weisswein deglaciert und mit wenig Butter gebunden.

Man kann das Meeresrauschen hören!

PPURA pasta extra fine_s

Zum Hauptgang dann Medaillons vom Lammrücken in der Pfefferkruste. Eine einfache Parmigiana di melanzane dazu und ein Kräuterpesto mit dem Olio Tenero.

Lamm Medaillon_s

Dazu die Cuvée rot und die Freude wird richtig gross. Mit schmalbrüstigen 11,5 % vol. holt dieser Wein ganz schön tief Atem. Zweigelt und Sankt Laurent mit viel Struktur, viel Frucht, viel Beeren und dabei so leicht wie eine Sommerbrise. Davon kann man nicht genug bekommen.

Collage Rotwein

Man könnte tanzen vor Freude.

Schaller Etikette rot_s

Doch dann kommt das Dessert. Also lässt man die Geschmacksknospen weiter tanzen und geniesst zum Schluss den saftigen Kirschpfannkuchen mit den nur wenige Stunden zuvor geernteten Kirschen.

Vielleicht ist das alles so einmalig gut, gerade weil man es nicht jeden Tag hat. Aber von mir aus könnte der Sommer das ganze Jahr über bleiben.


Don’t call it Hummus

Linsen_s

Was weiss ich, wonach es euch gelüstet, wenn ihr morgens aufwacht. Bei mir können das schon mal Linsen sein. Da kann ich dann aufstehen und noch vor dem ersten Espresso anfangen zu kochen. Was heiss kann – ich muss.

Es dürfte wohl kaum jemandem entgangen sein, wie sehr ich Linsen liebe. Es sind meine liebsten Hülsenfrüchte. Vor allem die braunen Berglinsen, die in der Region meiner Eltern angebaut werden: Abruzzo.

Diese Linsen hier kommen für einmal nicht aus Santo Stefano di Sessanio, mit denen ich gerne Past’ e lenticchie, also Linsensuppe, mache, sondern aus der Provinz Chieti.

Der Landwirtschaftsbetrieb, an den auch ein kleiner Agriturismo angegliedert ist, produziert alte Getreidesorten auf traditionelle und biologische Weise an.

Ich liebe es, wenn sich schon frühmorgens im Haus der Duft eines Soffrittos verbreitet: Knoblauch, Sellerie, Karotte und Lorbeer werden geduldig im Olivenöl weichgeschmort. Dann kommen passierte Tomaten hinzu. Diese werden einige Minuten mit dem aromatisierten Öl offen eingeköchelt. Das ist wichtig, damit sich die würzigen Geschmacksstoffe verdichten und daraus eine Sauce entsteht, die nicht einfach nach aufgewärmten Tomaten schmeckt, sondern nach einem Sugo.

Danach kommen die abgebrausten, nicht eingeweichten Linsen hinzu. Gut mit Wasser bedeckt köcheln sie zugedeckt bei sanfter Hitze und werden in weniger als 30 Minuten weich.

Zum Schluss nur noch mit Salz und schwarzem Pfeffer aus der Mühle abschmecken. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber es ist für mich jedes Mal ein kleines Wunder, wie viel intensiver Geschmack dieser kleinen Hülsenfrüchte abgeben, ohne dass man dafür Würzkapriolen schlagen muss.

Kleine lauwarme Portion als Vorspeise gefällig?

Warum ich noch nie auf die Idee gekommen bin, die Linsen wie für ein Hummus zu pürieren, ist mir ein Rätsel: Schmeckt natürlich fantastisch!

Auch auf einer kleinen Bruschetta, die man vor dem Rösten mit etwas Knoblauch einreiben und mit Olivenöl beträufeln kann. Dazu noch eine Prise pep’cell’ – frischen oder getrockneten Peperoncino – und schon ist mein herzhaftes Frühstück fertig.

Linsenpüree_s


Der 4000 Franken Eierkocher.

Onsen-Ei_s

Weiss nicht, wo ich das wieder aufgelesen habe, aber der Spruch trifft einen Nerv: «If you’re not cooking on wood, you’re not cooking».

Ich fragte mich nämlich kürzlich, gibt es etwas Unromantischeres als Kochen mit einem automatischen Dampfgarer? Gut, dasselbe wird sich der neuzeitliche Höhlenmensch gefragt haben, als ihm seine Liebste den ersten elektrischen Backofen in die Hütte stellte.

Und tatsächlich wundere ich mich schon länger darüber, warum ich eigentlich nur einen und nicht zwei Backöfen besitze? Denn wo, bitte, soll unsereins Beilagen zubereiten, wenn das halbe Rind im Rohr bei Niedrigtemperatur den Ofen eine gefühlte Woche besetzt?

Die bessere Antwort als sich einen zweiten Backofen anzuschaffen, wäre freilich, einen Steamer in Betracht zu ziehen. Weil so ein Dampfgarer den Aktionsradius an Kochanwendungen doch wesentlich erweitert.

Nun konnte ich eine Woche lang mit einem ziemlich einzigartigen Steamer bei mir zuhause rumspielen. Das Testgerät, ein Relax Powersteamer, wurde mir von Kuhn Rikon zur Verfügung gestellt.

Ich schreibe seit Jahren für das Schweizer Traditionsunternehmen, das seit 1926 die Kochwelt mit innovativen Produkten rund ums Zubereiten, Servieren und Geniessen begeistert. Deshalb habe ich gerne zugesagt, als man mich fragte, ob ich Lust hätte, das Ding zu testen.

Das Unternehmen verfügt über einen bedeutenden Wissensvorsprung im Druckgaren. Die Marke Duromatic zum Beispiel ist in vielen Ländern Synonym für Schnellkochtopf.

Seit ich in meiner eigenen Küche werkle, gehört ein solcher zu meiner Basis-ausstattung und ich bereite damit schlafwandlerisch und schonen Schalenkartoffeln, Hülsenfrüchte oder Fleischeintöpfe zu.

Der Relax Powersteamer ist im Grunde nichts anderes als ein eingebauter Dampfkochtopf mit einer cleveren und bequemen Programmsteuerung.

Collage Steamer

Superpräzis und superbequem: Das Einbaugerät verfügt über einen Wassertank und eine Auffangschale und benötigt somit keinen externen Wasseranschluss und keine Ableitung.

Was der Vorteil gegenüber anderen Steamern ist? Dass nicht nur mit Dampf gegart werden kann, sondern auch mit Druck. Das spart enorm Zeit und Energie. Als Beispiel: Ein Gulasch ist statt in 2 Stunden innert 30 Minuten zart und saftig.

Aber gut, jemanden wie mich, holt man mit dem Zeitargument nicht hinter dem Ofen hervor. Wenn ich mein Ragù für Pappardelle mache, ist eine Kochzeit von unter 8 Stunden blanker Hohn.

Spannender ist die Möglichkeit, gradgenau zwischen 40 und 120 Grad kochen zu können und diese Temperaturen auch konstant zu halten.

«Onsen-Ei!» jubelt es da in meinem Hinterkopf. Endlich kann ich mal eines dieser perfekt gegarten Eier zubereiten.

Die Hochgastronomie feiert diese wachsweiche Delikatesse als neue Errungenschaft wie das Ei des Kolumbus, seit die Sous-Vide-Garmethode Einzug in die Profiküche gehalten hat.

Die Methode wenden die Japaner allerdings schon seit den hunderten, vielleicht sogar tausenden Jahren an – ganz ohne Hightech. So viel zu Romantik. In den Onsen, Japans heissen Quellen, werden Eier mehrere Stunden gegart. Dabei gerinnen Eiweiss und Dotter nur ganz leicht und das Ei bekommt eine gleichmässige wachsweiche Konsistenz, vergleichbar mit einem pochierten Ei.

Wer keine Onsen-Quelle hinter dem Haus hat, muss sich mit einem präzis steuerbaren Thermostat fürs Wasserbad oder eben einem Powersteamer behelfen. Die Kochzeit beträgt 1 Stunde bei 64 Grad.

Collage Onsen-Ei

Man kann es ganz, zum Beispiel als besonderes Frühstücks-Ei, geniessen oder dann das Eigelb vom Eiweiss befreien und dieses goldige Dotter, das eben gerade so zusammenhält und innen noch leicht flüssig ist, effektvoll servieren.

Zum Beispiel als lauwarmen Zwischengang in einer mit Butter aufgemixten Bärlauch-Weisswein-Reduktion. De-li-kat!

Onsen_Ei innen_s

Perfekte Eier kochen kann der Powersteamer also. Aber nur dafür 4000 Franken auszugeben, wäre etwas dekadent.

Kontrolliert, zeitgenau und gradgenau kochen heisst natürlich auch ganz bequem einkochen. Da ist die Lust gross, schnell und unkompliziert eingelegte Balsamico-Zwiebeln einzumachen.

Die geschälten Zwiebeln kommen in einem Sud aus Rotwein, Wasser, Balsamico-Essig und Gewürzen direkt ins Einmachglas und werden während 25 Minuten bei 90 Grad eingekocht. Fertig.

Collage Zwiebelchen

Gemüse pochiert man natürlich ebenso im Schlaf. Fisch, Lachs zum Beispiel, gelingt spielend wie er sein sollte: Glasig und saftig. Und alles lässt sich intuitiv über einen Farb-Touchscreen in einer übersichtlichen Programmnavigation anwählen und automatisch zubereiten.

Mir gefällt auch die Idee des Vorgarens und warm halten. Ein Kabeljaufilet kann man nachdem man Kartoffeln, Zucchini und Spinat gedämpft hat, knapp unter den Punkt garen und bei 40 Grad warm halten.

Dann stellt man in Ruhe das Zucchini-Petersilien-Püree fertig, aromatisiert den Babyspinat und rührt eine Béchamelsauce. Fischfilet portionieren, salzen, pfeffern und in aufgeschäumter Butter 1 Minute bräunen.

Kabeljau_s

Die Kombination lege ich mir selbst nochmals nachdringlich ans Herz – war eine spontane Kombination, aber eine, die unbedingt nach Wiederholung schreit!

Und nun zur eigentlichen Zwickmühle: Fleisch ganz entspannt bei niedriger Temperatur garen und den Backofen gleichzeitig frei haben für Kartoffelgratin und dergleichen.

Funktioniert tadellos. Ich habe ein Hohrückenfilet von 1,5 kg ohne anzubraten mit wenig Olivenöl eingepinselt und mit Thymian und einigen Knoblauchzehen 1,5 Stunden bei 60 Grad ohne Druck sanft gegart (ist kein Standardprogramm und natürlich könnte man mit der Temperatur und der Garzeit je nach Gusto variieren).

Aber der Punkt ist: Das Ding war brutal zart. Die Kerntemperatur von etwas über 50 Grad kann man locker 1-2 Stunden warm halten, ohne dass etwas zu befürchten wäre.

Kurz vor dem Servieren habe ich das Filet in drei-Finger-dicke Steaks geschnitten und in Butterschmalz 1 Minute pro Seite fertig gebraten.

Collage Steak

Heiliger Sankt Maillard! Da gab es nichts zu meckern.

Hohrücken-Steak_s

Wer nun wirklich mal auf einen Quickie aus ist, kocht sich nach einem der vielen Rezepte die mitgeliefert werden so etwas wie das zarteste Pouletcurry, das ich jemals zubereitet habe.

Curry_s

Unten eine Schale Basmatireis, oben eine Schale mit der Sauce. Darin – wiederum ohne vorher anzubraten das Pouletgeschnetzelte – und in 15 Minuten ist eine Mahlzeit fertig.

Hier könnte man sich schnell an den Vorteil von programmiertem Kochen gewöhnen: Da der Kochprozess von selbst stoppt und die Speise danach gut warmgehalten wird, kann ich während der Kochzeit sonst was erledigen und muss nicht auf die Minute genau am Herd stehen und den Zampano machen.

Einziger Kritikpunkt am Gerät ist das relativ langsame Display, das in etwa die Abmessung eines Smartphones hat, aber eben viel langsamer arbeitet. Hm, so schnell gewöhnt man sich an digitale Responsezeiten und ist dann plötzlich untolerant.

Aber hey: Noch kann mein iPhone kein perfektes Onsen-Ei kochen!

Wer sich ernsthaft für den Einbau eines Relax Powersteamers interessiert, bekommt über den Küchenbauer seines Vertrauens kostenlos ein Testgerät für eine Probewoche nach Hause geliefert.


Nicht ohne mein Gemuese.

Diesen Herbst druckfrisch zu haben: Mein neues Kochbuch.

Man soll die Dinge nehmen, wenn sie reif sind. Das halte ich nicht nur bei Früchten, Gemüsen und Lebensmitteln im Allgemeinen für sinnvoll. Auch im Alltag und in der Arbeit schätze ich es sehr, wenn man bereit ist für den richtigen Moment und dann auf Ausgereiftes statt auf Unausgegorenes setzt.

Dazu gehört auch auch, dass ich es gerne nehme wie es kommt. Geduldig. Ohne die Dinge mit der Brechstange herbeizuzwingen. So kam die Anfrage, «Italien vegetarisch» zu schreiben ein wenig wie die Summe von Dingen, die ich zwar nicht beeinflusst, aber mir doch irgendwie herbeigewünscht hatte.

Das dritte Kochbuch der genialen und erfreulich erfolgreichen Vegetarisch-Reihe der mir sehr verbundenen Herausgeberin Katharina Seiser war irgendwie die logische Konsequenz nach «Österreich vegetarisch» und «Deutschland vegetarisch».

Und ich bin unheimlich glücklich, dass ich als Autor (und Fotograf) meine brennende Leidenschaft für klassische, authentische und traditionelle italienische Gerichte für dieses als Standardwerk konzipierte Buch einwerfen konnte.

Herzlichen Dank, liebe Katha!

Katha und ich lesen uns übrigens seit unseren Foodblog-Anfängen 2007 und wir staunen und freuen uns immer wieder über die auftauchende Synchronizität, unsere kulinarische Verwandtschaft und dem uns gemeinsamen gerüttelt Mass an Sturheit in Sachen Schlichtheit und Ehrlichkeit.

Ich weiss nicht, was mich geritten hat, dem Verlag anzubieten, dass ich alle 150 Rezepte schreiben, kochen, stylen und fotografieren würde.

Aber so arbeite ich nun mal am liebsten: Aus meinem Kochalltag heraus, in meiner Küche, mit dem vorhandenen Tageslicht fotografieren, während meine Familie schon mal mit dem Essen beginnt und ins Nebenzimmer ruft: «Darf man noch was davon nehmen oder brauchst du das fürs Foto?»

Mein liebster Bloggerkollege Stevan Paul, Autor von «Deutschland vegetarisch», hat noch zu mir gesagt: «Kochen, stylen und fotografieren? Das schaffst du nicht!». Damit hat er mir natürlich nur noch zusätzlich Sporen für meine ohnehin schon grosse Motivation gegeben. Hast du gut gemacht, Verehrtester!

«Italien vegetarisch» ist eine Einladung an eine reich gedeckte Tavolata.

Mit herzhaften traditionellen Gerichten aus allen Regionen wie Parmigiana, Ribollita, Pancotto, Minestrone, Carciofi alla romana, Gnocchi di patate, Pasta e fagioli sowie vielen klassischen Lieblingen und verborgenen Schätzen.

Alle sind vegetarisch. Viele sogar vegan. Wobei ich sie (und die Italiener erst recht) nicht in solche Schubladen stecke. Es sind einfach grandiose Gerichte, die großartig schmecken – basta.

Frisches Gemüse und Obst für Italiener überlebenswichtig. Mit grossem Selbstverständnis werden daraus und auch in Kombination mit Pasta, Reis und Polenta ehrliche, authentische und schnörkellose Mahlzeiten zubereitet.

Ich habe sie von Antipasti über Suppen, Salate, Pasta, Risotto und Polenta bis zu Obsttellern und Desserts gegliedert.

Und wie schon bei den Vorgängern «Österreich vegetarisch» und «Deutschland vegetarisch» sind die Rezepte in fünf Jahreszeiten sortiert.

Ja, fünf. Die vier saisonalen und – eine Idee, die mir besonders gut gefällt: Jederzeit. Denn es gibt Dinge wie Eier, Mehl, Hülsenfrüchte und Eingemachtes, die eben jederzeit in guter Qualität verfügbar sind.

Die Rezepte sind leicht nachzukochen (und vor allem systematischer und präziser als ich das hier auf dem Blog gemeinhin handhabe) und für jeden Tag geeignet.

Eines noch. Für alle, die sich womöglich fragen, warum ich als bekennender Karnivore jetzt einen auf Vegetarisch mache.

Ich renne bestimmt keinem Trend nach (ich war schon vor zwei Dekaden mehrere Jahre lang Vegetarier). Vielmehr freut es mich, dass nun in einem Kochbuch das zum Hauptthema wird, wofür ich schon immer eingestanden bin (hier zum Beispiel) und das ich schon immer propagiert habe:

Charaktervolle italienische Gerichte, die seit jeher so selbstverständlich fleischlos und gut sind, dass es nie nötig war, ostentativ das Vegetarier-Fähnchen dafür zu schwingen.

Ich kanns jedenfalls kaum erwarten, bis das Buch im September endlich erscheint. Wem es genauso geht und vorbestellen mag, kann das hier sehr gerne tun, vielen Dank!

Daten und Infos zu Buchpräsentationen und kulinarischen Lesungen gebe ich hier gerne zeitnah durch.


Kunst: Krautknusprige Kartoffeln

Kann es sein, dass Kartoffelnbraten Können erfordert?

Ich komme zurzeit wenig zum Bloggen, weil ich anderweitig gerade viel am Schreiben bin. Manchmal vergisst man dabei den Blick auf die Uhr und der knurrende Magen übernimmt dann kurz die Rolle des Weckers.

So musste ich vorhin ohne einen Plan zur Nahrungsaufnahme in die Küche pirschen. Zum Glück lagen da ein paar geschwellte Kartoffeln vom Vortag die aussahen, als könnten sie meine Gesellschaft brauchen.

Ich sage euch: Daraus ein paar anständige Bratkartoffeln zu machen, ist für mich das Grösste. Und anscheinend nicht ganz so einfach, wenn ich an die traurigen, tranigen Knollen denke, die mir vor etwa zwei Wochen in einer Brasserie serviert wurden.

Es ist nicht viel und erst recht nicht verhext, aber diese Kartoffeln schmecken grossartig und deshalb möchte ich das Rezept mit euch teilen:

  1. Gekochte Schalenkartoffeln vom Vortag schälen und der Länge nach mit 2 bis höchstens 3 Schnitten in relativ dicke Scheiben teilen (damit sie aussen brutal knusprig aber innen fluffig weich sind).
  2. In eine Bratpfanne einen kleinen Ozean voller Olivenöl füllen. So, dass alle Familienmitglieder unabhängig voneinander im Vorbeigehen fragen: «Whuow! Ist das nicht ein bisschen viel Öl?»
  3. Kartoffeln auf einer Seite salzen. Mit der gesalzten Schnittfläche nach unten nebeneinander in der Pfanne verteilen, ohne dass sich die Kartoffeln überlagern. Geduldig bei mittlerer Hitze braten ohne sie dabei zu stören und zu drangsalieren (15 Minuten).
  4. Eine Hand voll Salbei und italienische Petersilie fein schneiden, ein paar Knoblauchzehen in der Schale einschneiden.
  5. Kartoffeln salzen und sogleich einzeln vorsichtig wenden. Sie strahlen jetzt so golden als wären bereit, anstelle der Statuette bei der Oscarverleihung überreicht zu werden.
  6. Nach 10 Minuten Kräuter, Knoblauch und 2 Esslöffel Paniermehl zwischen den Kartoffelscheiben verteilen und mitbraten.
  7. Mit schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen und alles gut durchmischen.
  8. Warten! So schön und zum Anbeissen sie jetzt auch aussehen mögen: Warten. Lauwarm schmecken sie um Galaxien besser, als pfannenheiss.

Grossartige kleine Happen.

Wer liebt sie nicht, diese kleinen Dinger, die uns als Antipasti den Appetit anregen?

Ein Griff – geniessen – und hopp zum Nächsten!

Antipasti – richtig aufwändig gemachte, gemüsige, teigige, fleischige, fischige und vor allem überraschend gefüllte  –  sind eigentlich viel zu gut, um einfach nur auf Appetitanreger vor dem “richtigen” Essen reduziert zu werden.

Es gibt kulinarisch gesehen kaum etwas Anregenderes, als sich von Häppchen zu Häppchen zu hangeln, sich wohldosiert Alkohol zuzuführen und mit gesprächsfreudigen Menschen gepflegten Small-Talk zu treiben. Ich könnte mich stundenlang daran berauschen.

Diese involtini di zucchine sind meine neuen Lieblinge.

Dazu hobelt man mittelgrosse Zucchini mit dem Sparschäler in Streifen. Diese 30 Sekunden im kochenden Salzwasser blanchieren und gut abtropfen lassen.

Für die Farce, die Zucchiniabschnitte kleinschneiden und mit einer Zwiebel in Olivenöl langsam weichschmoren. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und frischem Thymian würzen. Auskühlen lassen.

In einer Schüssel mit grob zerkleinerten Pinienkernen, etwas Paniermehl und einem Ei zu einer lockeren Masse vermengen. Masse auf die Zucchinistreifen streichen und Streifen vorsichtig zusammenrollen.

Gefüllte Zucchinistreifen mit einem Zahnstocher fixieren.

Zucchiniröllchen_2_s

Röllchen im Paniermehl wenden, in eine mit Backpapier ausgeschlagene Auflaufform legen und mit etwas Olivenöl beträufeln.

Zucchiniröllchen_4_s

Bei 200 Grad Umluft etwa 20 Minuten goldbraun backen.

Zucchiniröllchen_5_s

Mit literweise Aperitivo, vom gift-orangen Crodino über den tiefschwarzen Chinotto zu Aperol Spritz, Prosecco, Hugo, eisgekühltem Soave oder was auch immer runterspülen.

Salute!


Yippie Yah Yei – Schweinebacke!

Bekommst du italienische Schweinebacke in die Hand, halte auch die andere hin.

Das ist er. Der Einzige. Der Richtige. Der Echte: Guanciale.

Um diesen unvergleichlich feinwürzigen, luftgetrockneten italienischen Speck aus der Schweinebacke wieder einmal in die Finger zu bekommen, musste ich mich gedulden, bis ich letzthin wieder einmal in Milano bei einem Feinkosthändler Fuss fasste.

In meinem unmittelbaren Einkaufsradius habe ich bisher leider noch keinen Guanciale gesichtet. Ich wecke hiermit vorsätzlich den Sportgeist meiner Leserschaft und hoffe, ihr werdet bei einem lokalen Metzger fündig. (Piesackt ihn ruhig ein wenig, damit er euch welchen besorgt – es lohnt sich!)

Guanciale, der ursprünglich in den Regionen Latium und Umbrien hergestellt wird, ist vorwiegend für zwei traditionelle Gerichte unabdingbar: Bucatini all amatriciana und Spaghetti alla Carbonara.

Ich habe mir mit diesem Blog, glaube ich, den Ruf erarbeitet, ein Verfechter klassischer, traditioneller Rezepte zu sein, wenn es um italienische Gerichte geht.

Dies hat wohl dazu geführt, dass ich kürzlich vom Magazin für Geniesser «al dente» zu einem Carbonara-Gipfel eingeladen wurde. Una bella sorpresa!

Sternekoch Rico Zandonella und Eden au Lac Küchenchef Sebastian Diegmann haben ihre Carbonara-Interpretaion präsentiert (Rico mit Onsen-Ei, Sebastian mit Hummer) und ich durfte das Rezept für eine klassische Carbonara beisteuern. Hier nachzulesen.

Was wir einhellig zementiert haben: Rahm gehört definitiv nicht an eine Carbonara! Das tat richtig gut.

Zur Zeit läuft ja ein Spot in Schweizer Werbefenstern, der regelmässig meine Contenance zum ausflocken bringt, in welchem ein bescheidenes Milchprodukt mit Zusatzstoffen für einen besonders cremigen Carbonara-Genuss sorgen soll. Macht. Das. Nicht.

Wie bei so vielen vermeintlich simplen italienischen Rezepten, steht und fällt das Geschmackserlebnis mit der Qualität der Zutaten und ein paar geübten, aber nicht wirklich schweren, Handgriffen.

Für 4 Personen schneide ich 200 g Guanciale in fingerbreite, etwa 3 mm dünne Streifen und brate sie bei mittlerer Hitze in einer  Schwenkpfanne langsam an.

Erster wichtiger Kniff: Dem Guanciale Zeit lassen! Das Fett soll langsam schmelzen. Nichts soll anbrennen. Das dauert gut und gerne 20 Minuten.

Am Schluss wollen wir knusprige Stückchen, die innen weich und von dieser unglaublich schmelzigen Schwarte umgeben sind.

Die letzten paar Minuten aromatisieren wir mit einer ungeschälten, angedrückten Knoblauchzehe (danach entfernen).

Guanciale-Streifen beiseite stellen. Übriges Fett aus der Pfanne abgiessen und aufbewahren (zum Beispiel für beispiellos gute Bratkartoffeln!).

Jetzt kommt der zweite Clou: Die Röststoffe im Pfannenboden mit 1 dl kaltem Wasser deglacieren. In diesem Wasser werden wir die Spaghetti mit der Eimischung vermengen.

Inzwischen in einer kleinen Schüssel 4 frische, mittelgrosse Bio-Eier  verquirlen, 4 EL frisch geriebenen Pecorino romano daruntermischen und mit frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer würzen.

In einem grossen Topf gut gesalzenem Wasser 400 g raue Spaghettoni (z.B. die von PPURA) sehr bissfest al dente kochen.

Spaghettoni abseihen, in die Schwenkpfanne geben und stark erhitzen – Dreh Nummer 3: So löst sich Stärke aus der Pasta, die Sauce bindet besser und wird wunderbar sämig.

Pfanne vom Herd ziehen. Die verklopften Eier und ¾ vom Guanciale zur Pasta geben und energisch mischen (die Eier sollen cremig bleiben und nicht stocken).

Pasta in Teller heben und mit den restlichen Guanciale-Streifen garnieren.

Das muss nicht spektakulär aussehen – es reicht, wenn es spektakulär schmeckt.


Je weniger desto mehr

Ragù lecca baffi_s

Auf Italienisch leckt man sich den Schnurrbart – nicht die Finger.

Es gibt Gerichte, die lecken alle Wunden, trösten alle Herzen und machen aus einem lumpigen Tag einen Lichtblick.

Das Gute: Dafür braucht es weder Renommee noch Portemonnaie. Nur ein wenig Kultur und simples Savoir-faire.

Samstag war zwar eher Finger lecken. Gab wieder mal sizilianische salsicce al finocchio. Muss nicht vom Grill sein. In der Eisenpfanne langsam gebraten kommt das sehr gut. Dazu ein paar Friardelli, die kleinen krummen Peperoni, Glas Rotwein, perfetto.

Da ist man gut beraten, wenn man etwas mehr von den Salsicce einkauft und damit ein Ragù für die sonntäglichen Tagliatelle macht.

Je weniger Zutaten desto besser: Olivenöl, Zwiebeln und das ausgedrückte Wurstfleisch. Die Wurst hats natürlich in sich: Bestes Fleisch, Fenchelsamen, Peperoncino. Wunderbar ausgewogen und hocharomatisch.

Bisschen anbraten, eine Dose Pelati dazu, fertig. Für die nächsten vier Stunden soll das unterm Deckel diskret blubbern.

Diese Datterini-Tomaten sind von Mutti. Also nicht von meiner Ma – vom Konservenhersteller aus Parma. Gibt ja Leute, die Hemmungen haben, zu Dosentomaten zu greifen. Meinen, das sei mindere Ware. Kommt drauf an von wem. Gute Konserven sind allemal besser als irgendwelche dubiosen “frischen” Wintertomaten, die nach gar nichts schmecken.

Am liebsten verwende ich ja passierte Tomaten aus dem Glas. Dabei nehme ich es lupengenau: Bei den Zutaten darf nur Tomaten und Salz stehen. Nichts anderes. Keine Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel oder irgendwelche grässlichen Gewürze. Eben so, wie in Italien hausgemachte Tomaten eingemacht werden. Tomaten vom eigenen Garten ramassieren, einkochen, salzen, sterilisieren.

So. nach vier Stunden sieht das Ragù so aus. Schön eingezogen und dickflüssig.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken und ab auf die Tagliatelle.

Ist nun wirklich nicht schwer, oder? Also der Geschmack schon. Der ist tonnenschwer tief. Kaum zu glauben.

Tagliatelle al ragù ist übrigens die einzige Pasta, die nicht zwingend in der Sauce durchgeschwenkt werden muss. Das Ragù wird mittig auf die Nudeln gesetzt. Das ist Gesetz. Wie traurig alles andere ist, hab ich hier mal beschrieben.

Ragù Salsiccie e Tagliatelle_s

Mischen is possible – aber bitte im eigenen Teller.

Ragù Salsiccia con Tagliatelle_s

Reicht mir jemand bitte den Käse? Grazie.


Pot-au-fond un peut fou

Als ich kürzlich wieder einmal einen Kalbsfond zubereitet habe und dabei zufällig den Pot-au-fond erfand, war mir sofort klar, dass ich diesen als meinen vierten und letzten Gang in Steffen Sinzingers Projekt in 4 Gängen präsentieren würde.

Der Vater des Gedankens ist natürlich der Pot-au-feu. Dieser tröstende, klassische Eintopf mit Rindfleisch und Gemüse der ländlichen Küche Nordfrankreichs, den es in unzähligen Varianten gibt.

Allen eigen ist der Umstand, dass nicht wenige Spitzenköche auf die Frage, was sie als Henkersmahlzeit am liebsten essen würden, Pot-au-feu als Antwort geben.

Das ist – wie ich finde – nicht die schlechteste Antwort.

Deshalb hier eine weitere Abwandlung des Themas mit Kalb als Hauptzutat und einem tiefgründigen Fond anstelle der Fleischbrühe.

Zutaten Kalbsfond

  • 1 Kalbshaxe (etwa 1 kg)
  • 1 Kalbszunge (etwa 600 g)
  • 2 Karotten
  • 1 Steckrübe
  • 2 Sellerierippen
  • 1 Stück Knollensellerie
  • 1 Lauchstange (nur das Weisse)
  • 2 Blätter Endiviensalat (Lavata)
  • 1 Zwiebel (mit einer Gewürznelke gespickt)
  • 1 Bouquet garni (Petersilienstängel, Thymian, Lorbeerblatt)
  • 10 schwarze Pfefferkörner
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1 Steinpilz (getrocknet)
  • 1 Stück Ingwer
  • 1 dl Rotwein
  • 1 dl Portwein
  • 1 Schalotte

Zubereitung

Kalbshaxe auslösen, parieren, Knochen in 5 cm hohe Stücke zersägen. Zusammen mit der Kalbszunge in 3 Liter kaltem Wasser ansetzen. Aufkochen, abschäumen. 1 Karotte, 1 Sellerierippe, Knollensellerie und Zwiebel zu Mirepoix schneiden und in wenig Öl anrösten, Tomatenmark dazugeben und mitrösten. Röstgemüse und alle anderen Zutaten in den Topf geben. Simmern lassen. Markknochen nach 30 Minuten, Karotte und Steckrübe nach einer Stunden herausnehmen und bereitstellen. Zunge nach 2 Stunden herausnehmen, häuten und in feine Scheiben schneiden. Kalbfleisch nach 3 Stunden herausnehmen. Muskelstränge auseinanderteilen und in 2 cm hohe Scheiben schneiden.

Fond passieren. In einem Saucentopf Rot- und Portwein mit einer grob geschnittenen Schalotte auf die Hälfte reduzieren. Zum Fond giessen und diesen eine weitere Stunde simmern lassen. Danach erneut durch ein feines Tuch passieren. Salzen.

Anrichten

Zunge, Steckrübe, Karotten und Fleisch in Scheiben im Suppenteller anrichten. Mit Fond aufgiessen. Mit Endiviensalat ausgarnieren und frischem Meerrettich bestreuen. Markknochen unter der Grillschlange oder mit einem Brenner karamellisieren, mit Salzflocken würzen und mit einem französischen Holzofenbrot auf dem Tellerrand servieren.

Ein Rückblick auf die anderen drei Gerichte, die ich zum Projekt beigesteuert habe:

Lamm | Vorspeise

Kartoffel | Vorspeise

Hirsch | Vorspeise



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