Da capo!

Kochen Cucina e Libri_s

Lustig: «Da capo» heisst ja nicht nur nochmal von vorn sondern auch als Chef.

Der grossartige “Carlomagno” Bernasconi hat mich wieder eingeladen, in seinem heimeligen Restaurant Cucina e Libri in Zürich zu kochen. Ich werde auch diesmal wieder ein vielgängiges vegetarisches Menü aus meinem Buch «Italien vegetarisch» zubereiten.

Anmeldungen bitte direkt bei Carlo: cucinalibri@bluewin.ch oder 044 383 21 39.

Freitag, 13. März 2015, 19:00 Uhr 
CHF 100.– fixes Fünfgangmenü inkl. Begrüssungsapéro

Freue mich auf einen genussvollen Abend mit euch!

Cucina e Libri


Zum Mitschreiben: Pun-ta-relle.

Puntarelle mit Moro Blut-Orangen

Es ist wieder Zeit, Werbung für die inneren Werte der Catalogna zu machen.

Denn noch immer gibt es Menschen, die diesen besten aller Wintersalate noch nie gegessen haben. Nicht wissen, wie krachend knackig und aromatisch er ist. Wie süss seine Bitterkeit schmeckt.

Schlimmer noch. Gar nicht wissen, was das für ein Gemüse ist, wie es buchstabiert wird und wo man es kauft.

Steht alles hier. Vor einem Jahr habe ich schon davon geschwärmt und für die klassische Zubereitung alla romana plädiert.

Heute empfehle ich eine Version mit zwei wesentlichen Varianten. Erstens kann ich allen ans Herz legen, das Herz unversehrt zu lassen. Das heisst: Die spargeldicken Triebe lassen wir ganz. Wir schneiden sie nicht in Streifen. Wir brechen sie nur aus, brausen sie ab, schütteln sie trocken und legen sie auf einer Salatplatte aus.

Einige der feineren löwenzahn-artig gezackten Aussenblätter legen wir ebenfalls aus. Fürs Auge.

Zweitens kombinieren wir dazu hocharomatische, zuckersüsse Moro Blutorangen. Schale mit der weissen Haut runterschneiden, in 1 cm dicke Scheiben schneiden und dann sechsteln.

Für die Vinaigrette zerdrücken wir ein paar Sardellen. Mit Honig, etwas Saft von den Orangen, einem Schuss Weissweinessig und bestem Olivenöl cremig aufschlagen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und über den Salat träufeln.

Nicht wundern, wenn man beim Essen plötzlich lachen muss, weil dieser saftige Wintersalat so viel Freude macht und man sich fühlt wie eine Schneeflocke im Wind.


Total Recall

Pappardelle al Ragù di Manzo_s

Klassiker und Lieblingsgericht aus meinem ersten Buch. Ewigs nicht mehr gekocht: Pappardelle al Ragù di Manzo.

Heute mal aus Rinderbeinscheiben (Ossobuco). Und deshalb als Bonus schöne Markbeine. Durchtränkt von der Rotweinsauce.

Markbeine_s

Rezept gibts hier. Macht dieser Tage echt glücklich.


Schnelle Eskapade ans Meer.

Polpo im Creuset Topf_sSo. Zurück vom Gourmet Festival in St. Moritz. Jetzt muss ich erst mal was essen. Natürlich nichts Kompliziertes. Etwas Simples. Etwas, dass mich augenblicklich an die sonnige, sandige, salzige Küste katapultiert.

Immer wenn ich Sehnsucht nach Wärme und Meer habe, ziehe ich die Vorhänge zu, werfe den Diaprojektor an und schaue mir während dem Essen Ferienfotos an.

Natürlich nicht.

Es reicht, die Nase über diesen duftenden Teller zu halten und den butterzarten Polpo mit Tomatensauce, Kartoffeln und Erbsen auf der Zunge zergehen zu lassen.

Ich bekomme hier nur gefrorenen Oktopus. Das hat den Vorteil, dass er zart wird, wenn man sich nicht ganz ungeschickt anstellt. Ich empfehle das sanfte Schmoren im eigenen Saft. Das macht ihn besonders zart und aromatisch.

Im Eisentopf Olivenöl erhitzen. Mit Peperoncino, Knoblauch, Sellerie und Lorbeer aromatisieren. Den aufgetauten Polpo dazugeben und offen bei mittlerer Hitze zwei, drei Minuten anbraten (für die Röstaromen). Dann ein paar Esslöffel passierte Tomaten dazugeben und ohne weitere Zugabe von Flüssigkeit geschlossen bei kleiner Hitze eine Stunde simmern lassen.

Ob er weich genug ist, merkt man, wenn man ihn kurz ansticht. Herausnehmen, in mundgerechte Stücke schneiden und wieder in den Topf geben.

In der Zwischenzeit ein paar geviertelte Salzkartoffeln aufsetzen. Gekochte Kartoffeln, aufgetaute Erbsen (je nach Saison natürlich auch frische) und Petersilie unter den Polpo mischen und zusammen 5 Minuten einköcheln.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit viel Brot und einem kühlen Weissen servieren und dabei Pläne für den Sommerurlaub schmieden.

Polpo Piselli Patate_s


In Schale geworfen.

Potato Skins – super knusprige Kartoffelschalen-Chips ©anonymekoeche.net

Potato Skins – super knusprige Kartoffelschalen-Chips.

Für das Restaurant Magazin bei local.ch habe ich ein unwiderstehliches Rezept für einen gute Laune Snack geschrieben. Darf ich euch unter keinen Umständen vorenthalten: Kracher!

Das Nervige anfangs Jahr ist, dass die Motivation nicht so recht in Schwung kommen mag: Es flattern nichts als hohe Rechnungen ins Haus, die guten Vorsätze fallen schon früh wie ein Kartenhaus in sich zusammen und auch das graue Wetter ist alles andere als ein Aufsteller. Kein Wunder, sind so viele Leute miesepetrig unterwegs und dünnhäutig drauf.

Ein kleines Wunder bewirken da die dünnhäutigen Kartoffelschalen-Chips! Erstens sind sie ein willkommen günstiges Essen im verflixten Januarloch. Zweitens kann man gleich zweimal davon essen (einmal die wirklich extrem knusprigen «Potato Skins» und dann noch – quasi als Bonus obendrauf – ein feiner homemade Kartoffelstock).

In vielen englischen und amerikanischen Rezepten werden die «Potato Skins» mit Käse, Speck und anderen Zutaten gefüllt. Was sie teilweise schwer und mastig macht – und das schlägt dann unter Umständen wieder aufs Gemüt. Unsere Variante konzentriert sich auf das Wesentliche dieses Kartoffel-Krachers: Richtig guter Baked Potato-Geschmack und kompromisslose Knusprigkeit!

Das Gute: Man kann mehr davon knabbern, weil man nicht gleich eine ganze Kartoffel verspeisen muss, wie bei einem Baked Potato. Diese Kartoffelschalen sind aussen aromatisch und sehr würzig, weil sie mit lauter Kristallen vom groben Meersalz überzogen sind. Innen erfreuen sie mit einer gerade genügenden Menge crèmiger Fülle. Der kühle Klacks Crème Fraîche schliesslich bringt die nötige Frische zu diesem unwiderstehlichen Snack!

Zutaten für 4 Personen zum Snack oder als Beilage

  • 8 mittelgrosse Kartoffeln für Baked Potatoes
  • 1 Esslöffel grobes Meersalz
  • 2 Esslöffel Olivenöl
  • 1 Becher Crème Fraîche
  • 1 Bund Schnittlauch
  • Schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

Ofen auf 250 Grad vorheizen. Kartoffeln unter fliessendem Wasser gut abbürsten. Trocken tupfen und mit einer Gabel mehrmals einstechen, damit sie beim Backen nicht aufplatzen. Kartoffeln ganz in eine Salatschüssel geben und mit dem groben Meersalz und dem Olivenöl einreiben.

Auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen und 45 bis 60 Minuten backen bis sie weich sind (Stechprobe). Danach etwas auskühlen lassen, längs vierteln und das Innere der Kartoffel bis auf 5 mm wegschneiden. Mit dem herausgeschnittenem Kartoffelrest lässt sich eine hübsche Portion homemade Kartoffelstock zubereiten! Einfach mit Milch und Butter einkochen und mit Muskat und Salz würzen.

Die dünnen Kartoffelviertel mit der Schale nach unten erneut auf dem Backblech verteilen, die Oberfläche mit etwas Olivenöl bepinseln und 15 Minuten knusprig ausbacken. Nach belieben ein paar Knoblauchzehen mitbacken, die sich nachher – süsslich und cremig – ausdrücken und mitessen lassen.

Schnittlauch waschen, trockenschütteln und in feine Ringe schneiden. Kartoffelschalen-Chips herausnehmen, grosszügig salzen und pfeffern und nach Belieben mit einem Klacks Crème Fraîche und Schnittlauch geniessen.

 


Eine Pasta zum umarmen.

Pasta e fagioli

Man braucht etwas, das die Seele wärmt, in diesen kalten Tagen. Diese Pasta e fagioli zum Beispiel.

Gewöhnlich bereite ich Pasta e fagioli jeweils recht gerne recht flüssig als Bohnensuppe zu, etwa hier. Diese Variante ist etwas ganz anderes. Nicht flüssig. Das pure Gegenteil: Sauce und Bohnen sind von geradezu breiiger Konsistenz.

Das Gericht ist brutal vollmundig. Und sehr sättigend. Für das Bäuchlein und fürs Gemüt. Weil sie so sanft und mollig ist.

Man sollte sich jedoch ein Herz fassen und die Pasta wirklich al dente kochen. Ich meine, so wie in Italien. Ich erschrecke jedes Mal, wenn ich dort Pasta serviert bekomme. Sie hat immer noch einen Grad mehr Biss, als wenn ich sie bissfest koche. Also, nur Mut. Sie schmeckt so viel besser (auch wenn biedere Zeitgenossen rummäkeln, weil sie Pasta immer viel zu weich essen).

Ich habe Rigatoni von Guiseppe Cocco aus den Abruzzen genommen. Es gingen aber auch sehr gut, sagen wir mal, Mezze Maniche oder andere kurze Nudeln mit Loch sowie Nudeln in Muschelform.

Der Borlotti-Bohnen-Sugo mit Knoblauch, Salbei und zerdrückten Kartoffeln überzieht die Rigatoni mit einem cremigen, aromatischen Schmelz. Jede einzelne Rigatoni-Röhre ist rundherum mit Sauce umhüllt. Allerdings nur gerade so viel, dass man den nussigen, leicht nach Stroh duftenden Eigengeschmack der sehr bissfesten Pasta noch deutlich schmeckt.

Zu viel Sauce an der Pasta – das weiss, wer hier regelmässig mitliest – das lässt Italiener schaudern. Zu wenig ist ihnen aber auch ein Gräuel. Nackte, nicht mit Sauce überzogene Pasta mit einem Pflatsch Sauce obendrauf, ist ebenso schlimm. Bei diesem Rezept ist die Balance so wie sie sein soll.

Am Vortag 200 g getrocknete Borlottibohnen einweichen (mindestens 12 Stunden), dann die Bohnen weichkochen (etwa 2 Stunden) und auskühlen lassen. Dazu zwei mittelgrosse, vorwiegend mehlig kochende Kartoffeln in der Schale weichkochen, ebenfalls auskühlen lassen. Beides bereitstellen.

Dann beginnen wir mit dem Soffritto: Olivenöl in einem Topf erhitzen. Eine Hand voll sehr fein gewürfelten Knollensellerie (Stangensellerie geht auch) darin weichschmoren. Er soll keine Farbe nehmen.

Nach 5 Minuten das Öl mit fein gewürfeltem Knoblauch und ein paar Salbeiblättern aromatisieren. Salbeiblätter nach 2 Minuten entfernen.

200 ml passierte Tomaten dazugeben, 10 Minuten zugedeckt einköcheln, damit sich die Aromen verbinden. 100 ml Wasser und die grob gewürfelten, vorgekochten Kartoffeln dazugeben und den Sugo 1 Stunde zugedeckt köcheln lassen.

Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer vollständig zerdrücken. Mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer kräftig abschmecken.

Die zerdrückten Kartoffeln machen den Sugo unglaublich cremig, dickflüssig und mild. Von der Säure der Tomaten ist nur noch wenig bemerkbar. Würde man den Sugo jetzt mit der Pasta mischen, könnte man auch Pasta e patate servieren.

Nun kommen die Bohnen zum Sugo. Wir wärmen sie darin in der Zeit, in der die Pasta gekocht ist und wir sie abseihen können. Etwas Pastawasser dabei auffangen und wenn nötig den Sugo damit etwas verdünnen.

Beim Mischen der Sauce mit der Pasta achte ich immer sehr pingelig auf das akkurate Verhältnis: Die 500 g Pasta für vier Personen können unter Umständen zu viel sein für die Sugomenge oder umgekehrt. Deshalb nicht alles aufs Mal mischen, sondern nach und nach. Dabei mit einem grossen Schaumlöffel die Rigatoni sanft untereinander heben, damit sie nicht brechen und die Bohnen nicht zerquetschen.

Jaja, wir betreiben hier keine Wissenschaft für einen profanen Pastateller, aber seit wir die Bohnen eingeweicht und den Sugo gekocht haben, sind mindestens 16 Stunden vergangen. Da wollen wir nicht auf den letzten Metern patzen!

Es sind wirklich diese kleinen Schritte, die aus einem einfachen Rezept etwas Besonderes machen.

Pasta e fagioli

Parmesan dazu oder nicht, ist eine sehr persönliche Geschmacksfrage. Ich finde, ohne fehlt etwas. (Das würde ich bei flüssigen Pasta e fagioli nie sagen!).


Cosi fan tutte.

Spuntature di maiale con polenta – ein Trigger, der bei den meisten Italienern einen unkontrollierten Speichelfluss auslöst.

Schweins-Brustspitzen und Polenta mit Tomatensugo sind seit Urzeiten so unschlagbar unzertrennlich gut wie Enzo & Ferrari oder Parma & Schinken.

Und vermutlich schmeckt kein italienischer Klassiker mit so unglaublich wenig Zutaten so intensiv und so gut.

Die Brustspitzen vom Schwein? Damit muss man gar nichts machen. Nicht marinieren, nicht würzen, gar nichts. Sie kommen direkt unter die Grillschlange bis sie eine schöne Farbe haben und das überschüssige Fett abgetropft ist. Geht bei 200 Grad so 45 Minuten. Jeweils nach 10 – 15 Minuten wenden.

Spuntature Grill_s

Der Tomatensugo – es klingt beinahe lächerlich – geht so: Zwiebeln im Olivenöl weichschmoren, sehr gute Dosentomaten dazugeben, salzen, pfeffern, fertig. Mindestens 1 Stunde köcheln. Dann die Schweinerippchen dazugeben und eine weitere Stunde simmern lassen.

Spuntature Sugo_s

Die Bramata-Polenta will sowieso nichts anderes als gesalztes Wasser und eine Stunde konstante mittlere Hitze bis sie dick und süsslich wird. Dann bekommt sie reichlich Sugo, ein Stück Fleisch und grosszügig Parmesan.

Ah, ja. Es gibt eine Steigerung: Polenta mit Schweinsbrustspitzen UND Salsicce. Göttlich.


Catalogna revisited.

Catalogna mit Meyer Lemon_s

«Bitter, fruchtig, süss und sauer.» 28 x 28 cm, Mischtechnik, Öl auf Catalogna, 2014.

Es ist einer meiner liebsten Teller: Catalogna mit Burrata.

Blattzichorie im Salzwasser blanchiert und anschliessend ripassata al olio, wie man auf Italienisch sagt.

Das heisst: Olivenöl erhitzen, mit Knoblauch und Peperoncino aromatisieren und die tropfnassen Catalogna-Blätter ein paar Minuten darin schwenken. Warm servieren und eine schöne Burrata oder eine Mozzarella di Bufala dazu geniessen.

Eine beliebte Variante ist: Catalogna nach dem Blanchieren abtropfen, mit Olivenöl und Zitronensaft anmachen und lauwarm servieren.

Mit dem Abrieb und dem Saft einer meiner Meyer-Zitronen ist diesmal so etwas wie ein geschmacklicher Neoexpressionismus daraus geworden!


Kontrollierte Kernschmelze.

Wir müssen uns mehr Gedanken über die Kerntemperatur von Gemüse machen.

Echt jetzt. Für zartes Fleisch tun wir es ja auch. Manchmal zwar eine Spur zu blasiert und überspannt. Was dann ganz schön anstrengend sein kann.

Aber keine Angst. Für einen perfekten Auberginenauflauf braucht es keine digitale Temperatur-Pistole und keine Bratenthermometer-App. Fingerspitzengefühl reicht.

Hab ich übrigens schon mal erwähnt, wie sehr mir das dumme Verb niedergaren auf den Senkel geht? Wenn man Fleisch bei niedriger Temperatur gart (englisch: low temperature cooking), kann man gerne – wenn es auch etwas arg gespreizt ist – von Niedrigtemperaturgaren sprechen. Aber bitte nicht von niedergaren, wie man umgangssprachlich leider oft hört und liest. Das klingt wie niedermachen. Was soll das heissen, sein Fleisch zur Schnecke machen?

Wer gerne mit der Sous-Vide-Methode arbeitet, bereitet neben Fleisch und Fisch auch Gemüse im kontrollierten Wasserbad zu. Das hat viele Vorteile. Das Gemüse bleibt auf den gewünschten Punkt saftig, knackig und farblich stabil.

Aber es gibt Gerichte, bei denen man so nicht weit kommt. Weil unterschiedliche Gar-Etappen gefragt sind und sich zum Schluss alles in einem finalen Zubereitungsschritt zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen soll.

Nehmen wir diese klassische Parmigiana di Melanzane. Heute habe ich sie wie immer zubereitet, und doch ganz anders. Mein liebstes Rezept findet sich natürlich in «Italien vegetarisch». Keine Hexerei. Simple Zutaten. Einfache Zubereitung. Grossartiger Genuss.

Nur, heute hatte ich schon mal eine andere Aubergine als sonst. Eine handballgrosse Violetta di Sicilia. Ein kugelrundes Prachtexemplar. Schwer, leuchtend lila mit wilden weissen Nuancierungen. Und vermutlich eine der letzten dieser Saison.

Daraus wollte ich noch einmal eine Parmigiana machen. Aber nicht, wie gewöhnlich, nebeneinander in eine Auflaufform geschichtet. Sondern in einzelnen Scheiben und Schichten hochgetürmt wie einer dieser saftstrotzenden Porno-Burger.

Was wir an einer Parmigiana hassen und wie sie auf keinen Fall sein sollte:

  • Matschig. Eine in sich zusammengefallene Pampe macht keine Freude.
  • Wässrig. Das ist wirklich schlimm. Auberginen, die den Sugo verwässern. Igitt.
  • Verbrannt. Eine feine Kruste ist okay. Bitter, trocken und hart ist pfui.

Es fängt mit dem Schneiden der Aubergine an. Scheiben von 8 mm sind zu dünn, 12 mm sind zu dick. Ein Zentimeter ist für das Kaugefühl genau richtig.

Bei mir wandern die Scheiben ohne Salz und ohne Öl in den 240 Grad heissen Ofen. Nebeneinander auf Backpapier liegend. Jetzt müssen wir weniger auf die Zeit schauen, als vielmehr durch das Ofenfenster gucken. Denn wenn die Oberfläche der Auberginenscheiben leicht gebräunt ist, wenden wir sie und lassen sie auf der anderen Seite bräunen.

Der Duft gibt auch sicheres Geleit. Wir wollen milde, nussige Röstaromen und Auberginenduft riechen.

Dann nehmen wir sie heraus und lassen sie auskühlen. Sie sehen jetzt ein wenig aus wie getrocknete Pilze. Sie sind kompakt, innen weich, aussen fest und sie sind kein bisschen ölig. Was total super ist. Ich bin nämlich kein Fan von gebratener und im Ei gewendeter Aubergine für Parmigiana. Ist mir zu mastig.

In der Zwischenzeit wird ein simpler Sugo aufgesetzt.

Knoblauch im Olivenöl sanft erhitzen. Passierte Tomaten dazu. Deckel drauf. 30 Minuten köcheln. Danach generös salzen und moderat pfeffern. Frisch geschnittene Petersilie dazugeben, fertig.

Jetzt geht es ans Schichten. Etwas Olivenöl auf dem Boden einer runden Gratinform verteilen. Eine erste Auberginenscheibe darauf legen. Sugo darauf verteilen. Hallo, darauf verteilen – nicht ertränken. Dann eine hauchdünne Schicht Paniermehl darüberstreuen. Eine ebenso dünne Schicht Parmesan darüber reiben. Und schliesslich ein paar Streifen Mozzarella darauf setzen (nicht die ganze Fläche damit bedecken).

So weiterfahren, bis alle Scheiben aufgebraucht sind. Bei mir waren es acht Schichten. Zum Schluss mit Sugo, Paniermehl und Parmesan und Petersilie überdecken. Keine Mozzarella.

Im Ofen bei relativ niedrigen 160 Grad backen, bis die ideale Kernschmelze erreicht ist. Auch das kann man von blossem Auge beurteilen: Die Schichten fallen ineinander, sind aber noch einzeln sichtbar. Die Mozzarella ist weich, läuft nicht davon und ist nicht hart oder trocken. Und der Sugo wird blödsinnig cremig. Durch und durch eins mit der nussigen Cremigkeit der Auberginen verbunden. Traumhaft.

Jetzt kommt die dritte Kerntemperatur-Kontrolle: Man darf die Parmigiana auf keinen Fall heiss anschneiden und essen. Grober Schnitzer!

Ruhen lassen und warten bis das Innere lauwarm ist. So geniesst man den vollen Geschmack. Ausgewogen, aromatisch, orgiastisch.


Selten delikat – Meyer Lemon Bars.

Meyer Bars_s

Wenn dir jemand Meyer Zitronen gibt, mach Lemon Bars draus.

Was brauch ich Myrrhe, Gold und Weihrauch, wenn mir die liebe Katharina Meyer Zitronen schenkt. Die hocharomatische, sehr saftige Zitrone mit besonders milder Säure ist für Zitrus-Aficionados so etwas wie das goldene Ei.

Was das Besondere an Meyer Lemons ist? Zum Crash-Kurs hier entlang bitte: In Katharinas kulinarischen Schatzkammer esskultur.at findet sich alles was man darüber wissen muss und vor allem auch, was man am besten daraus macht.

Aus dieser Liste habe ich als Erstes die sehr unkomplizierten und schnell gemachten Lemon Bars von Foodbloggerin Küchenschabe zubereitet.

Nach einem sonntäglichen Festmenü mit einer unvergleichlich zarten englischen Salzwiesenlamm-Keule war das Dessert quasi der gustatorische Ritterschlag.

Zutaten für den Teig

  • 120 g Mehl
  • 60 g Kristallzucker
  • 1/2 TL Fleur de sel
  • 120 g klein gewürfelte Butter

Zutaten für die Füllung

  • 2 grosse Eier
  • 120 g Feiner Kristallzucker
  • 2 EL Mehl
  • 1 Prise Fleur de sel
  • Abrieb und Saft 1 Meyer-Zitrone

Butter, Zucker, Salz und Mehl mit den Händen mischen, bis der Teig krümelig ist. In Frischhaltefolie packen und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Eine eckige Backform (ca. 26 x 20 cm) mit Backpapier ausschlagen. Teig gleichmässig etwa 1 cm hoch in die Backform drücken.

Ungefähr 20 Minuten blind backen, bis die Oberfläche hellbraun ist. Zur Seite stellen und etwa auskühlen lassen.

Meyer Blindbacken_s

Für die Füllung Eier, Zucker, Mehl und Salz schaumig rühren. Zitronenabrieb und Saft zufügen.

Auf den Teig giessen und 15 bis 18 Minuten backen bis die Oberfläche zu bräunen beginnt. Komplett auskühlen lassen. Mit Staubzucker bestreuen. In schmale Schnitten schneiden.

Meyer Backform_s

Der Teig ist perfekt – mürbe, saftig und mit einem knusprigen Boden. Die Füllung ist sehr aromatisch, super zitronig, fast schon parfümiert, mit einem Hauch Mandarine und irgendwie very british.

Die Balance zwischen Süsse und milder Säure ist vollkommen. Danke für das Rezept Küchenschabe – wird sofort ins Standardrepertoire aufgenommen. Sofern  ich denn wieder einmal Meyer Zitronen bekomme.

Meyer Bars close_s



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