Hab in den Ferien auch ein paar ausgebleichte «Echtfotopostkarten» gefunden.
Musste mich allerdings erst durch schlimmen Neuzeit-Trash wühlen, bis ich in der vierten «Tabaccheria» endlich auf Seventies-Trouvaillen stiess.
Weisst du, was ich bemerkenswert finde? Diese Landbeizen. Die wurden wirklich besucht! Ich meine von Gästen, nicht von Rach oder Bumann.
Da packte Papa die Familie am Sonntag in seine knallbunte Blechbüchse mit Chromradkappen und jagte (okay, schlich) den Pass (okay, die Pässe) hoch zum Landgasthof. Und wer sich dank den vielen Kurven übergeben konnte, war sogar richtig hungrig.
Den Wagen parkte man praktisch unter den Tisch. Logisch, gab ja noch keine reservierten Nahzone-Parkplätze für blauäugige, MBT-tragende, vom Mann mit Migrationshintergrund getrennt lebende Frauen mit Schleudertrauma.
Im Freien durfte man auf richtigen, pastellfarbigen Gartenmöbeln sitzen, nicht auf Scheiss-Monoblocks. Und obwohl das Innen-Dekor aussah wie von der Brockenstube, war alles strahlend neu und rausgeputzt.
Es roch nicht irgendwie komisch sondern nach Ammoniak, PVC oder Bratfett.
Die Wirte hatten auch alle denselben Riecher: Dank Mobilitätsboom war sogar im hintersten Kracher mit einem Gastrobetrieb gut Geld zu machen.
Das dachten auch die Werber und pflasterten die Hütte von unten bis oben voll.
Der Glaube an eine florierende Zukunft versetzte Berge. Und zwar direkt in die Köpfe der Gäste: Alpin wurde in. Irgendwo hinaufzukraxeln war anscheinend gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Aufstieg.
Das Essen, das darf man glaub ich behaupten, war wie man es sich heute gerne schönredet: lokale Produkte – regionale Rezepte. Und die Getränke waren nicht teurer als das Essen.
Hach, ich würde mich gerne für einen Tag wieder wie ein kleiner Junge fühlen. Wohin könnten wir zusammen so einen schnuckeligen Ausflug unternehmen?



MBTs, der antichrist mit schleudertraumapotenzial! auch ohne nennenswerte kurven, mein zuverlässiger brechreiz anlässlich solcher familienausflüge wurde regelmässig, konsequent und ebenso erfolglos mit kölnischwassergetränkten tüchern bekämpft. so retro!
-was für schöne erinnerungen an die reisen nach italien oder spanien wieder in mir geweckt wurden. merci vielmal !!
-Joop designt nach Stützstrümpfen nun auch MBT Schuhe.
-Gut zu wissen.
Oder mit Klosterfrau Melissengeist (!) getränkte Zuckerwürfel, Susanne. Ich merk schon, Barbara und Sheik, nebst guten und weniger guten Retro-Erinnerungen bedarf vor allem das akute Nebenthema MBT eine gemeinsame Aufarbeitung.
-genau, MBT!, we shall overcome, lasst uns viele sein!!!!
-welcome back claudio! . . . mit dem two-tone opel rekord über den gotthardpass, im kofferraum die farbigen zelte und die gestreiften campingklappstühle. alles sah irgendwie aus wie auf deinen postkarten und wir trugen alle enge bunte t-shirts. schöns war’s!
-Natürlich nach Südtirol, wo denn sonst!! Alpin ist immer noch in. Aber auf eine andere Art und Weise. So wie du das beschreibst, fühle ich mich ebenfalls in meine Kindheit versetzt, obwohl du sicher um einiges jünger bist als ich. Besonders die Aussage: “Den Wagen parkte man praktisch unter den Tisch” schlägt alles!!
-Ja, die T-Shirts habe ich auch geliebt, Jürg. Nicht aber die kratzigen Trevira-Hosen! Stimmt, Magdi, Tirol/Südtirol ist immer gut (und dort findet man auch immer tolle “Echtfotopostkarten”!
-Diese Restauranttesternummer auf schwyzerdütsch ist ja richtig putzig! Und der Rest stimmt, genauso wars. Und zum Kübeln hab ich noch nicht mal Serpentinen gebraucht…
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