From Italy with Love

Als Gastarbeiterkind kenne ich das: Mit italienischen Fressalien gefüllte Koffer.

Je weiter sie herkamen, desto mehr schleppten sie heim. Sizilianer, Kalabresen oder Napoletaner und andere Emigranten des Mezzogiorno auf der Heimreise von ihren Sommerferien zurück in die arbeitgebende Schweiz.

Hochschwangere Koffer, die mit dicker Packschnur zusammengehalten wurden, riesige Korbflaschen mit Wein, die so schwer waren, dass sie von zwei Personen in den Zug gehievt werden mussten. Gerne auch über das Abteilfenster!

Unsere Wege kreuzten sich auf dem Bahnsteig in Roma Termini. In diesem heiss geliebten Sammelbecken der Skurrilitäten meiner Kindheit. Beim Einsteigen und Abteil einnehmen jedes Mal ein Tumult sondergleichen. Bellende Mammas, fluchende Väter, heulende Kinder und ratlose Schaffner.

Am Ende arrangierte man sich – wie immer – all Italiana. Alle rückten irgendwie zusammen. Und der schrille Pfiff an den Lokführer signalisierte sogleich: Das grosse Fressen ist eröffnet! Mit einem Ruck setzte sich der Nachtzug in Bewegung und der Süditaliener an seine mitgebrachten Schätze.

Und dann wurde verteilt – und wehe, man verweigerte als Mitreisender die dargebotenen Delikatessen. So musste man bei gefühlten 50 Grad nachts um 11 anstatt zu schlafen, essen. Und das Essen loben! Wehe, man lobte das Essen nicht: Man wurde mit einer noch grösseren Ration bestraft.

Und so kaute man sich durch Provolone, Pecorino, Soppressata, Zedrat-Zitronen und eingelegtes Gemüse bis alle ermattet und im Ta-takt-ta-takt-ta-takt der Ferrovia Federale Svizzera gen Norden schaukelten.

An diese prägenden Erlebnisse musste ich denken, als letzthin ein Köfferchen aus Italien bei mir eintraf. Eines aus Karton. Überbracht von einem Kurier im Namen einer PR-Agentur zur Promotion des Quadrilatero Unesco.

Keine Sorge, ich wusste auch nicht, was das ist. Das Quadrilatero Unesco umfasst die Regionen Emilia Romagna, Venetien und die Lombardei in Norditalien, die letztes Jahr von einem Erdbeben betroffen waren. Mit einer gemeinsamen Kampagne wollen sie den Tourismus dieser Regionen wieder stärker vorantreiben.

Gefüllt war das Köfferchen – na mit was wohl? Leckereien aus den drei Regionen. Wie Parmigiono Reggiano, edlem Aceto Balsamico Tradizionale oder Risottoreis.

Und damit man alles für einen typischen Risotto mit Kürbis beieinander hatte, fehlte auch nicht ein Kürbis (woher der zu dieser Jahreszeit kam, bleibt ein Geheimnis) und sogar eine in Plastikbeutel verschweisste Zwiebel!

Kofferinhalt Quadrilatero

Nun muss man wahrlich keine Kristallkugel konsultieren, um zu erahnen, dass ich Italien über alles liebe. Und selbstverständlich rühre ich noch so gerne die Werbetrommel für diese Regionen.

Das tue ich ja ohnehin, seit ich diesen Blog betreibe!

Also bitte: Geht nach Ferrara und verleibt euch die einzigartige Salama da Sugo ein! Übernachtet auf einem Bio-Agriturismo neben hunderten von Aceto-Fässern. Lasst euch auf mythischen Risotto ein. Es wird unvergesslich, versprochen.

Ich hab dann übrigens kein Kürbisrisotto gemacht. Gestern gab es spontan einen mit Prosecco Valdobbiadene, Spinat und knackigen Jakobsmuscheln. Muss ich mir merken, hat prima funktioniert.

Den frischen, blanchierten, im Eiswasser abgeschreckten Spinat habe ich mit feinst geschnittenem Knoblauch in einer Tonne Beurre de Normandie sautiert. Boah!

Aber bitte, erzählt das nicht den Italienern. Die vierteilen mich!


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  1. uwe@highfoodality am 3. Juni 2013 at 08:56:

    Sieht sehr lecker aus – würde ich heute Mittag sehr gerne nehmen…ganz ohne vierteilen…

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  2. Wilde Henne am 3. Juni 2013 at 14:51:

    Ich war vor 4 Wochen in Rom. Und da war auf dem Campo dei Fiori im Fall ein Typ mit einem Kürbisstand, der hatte eine wahnsinnig grosse Auswahl. Soviel zum Thema Kürbis im Frühling.

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  3. buzzi am 3. Juni 2013 at 17:41:

    Wann soll ich den Prossecco beim Risotto hinzufügen ?
    statt dem wein am anfang oder am ende zum “pafumieren” ?

    Lg

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  4. capitan am 3. Juni 2013 at 21:09:

    Vierteilen?
    Nein, sie werden Dir noch mehr schicken!
    Und mich gleich hinterher…

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  5. Claudio am 3. Juni 2013 at 23:05:

    Und was gabs stattdessen, Uwe? Winterkürbis, liebe Henne? Gleich am Anfang, buzzi, 1 Glas zum Ablöschen und komplett reduzieren. Als Brühe habe ich das Spinatwasser (vom Blanchieren) gemischt mit Rindsbrühe verwendet. Noch viel lieber würde ich selbst hinfahren und mich den Produkten hingeben, Capitan.

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  6. Christian am 4. Juni 2013 at 22:05:

    Ich liebe Risotto, meine absolute Lieblingsart, Reis zuzubereiten. Aber sag mal: Wenn du “ausgefallene” Risottos machst, mit Kürbis oder wie oben mit Prosecco…nimmst du dann für die Mantecura trotzdem Parmesan, oder wird der Käse entsprechend der Einlage variiert?

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  7. Claudio am 4. Juni 2013 at 22:47:

    Oh, ja, Christian, Parmesan oder andere Käse wie Taleggio gehören fast immer zur Mantecatura (schön!) dazu. Aber es geht auch ohne, in einem Risotto mit Meeresfrüchten hat Käse selbstredend nichts verloren. Auch bei so einem Risotto hier, darf man Parmesan getrost weglassen. Ist ein bisschen intuitiv. Tipp: Probier doch kurz vor der Mantecatura eine kleine Portion mit Parmesan und entscheide dann, ob er dir im Risotto passt oder nicht.

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  8. capitan am 7. Juni 2013 at 11:23:

    frag mich mal…
    aber im september habe ich wieder eine shooting in der toskana!
    hehe……

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  9. Claudio am 12. Juni 2013 at 23:50:

    Capitan, du Glücklicher! Iss eine Fiorentina für mich (oder zwei).

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  10. Claudia ~ Food with a View am 14. Juni 2013 at 23:51:

    Es geht doch nichts über einen gut gebutterten Risotto!

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  11. Oona am 24. Juli 2013 at 05:52:

    Ein ganz wunderbarer Post.
    Wenn eine jetzt nicht in große Liebe zu Italien und den Menschen dort entbrannt ist, dann weiß ich es auch nicht :O)

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