Der Rest ist Schwelgen

Flädlesupp

Gewinnt keinen Schönheitswettbewerb, dafür wahre Freunde: Flädlisuppe.

Diese Suppe gibt einem den Rest. Sie ist nicht extravagant, nicht exquisit, nicht exklusiv. Sie ist einfach nur gut. Und es gibt sogar vermehrt Szene-Lokale mit lokaler Küche, die sich wieder auf Hausmannskost und Grossmutter-Rezepte besinnen. Dort heisst sie auch mal Flädlesupp, Consommé Célestine oder Klare Kraftbrühe mit Frittaten.

Das alte Neue ist also schon bald wieder das neue Hippe. Auf Reste besinnt man sich eh viel zu wenig. Aus ihnen entstehen die herzerwärmendsten Gerichte. Das ist Essen, das sich nach warmer Stube und erfülltem Tag anfühlt, und nicht nach Experiment oder  Vertreiber von Langerweile.

Wer wirft schon altes Brot weg, wenn er weiss, dass daraus gutes Paniermehl wird, würzige Käseschnitten, Pane Cotto, Frikadellen- oder Fleischvögelfüllung?

Am Vortag gab es bei uns Omeletten: 250 g Mehl, 4 Eier und einen halben Liter Milch verquirlen und einen Moment stehen lassen.

Dann für die Kinder sehr dünne Crêpes in Butter ausbacken (sie bestreichen sie mit Konfitüre, Nutella oder Honig) und für die Grossen eine Prise Salz und gewürfelten Schinken oder Kräuter zum Teig geben.

Die letzte gebackene Omelette wandert traditionsgemäss aufgerollt in den Kühlschrank. Tags darauf werden daraus dann die Flädle geschnitten.

Flädli

Eine kräftige Fleischsuppe ist bei mir immer tiefgekühlt vorrätig, entweder als Restbrühe vom letzten Suppenfleisch oder vom Suppenhuhn. Oder Brodo vegetale (Gemüsebouillon) aus Gemüseabschnitten wie Sellerie, Karotte, einer Kartoffel, Salatblättern (oh ja), Zwiebeln, Tomate, Lorbeer etc. Alles unentbehrlich für Risotti, Saucen und Suppen mit Tiefgang.

Consomme Celestine

Weil dann auch noch ein paar schrumplige Äpfel übrig waren, gab es als Nachtisch eine «Öpfelwaije» oder Apfelwähe.

Apfelwähe

Die wunderbar karamellig-gebrannten Öhrchen der verkehrt herum liegenden Äpfel haben wir unserem sechsjährigen Sohn zu verdanken. Er hat nicht nur alle Äpfel tapfer geschält und wacker gestückelt, sondern höchstpersönlich die Verteilung auf dem Teig vorgenommen. Denn er wisse ganz genau, wie man sie hinlegen muss.

Den (zugegeben) gekauften Blätterteig mit geriebenen Mandeln ausstreuen, Äpfel darauf verteilen (lassen) und mit einem Guss aus 3 dl Rahm, 1 Ei und etwas Zucker auffüllen. Bei 180 Grad 30 Minuten backen.

Der Rest ist Privatsache.


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  1. Mike Seeger am 25. Februar 2009 at 23:18:

    Nie wäre ich auf die Idee gekommen, einen Beitrag über Pfannkuchensuppe zu schreiben. Gerade deshalb: Bravo! Die einfachen Dinge sind’s, die nicht nur das Herz, sondern auch den Magen erwärmen.

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  2. Bolli am 26. Februar 2009 at 09:15:

    Claudio, gefällt mir alles sehr gut!
    Gab’s bei uns früher ganz oft, Flädlesuppe und ich finde es schon witzig, hier in Paris zu beobachten, dass Ducasse & Co. statt Trüffel jetzt arme Ritter machen…..

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  3. jürg am 26. Februar 2009 at 09:33:

    claudio, ich habe mich besonders darüber gefreut dass selbst DU einmal auf einen fertig-teig zurückgreiffst. bei all der «selbermacherei» habe ich schon langsam begonnen an mir zu zweifeln! ps: sehr schöne suppe

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  4. Claudio am 26. Februar 2009 at 11:45:

    Ein wahrer Freund der Flädlisuppe, Mike, das glaub ich dir gern. Sag ich doch, Bolli, back to the roots! Absolut, Jürg alles andere wäre verlogen.

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  5. Bernd am 26. Februar 2009 at 15:56:

    Salatblätter im Fond? Da hätte ich doch gerne mehr drüber gehört!

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  6. Claudio am 26. Februar 2009 at 17:36:

    Kochen mit Salat wäre sogar ein Thema für sich, Bernd, nur so viel: nicht im Fleischfond, nur im Brodo Vegetale (Gemüsebrühe). Ein paar Blätter vom Lattich (Romana, Eisberg oder Lattughino) oder Endivien, als Beispiel, geben dem Gemüsesud einen runden Geschmack und sorgen dafür, dass die üblichen Verdächtigen Sellerie und Karotte nicht die Überhand gewinnen.

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  7. Eva am 26. Februar 2009 at 19:00:

    Flädlesuppe – war für mich immer schon etwas Besonderes und das wird auch so bleiben!

    Das mit dem Salat im Gemüsesud war mir aber auch vollkommen neu.

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  8. fressack am 26. Februar 2009 at 21:52:

    Hatten wir gestern mittag bei eneim Ausflug. Mmmmmhh.

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  9. Zoolicious am 26. Februar 2009 at 22:05:

    Wunderbar, so eine Frittatensuppn!
    Ich bin allerdings der Fleischbrühenvertreter, mit Gemüsebrühe ist das einfach nix Wahres.
    Dennoch, schön, dass auch sowas Einfaches Beachtung findet.
    Ich steh‘ ja sowieso drauf – ne gute Brühe, vielleicht einen Leberknödel, Kalbsbratnockerl, Grießnockerl – die Zahl der Einlagen ist unermesslich, da schätze ich mich hier in Bayern glücklich. 😀

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  10. Claudio am 27. Februar 2009 at 21:59:

    Einfach mal ausprobieren, Eva. Gut ausgeflogen, Fressack. Damit wir uns verstehen, Zoolicious, für die Flädlisuppe kommt NUR Fleischbrühe in Frage. Das mit dem Gemüsesud ist nur ein weiteres Beispiel, wie sich (Gemüse)-Resten verwerten lassen.

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  11. katha am 1. März 2009 at 11:43:

    respekt, nachbarn, ihr schreibt die frittaten auch noch richtig. dass da kein schinken und keine kräuter reindürfen, ist eh klar, oder? nur wenn sie flädlisuppe heisst, dann ist das in ordnung. bekommst du butter-blätterteig, claudio? oder nur den mit margarine? von „moin“ gibt’s einen sehr guten tk-bio-butterblätterteig, allerdings leider nur in kleinen quadratischen platten. (ad jürg: wer nimmt sich ehrlich die zeit, blätterteig selbst zu machen?)

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  12. Claudio am 1. März 2009 at 16:57:

    Frittaten leiten sich ja auch von der italienischen Frittata (Omelett) ab; die Rechtschreibung liegt bei mir also praktisch auf dem Weg. Klar, Schinken ist nur dran, weil es ein Reste-Essen ist. Im Butterparadies Schweiz gibt es natürlich einige küchenfertige Butterblätterteige zu kaufen – sogar „frische“, also nicht TK. Coop z.B. macht seit Jahren sehr ernst mit einem sehr breiten Bio-Sortiment.

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  13. Kirsten am 2. März 2009 at 19:41:

    Aber hallo – zwei so einfache und dennoch soooo leckere Rezepte… Die Flädlisuppe oder Pfannkuchensuppe – einfach super. Unsere ganze Familie liebt sie. Und das Rezept von der Apfelwähe muss ich noch ausprobieren. Ich hab schon mal davon gehört, aber sie noch nie zubereitet. Klingt einfach, praktisch und gut! Ja, Großmutters Rezepte sind wieder groß im Kommen! Und mit den Kenntnissen von heute können wir das eine oder andere kalorienreiche, deftige Rezept etwas abschwächen, ohne dass der Geschmack verloren geht.

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  14. jürg am 3. März 2009 at 13:54:

    @katha: wobei es wirklich keine hexerei wäre den blätterteig selbst herzustellen. abgeschreckt durch die 1000 lagen teig lässt so mancher die finger davon. dabei ist jedoch zu bedenken: um 1’000 lagen teig/butter zu bekommen muss er lediglich 10mal gefaltet/gebuttert/ausgewallt werden! bei 11mal hätte man bereits 2’000 lagen . . . ich selbst habe auch noch nie einen zubereitet, aber dafür mit dem taschenrechner ausgerechent!

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  15. lamiacucina am 6. März 2009 at 16:59:

    Mit Flädlisuppe kann man Tote wieder erwecken, falls das erwünscht ist.

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  16. Jahr des Rindes (2) Flädlisuppe und Stracciatella « lamiacucina am 3. November 2009 at 03:03:

    […] wurde vor ein paar Monaten durch Claudio von Anonyme Köche schon alles gesagt. Ich kann mich daher kurz […]

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