Die Wende zum Guten

Jeder muss sein Bestes geben, damit etwas wirklich Gutes auf den Teller kommt.

Neben der Sonnenseite des Geniessens, schreibe ich seit ein paar Jahren beruflich auch über die Sonnenseite der Energiegewinnung.

Dabei habe ich festgestellt, dass beides unheimlich nahe beieinander liegt: Um zu Leben, braucht der Mensch Energie. Um Energie aufzunehmen, braucht der Mensch Lebensmittel. Und um diese Lebensmittel zu produzieren, benötigt der Mensch Energie. Ein stetiger Kreislauf.

Einer, der aus den Fugen geraten ist, sich aber wieder einrenken lässt, wenn wir denn endlich einlenken.

Hier meine simple Erkenntnis: Je weiter die Lebensmittelproduktion und die Energiegewinnung vom Mensch entfernt sind, desto schwieriger ist es, die Umwelt zu respektieren, die Ressourcen zu schonen und an qualitativ hochwertige Lebensmittel zu kommen.

Bestes Beispiel, wie man alles clever unter einen Hut bekommt: Ein Mensch hat ein Fleckchen Erde, auf welchem er sein Gemüse pflanzt und seine Tiere grosszieht. Die Sonne, die auf dieses Fleckchen Erde scheint, sorgt dafür, dass das Gemüse prächtig wächst und dank der Fotovoltaikanlage auf  seinem Dach prächtig Energie liefert.

So macht das zum Beispiel der Landwirt auf seinem «Paradieshof» in meiner Nähe, der seit 40 Jahren(!) Biolandbau betreibt und mit seinem Solarstrom das dreihundertfache(!) seines Energiebedarfs generiert.

Wenn ich also direkt per Velo bei ihm einkaufen gehe (was ich viel zu selten mache, ich gebe es zu), dann ist der Kreislauf, die Welt und die Lebensmittelqualität so etwas von schwer in Ordnung.

Bei den Lebensmitteln lautet die Zauberformel für nachhaltige Herstellung und gute Qualität: «Regional, saisonal und handwerklich hergestellt». Bei der Energiegewinnung können wir einen ähnlichen Weg gehen: «Dezentral, erneuerbar und umweltfreundlich erzeugt.»

Zum Glück sind immer mehr Menschen überzeugt, dass nachhaltig produzierte Lebensmittel und Energie unser aller Leben und unsere Welt lebenswerter macht. Und sie reden nicht nur, sie tun auch was dafür.

Neulich haben mich solche Leute angefragt, ob ich nicht auch für sie schreiben möchte. Mach ich natürlich gerne!

Deshalb findet sich das Rezept dieser zarten Kürbisgnocchi in einem Beitrag auf dem neuen Blog von Entega.


10 Kommentare zu Die Wende zum Guten

  1. Rolf am 12. November 2013 at 10:41:

    Sehr gedankenvoller Artikel/Bericht. Das zu lesen, hat mich richtig aufgestellt, und ich kann kaum warten, uebermorgen beim „Bio-Bauer“ einzukaufen. Der Typ kommt seit Jahren ca. 120Km von den „grossen Seen“ in einem selbstgebauten Solar-Fahrzeug mit Anhaenger…

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  2. Harriet am 12. November 2013 at 16:39:

    Leider ist es doch so: Das ganze Herumgeradele und Biogekaufe und Solarenergiegewinne ist zwar gut fürs Gewissen, aber letztlich könnten wir das alles genausogut bleiben lassen, solange wir alle (also, ich zumindest) mehrmals im Jahr mit dem Flugzeug durch die Weltgeschichte fliegen … Blöderweise ist Fliegen der allerschlimmste Klimakiller, aber leider will (anders als auf Eier aus der Legebatterie) niemand so recht darauf verzichten – wahrscheinlich, weil Daheimbleiben nicht lecker schmeckt und auch nicht besonders gut aussieht. Nicht falsch verstehen, das ist kein Angriff gegen niemanden, ich mache es ja selbst nicht anders. Aber ich ärgere mich manchmal über mich selbst, weil ich stolz auf mein bewusstes Einkaufsverhalten bin, aber allein in diesem Jahr NEUN Flugreisen unternommen habe, unter anderem, um in Kopenhagen dann in einem Restaurant zu essen, in dem man sich dann darüber freut, dass sämtliche Zutaten im Umkreis von 100 km (oder so) gepflückt worden sind. Ist das nicht komplett bescheuert und irre?

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  3. Claudio am 12. November 2013 at 18:20:

    Danke, Rolf, freut mich. Du hast es ja noch besser: Der Bauer solarfährt zu dir, wie cool ist das denn? Harriet, freut mich dich wieder mal zu lesen! Erst einmal kann ich dich sehr gut verstehen. Und deine Konklusion mit Flug-Kopenhagen-wir-umarmen-zusammen-Bäume ist der absolute Brüller. Ziemlich irre, geb ich dir recht. Die Zeit, in der wir leben, ist für Menschen mit Gewissen wahrlich kein Zuckerschlecken. Täglich wird man abwechselnd zum Gutmenschen gepeitscht oder als rücksichtsloses Schwein traktiert. Das auszuhalten und einen eigenen Weg zu finden, macht bestimmt einige Leute krank. Das einzige, was vielen bleibt, ist sich täglich kollektiv zu empören über Fukushima, Lebensmittelskandale, Abzocker, korrupte Politiker, Hungers- und Klimakatastophen et cetera. Und sobald man sich gegenseitig zugenickt hat, dass das so nun wirklich nicht geht, ist das Thema auch schon wieder abgehakt, weil alles eh zu komplex und unverrückbar scheint. Daher meine Empfehlung: Man muss das Ganze als Räderwerk sehen – wenn es möglich und sinnvoll ist, einige Zahnräder besser ineinander greifen zu lassen, dann sollte man das tun. Das habe ich versucht, anhand der Verzahnung Solarenergie und (Lebensmittel)produktion zu verdeutlichen. In diesem speziellen Fokus ist es mir wirklich unerklärlich, wie stark der Zubau von Solarenergie in einigen Ländern und Regionen noch immer ausgebremst wird. Politiker, Grosskonzerne und Medien schaffen es, den Menschen die Fotovoltaik zu vermiesen und sie als ineffizient und zu kostspielig darzustellen. Dabei gibt es wenig, das so genial funktioniert: Du stellst ein Scheisspanel an die Sonne und bekommst kostenlos und unbegrenzt Strom. Ohne Schadstoffe, Lärm oder Abfall für die nächsten Jahrtausende zu verursachen. In Bezug auf die Wahl von guten Lebensmitteln, ist es ein bisschen so: Je mehr man sich dafür interessiert, was gute Lebensmittel sind und woher sie kommen, desto mehr merkt man, wie wenig man eigentlich weiss. Aber man lernt ja Stück für Stück dazu und wird immer sicherer. Von heute auf morgen alles richtig machen, kann niemand. Mir persönlich ist Bio weniger wichtig, als regional und saisonal. Trotzdem unterstütze ich zum Beispiel Bio Suisse, die es zusammen mit tausenden von Schweizer Bauern und einem flächendeckenden Verteilnetz eines Lebensmittelgrosshändler geschafft hat, dass ich bei meinem tägliche Einkauf fast blind ins Regal greifen kann und ein anständiges Lebensmittel bekomme. Sofern ich bereit bin, den Preis zu zahlen. Auch da muss ich manchmal Abstriche machen und die (eine!) Bio-Knoblauchknolle für 2 Franken 80 liegen lassen. Ich muss vier Leute ernähren und kann denen schlecht sagen, Kinder, heute gibt es für jeden eine ganze Knoblauchknolle – esst also mit Verstand! Was die Fliegerei betrifft: Auch da würde ich das eine nicht mit dem anderen vermischen, sondern da die Zahnräder justieren, wo es für dich möglich ist und Sinn macht. Nur weil Harriet nicht nach Kopenhagen fliegt, wird die Welt nicht gerettet. Aber wenn sie sich Gedanken darüber macht und dafür andere Dinge ändert, dann kann sie als Teil des Kollektivs in die Richtige Richtung einlenken.

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  4. Claus am 12. November 2013 at 21:06:

    Mit jedem, von dem du kaufst, einen trinken gehn. Oder mal über Fußball reden. Oder über die Kinder. Oder über Mädels. Oder Kerle. Dann passt´s

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  5. David am 13. November 2013 at 22:43:

    Noch bis Februar arbeite ich auf einem Bauernhof, auf dem auch schon seit mehreren Jahrzehnten biologische Landwirtschaft betrieben wird. Ich lerne viel dabei. Ein Thema taucht dabei aber immer wieder auf: Letztlich basiert alles Leben auf der Umwandlung von Sonnenlicht zu Energie. Die Pflanzen stehen ganz am Anfang der Kette und nutzen durch die Photosynthese die Sonnenenergie. Wenn Kühe, Ziegen und andere Tiere Pflanzen fressen, machen sie sich diese Fähigkeit zu Nutze, um selbst auch Energie aufnehmen zu können. Das Selbe gilt auch für uns Menschen am Ende der Nahrungskette. So gesehen machen die Bauern die Sonnenenergie für alle nutzbar, wenn sie Korn für das Brot und Gras für die Kühe und deren Milch und Fleisch anpflanzen. Biobauern sind dabei (zumindest in der Schweiz) verpflichtet, die natürlichen Kreisläufe einzuhalten. So achten sie beispielsweise darauf, dass sie mit dem Mist ihrer Tiere die Felder so gut düngen können, damit am Ende alle genug zu Essen haben und alles im Gleichgewicht steht.
    Wird aber – wie in der konventionellen Landwirtschaft üblich – das Futter importiert (z.B. aus Brasilien), werden diese Kreisläufe auseinandergerissen und der natürliche Dünger fällt hier an, wo er gar nicht gebraucht wird. Stattdessen wird in Brasilien Kunstdünger ausgebracht, zu dessen Herstellung riesige Energiemengen eingesetzt werden müssen. Aber all dies war auch mir bis vor kurzem nicht klar und ich verschwendete keinen Gedanken daran, woher denn nun das Futter für das Schweizer Kotlett auf meinem Teller kam.
    Wenn es auch nur ein wenig gelingt, diese perverse Entwicklung der Nahrungsmittelindustrie wieder gerade zu rücken, ist schon viel für den Schutz unserer Umwelt und den Erhalt der Artenvielfalt getan.

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  6. Claudio am 14. November 2013 at 00:51:

    Danke, David, grossartig. Solche Erkenntnisse durch eigene Erfahrungen zu gewinnen, hat definitiv einen höheren Impact, als sich kurz an einem kritischen Artikel zu echauffieren. Und wie ich sagte, je mehr man sich dafür interessiert, was gute Lebensmittel sind und woher sie kommen, desto mehr merkt man, wie wenig man eigentlich weiss. Dude, sag nicht, dass du angefangen hast zu bloggen??? Ich liebe es! GO ON!

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  7. David am 14. November 2013 at 20:42:

    Dochdoch. Ist noch ganz frisch und muss noch wachsen. Aber danke für Dein Feedback. Das spornt an!

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  8. Alessandro am 23. Oktober 2014 at 09:09:

    Hallo Claudio,

    das Rezept ist leider von der Seite verschwunden. Hättest du die Güte es noch einmal zu veröffentlichen oder es mir zukommen zu lassen?

    Besten Gruß
    Alessandro

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  9. Claudio am 24. Oktober 2014 at 01:18:

    Aha, davon wusste ich nichts. Schade. Hier ist das Grund-Rezept für 4 Personen:

    Zutaten
    350 Gramm gekochter, pürierter Kürbis (gelbfleischig, z.B. Typ Hubbard)
    350 Gramm gekochte, pürierte Kartoffeln (Typ mehlig kochend)
    180 Gramm Weißmehl
    1 Vollei
    1 TL Salz
    1 Prise Zimt, Muskatnuss und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

    Butter, frische Salbeiblätter
    Frische Steinpilze

    Zubereitung
    Kürbis in grobe Stücke teilen, auf Backpapier verteilen und im Ofen 25 Minuten bei 180 Grad backen.
    Kartoffeln schälen und weich garen.
    Beide Gemüse etwas ausdampfen lassen, bevor man sie durch einer Kartoffelpresse in eine Teigschüssel gibt.
    Ei, Gewürze und Mehl dazugeben und alles zu einem weichen Teig verkneten. Nach und nach kleine Teigstücke zu Rollen und dann zu Gnocchi formen.
    Auf einer bemehlten Unterlage bereitstellen.
    In einer Pfanne, gewürfelte Stiele der Steinpilze in reichlich Butter braten Salzen, pfeffern, einige Salbeiblätter dazugeben und warmhalten. Hüte der Steinpilze in Streifen schneiden, separat braten und als Garnitur verwenden.
    Gnocchi in kochendem Salzwasser garen: Sobald sie aufschwimmen abschöpfen, mit einer Schaumkelle herausnehmen und in die Pfanne zur Salbeibutter geben.
    Gut durchschwenken, auf Tellern anrichten und großzügig mit Parmesan bestreuen.

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  10. Alessandro am 24. Oktober 2014 at 13:08:

    Danke!

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