Kann es sein, dass Kartoffelnbraten Können erfordert?

Ich komme zurzeit wenig zum Bloggen, weil ich anderweitig gerade viel am Schreiben bin. Manchmal vergisst man dabei den Blick auf die Uhr und der knurrende Magen übernimmt dann kurz die Rolle des Weckers.

So musste ich vorhin ohne einen Plan zur Nahrungsaufnahme in die Küche pirschen. Zum Glück lagen da ein paar geschwellte Kartoffeln vom Vortag die aussahen, als könnten sie meine Gesellschaft brauchen.

Ich sage euch: Daraus ein paar anständige Bratkartoffeln zu machen, ist für mich das Grösste. Und anscheinend nicht ganz so einfach, wenn ich an die traurigen, tranigen Knollen denke, die mir vor etwa zwei Wochen in einer Brasserie serviert wurden.

Es ist nicht viel und erst recht nicht verhext, aber diese Kartoffeln schmecken grossartig und deshalb möchte ich das Rezept mit euch teilen:

  1. Gekochte Schalenkartoffeln vom Vortag schälen und der Länge nach mit 2 bis höchstens 3 Schnitten in relativ dicke Scheiben teilen (damit sie aussen brutal knusprig aber innen fluffig weich sind).
  2. In eine Bratpfanne einen kleinen Ozean voller Olivenöl füllen. So, dass alle Familienmitglieder unabhängig voneinander im Vorbeigehen fragen: «Whuow! Ist das nicht ein bisschen viel Öl?»
  3. Kartoffeln auf einer Seite salzen. Mit der gesalzten Schnittfläche nach unten nebeneinander in der Pfanne verteilen, ohne dass sich die Kartoffeln überlagern. Geduldig bei mittlerer Hitze braten ohne sie dabei zu stören und zu drangsalieren (15 Minuten).
  4. Eine Hand voll Salbei und italienische Petersilie fein schneiden, ein paar Knoblauchzehen in der Schale einschneiden.
  5. Kartoffeln salzen und sogleich einzeln vorsichtig wenden. Sie strahlen jetzt so golden als wären bereit, anstelle der Statuette bei der Oscarverleihung überreicht zu werden.
  6. Nach 10 Minuten Kräuter, Knoblauch und 2 Esslöffel Paniermehl zwischen den Kartoffelscheiben verteilen und mitbraten.
  7. Mit schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen und alles gut durchmischen.
  8. Warten! So schön und zum Anbeissen sie jetzt auch aussehen mögen: Warten. Lauwarm schmecken sie um Galaxien besser, als pfannenheiss.

26 Kommentare zu Kunst: Krautknusprige Kartoffeln

  1. Bonjour Alsace am 12. April 2014 at 19:18:

    Ja, sie sehen wirklich zum Anbeissen aus, ich kann mir gut vorstellen, wie wunderbar sie geschmeckt haben. Bratkartoffeln mit Paniermehl ist mir neu – das muss ich ausprobieren.

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  2. lieberlecker am 13. April 2014 at 08:49:

    Leckerrrrr! … und wo ist der ganze Ozean Olivenöl geblieben? 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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  3. Andrea am 13. April 2014 at 09:31:

    Mhmmmm …

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  4. Thea am 13. April 2014 at 13:19:

    Sehr hübsch, diese Brägeli… Vor vielen, vielen Jahren habe ich mir zwei Eisenpfannen gekauft, die ganz allein der Bratkartoffelproduktion dienen. Einer meiner Favoriten wurden Petras (Chili und Ciabatta) Brösmelikartoffeln. Und vor einigen Tag wurde auf „einfach köstlich“ ein Klassiker veröffentlicht, der auch nicht von schlechten Eltern ist:

    http://peho.typepad.com/chili_und_ciabatta/2012/01/br%C3%B6smeli-bratkartoffeln-f%C3%BCr-heike.html

    http://einfachköstlich.com/archives/1968

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  5. Andrea am 13. April 2014 at 20:25:

    Nachgebrutzelt! So lecker, das ist der Bratkartoffelhimmel!

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  6. Magdi am 14. April 2014 at 10:49:

    Nein, es ist tatsächlich nicht so einfach anständige Bratkartoffeln herzustellen.
    Auf den Punkt gebracht gibt es 3 wichtige Regeln für anständige Bratkartoffeln:
    1. Eine anständige Pfanne, keine beschichtete, sonst werden sie „latschet“.
    2. Viel Olivenöl!!
    3. Etwas Geduld!!
    Hab ich Recht?
    Was ist italienische Petersilie?

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  7. Thea am 14. April 2014 at 10:56:

    Danke, Magdi, für die Frage nach der Petersilie. Wüsste ich auch gerne.
    Ich nehme allerdings zum Braten eine Mischung aus Butterschmalz und Rapsöl.

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  8. Claudio am 14. April 2014 at 11:37:

    Bonjour, Bonjour Alsace! Paniermehl wird in Italien fast schon inflationär in ganz vielen Gerichten verwendet. Es gibt auch einen Kartoffelgratin (patate maritate), der wie diese Bratkartoffeln zubereitet wird, einfach in eine Auflaufform geschichtet (mit eingestreutem Pecorino) und im Ofen gratiniert. Andy, vollständig und brav von den Kartoffeln aufgesogen 😉 Sehen beide super aus, Thea, für mich ist auch der Claus ein Bratkartoffelheld, hier seine knallharten Regeln: http://www.dlz-coc.de/wordpress/?p=441. Willkommen im Bratkartoffelhimmel, Andrea! Genau so, liebe Magdi. Italienische ist flache Petersilie, und die hab ich viel lieber als krause Petersilie. Butter oder gar Schweineschmalz find ich auch ganz toll, Thea. Dann allerdings eher ohne Kräuter und Panade, dafür mit Zwiebeln und vielleicht Speck; und dazu (wie im Elsass, gell, Bonjour Alsace?) frischen Bibbeleskas mit Schnittlauch essen 🙂

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  9. anette am 14. April 2014 at 12:40:

    panierMEHL würde ich nun nicht nehmen…eher etwas gröberes selbst gebröseltes…

    meine oma war weltmeisterin im „schmälzen“ von teigwaren…

    an bratkartoffeln habe ichs so noch nie ausprobiert…ist aber schon auf meiner tocooklist…

    oft gekocht: ganze ungeschälte winzige kartoffeln mit rosmarin anbraten …+weisswein aufgiessen…in viel olivenöl wieder trocken braten und am ende brösel druntermischen…..ich glaube ein sardisches rezept…
    madonna! zum niederknien…

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  10. HansPeter am 14. April 2014 at 14:23:

    Was ist denn das für eine tolle Pfanne die du benutzt? Und wo kann man sie kaufen? 🙂

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  11. Claus am 14. April 2014 at 21:37:

    Natürlich hat Magdi recht. Wer sonst!?! Und Paniermehl??? Beim nächsten Treffen wird darüber zu reden sein, Claudio…

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  12. Claudio am 14. April 2014 at 22:02:

    Anette, in der Schweiz ist Paniermehl, was in D Semmelbrösel sind. Genau, Teigwaren mit Chröschpel! Am besten Spätzli. Aber auch auf Blumenkohl, Brösel in vieeeel Butter geröstet. Und die sardischen? Klingen göttlich. HansPeter, das ist ein Erbstück und nur Fotorequisite (weil induktionsuntauglich), aber die schwarze Bratpfanne ist nun mal weniger fotogen. Kennst du echt nicht, Claus? Weckt den Italiener in dir 😉

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  13. Magdi am 15. April 2014 at 10:08:

    Krause Petersilie hat ja keinen Geschmack, ist nur schön zum Anschaun!

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  14. alex am 16. April 2014 at 12:12:

    Ach hier wird och schöngeschummelt :-)Bratkartoffeln, ein Segen und ein Fluch. Manchmal,oft, wenn ich nicht ganz bei der Sache bin, dann sind es dann doch nur “ Gedämpte“ wie wir im Rheinland sagen.Trotz Eisenpfanne.Schmecken auch… aber die hier sehen verboten gut aus und ich sabber…

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  15. Christian am 16. April 2014 at 13:39:

    Ganz genau, Claudio! Gut schauen sie aus! Bratkartoffeln zubereiten ist eine Kunst! Damit sie gelingen, brauchen sie vor allem viel Geduld, und reichlich Platz in der Pfanne. Ich bereite sie ähnlich zu, verwende dafür gerne etwas Butterschmalz. Aber das ist Geschmacksache. Ich erlaube mir mal, hier einen Link zu setzen:
    http://gaumenfreuden.blogspot.de/2010/02/gluckliche-bratkartoffeln.html

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  16. Claudio am 17. April 2014 at 16:29:

    Willkommen im Club, Christian.

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  17. Kai am 23. April 2014 at 22:47:

    Jam, jam, ich bin auch ein großer Fan von krossen Bratkartoffeln. Die brauchen leider viel Platz in der Pfanne und die Portionen sind dementsprechend eigentlich immer zu klein. Der Wahrheit entsprechend müsste ich Pfannen statt Pfanne sagen, denn um eine halbwegs ausreichende Portion zu erhalten, brutzeln die Scheiben bei mir meist in zwei Pfannen parallel. Übrigens: Die sollten meiner Meinung nach für Bratkartoffeln immer aus Eisen sein – im besten Fall aus geschmiedetem.
    Viele Grüße,
    Kai

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  18. Fabio am 28. April 2014 at 15:47:

    die Périgord-Variante gebraten in viel Gänse- oder Entenschmalz mit Petersilie und Knoblauch ist auch was ganz tolles.

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  19. principe am 4. Mai 2014 at 22:04:

    Geht mir wie Kai. Claudio, wie machst du Bratkartoffeln für sagen wir mal drei Pubertierende? Im Rohr? Ordentlich Pasta als Vorspeise und Schnitzel als Beilage?

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  20. Claudio am 5. Mai 2014 at 22:05:

    Klingt sehr überzeugend, Fabio. Und wenn sich noch Périgord-Trüffel zwischen den Kartoffelscheiben befänden – wie fänden wir das? Seh ich genauso, Kai. principe: Um die vielen Pfannen kommst du nicht drumrum. Etappenweise braten und im Ofen bei 60 Grad warmhalten ginge auch noch.

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  21. marioschweiz am 12. Mai 2014 at 19:48:

    was für ein Genuss. Wieso musste ich nur soooooo lange auf ein richtiges Bratkartoffelrezept warten! Konnte es aber nicht lassen und den Knoblauch (reichlich) schon nach der ersten Wende zuzugeben. Und das bisschen frischer Koriander zusammen mit den anderen Kräutern war auch nicht ohne.
    Werde die nächsten Rosmarinkartoffeln auf die gleiche Weise machen, müssen auch eine Wucht werden. Freue mich schon drauf.
    Danke Claudio für die herrlichen, einfachen und nachkochbaren Rezepte

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  22. Claudio am 13. Mai 2014 at 15:44:

    Freut mich, Mario, auf ein Nächstes!

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  23. Seymour am 14. Mai 2014 at 14:14:

    Warum salzt Du denn VOR dem Braten? Wo doch sonst überall steht, dass man es erst NACHHER tun soll?

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  24. Claudio am 15. Mai 2014 at 17:40:

    Aber Seymour, ich bin doch nicht sonstwer, der erst nachher salzt. Ich bin ich. Und ich möchte, dass das Salz in die Kartoffeln eindringt und nicht nur an der Oberfläche haftet. Versuchs einfach mal.

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  25. marioschweiz am 31. Juli 2014 at 09:48:

    Habe dein Bratkartoffelrezept mit blauen St. Gallern gemacht. Neben dem herrlichen Biss und der knackigen Kruste ist das Farbenspiel zusammen mit einer orangen Lachstranche und einem grünen Zucchinigemüse eine Augenweide. Wie kann ich dir ein Foto davon zukommen lassen?

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  26. Claudio am 8. August 2014 at 14:33:

    Sieht bestimmt toll aus, einfach per Mail an claudio[at]anonymekoeche.net

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