Zudecken und warm halten.

meat pie

Ob das Nachbilden einer Sonne die Seele wärmt?

Nun gut. Es wird also wieder widerlicher draussen. Drängt einen nach drinnen. Lässt einen die flauschigen Decken hervorholen. Ein warmes Nest auf dem Sofa einrichten. Um die drohende Depression zu dämpfen.

Man beginnt koaxial zu denken. Versucht, gute Dinge zu einer veritablen Achse des Guten zu kombinieren. Damit das Gute noch guter wird.

Ich hab mich mal an einer Meat Pie versucht. Die erste. Die Dinger sind so anglophil, das gibts gar nicht. Ziehen mich magisch an. Aber die, die ich in England hatte, waren meistens zu trocken. Und dann diese glibberige Gravy! Das ist doch keine Bratensauce, das ist eine Glutamat-Impertinenz.

Mir kam Meat Pie in den Sinn, weil ich wieder einmal viel zu viel Ochsenschwanz-Ragout gekocht habe. Was gelogen ist. Denn davon kann man nie zu viel kochen. Meistens gibt es daraus ein Pastagericht wie dieses.

Aber so ein Ragout, oder Reste davon, in einen Pastetenteig zu packen, ist auch eine sehr, sehr gute Idee. Ein valables Rezept für den Teig habe ich im grossen Larousse Gastronomique gefunden:

500 g Mehl auf die Arbeitsfläche sieben und in die Mitte eine Mulde drücken. 12 g Salz, 125 g Butter (kalt), 2 Eier und 250 ml kaltes Wasser hineingeben. Alles locker zusammenfügen und mit den Handballenzweimal walken. Zu einer Kugel formen und zugedeckt oder in Folie gewickelt mindestens 2 Stunden kühlstellen.

Keinr Hexerei oder?

Teig ausrollen, ein rundes Kuchenblech damit auslegen und mit einer Gabel einstechen. Ragout und viel Sauce darauf verteilen.

meat pie

Mit Teig bedecken. Ränder gut verschliessen, mit Teigzöpfchen verzieren und – ganz wichtig – einschneiden, damit der Dampf entweichen kann. Zum Schluss Mit Eistreiche bepinseln und ab ins Rohr.

Bei 200 Grad geht es etwa 30 Minuten bis die haube goldgelb schimmert.

meat pie

Unglaublich wie knusprig das wird. Und das schmeckt so „rich“ wie der Engländer sagt! Thank you very much für die Inspiration.

Fehlt nur noch das Kaminfeuer. Aber ein (paar) Malt Whisky nach dem Essen ist auch nicht schlecht.


12 Kommentare zu Zudecken und warm halten.

  1. Erich (Houdini) am 30. Oktober 2016 at 02:02:

    Schoen. Ich wuerde gerne kosten, haha. Ochsenschwanz, nach dem Kochen ausgebeinelt, mit den mitgekochten Zutaten schmeckt fantastisch! Wegen der Feuchte steht diese Pie-Schnitte im Teller wohl nicht, nehme ich an und kann nicht mit der Hand gegessen werden. Ist auch OK.

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  2. Barbara am 30. Oktober 2016 at 12:29:

    Da kommen Erinnerungen hoch – diese Pies kannte ich früher nämlich nicht, bevor ich nach England kam. Meine Gastmutter war eine geniale Köchin und gerade die Pies fand ich super. Dazu ein großes Kaminfeuer, das alte Landhaus und (inzwischen bin ich ja alt genug) noch etwas zum Trinken. Super!

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  3. Claudio am 30. Oktober 2016 at 21:16:

    Oh, doch, Erich, die ist ziemlich kompakt und standfest. Könnte man von Hand essen, aber ich bevorzuge Besteck.

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  4. Claudio am 30. Oktober 2016 at 21:17:

    Super, Barbara. Ich muss mal verschiedene Füllungen testen: Lamm, Innereien, Fisch … Hattest du nur Beef oder auch andere?

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  5. Käthy Raetz am 31. Oktober 2016 at 10:16:

    Das Rezeptbild irritiert mich ein wenig: Es sieht aus, als wäre nur ein Deckel aus Teig und das Ragout einfach eingefüllt. Täusche ich mich?

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  6. Claudio am 31. Oktober 2016 at 10:41:

    Danke für den Hinweis, Käthy. Ich habe jetzt noch ein Bild vom Zwischenschritt eingefügt, damit man die Füllung auf dem Teig besser sieht.

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  7. Johannes am 2. November 2016 at 18:09:

    Pie gab es bei mir am Wochenende auch. Von einem original Rezept zu sprechen ist müßig, da es tausende gibt, aber ein Klassiker ist der Steak and Ale Pie, wahlweise auch als Steak, Ale and Kidney Pie. In mein Ragout kam statt Rotwein Stout von Kernel (http://www.thekernelbrewery.com/). Belgische Biere funktionieren auch prächtig, Triple Karmelit zum Beispiel.

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  8. Claudio am 5. November 2016 at 09:31:

    Das klingt sehr, sehr nachahmungswürdig, Johannes, thanks.

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  9. Johnny am 5. November 2016 at 12:58:

    Toller Artikel! Bei dem Bild denkt man erst es handelt sich um einen Apfelkuchen. Und dann sowas… 😀
    Ich würds super gern probieren 😉

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  10. Lullenschnurm am 20. November 2016 at 17:51:

    Interessante Rezepte.

    Nur eines ist absolut indiskutabel: „Auberginen“. Die gibt es in Italien nicht!

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  11. Steffi am 23. November 2016 at 19:52:

    Tolles Rezept, toller Beitrag! Freu mich schon aufs ausprobieren 🙂

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  12. Simon am 25. Februar 2017 at 21:44:

    Tolles Rezept! Habe ich in mein Rezeptbuch mit aufgenommen und werde es hoffentlich bald ausprobieren.

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