{"id":110,"date":"2007-10-14T00:23:07","date_gmt":"2007-10-13T22:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=110"},"modified":"2007-10-14T02:16:55","modified_gmt":"2007-10-14T00:16:55","slug":"augen-zu-mund-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=110","title":{"rendered":"Augen zu, Mund auf"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pongetti.jpg' alt='Pongetti' \/><\/p>\n<p>Wieder einmal darf ich feststellen, dass es in den Restaurants Italiens ums Essen geht, nicht um die scheiss Inneneinrichtung. <\/p>\n<p>Es ist sowieso ein R\u00e4stsel, wie dieses Land es schafft, weltweit erstklassiges Design zu exportieren (Autos, M\u00f6bel, Mode), selbst aber oft entweder im Kitsch ertrinkt oder aber in gleichg\u00fcltiger Nachl\u00e4ssigkeit, die fast schon schmerzt, vor sich hin vegetiert. <\/p>\n<p>Der Umkehrschluss bei der Suche nach einem passenden Ristorante ist also durchaus berechtigt: Aussen hui, Essen pfui.<\/p>\n<p>Die wirklich guten Fresstempel sind meistens nicht auf Anhieb zu finden, oder sie sehen total unscheinbar aus.<\/p>\n<p>Der beste Kompass, der den direkten Weg zu einer aussergew\u00f6hnlich ehrlichen und authentischen K\u00fcche weist, ist immer noch der Restaurantf\u00fchrer von <a href=\"http:\/\/www.slowfood.com\/about_us\/deu\/welcome_deu.lasso\">Slow Food<\/a>. <\/p>\n<p>Einen treueren Begleiter f\u00fcr Italien kann ich mir nicht vorstellen. (Okay, den <a href=\"http:\/\/www.gamberorosso.it\/portale\/Homepage\/homepage\">Gambero Rosso<\/a> zur Not, aber auf gar keinen Fall den Michelin!).<\/p>\n<p>Und noch etwas: Wenn ein Restaurant in Italien schreibt, dass es Essen von 12 bis 14 Uhr gibt, dann ist das ernst gemeint. <\/p>\n<p>Jetzt, zum Beispiel, ist es 14 Uhr, und wir werden bedient, als w\u00e4ren wir Monica Bellucci in Begleitung von Robert De Niro. <\/p>\n<p>Anderswo wird man schon um halb zwei vertrieben, als w\u00e4re man ein Strassenk\u00f6ter, der versucht an den K\u00fcchenabfall zu kommen. <\/p>\n<p>Wir sind auf der Durchreise und finden an der K\u00fcste der Region Marken die Trattoria Pongetti, wo sich seit 1891 dieselbe Familie die T\u00f6pfe in die Hand gibt. <\/p>\n<p>Eine Speisekarte gibts nat\u00fcrlich keine. Denn es gibt immer nur das, was das Meer oder die Laune der K\u00f6chin (83) gerade hergeben.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibts einen freundlichen Kellner, der einen wie eine Sprechstundenhilfe empf\u00e4ngt, setzt und vorbereitet, bevor der Herr Doktor dann vorbeikommt. <\/p>\n<p>Anschliessend kommt nat\u00fcrlich kein Dottore auf Visite, sondern die Hausherrin pers\u00f6nlich, um das Angebot der K\u00fcche mit der Nachfrage der G\u00e4ste abzustimmen.<\/p>\n<p>Und sollte man gerade nur Appetit auf ein Radieschen und ein Glas Leitungswasser haben, ich wette, es w\u00fcrde mit derselben Selbstverst\u00e4ndlichkeit serviert, wie ein Zw\u00f6lfg\u00e4nger.<\/p>\n<p>Heute haben wir Lust auf ein paar \u00fcberraschende Vorspeisen (Antipasto Degustazione) und etwas Pasta alla Marinara. <\/p>\n<p>In der Folge kommen wir zu einem kalten Teller mit: Insalata di Mare (Polpo, Karotten, Sellerie), Canocchie-Krebsen, Scampi, sautierten Sardellen und ged\u00e4mpften Lachs.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pongetti_1.jpg' alt='Pongetti_1' \/><\/p>\n<p>Danach folgen kleine Schalen (warm) mit Venusmuscheln, Miesmuscheln und Raguse (Meerschnecken an einem kr\u00e4ftigen Tomatensugo).<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pongetti_2.jpg' alt='pongetti_2' \/><\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pongetti_4.jpg' alt='Pongetti_4' \/><\/p>\n<p>Die Spaghetti alle Vongole sind mit Zucchini und die hausgemachten Taglierini alla Marinara mit Polpo, Vongole, Crevetten und Scampi.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pongetti_5.jpg' alt='pongetti_5' \/><\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter und gut 200 km weiter landen wir in der Trattoria Pennesi, ebenfalls am Meer, und bestellen fast dasselbe. <\/p>\n<p>Auch hier l\u00e4sst die Qualit\u00e4t der Einrichtung in keinster Weise (zum Gl\u00fcck) R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Qualit\u00e4t der Speisen zu. <\/p>\n<p>Im Speisesaal l\u00e4uft \u2013 auch dies eine nicht nachvollziehbare italienische Unsitte \u2013 der Fernseher. <\/p>\n<p>Wir ziehen deshalb einen Tisch im Wintergarten vor. Aber auch hier gibt es leider wenig, was das Auge erfreuen w\u00fcrde. <\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_1.jpg' alt='Pennesi_1' \/><\/p>\n<p>Ausserdem pl\u00e4rrt aus einem einsamen Lautsprecher konstant der aktuelle Verkehrsfunk gefolgt von nicht mehr ganz so aktuellen Schlagern. <\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_5.jpg' alt='Pennesi_5' \/><\/p>\n<p>Aber wiederum ist der Service warm und famili\u00e4r. Das Essen ist der Renner und die G\u00e4ste machen die eigentliche Stimmung aus. <\/p>\n<p>Hier wird herzhaft gespiesen. Es werden laufend Platten und Sch\u00fcsseln aufgetragen, als ob sich die G\u00e4ste mit den G\u00e4ngen \u00fcberbieten m\u00fcssten. <\/p>\n<p>Dazu wird eifrig diskutiert, gestikuliert und gebechert. Das animiert: Keiner piekst affektiert oder gelangweilt an seinem Essen rum. <\/p>\n<p>Wir machen mit und erfreuen uns zuerst an den kalten Antipasti: Scampi, Carpaccio vom Schwertfisch, Insalata di Mare, Sardellen in Essig. <\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_2.jpg' alt='Pennesi_2' \/><\/p>\n<p>Gefolgt von den warmen Vorspeisen: Cannoricchio (lange, gratinierte Muschel), Parmiggiana del Mare, Tartina al Salmone, grillierte Sardellen und eine Schale mit Miesmuscheln an einem leichten Tomatensugo. <\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_6.jpg' alt='Pennesi_6' \/><\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_7.jpg' alt='pennesi_7.jpg' \/><\/p>\n<p>Mit der Pasta \u2013 Pippe rigate an einem Sugo mit Seeteufel und Spaghetti alla Chitarra con Gamberi e Scampi \u2013 ist unser kleines Mittagsh\u00fcngerchen bestens gestillt. <\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_3.jpg' alt='pennesi_3.jpg' \/><\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pennesi_4.jpg' alt='pennesi_4.jpg' \/><\/p>\n<p>Die anderen G\u00e4ste lassen sich derweil unbeirrt (es ist bereits 15 Uhr 15) gegrillte Seezungen, Fritti misti und haufenweise Desserts auftragen. <\/p>\n<p>Schliesslich ist man ja hier, um zu essen, was denn sonst?<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal darf ich feststellen, dass es in den Restaurants Italiens ums Essen geht, nicht um die scheiss Inneneinrichtung. 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