{"id":1715,"date":"2010-09-06T01:17:34","date_gmt":"2010-09-05T23:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=1715"},"modified":"2010-09-06T17:00:58","modified_gmt":"2010-09-06T15:00:58","slug":"kochen-in-einer-anderen-klasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=1715","title":{"rendered":"Kochen in einer anderen Klasse"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Chalet_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1716\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Chalet_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Chalet_s.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Chalet_s-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Da war sie nun endlich. Meine Chance, mich als messerscharfer K\u00fcchenchef zu beweisen. Die erste Gelegenheit, einmal zischend und F-Word fauchend wie <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5RC8xkItGjc \" target=\"_blank\">Gordon Ramsey<\/a> die mir untergebenen Waschlappen zusammenzubr\u00fcllen und die Grossk\u00fcche zur H\u00f6lle auf Erden aufzuheizen.<\/p>\n<p>Aber Philanthrop der ich nun mal bin, ging ich die Sache in Geberlaune an. Allem voran mir selbst gegen\u00fcber. So suchte ich das Gute in mir und fand: Einen Naivling. Noch nie hatte ich f\u00fcr mehr als 20 Leute gekocht. Schon gar nicht am Profiherd und f\u00fcr mehrere Tage.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde also ein Gr\u00fcnschnabel f\u00fcr 20 Gr\u00fcnschn\u00e4bel und sechs Erwachsene kochen. Eine Woche im Schullager der f\u00fcnften Klasse meines Sohnes. Immerhin unterst\u00fctzt durch zwei K\u00fcchenchefinnen: Zwei ebenso unerfahrene Mamis, die sich wie ich, freiwillig, in Teufels K\u00fcche man\u00f6vriert hatten.<\/p>\n<p>Schon f\u00fcr die Planung des Wochenmenus und den Grosseinkauf (2 Fremdw\u00f6rter bisher) hiess es, Neuland und gleichzeitig m\u00f6glichst wenig Fettn\u00e4pfchen betreten.<\/p>\n<p>Ich zerbrach mir einen Monat lang den Kopf \u00fcber einen m\u00f6glichen Menuplan, den ich \u00f6fter und launischer verwarf, als eine Schwangere ihre Essgel\u00fcste.<\/p>\n<p>Als Leitplanken dienten auf der einen Seite das lineare Schulbudget. Auf der anderen Seite mein Anspruch, Sternek\u00fcche im Vergleich zum letzten <a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=874\" target=\"_blank\">Camp<\/a> vom Sohnemann zu bieten.<\/p>\n<p>Der Auftrag lautete: Zmorge, Zn\u00fcni, Zmittag, Zvieri und Znacht. Dazwischen auch Wanderproviant oder Lunchpaket. Das Ganze f\u00fcr 12 Franken pro Person und Tag.<\/p>\n<p>Einmal m\u00f6gliche Intoleranzen im Menuplan beachtet, Fertig- und Tiefk\u00fchlprodukte gr\u00f6sstenteils ausgeschlossen, Kompromisse eingegangen und m\u00f6glichst viel Bio- und Frischprodukte einbezogen ging es ans Erstellen der Einkaufsliste. Milch, K\u00e4se, Rahm, Fleisch, Wurst und Brot, zum Beispiel, w\u00fcrden wir vor Ort \u2013 im sch\u00f6nen Berner Oberland \u2013 besorgen.<\/p>\n<p>Alles andere w\u00fcrden wir im Cash &amp; Carry-Grossmarkt holen. Ei, ei! Schau an, wie viele Wirte aus Basel da durch die Regale huschen. Und sieh nur einer, was die alle f\u00fcr Zauberp\u00fclverchen f\u00fcr \u201efrische\u201c Saucen und Fertigt\u00fcten f\u00fcr Beilagen kaufen. Ich sagte es ja bereits eingangs, ich habe eine neue Seite in mir entdeckt: Den Naivling.<\/p>\n<p>Immer wieder war denn auch frenetisches Kreischen zwischen den Warengestellen zu vernehmen \u2013 meistens aus meinem Mund. Vor 10 kg Pastas\u00e4cken, 5 Liter Balsamico-Kanistern oder 100-fr\u00e4nkigen Pinienkernpackungen. Meine G\u00fcte, das war ja wie in Sex &amp; the City, wenn Carrie vor einem Jimmy Choo-Treter pl\u00e4rrt: \u00abOh, mein Gott, Sementa!\u00bb<\/p>\n<p>Auch schon aufgefallen? Deutsch synchronisiert wird Samantha zu Sementa.<\/p>\n<p>Na jedenfalls, schon den ersten Kochtag im Schullager hatte ich hinter mich gebracht wie Roger Federer \u2013 mit einem gewaltigen Tennisarm. Heiliger Kranich, die Schmerzen im Ellbogen! Konnt ja nicht ahnen, dass alles, was ich einr\u00e4umen, heben oder kleinschneiden musste, zehnmal deftiger in den Schleimbeutel meiner Armecke f\u00e4hrt, als in der heimischen K\u00fcche.<\/p>\n<p>Aber \u2013 was wird man entsch\u00e4digt von den vollgefressenen kleinen Engeln! Wenn sie w\u00e4hrend dem Essen aufstehen und zu einem in die K\u00fcche kommen, um zu sagen, sie h\u00e4tten noch nie sooo eine gute Pizza gegessen, das ist im Fall mein siebtes St\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Pizzateig_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Pizzateig_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Ein Hoch! auf langsam gegangenen, selbstgemachten Pizzateig.<\/em><\/p>\n<p>Dabei war sie nur mit Tomaten und Mozzarella belegt. \u201eAl taglio\u201c vom Blech, wie in Rom hinterm Bahnhof. Keiner, der auf die bl\u00f6de Idee kam, nach Salami, Ananas oder gekochten Schinkenw\u00fcrfel zu rufen.<\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Sugo_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Sugo_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>&#8222;Al pomodoro&#8220; heisst: Tomaten, Oliven\u00f6l, Zwiebeln, Salz, Peffer. Fertig.<\/em><\/p>\n<p>Oder die Panna Cotta aus Berner Oberl\u00e4nder Doppelrahm! Obwohl \u2013 wir hatten es doch eben von Sex &amp; the City. Ich finde, 11-j\u00e4hrige M\u00e4dchen sollten solche Sendungen nicht sehen d\u00fcrfen. Oder kann mir sonst jemand erkl\u00e4ren, weshalb vom M\u00e4dchentisch halb aufgegessene Teller zur\u00fcckkamen, wohingegen die Jungs munter drei Portionen davon runterputzten?<\/p>\n<p>Auch Schweizer Lagerklassiker wie H\u00f6rnli u Ghackets mit \u00d6pfumuess, Riz Casimir oder Rindsragout und H\u00e4rd\u00f6pfustock mit Seeli gingen ratzeputz weg.<\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Ragout_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Ragout_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Schlaf Ragout, schlaf. So wirst du zart, ganz brav.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr das Ragout gabs sogar vom Klassenlehrer die Bestnote f\u00fcr Zartheit! (Morgens um zehn anbraten, Sauce aus R\u00f6stgem\u00fcse und Rotwein ziehen, einmal aufkochen, dann in der Restw\u00e4rme ziehen lassen. Abends um sechs sanft erw\u00e4rmen, um sieben servieren und in staunende Gesichter gucken.)<\/p>\n<p>Nur f\u00fcrs Fotografieren blieb fast keine Zeit. Sorry. Vielleicht vom n\u00e4chsten Grosseinsatz.<\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Fliegen_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Fliegen_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Fleischbeilage unserer Vormieter am Dampfabzug. Nicht nur dieses Ding wurde vor dem ersten Gebrauch gr\u00fcndlich gereinigt. <\/em><\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Ramponiertes-Messer_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Ramponiertes-Messer_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Auch dieses geschundene Messer der Co-K\u00f6chin musste vor seinem ersten Einsatz erst mal saniert werden. Daf\u00fcr hat man ja seinen Wasserschleifstein im Gep\u00e4ck.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Mixer_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Mixer_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"424\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Es gab zum Gl\u00fcck auch Ger\u00e4te, die den Tennisarm schonten.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Alpkaeserei_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Alpkaeserei_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Schulunterricht mal anders: Showtime in der Alpk\u00e4serei.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/Mutschli_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/Mutschli_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>H\u00e4tten Sie&#8217;s gewusst? Cremig-w\u00fcrzige Mutschli, junger Senn- oder Raclettek\u00e4se, 3 Jahre gereifter Alpk\u00e4se, Greyerzer u.a. werden im Berner Oberland zum Teil in alten Armeebunkern gelagert.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Kuh_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1717\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Kuh_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Kuh_s.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Kuh_s-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Die Lieferantin steht gleich vor der Haust\u00fcre<\/em>.<\/p>\n<p>Erstaunliche Erkenntnisse eines Debutanten:<\/p>\n<p>10 Liter kaltes Wasser zum Tee aufkochen, dauerte auf den alten Elektroplatten 55 Minuten. Zum Gl\u00fcck war das die erste Amtshandlung in unserer K\u00fcche, von da an stand immer ein Topf mit gen\u00fcgend heissem Wasser auf einer Platte.<\/p>\n<p>Eine 4-Minuten-Turbo-Geschirrwaschmaschine mit Sp\u00fclmittel-Direkteinspritzung ist einfach nur geil.<\/p>\n<p>Ein Aufruf an die Eltern, Cakes oder Kuchen mitzugeben, ist eine unbezahlbare Starthilfe.<\/p>\n<p>Eigene Messer mitnehmen? Keine Frage! Aber auch diverse neue Schneidunterlagen aus Kunststoff sind Gold wert. Die vorhandenen Holzfriedh\u00f6fe f\u00fcr Streptokokken verwenden? Nein danke.<\/p>\n<p>Eine 14 kg Waschmaschine mit Grossraumtumbler im Haus zu haben, ist ein Segen, wenn 11-j\u00e4hrige mit klatschnassen, schlammverdreckten Hosen heim kommen.<\/p>\n<p>Eine frische, selbstgemachte Erbsen-und-weitere-p\u00fcrierte-Gem\u00fcse-Suppe wird von Kindern gegessen. Von allen. Vor allem, wenn sie nach einer 4-st\u00fcndigen Wanderung durch unerwarteten Schneeregen nach hause kommen (und wissen, dass es danach Pizza gibt).<\/p>\n<p>Pizza geht auch auf dem Fr\u00fchst\u00fccksbuffet. Kalt.<\/p>\n<p>Spezialw\u00fcnsche von Kindern sind nicht da, um ignoriert zu werden oder um irgendwelche kranken Erziehungsexempel zu statuieren. Sie zu erf\u00fcllen, ist Pflicht und meist ein Klacks. (Darf ich Pouletschenkel ohne Fleisch? Ja. Darf ich Pasta mit Butter. Ja. Darf ich Pasta mit Oliven\u00f6l. Ja. Darf ich Reis ohne Sauce aber doppelt so viele Rosinen und Cashewn\u00fcsse. Ja.)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da war sie nun endlich. Meine Chance, mich als messerscharfer K\u00fcchenchef zu beweisen. 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