{"id":1969,"date":"2010-11-26T15:45:40","date_gmt":"2010-11-26T14:45:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=1969"},"modified":"2010-11-28T10:52:09","modified_gmt":"2010-11-28T09:52:09","slug":"fruchtbare-tage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=1969","title":{"rendered":"Fruchtbare Tage"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Drei-Kakis_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1970\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Drei-Kakis_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Drei-Kakis_s.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Drei-Kakis_s-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00abGebenedeit sei die Frucht deines Leibes.\u00bb Dieser Satz war mir ein R\u00e4tsel. Eines einer ganzen Litanei r\u00e4tselhafter Kopfn\u00fcsse, die einem als katholischer Knabe verpasst werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich versucht, den Sinn zu entschl\u00fcsseln. Welche Frucht? Die einzige Frucht, die damit gemeint sein konnte, so kombinierte ich als fr\u00fchpubertierender Ministrant, waren wohl die Melonen Marias. Aber dann h\u00e4tte es ja <em>die Fr\u00fcchte<\/em> geheissen. H\u00f6llisch falsch!<\/p>\n<p>Sofort verbot ich mir diese Gedanken und versuchte mit Vollgas wieder aus dieser geistigen Sackgasse zu stieben. Meistens mit Hilfe einer T\u00e4uschung. Die sah so aus, dass ich gedanklich aus mir herausschritt und dann als halb transparente Kopie meiner selbst neben meiner Gestalt stand und (zu Gott) sagte (also dachte): \u00abDas hat er gesagt, nicht ich!\u00bb Wie in diesen Film-Animationen, in denen Teufelchen-Ich und Engelchen-Ich sich streiten.<\/p>\n<p>Solcherart verunsichert war auch mein Verh\u00e4ltnis zur Frucht namens Kaki \u2013 recht dissonant. Kaki liegt klanglich sehr nahe am Schweizerdeutschen \u201e<a href=\"http:\/\/www.blick.ch\/people\/brad-und-angelina-stinkts-nie-105601\" target=\"_blank\">Gaggi<\/a>\u201c, zu Deutsch \u201eKacka\u201c. Wie konnte ich nur, ohne mich l\u00e4cherlich zu machen, eine Frucht essen, die Scheisse heisst?<\/p>\n<p>Man verliert vieles, wenn man seine Kindheit verliert. Und das ist das Gute daran!<\/p>\n<p>Jetzt ist wieder Kaki-Saison und der Genuss dieser \u201eg\u00f6ttlichen Birne\u201c, so der griechische Gattungsname \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diospyros\" target=\"_blank\">Diospyros<\/a>\u201c, hochwillkommen.<\/p>\n<p>Bei Zeus! Diese honigs\u00fcssen Fr\u00fcchtchen, das sei hier in aller Deutlichkeit festgehalten, die sind genau richtig, so wie sie sind. Ich meine, da muss nichts Verr\u00fccktes damit angestellt werden, um sie geniessen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als Beispiel: Die Quitte ist f\u00fcr den Rohverzehr nicht geeignet. Deshalb muss sie gekocht und verarbeitet werden. Wie zu Marmelade, Kompott, Mus, Gelee oder einem sch\u00f6nen Schnaps.<\/p>\n<p>Das kann man sich bei der Kaki sparen. Am k\u00f6stlichsten schmeckt sie, wenn man sie einfach in der Mitte durchschneidet und ausl\u00f6ffelt wie eine Kiwi.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Halbe-Kaki_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1971\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Halbe-Kaki_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Halbe-Kaki_s.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Halbe-Kaki_s-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zugegeben, sie ist etwas kurios, die Kaki. Allein der fragile Aggregatzustand. Halb fl\u00fcssig, halb fest. Eine Art zuckers\u00fcsses Gel, das geschmacklich irgendwo zwischen \u00fcberreifen <a href=\"http:\/\/www.duden.de\/definition\/susine\" target=\"_blank\">Susine<\/a> und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapstachelbeere\" target=\"_blank\">Physalis<\/a> liegt. Himmlisch. Ihre feste Schwester Sharon ist dagegen todlangweilig.<\/p>\n<p>Wer dennoch etwas Kreatives damit anstellen will, findet Rezepte f\u00fcr Cremen, Kuchen, Marmelladen oder Dessertkreationen f\u00fcr die n\u00e4chste Eighties-Party.<\/p>\n<p>Spannender w\u00e4re es, sich mit Rezepten aus Japan und China, wo die Frucht urspr\u00fcnglich als eine der \u00e4ltesten Kulturpflanzen herkommt, zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Neugierig wurde ich auch bei <a href=\"http:\/\/www.dielorbeerkrone.com\/\" target=\"_blank\">Jutta<\/a>, die in ihrem Blog nicht nur beeindruckend puristische und traditionelle italienische Rezepte zusammentr\u00e4gt, sondern auch Gerichte, die ausserhalb des Landes wenig bekannt sind.<\/p>\n<p>Ihre <a href=\"http:\/\/www.dielorbeerkrone.com\/2010\/10\/spaghettini-lacrima-tranenreiche.html\" target=\"_blank\">Spaghettini Lacrima<\/a> musste ich, leicht abgewandelt, nachkochen:<\/p>\n<p>Oliven\u00f6l in einer Schwenkpfanne erw\u00e4rmen. Knoblauch und Peperoncino sanft darin anziehen. Kaki-Fruchtfleisch dazugeben (etwa eine pro Person). Wenig Wasser angiessen, damit die Sauce nicht gleich am Topfboden anhockt. Leicht eink\u00f6cheln, bis der gr\u00f6sste Teil vom Fruchtfleisch zerf\u00e4llt. Dezent salzen.<\/p>\n<p>Dazwischen Spaghettini al dente kochen und f\u00fcr die Garnitur W\u00fcrfel aus einer Kaki und <a href=\"http:\/\/www.effilee.de\/wissen\/Brunoise.html\" target=\"_blank\">Brunoise<\/a> aus einem Peperoncino schneiden.<\/p>\n<p>Spaghettini abseihen, zur Sauce geben und gut mischen. Mit der Garnitur und zus\u00e4tzlichem Oliven\u00f6l extra vergine anrichten. Auf den Parmesan darf man aus meiner Sicht verzichten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Spaghettini-ai-Cachi_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1972\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Spaghettini-ai-Cachi_s.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Spaghettini-ai-Cachi_s.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Spaghettini-ai-Cachi_s-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Sauce k\u00f6nnte ich mir auch als Raviolif\u00fcllung vorstellen (vielleicht mit wenig Ricotta und Rosinen, oder f\u00fcr Cappellacci di Zucca aus der Emilia-Romagna anstelle der K\u00fcrbisf\u00fcllung), auch als Saucenspiegel zu einem kurz gebratenen Fischfilet oder als milde Sauce zu Wild (Ente, Reh, Fasan, Rebhuhn).<\/p>\n<p>Aber eben. Am liebsten l\u00f6ffle ich Kakis, gut gek\u00fchlt und gereift, einfach nur aus.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abGebenedeit sei die Frucht deines Leibes.\u00bb Dieser Satz war mir ein R\u00e4tsel. Eines einer ganzen Litanei r\u00e4tselhafter Kopfn\u00fcsse, die einem als katholischer Knabe verpasst werden. Nat\u00fcrlich habe ich versucht, den Sinn zu entschl\u00fcsseln. Welche Frucht? Die einzige Frucht, die damit gemeint sein konnte, so kombinierte ich als fr\u00fchpubertierender Ministrant, waren wohl die Melonen Marias. Aber [&hellip;]<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,2],"tags":[],"class_list":["post-1969","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-gekocht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1969"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1987,"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1969\/revisions\/1987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}