{"id":198,"date":"2007-11-12T15:53:32","date_gmt":"2007-11-12T13:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=198"},"modified":"2007-11-12T16:01:38","modified_gmt":"2007-11-12T14:01:38","slug":"wie-im-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=198","title":{"rendered":"Wie im Film"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/illu_wumme.jpg' alt='illu_wumme.jpg' \/><\/p>\n<p>Noch bevor ich das Training beende, \u00fcberkommt mich diese Lust auf fettiges Essen. Anstatt froh zu sein, den inneren Schweinehund besiegt und \u00dcberfl\u00fcssiges<br \/>\nrausgeschwitzt zu haben, reklamiert mein K\u00f6rper lipide Hyperkompensation:<br \/>\nDer Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.<\/p>\n<p>\tAlso peile ich auf dem Heimweg die n\u00e4chste Tankstelle an, um mich mit einer Familienpackung Chips einzudecken. Beim Einbiegen f\u00e4llt mir an der Ecke ein junger Mann auf, dem ich spontan eine gewaltsame monet\u00e4re Hyper\u00adkompensation zutrauen w\u00fcrde. 22 Uhr 15, wieso nicht. An der Shop-Kasse wartend, denke ich: \u00abWieso nicht?\u00bb, weil wir hier mitten in einem Wohnquartier sind. Weil da draussen drei Autos an der Zapfs\u00e4ule h\u00e4ngen. Und weil neben der Tankstelle ein Fastfood-Restaurant bis 24 Uhr junge, wachsame Menschen bedient.<\/p>\n<p>\tIch zahle, steige ins Auto und fahr los. Der ist ja immer noch da! Sein Baseball-Cap sitzt tief im Gesicht. Er wendet sich ab und zieht an seiner Zigarette. Ich denke mir, vielleicht ist jetzt doch Prime Time f\u00fcr Crime Time, setz den Wagen \u00fcber die Strasse und parkiere ihn mit der Schnauze vor eine Metzgerei. <\/p>\n<p>\tIch mach es mir in meinem Reality-Autokino bequem, reiss die Chipst\u00fcte auf und lehne mich \u00fcber den R\u00fccksitz: In meiner Heckscheibe l\u00e4uft gerade eine neue Folge \u00ab<a href=\"http:\/\/www.tatort-fundus.de\/web\/\">Tatort<\/a>\u00bb. Dort ist er. Jetzt sieh sich mal einer diesen Isnogood an! Steht nerv\u00f6s an der Ecke und fixiert die Tankstelle. Checkt ab und zu alle vier Himmelsrichtungen ab und lockert dabei seine Schultern, als gehe er zum 100-Meter-Lauf. Ich glaub ich tr\u00e4ume! Was mach ich da eigentlich? \u00abDie Polizei rufen\u00bb, h\u00f6r ich mich sagen. Aber was erz\u00e4hle ich denen? \u00abSie, da will einer eine Tankstelle \u00fcberfallen!\u00bb. \u00abJaja, jetzt mal langsam. Wie heissen Sie? Von wo aus rufen Sie an?\u00bb. Die nehmen einem doch so was nie im Leben ab. Dein Freund und Helfer. Nimmt jemand diesen Spruch etwa ernst? Mich nehmen die ja auch nicht ernst. Lieber ruf ich den Kerl in der Tankstelle an, er soll sich vorsehen. Vorsehen? Der nimmt mir das noch weniger ab, als die Polizei. Und die wollen sicher ein Signalement: m\u00e4nnlich, etwa 18, 1,70 gross, 60 Kilo, Jeans, weisse Turnschuhe, weisser Sweater, weisse Baseballkappe \u2013 hab ich weiss gesagt? Okay, vergiss es! Kein Mensch kann so doof sein, weisse Sachen f\u00fcr einen n\u00e4chtlichen \u00dcberfall zu tragen.  <\/p>\n<p>\tDas Problem ist, man hat zu viele solcher Filme gesehen. Und vom Sofa aus weiss man dann auch immer alles besser, als die Darsteller im Film. \u00abWieso geht der jetzt hinten rum?\u00bb, denkt man sich. \u00abWas muss der jetzt da rumschn\u00fcffeln? Ich h\u00e4tt schon l\u00e4ngst die Cops gerufen!\u00bb H\u00e4tt ich das? Die Tankstelle leert sich langsam. Noch ein Auto am Tanken. Zwei Kunden im Shop.<\/p>\n<p>\t\u00abMmh, Chips. Salzig, fettig.\u00bb Genau das, was ich gebraucht habe. Das Auto f\u00e4hrt weg. Noch ein Kunde im Shop. Wo zum Teufel ist mein Mobiltelefon? Ich krame in meiner Sporttasche. Die Tankstelle ist jetzt leer, der \u00adShop auch und mein Kopf wir es auch bald sein \u2013 stockender Blut\u00adkreislauf! Keine Fussg\u00e4nger, kein Verkehr, keine Kunden auf dem Fastfood-Parkplatz: Jetzt! Er sprintet direkt auf den Shop zu.<br \/>\nIn einem H\u00f6llenzahn \u00fcberquert er Strasse und Tankstellenplatz. Dreissig, vierzig Meter vielleicht. <\/p>\n<p>\tIch schmeiss meine Chipst\u00fcte weg und dr\u00fcck die Tasten auf meinem Telefon, \u00abTasten gesperrt! Freigabe mit &#8222;Freigeben&#8220; und Taste #\u00bb. Der Mann an der Kasse liest Zeitung. Jetzt schaut er auf. Der T\u00e4ter (so muss man ihn nun wohl bezeichnen) kommt ihm mit grossen Schritten entgegen. Mit gestrecktem Arm, in der Hand eine Waffe. Wie im Film! Ich warte auf meine Verbindung \u2013 nichts! Ein Blick auf das Display: \u00ab111\u00bb. Wie im Film! Das gibts doch gar nicht, ich habe die Auskunft statt die \u00ab117\u00bb gew\u00e4hlt! So doof sind nicht mal die Darsteller in B-Movies! <\/p>\n<p>\tDer Mann an der Kasse nickt. Er \u00f6ffnet die Kasse und \u00fcbergibt dem T\u00e4ter eine Hand voll Scheine. Der fl\u00fcchtet damit. Ich schmeiss mein Telefon weg und starte den Motor. Wenn ich ihn verfolge, kann ich der Polizei mindestens brauchbare Infos per Telefon durchgeben. Er biegt rechts ein, ich folge \u2013 weg ist er! <\/p>\n<p>\tIch kurve minutenlang erfolglos durch die Quartierstrassen. Als ich wieder auf die Hauptstrasse vor die Tankstelle komme, stehen da zwei Streifen und zwei zivile Polizeiwagen. Der Mann vom Tankstellenshop wird befragt. Er wirkt gelassen.<br \/>\nWar wohl nicht sein erster \u00dcberfall.<\/p>\n<p>\tAnstatt froh zu sein, jetzt wichtige Hinweise an die Polizei liefern zu k\u00f6nnen, reklamiert mein K\u00f6rper totale Entspannung: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.  <\/p>\n<p>\tIch mach es mir in meinem Reality-Autokino bequem, greif mir die Chipst\u00fcte und lehne mich \u00fcber den R\u00fccksitz: In meiner Heckscheibe l\u00e4uft gerade eine neue Folge \u00ab<a href=\"http:\/\/www.kottan.info\/\">Kottan ermittelt<\/a>\u00bb.<\/p>\n<p>(Illu: Patrick Widmer)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch bevor ich das Training beende, \u00fcberkommt mich diese Lust auf fettiges Essen. 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