{"id":260,"date":"2007-11-30T01:43:40","date_gmt":"2007-11-29T23:43:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=260"},"modified":"2007-11-30T16:58:54","modified_gmt":"2007-11-30T14:58:54","slug":"the-italian-job","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=260","title":{"rendered":"the italian job"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/beato1.jpg' alt='Beato' \/><\/p>\n<p>\u00abBeato is a favourite dining spot for many of the world&#8217;s elite, from prominent political figures to movie stars.\u00bb <\/p>\n<p>Aha, dachte ich mir. Dann kanns ja so falsch nicht sein. Vor ein paar Minuten habe ich eine SMS von meinem Freund Comenius erhalten: \u00abBello, bin in Paris. Sag mir in f\u00fcnf Minuten, wo ich italienisch essen kann. Bin mit Robert unterwegs.\u00bb <\/p>\n<p>Nun, ein Freund ist ein Freund, auch wenn er kein Gastrof\u00fchrer ist. Und wozu hat man das Internet erfunden, wenn nicht, um bei solch einer Gelegenheit einem Freund mit einem Tipp auszuhelfen. <\/p>\n<p>Robert, Bassist bei Metallica, und seine Jungs aus der Metalszene von L.A. \u00adhatten Lust auf some nice italian food.\u00ad\u00ad\u00ad \u00adAlso \u00adklicke ich mich rasch durch ein paar unappetitlich gestaltete pariser Restaurantseiten. <\/p>\n<p>Im Nachhinein ist man nat\u00fcrlich immer schlauer und mir ist klar, dass ich h\u00e4tte schwierig tun m\u00fcssen und ihm sagen, Paris und italienisch essen, das geht so wenig wie Brigitte Bardots H\u00e4nde in einem Babyrobbenmuff. Aber ich wollte lieb sein.<\/p>\n<p>Viele denken ja: Paris gleich Metropole, gleich bestes Essen aus allen Herren L\u00e4nder und so weiter. Aber ich warne euch: Man kann eine K\u00fcche nicht einfach so mir nichts dir nichts in ein anderes Land verfrachten. Da geht einiges verloren. <\/p>\n<p>Auch meine Zia Lilia in Toronto sagte mir immer, bevor ich essen ging: \u00abClaudio,<br \/>\niu ken go iit werewer iu laik. Iu ken go frensch, italian, griik, tschainiis, portiugiis \u2013 bat stei ewei from meksiken fuud!!!\u00bb <\/p>\n<p>Weshalb es ausgerechnet die Chicanos in Toronto nicht packen sollen mit dem Kochen, ist mir unklar. Aber so sieht es Zia Lilia nun mal. <\/p>\n<p>In London isst man vielleicht hervorragend indisch. Aber ich w\u00fcrds nicht mit spanisch versuchen. Believe me, mate! <\/p>\n<p>Das alles kann nat\u00fcrlich ignorieren, wer damit umgehen kann, ein bisschen verarscht zu werden, oder eh auf seinen Saumagen vertraut.<\/p>\n<p>Jedenfalls schicke ich meine Jungs in dieses Beato. Wie abgemacht, richtet Comenius dort einen Gruss von Claudio (also mir unbekanntem W\u00fcrstchen) aus, worauf er einen anst\u00e4ndigen Tisch bekommt und vom Chef neugierig begr\u00fcsst wird (Italos sind manchmal wirklich sehr simpel gestrickt). <\/p>\n<p>Daf\u00fcr bekommen Robert und die anderen Metal-Mega-Superstars die Beachtung von Molotow-Cocktail werfenden Banlieu-Jungs, obschon sich ja laut Webtext bei Beato die Weltelite der Stars die Klinke in die Hand dr\u00fcckt. Die anderen G\u00e4ste sind Businessleute der Kategorie \u00abIntercontinentale Klinken\u00adputzer\u00bb. <\/p>\n<p>Die Einrichtung? Eine einzige Katastrophe. Gefakte Marmors\u00e4ulen, kitschige Louis-was-weiss-ich-f\u00fcr-Stuhlreplikas und allerlei unn\u00f6tige Nippes. <\/p>\n<p>Die Pflanzen sind so echt wie das Blond der Hausherrin, der Frau vom Chef.<br \/>\nSie managt den Service, zusammen mit einem Portugiesen (Manuel aus Fawlty Towers nicht un\u00e4hnlich) und parliert ein bisschen mit den angeheiterten Businessmen. <\/p>\n<p>Auf der Toilette kann man sich duschen oder den Satz einer dort abgestellten?Wein\u00adflasche austrinken. <\/p>\n<p>Die Scampi schmecken, als h\u00e4tten sie die Reise vom Meer auf den Teller selbst unternommen. Alle bekommen dasselbe fade Gem\u00fcse, egal, ob Fleisch oder Fisch bestellt wurde. Jeder die gleiche Sauce. Sie schmeckt nach nichts. Doch, salzig. <\/p>\n<p>Kein lustiger Abend.<\/p>\n<p>Robert ist jetzt glaub etwas sauer auf den friend who told you to go eat here.<br \/>\nUnd ich denk mir, ruf doch den Besitzer mal an und frag ihn, was er von seinem Restaurant h\u00e4lt:<\/p>\n<p><em>Ciao Ivano, Claudio hier, ich rufe aus der Schweiz an. H\u00f6ren Sie, letzte Woche war ein Fotograf bei Ihnen.<\/em><\/p>\n<p>Ah, ja. Ich erinnere mich. Er war hier zum Essen, Cordelius? Con&#8230;, an den Namen kann ich mich nicht erinnern.<\/p>\n<p><em>Comenius. Ich hab ihm den Tipp gegeben, bei Ihnen zu essen. Ich habe Ihr Restaurant im Internet gefunden. Ich wollte ein kurzes Interview am Telefon mit Ihnen machen.<\/em><\/p>\n<p>Ein Interview? Mit mir?<\/p>\n<p><em>Ja. Wenn Sie m\u00f6chten, kann ich auch sp\u00e4ter anrufen.<\/em><\/p>\n<p>Nein, nein. Kommt drauf an, wie viele Fragen sind es?<\/p>\n<p><em>Etwa zehn. Soll ich morgen anrufen?<\/em><\/p>\n<p>Nein, morgen geht es nicht. Mir ist es jetzt lieber. Jetzt habe ich Zeit.<\/p>\n<p><em>Gut. Also, welche Art K\u00fcche bieten Sie? <\/em><\/p>\n<p>Wie, welche Art? Wir sind ein italienisches Restaurant. Wir machen italienische K\u00fcche. Wenn Sie mich jetzt Fragen, was f\u00fcr Gerichte wir kochen, ich weiss es nicht. Was meinen Sie damit?<\/p>\n<p><em>Mich interessiert der Stil. Traditionell, einfach, Haute Cuisine?<\/em><\/p>\n<p>Ja, klar. Ich versteh schon, was Sie meinen. Wir sind ein italienisches Restaurant mit traditionellen Gerichten. Aber, was soll ich Ihnen sagen, wir sind hier in Paris, eine internationale Metropole. Wir haben eine internationale Kundschaft. Also m\u00fcssen wir uns anpassen. Es ist nicht so, dass ich eine K\u00fcche machen kann, wie in Italien. \u00abPast\u2018 e faggioli\u00bb zum Beispiel \u2013 ein typisches italienisches Gericht \u2013 kann ich nicht machen.<\/p>\n<p><em>Weshalb nicht?<\/em><\/p>\n<p>Niemand isst es. Die Franzosen hier essen keine \u00abPast\u2018 e faggioli\u00bb.<\/p>\n<p><em>Also ist es keine echte italienische K\u00fcche?<\/em><\/p>\n<p>Schauen Sie, hier in Paris haben wir internationale G\u00e4ste. Wir m\u00fcssen eine Vielfalt von G\u00e4sten zufrieden stellen. Es kann sein, dass ich heute Abend ein Restaurant voller Japaner habe, morgen sind es wom\u00f6glich Schweden, Engl\u00e4nder, Amerikaner. Aber wir kochen authentische Gerichte. Gut, vielleicht \u00e4ndern wir das Rezept ein wenig ab, die Saucen mit etwas mehr Rahm, die Zutaten ein wenig \u2013 eh, internationaler?<\/p>\n<p><em>Woher beziehen Sie Ihre Ware? Finden Sie alles, was Sie suchen?<\/em><\/p>\n<p>Nochmal: Wir sind in Paris. Deswegen gibt es hier \u00fcberhaupt keine Probleme. Es gibt hier einfach alles, in bester Qualit\u00e4t, alles ist frisch, die Auswahl ist gigantisch.<\/p>\n<p><em>Der Fisch, woher kommt der?<\/em><\/p>\n<p>Nein, also den Fisch hol ich hier bei St.Germain, in hervorragender Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p><em>Immer frisch?<\/em><\/p>\n<p>Jaja, bestens, ohne Probleme. Es gibt hier alles, was es braucht.<\/p>\n<p><em>Anthony Bourdain schreibt in seinem Buch, noch immer gilt: Wenn die Toilette sauber ist, ist auch die K\u00fcche sauber. Richtig oder falsch?<\/em><\/p>\n<p>Richtig oder falsch, ich weiss es nicht. Diesen Anthony kenn ich jetzt nicht, ich hab sein Buch nicht gelesen. Aber, mein Gott, es ist wahr, dass es ein Problem mit den Toiletten geben kann. Wenn das Restaurant voll besetzt ist und alle besch\u00e4ftigt sind, kann es vorkommen, dass nicht jede Stunde kontrolliert wird. Aber wir halten immer alles sauber. In der K\u00fcche ist es das Gleiche, wo gearbeitet wird, ist es immer etwas verschmutzt, aber dann wird geputzt und alles kommt wieder an seinen Ort, das ist normal.<\/p>\n<p><em>Wenn Sie nochmals anfangen k\u00f6nnten, w\u00fcrden Sie dasselbe tun oder w\u00fcrden Sie etwas \u00e4ndern?<\/em><\/p>\n<p>Wenn ich meinen Beruf wieder aus\u00fcben m\u00fcsste, w\u00fcrde ich es sofort wieder tun, das ist sicher. Aber ein Restaurant hier in Paris er\u00f6ffnen, wenn es das ist, was Sie wissen m\u00f6chten, nein! Nein, in Paris w\u00fcrde ich es nicht mehr tun.<\/p>\n<p><em>Warum, zu viele Kompromisse?<\/em><\/p>\n<p>Nein, sehen Sie, die Franzosen sind hier die Hausherren. Sie gehen davon aus aus, die beste K\u00fcche der Welt zu haben. Sie glauben, sie seien die einzigen auf der Welt, die gut kochen k\u00f6nnen. Nehmen Sie zum Beispiel den Guide Michelin, die vergeben nur Punkte an italienische Restaurants, die im Besitz von Franzosen sind, und die servieren wohl kaum original italienische K\u00fcche!<\/p>\n<p><em>Sie doch auch nicht, obwohl sie Italiener sind.<\/em><\/p>\n<p>Wie ich Ihnen schon sagte, weil es unm\u00f6glich w\u00e4re. Wir haben nicht die gleiche Kundschaft wie in Italien, wir sind in Frankreich, so einfach ist das.<\/p>\n<p><em>Wenn man jemandem ein Restaurant empfiehlt, sagt man meistens auch, weshalb es sich lohnt, dort zu essen. Was ist Ihre St\u00e4rke?<\/em><\/p>\n<p>St\u00e4rke?<\/p>\n<p><em>Warum sollte ich ausgerechnet bei Ihnen essen?<\/em><\/p>\n<p>Weil unser Restaurant ein authentisches Ambiente bietet, ein St\u00fcck Italianit\u00e0 so zu sagen. Nicht im folkloristischen Sinne, aber was den Service anbelangt und die gepflegten italienischen Speisen.<\/p>\n<p><em>Haben Sie denn alles italienische Angestellte?<\/em><\/p>\n<p>Ja, nein, das Personal. Klar, wir sind drei Italiener. Zwei in der K\u00fcche, der Chef und ein Koch, und einer im Speiseraum. Einen Tellerw\u00e4scher, also einen italienischen Casserolier finden Sie nicht. Aber im Speisesaal zum Beispiel sprechen alle italienisch. Nicht alle sind Italiener, aber alle reden italienisch. Nein, also vom Personal her haben wir jede Couleur.<\/p>\n<p><em>Okay das wars, danke. Faxen Sie mir Ihre Menukarte?<\/em><\/p>\n<p>Aber ja doch. Kein Problem.<\/p>\n<p><em>Gibt es etwas Spezielles zu entdecken?<\/em><\/p>\n<p>Ja, nat\u00fcrlich. Nebst den klassischen Pasta- und Fleischgerichten, gibt es Ausgefallenes wie den Risotto al Chianti mit Foie Gras. Bon, Sie werden jetzt sagen, Foie Gras, das ist ja schon wieder franz\u00f6sisch! Tatsache aber ist, dass schon die R\u00f6mer Stopfleber auf ihrem Speisezettel hatten. Nur wollen uns die Franzosen nat\u00fcrlich wieder weismachen, das Sie die Erfinder sind: Alles Quatsch!<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abBeato is a favourite dining spot for many of the world&#8217;s elite, from prominent political figures to movie stars.\u00bb Aha, dachte ich mir. Dann kanns ja so falsch nicht sein. Vor ein paar Minuten habe ich eine SMS von meinem Freund Comenius erhalten: \u00abBello, bin in Paris. 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