{"id":261,"date":"2007-12-03T01:53:18","date_gmt":"2007-12-02T23:53:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=261"},"modified":"2007-12-04T22:10:31","modified_gmt":"2007-12-04T20:10:31","slug":"kloss-to-heaven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=261","title":{"rendered":"kloss to heaven"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi_51.jpg' alt='Gnochi_5' \/><\/p>\n<p>Wenn sich ein Sonntag anschickt, h\u00e4sslich zu werden, kann man sich mit einem Kloss im Hals retten \u2013 vorausgesetzt, man verschlingt Unmengen davon und sie geh\u00f6ren zu einem italienischen Clan namens \u00abGnocchi di patate\u00bb.<\/p>\n<p>Sonntage neigen aus vielerlei Gr\u00fcnden dazu, die Nerven zu strapazieren.<br \/>\nWenn dazu das Winterwetter noch einen auf <a href=\"http:\/\/www.marilynmanson.com\/\">Marilyn Manson<\/a> macht, ist der heitere M\u00fcssiggang umso schwerer aufzuzwingen.<\/p>\n<p>Es g\u00e4be viele M\u00f6glichkeiten solchen Sonntagen zu trotzen. Aber trotzen ist f\u00fcr Kleinkinder. Wer erwachsen genug ist, einen Kochl\u00f6ffel zu schwingen, macht sich an die zarteste Liebeserkl\u00e4rung, die man einem Nachtschattengew\u00e4chs machen kann: Kartoffelgnocchi.<\/p>\n<p>Alles beginnt mit einem ausgewogenen Fleischsugo. Rindsragout eignet sich daf\u00fcr hervorragend.<\/p>\n<p>&#8211; Die St\u00fccke scharf in Oliven\u00f6l anbraten \u2013 salzen, pfeffern, warm stellen<br \/>\n&#8211; Oliven\u00f6l ersetzen, 1 gehackte Zwiebel und 1 St\u00fcck Knollensellerie darin r\u00f6sten<br \/>\n&#8211; Mit 2 Gl\u00e4sern Rotwein den Bratensatz l\u00f6sen<br \/>\n&#8211; Passierte Tomaten (im Glas) dazu und aufkochen, mit 2 Gl\u00e4sern Wasser strecken<br \/>\n&#8211; Fleisch dazu, salzen, pfeffern und 2 Stunden simmern lassen<br \/>\n&#8211; Nach 1.5 Stunden glatte Petersilie dazu<\/p>\n<p>Das ist ALLES, cari Signori e Signore. Zum Teufel mit der wiederw\u00e4rtigen Panscherei: kein Zucker, kein Knoblauch, keine verdammte Gew\u00fcrzorgie mit \u00abitalienischen\u00bb oder \u00abprovenzalischen\u00bb Kr\u00e4utern, keinen Speck, keine Karotten, keine Innereien, keine Milch, kein Tomatenmark! <\/p>\n<p>Ich weiss, das ist f\u00fcr viele sehr, sehr schwer zu verstehen. Ja, es ist auch schwer! <\/p>\n<p>Die besten Kunstwerke sind von einer erschreckenden Einfachheit. Einen guten Roman zu schreiben, ist nicht schwer, man muss nur das Unn\u00f6tige weglassen. Schlichtes, schn\u00f6rkelloses Design verschl\u00e4gt einem die Sprache. Eine geniale Idee kann man mit 1 Satz erkl\u00e4ren. Ein klarer, edler Schnitt verdreht uns bei Kleidungsst\u00fccken den Kopf. Reicht das an Vergleichen? <\/p>\n<p>Auf jedem Gebiet der Kreativit\u00e4t ist die Reduktion aufs Wesentliche oberstes Ziel und kraftvollster Ausdruck. Aber beim Kochen soll dann pl\u00f6tzlich Spielgruppe mit Fingerfarben und <a href=\"http:\/\/www.rolfknie.ch\/main.php\">Rolf Knie<\/a>-Niveau erlaubt sein? <\/p>\n<p>So, komm! Weiter gehts:<\/p>\n<p>&#8211; 1 Kilo mehlig kochende Kartoffeln in der Schale weichgaren<br \/>\n&#8211; 200 Gramm Mehl zu einer Mulde formen, 1 Ei und etwas Salz zugeben<br \/>\n&#8211; Noch warme Kartoffeln mit der Presse dazugeben<br \/>\n&#8211; Alles von Hand zu einem weichen Teig vermengen<br \/>\n<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi.jpg' alt='Gnocchi' \/><\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi_1.jpg' alt='Gnochi_1' \/><\/p>\n<p>Ich schreibe \u00abvermengen\u00bb, nicht \u00abkneten\u00bb. Selbstverst\u00e4ndlich ist das der sinnlichste Teil der Operation, nebst dem Essen der Gnocchi. Deshalb wird auf gar keinen Fall eine Knetmaschine eingesetzt! Wir machen das ja nicht jeden Tag f\u00fcr 250 Personen. <\/p>\n<p>Wichtig: (nein, das ist jetzt nicht sexistisch, sondern etwas, das sowohl Frauen wie M\u00e4nner begreifen m\u00fcssten) den Teig wie eine weibliche Brust massieren. Okay, so wie ich eine weibliche Brust massiere (ist das jetzt sexistisch? sorry).<\/p>\n<p>Nicht rupfen und hauen, nicht mit den F\u00e4usten reindr\u00fccken, nicht kneifen, nicht mit halbem K\u00f6rpergewicht in den Handballen traktieren. Abgesehen davon, darauf achten, dass die Arbeitsfl\u00e4che immer gut mit Mehl best\u00e4ubt ist.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi_2.jpg' alt='Gnochi_2' \/><\/p>\n<p>Teig etwas ruhen lassen. Dann gleichm\u00e4ssige, fingerdicke W\u00fcrste rollen, 2 \u2013 3 cm grosse St\u00fccke abzwacken (z.B. mit einem stumpfen Messer), mit dem Zeigefinger in einer Zieh-Abstoss-Bewegung die Gnocchi auf eine mehlbest\u00e4ubte Fl\u00e4che katapultieren und dort eine halbe Stunde liegen lassen.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi_3.jpg' alt='Gnochi_3' \/><\/p>\n<p>Gute Gnocchi zergehen auf der Zunge (muss ich das wirklich schreiben?), mit anderen Worten, sie sind sehr weich. Damit sie im Kochwasser nicht auseinander fallen, darf das Wasser nur leicht gesalzen sein! (War neu f\u00fcr mich, hab ich im <a href=\"http:\/\/www.thalia.ch\/shop\/home\/artikeldetails\/der_silberloeffel\/ISBN0-7148-9665-9\/ID14007561.html\">Silberl\u00f6fel<\/a> nachgelesen \u2013 danke Sylvia!)<\/p>\n<p>Portionenweise (1 Teller) in das kochende Wasser geben und warten bis sie auftauchen. Mit einer Siebkelle absch\u00f6pfen und unter Zugabe von Sugo in einer Gratinform warmstellen (60 Grad). <\/p>\n<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi_4.jpg' alt='Gnochi_4' \/><\/p>\n<p>Mit Parmesan bestreut oder auch nicht, kann man sich nun mit einer Seelenruhe beliebig viele Teller von diesem Primo Piatto genehmigen. Als Secondo gibt es dann zartestes Ragout (ausser es wurde statt gesimmert, zu heiss gekocht, dann sind es Squashb\u00e4lle). <\/p>\n<p>Als Beilage liebe ich einen gaumenkitzelnden Friseesalat an einer simplen Vinaigraitte, die geht so:<\/p>\n<p>&#8211; 1 Schalotte mit der Knochblauchpresse in eine Sch\u00fcssel geben<br \/>\n&#8211; 1 Essl\u00f6ffel Sojasauce und 3 Essl\u00f6ffel Aceto Balsamico dazu<br \/>\n&#8211; 1 Stunde einwirken lassen<br \/>\n&#8211; reichlich schwarzen Pfeffer dazu und dann<br \/>\n&#8211; mit bestem Oliven\u00f6l montieren bis eine sch\u00f6ne Emulsion entsteht<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Sonntag: Sobald ich mich mit s\u00fcndhaft \u00fcbertriebenen Portionen satt gegessen hatte (kein Platz mehr f\u00fcr Dessert, Fr\u00fcchte und dergleichen), habe ich mich in <a href=\"http:\/\/www.sk96.de\/sk_sr.htm\">Sumo-Ringer<\/a>-Manier schlafen gelegt \u2013 ahhhh!<\/p>\n<p>Als ich wieder aufgewacht bin, war es so 16 Uhr 15. Und der Himmel war glaub ich etwas ver\u00e4rgert, weil er mich heute nicht \u00e4rgern konnte. <\/p>\n<p>Sch\u00f6n so.<br \/>\n<br \/>\n<img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchi_6.jpg' alt='Gnocchi_6' \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich ein Sonntag anschickt, h\u00e4sslich zu werden, kann man sich mit einem Kloss im Hals retten \u2013 vorausgesetzt, man verschlingt Unmengen davon und sie geh\u00f6ren zu einem italienischen Clan namens \u00abGnocchi di patate\u00bb. Sonntage neigen aus vielerlei Gr\u00fcnden dazu, die Nerven zu strapazieren. 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