{"id":314,"date":"2008-01-09T00:02:33","date_gmt":"2008-01-08T22:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=314"},"modified":"2008-01-09T00:48:59","modified_gmt":"2008-01-08T22:48:59","slug":"kind-deer-miraa-coli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=314","title":{"rendered":"Kin-deer! Miraa-coli!"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/spaghetti.jpg' alt='Spaghetti' \/><\/p>\n<p>Ich erinnere mich an ein \u00abDaft Punk\u00bb-Video des Albums \u00abHomework\u00bb Ende der 90er. Es beginnt mit der Aufl\u00f6sung einer Houseparty durch die Cops vom NYPD. Durch ein Megafon ert\u00f6nt: \u00abStop the music and go home! I repeat: stop the music and go home!\u00bb <\/p>\n<p>In einer Nebenhandlung steht eine Mamma hinter dem Herd und bereitet zum stampfenden Sound von \u00abRevolution 909\u00bb eine Tomaten\u00adsauce zu: In einem See von Oliven\u00f6l schwimmen klein gehackte Zwiebeln. Dazu gibt sie ein paar reife, gew\u00fcrfelte Tomaten. Deckel drauf \u2013 finito! I repeat: Oliven\u00f6l, Zwiebeln, Tomaten. Story ends. Mehr, abgesehen von Salz und Pfeffer, braucht es nicht f\u00fcr die Mamma aller Saucen: Den Sugo.<\/p>\n<p>Ja. Die Italiener nennen ihre Tomatensauce \u00absugo\u00bb. Das ist aber so zu sagen nur der Gattungsbegriff. Weil auf italienischen Speisekarten, sofern man denn eine bekommt, (meistens werden einem ja die Speisen m\u00fcndlich am Tisch rezitiert, und \u00e4hnlich wie in einem Theaterst\u00fcck, darf man da auch nicht einfach unterbrechen und fragen, h\u00e4? was war das nochmal?) steht ja nie und nimmer \u00abPenne al sugo\u00bb, oder \u00e4hnlich peinlich unpr\u00e4zises in der Art. <\/p>\n<p>Da muss man schon unterscheiden zwischen \u00abal pomodoro\u00bb (mit Tomaten), \u00abal rag\u00f9\u00bb (Tomaten mit Fleisch\u00adst\u00fccken), \u00abBolognese\u00bb (Tomaten mit Hackfleisch) oder zig weiteren wie Puttanesca,  Arrabiata, Matriciana, alla Norma und so fort.  <\/p>\n<p>Im \u00ab10 vor 10\u00bb habe ich \u00fcbrigens mal einen Bericht \u00fcber einen italienischen Krawattenhersteller gesehen. Der \u00e4ltere, perfekt gekleidete Gesch\u00e4ftsmann pr\u00e4sentierte   seine revolution\u00e4re Erfindung \u2013 eine Schmutz abweisende Krawatte. Diesen USP garnierte er mit \u00fcberzeugenden Verkaufs\u00ad\u00adargumen\u00adten: \u00abJu sih\u00bb, erkl\u00e4rte er auf Englisch. \u00abOn dis tay, ju ken putt ewri ting ju laik, no problem! It uil lihv no treyses. Ju ken putt oil, salad sos, redd uain, hegg, rag\u00f9&#8230;\u00bb, da!, haben Sies gelesen? Nicht etwa Sugo: Rag\u00f9. Yep, das ist ein Fleischsugo. Schwer und intensiv \u2013 geschmacklich wie fleckentechnisch.<\/p>\n<p>Gut. Das war jetzt vielleicht nicht besonders lustig mit der Krawatte. Aber noch viel, viel unlustiger finde ich das, was sich hierzulande alles als \u00abTomatensauce\u00bb auf den Tellern breit macht. Es gibt leider immer noch unz\u00e4hlige Gr\u00e4uel\u00adtaten, die an unschuldigen Tomaten ver\u00fcbt werden.<\/p>\n<p>Was sich \u00abnapolitaine\u00bb nennt (schon dieses Wort w\u00fcrgt mich!), will eigentlich nur Tomatensauce \u00abnature\u00ab sein, also blutte Tomaten. Warum also stinkt sie so nach Oregano!? Noch dazu getrockneten (absolutes no go!). Nach Erbrochenem? Ist es der billige Wein? Ist darum alles leicht s\u00e4uerlich? Ich versteh es nicht. Aber dann erst die \u00abBolognaise\u00bb! Als ob dieses Wort ein Freipass f\u00fcr Potpourri w\u00e4re. Was dann meistens auch als pot pourri endet (zu Deutsch: verdorbener Topf). Alles scheint erlaubt: zweifelhaftes Hackfleisch, \u00abitalienische Kr\u00e4utermischung\u00bb, Pilze, 0815-Gem\u00fcse (Tiefk\u00fchl\u00admischung?), Tannen\u00adnadeln (getrockneter Rosmarin), Lorbeerbl\u00e4tter und so weiter. Zu alledem, und das ist fast schon Konzept, wird dazu kein Parmesan gereicht, sondern Emmentaler in der Konsistenz eines L\u00e4ufer-Plast-Radiergummis. <\/p>\n<p>Ganz ausgekocht sind auch jene Spaghetti-Plausch-Parties, die nach dem Prinzip Fondue Chinoise funktionieren. Egal ob im Restaurant \u00e0 discr\u00e9tion oder im Freundeskreis \u00e0 la Kindergeburtstag \u2013 jeder brockt sich die Saucen ein, die ich lieber nicht ausl\u00f6ffeln m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Richtig schlecht \u2013 und deswegen eigentlich fast schon wieder Kult \u2013 ist jene Tunke, mit denen die Mammis meiner Schulfreunde Spaghetti vergewaltigten. Ich glaube die Haupt\u00adzutaten waren Planta Margarine, ein B\u00fcchsli Mio- Tomaten\u00adkonzentrat (nicht Bio, das gabs damals noch nicht) mit etwas Wasser verd\u00fcnnt, einen rassigen Sprutz Maggi und Aromat statt Salz, wieso denn auch nicht. Aber das kr\u00f6nende Topping? Na, wer kanns erraten? Jawoll! Gepr\u00e4gelte Cervelat-W\u00fcrfeli! <\/p>\n<p>Als Entschuldigung f\u00fcr diese Mamis (das meine ich jetzt ganz ehrlich, ich bin nicht nachtragend) muss man einr\u00e4umen, dass Sie es nicht besser wussten. A) Damals verbrachte man noch keine Gourmetwochen mit seinen Golffreunden im Piemont. B) Damals verbrachte Frau ihre Zeit abends noch brav vor dem Fernseher, und dort wurde den Mamis noch mit w\u00e4hrschafter Reklame das Hirneli gewaschen. In diesen Spots wurden Kinder noch mit Miracoli vom Dr\u00f6gelen abgehalten, Pane e Pizza ergab Panizza, und den Italiener weckte man am besten mit Raguletto.<\/p>\n<p>Heute, muss ich sagen, gibt es keine Ent\u00adschuldigung mehr f\u00fcr miese Tomatensaucen. Das gilt f\u00fcr die eigenen vier K\u00fcchenw\u00e4nde genauso wie f\u00fcr Lager- Milit\u00e4r- oder Zivilschutzk\u00fcchen und erst recht f\u00fcr Restaurants. Denn bei Wirten und K\u00f6chen reden wir immerhin von Profis. Und da sollte man doch etwas magenvertr\u00e4gliches f\u00fcr sein Geld erwarten d\u00fcrfen (ich weiss, ich bin naiv). <\/p>\n<p>Die \u00d6sterreicher haben ja ein wundersch\u00f6nes Wort f\u00fcr Sugo: Paradeisapfelsauce. Weil Tomaten ja Paradeisapfel oder Paradeiser genannt werden. Ich finde, dieser Name gibt der Frucht den richtigen Stellenwert. Und so himmlisch sollte diese Frucht auch behandelt werden.<\/p>\n<p>So, jetzt machen wir zusammen etwas ab: F\u00fcr den n\u00e4chsten Sugo schieben Sie mal eine Daft Punk-CD ein und konzentrieren sich auf drei Dinge: Oliven\u00f6l, Zwiebeln, Tomaten. Alles von bester Qualit\u00e4t, und nach einer Stunde haben Sie eine perfekte Tomatensauce. Salzen, Pfeffern \u2013 finito!<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich erinnere mich an ein \u00abDaft Punk\u00bb-Video des Albums \u00abHomework\u00bb Ende der 90er. Es beginnt mit der Aufl\u00f6sung einer Houseparty durch die Cops vom NYPD. Durch ein Megafon ert\u00f6nt: \u00abStop the music and go home! 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