{"id":4289,"date":"2013-08-19T23:23:10","date_gmt":"2013-08-19T21:23:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=4289"},"modified":"2013-08-19T23:59:11","modified_gmt":"2013-08-19T21:59:11","slug":"abrechnung-auf-italienisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=4289","title":{"rendered":"Abrechnung auf Italienisch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Il-Conto1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4290\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Il-Conto1.jpg\" width=\"600\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Il-Conto1.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Il-Conto1-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es ist der Moment, der die Stimmung eines ganzen Abends tr\u00fcben kann.<\/p>\n<p>Man wurde jovial bedient. Man hat vorz\u00fcglich gegessen. Und man hat sich blendend unterhalten (mit seiner Begleitung am Tisch und \u00fcber die theaterreife Darstellung der anderen G\u00e4ste).<\/p>\n<p>Und dann ist es gut und man m\u00f6chte sich einfach nur erheben und zufrieden in die Nacht hinaus schreiten. Jetzt. Gleich. Noch rasch die Rechnung begleichen und los.<\/p>\n<p>Aber da geht nichts. Weil der Service den Moment verpasst hat zu fragen, ob alle zufrieden sind, oder w\u00fcnschen Sie noch was? weil sonst bringe ich Ihnen die Rechnung, wenn es recht ist.<\/p>\n<p>Weil die Bedienung wie vom Erdboden verschluckt ist. Oder der Wink, ehm, die Rechnung bitte, nur von einem anderen Gast mit einem indifferenten Augenaufschlag quittiert wird, nicht aber vom Kellner. Wo ist er denn nur?<\/p>\n<p>Ah, jetzt kommt er. Er kommt und sein Blick fliegt stoisch an einem vorbei, als w\u00e4re man eine ausgetrunkene Weinflasche, die man auch sp\u00e4ter abr\u00e4umen kann.<\/p>\n<p>Er ignoriert uns also. Bitte. Ist ja sein Trinkgeld das im Countdown dahinschmilzt, wenn das hier noch lange so weitergeht. Und das tut es. Nichts dauert so lange wie die unn\u00fctze Zeit, die man damit verbringt, endlich die Rechnung bestellen zu d\u00fcrfen (beglichen ist sie ja damit noch lange nicht).<\/p>\n<p>Darum liebe ich es so in Italien. In den meisten Osterie, Trattorie oder Ristoranti ist es Habitus \u00abvorne\u00bb zu bezahlen. \u00abVorne\u00bb, das ist Eingang-Ausgang-Bar-und-Kasse in einem. Und \u00abvorne\u00bb kassiert der Chef. Niemals, die Person, die einen bedient hat.<\/p>\n<p>Oft sitzt da auch die Besitzerin oder der Besitzer des Lokals. Oder das \u00e4lteste Mitglied der Wirtsfamilie. Auf jeden Fall der Mensch, dessen Talent mehr in den Zahlen liegt, als am Herd.<\/p>\n<p>Und sie wachen dort \u00fcber die Kasse und das dicke Reservationsbuch und \u00fcber die Bestellzettel, die der Service f\u00fcr jeden Tisch schon nach \u00abvorne\u00ab gebracht hat, bevor man \u00fcberhaupt den Gedanken ans Zahlen gedacht hat.<\/p>\n<p>Und dann wird das letzte Kapitel des Restaurantbesuchs aufgeschlagen. Konzentriert und unterhaltsam zugleich. Der Chef widmet sich dem Besucher seines Hauses und erkundigt sich, ob alles recht war.<\/p>\n<p>Heute nennt man das vermutlich, eine Beziehung zum Gast aufbauen oder ihm eine Wertsch\u00e4tzung, ein Erlebnis entgegen bringen. Aber eigentlich ist es nur das nat\u00fcrliche Interesse f\u00fcr sein Business, dass er schon seit einem halben Leben mit Leidenschaft betreibt.<\/p>\n<p>Und dann l\u00e4sst man die Bestellungen gemeinsam Revue passieren, kontrolliert Belege, als w\u00e4re man im selben Buchhaltungsteam. Nat\u00fcrlich schwadroniert man sogleich \u00fcber Zubereitungsarten und Rezepte und lobt die eine oder andere Vorspeise. Orakelt, was <i>orginale<\/i> und <i>tradizionale<\/i> ist und schon immer war, und was Schnickschack.<\/p>\n<p>Dann bekommt man, je nach Sympathie oder H\u00f6he der Rechnung, ich weiss es nicht, noch einen auf den Weg. Limoncello f\u00fcr die Signora? Grappa der Herr? Der hier ist sehr sch\u00f6n. Nein? Lieber nicht Barrique. Dann der!<\/p>\n<p>Jetzt ist noch Zeit, die Wand unter die Lupe zu nehmen. Ist das wirklich ein italienisches Ph\u00e4nomen? Diese Foto-Fan-Galerie an Prominenz, die mal den rotwangigen Besitzer, mal die strahlend h\u00fcbsche Kellnerin umarmt?<\/p>\n<p>Das bleibt nat\u00fcrlich nicht unbemerkt. Und der Besitzer kann jetzt noch beil\u00e4ufig einflechten, dass er schon \u00fcber zwanzig Jahre f\u00fcr den FC Milan kocht. Ja, sicher! Ich bin der Mannschaftskoch von Milan, glauben Sie nicht? Da, da und da! Er deutet auf Beweisfotos wie ein Commissario, der seinen Carabinieri das Mitgliedergeflecht einer Mafiafamilie erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Grossz\u00fcgig werden auch gerne touristische Tipps gegeben. Oder \u2013 ganz selbstlos \u2013 verraten, wo man sonst noch gut essen kann in der Gegend. Und manchmal, da wird man sogar noch handfest beschenkt.<\/p>\n<p>Wisst ihr was? Nehmt doch den Limoncello gleich mit, doch, Signora, der hat Ihnen doch so gut geschmeckt! Oder man bekommt ein kleines K\u00e4nnchen Oliven\u00f6l, das der Schwager selbst produziert oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Und wieder hat man das Gef\u00fchl, hier sass niemand vor zwei Monaten mit dem Personal zusammen und hat sich eine Marketingaktion ausgedacht, wie man bei den G\u00e4sten besser in Erinnerung bleiben k\u00f6nnte. Nein, das passiert spontan. Einfach so.<\/p>\n<p>Und da stehe ich drauf. Ach was, nicht auf die Geschenke. Auf das ganze Gebaren. Das ist so unnachahmlich Italien. Und vermittelt Grandezza. Weil, man kann mit der ganzen Gruppe zahlen gehen. Einer saldiert \u00abil conto\u00bb und die anderen schauen sich Delikatessen, kulinarische Magazine oder Veranstaltungsflyer an w\u00e4hrend die anderen schon nach draussen gehen, um zu rauchen.<\/p>\n<p>Man kann aber auch alleine \u00abschon mal nach vorne zahlen\u00bb gehen, w\u00e4hrend Madame sich jede Zeit f\u00fcr den stilvollen Abgang nehmen kann.<\/p>\n<p>Zahlen, wenn man bereit f\u00fcr den Aufbruch ist, und nicht, wenn der Kellner eine freie Minute hat. Und dann noch ein wenig parlieren und Sympathien \u2013 und nicht etwa lieblos hingeworfene Abschiedsfloskeln\u2013 austauschen.<\/p>\n<p>Das ist ein Luxus, den ich gerne auch hier in Anspruch nehmen w\u00fcrde \u2013 und den Gastronomen als Massnahme zur Kundenbindung ans Herz lege.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der Moment, der die Stimmung eines ganzen Abends tr\u00fcben kann. Man wurde jovial bedient. Man hat vorz\u00fcglich gegessen. Und man hat sich blendend unterhalten (mit seiner Begleitung am Tisch und \u00fcber die theaterreife Darstellung der anderen G\u00e4ste). 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