{"id":572,"date":"2008-10-20T00:03:29","date_gmt":"2008-10-19T22:03:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=572"},"modified":"2008-10-20T01:16:06","modified_gmt":"2008-10-19T23:16:06","slug":"schleunigst-entschleunigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=572","title":{"rendered":"Schleunigst entschleunigen"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pappardelle-con-ragu-di-manzo.jpg\" alt=\"Pappardelle al ragu\" \/><\/p>\n<p>Gipfelt f\u00fcr viele Freizeitk\u00f6che in einem Berg Arbeit: Das Wochenende.<\/p>\n<p>Was der ambitionierte Hobbykoch und die leidenschaftliche Amateurk\u00f6chin an kulinarischen Kapriolen und Kochstrapazen so auf sich nehmen, ist mitunter irritierend. Und das am Weekend, nach einer anstrengenden Arbeitswoche.<\/p>\n<p>Manche Men\u00fcplanung kommt fast schon der Besteigung eines Achttausenders gleich. Montag bis Freitag Convenience aus der Mikrowelle und Sandwich \u00fcber dem Laptop \u2013 aber am Wochenende muss es dann mindestens Sterneniveau sein.<\/p>\n<p>Privat kochen ist freilich immer eine Gratwanderung zwischen charmanter Improvisationskunst und krankhaftem Perfektionswahn. Dieser grassiert ja im \u00fcbrigen \u2013 kompetitiver Gesellschaftsdruck sei dank \u2013 auch bei vielen anderen Freizeitaktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Hier nun eine Vorspeise oder ein Zwischengang oder eine Hauptspeise (je nach Ambition), die zwar gute acht bis zehn Stunden Zubereitungszeit braucht, aber dennoch (wenn nicht sogar zwingend) auf die Anwesenheit eines \u00fcbereifrigen Kochs verzichten kann: Pappardelle al Rag\u00f9 di Manzo.<\/p>\n<p>Das Rag\u00f9 kann zwar vom Rind sein, aber gerade in die aktuelle Saison passt auch die klassische Kombination mit Wildsau.<\/p>\n<p>Ein Kilo grob gew\u00fcrfelte Rag\u00f9st\u00fccke portionsweise mit Oliven\u00f6l in einer schweren Schmorpfanne rundum scharf anbraten, salzen, pfeffern und warm stellen.<\/p>\n<p>Das \u00d6l darf man wegsch\u00fctten, nicht jedoch den Bratensatz am Topfboden. Auf diesem wird mit Butter <a href=\"http:\/\/www.effilee.de\/wissen\/Mirepoix.html\" target=\"_blank\">Mirepoix<\/a> aus Karotten, Sellerie, Schalotten und Knoblauch ger\u00f6stet. Nach 5 Minuten etwas Tomatenmark mitr\u00f6sten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.effilee.de\/wissen\/Abl\u00f6schen.html\" target=\"_blank\">Deglaciert<\/a> wird mit einem Glas Rotwein bis die Fl\u00fcssigkeit einreduziert ist. Dann gleich noch einmal mit einem weiteren Glas Rotwein deglacieren. Wer m\u00f6chte, darf ruhig etwas <a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=359\" target=\"_blank\">Demi-Glace<\/a> hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Dann kommen je etwa 3 Deziliter passierte Tomaten, Rindsfond und Rotwein dazu. Und absolute Ruhe f\u00fcr die n\u00e4chsten 8 Stunden auf niedrigster Schmortemperatur.<\/p>\n<p>Wenn man dieses Rag\u00f9 also am Samstagmorgen aufsetzt, hat man bis am Abend alle H\u00e4nde frei zu tun und lassen was immer man will. Besser w\u00e4re sogar, das Rag\u00f9 am Freitagabend f\u00fcr 4 bis 5 Stunden aufzusetzen, um es am n\u00e4chsten Tag zu erw\u00e4rmen und f\u00fcr weitere 4 bis 5 Stunden schmoren zu lassen.<\/p>\n<p>Das Ziel ist erstens, eine intensive braune Sauce zu bekommen und zweitens, das Fleisch komplett zerfallen zu lassen.<\/p>\n<p>Bevor die Sauce durch ein Sieb passiert wird, 10 Minuten mit einem Zweig Rosmarin und Thymian aromatisieren. Dann Fleisch herausnehmen, mit einer Gabel zerteilen und wieder zur Sauce geben. Mit Salz und Pfeffer justieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/ragu-zerteilen.jpg\" alt=\"Ragu zerteilen\" \/><\/p>\n<p>Wer sein Ego (doch) nicht mit gekauften Pappardelle abspeisen m\u00f6chte, kann nat\u00fcrlich auch selber rasch welche herstellen. Auf 100 Gramm Mehl kommt 1 Voll-Ei.\u00a0 Mit dem Mehl eine Mulde formen, das Ei darin verschlagen und einen glatten Teig kneten. Eine halbe Stunde ruhen lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/pastamaschine.jpg\" alt=\"Pastamaschine\" \/><\/p>\n<p>Mit einem Nudelholz oder mit der Teigmaschine den Teig sehr d\u00fcnn auswallen und in etwa eineinhalb breite Streifen schneiden. Bemehlen und nochmals eine gute halbe Stunde ruhen lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/frische-pappardelle.jpg\" alt=\"Frische Pappardelle\" \/><\/p>\n<p>Wichtig: Die Pasta nach dem Kochen nicht absch\u00fctten. Besser mit einem grossen Schauml\u00f6ffel oder einer Zange direkt aus dem Wasser in eine Schwenkpfanne geben, wo sich bereits etwas Sauce mit dem Rag\u00f9 befindet.<\/p>\n<p>Unter mittlerer Hitze Pappardelle portionsweise Schwenken und soviel Sauce dazugeben bis sie durch und durch damit \u00fcberzogen sind.<\/p>\n<p>Auf Tellern mit etwas glatter Petersilie und Oliven\u00f6l Extra Vergine anrichten. Dazu \u00fcbrigens nie und nimmer Parmesan reichen \u2013 viel zu aufdringlich!<\/p>\n<p>Ehrlich, dieses Pastagericht schmeckt, als w\u00e4re eine halbe K\u00fcchenbrigade (oder eine talentierte Nonna) 24 Stunden hinter den T\u00f6pfen gestanden.<\/p>\n<p>Und es macht den Kochenden so stolz, als h\u00e4tte er an einem Nachmittag kurz einen Achttausender bezwungen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Gipfelt f\u00fcr viele Freizeitk\u00f6che in einem Berg Arbeit: Das Wochenende. Was der ambitionierte Hobbykoch und die leidenschaftliche Amateurk\u00f6chin an kulinarischen Kapriolen und Kochstrapazen so auf sich nehmen, ist mitunter irritierend. Und das am Weekend, nach einer anstrengenden Arbeitswoche. Manche Men\u00fcplanung kommt fast schon der Besteigung eines Achttausenders gleich. 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