{"id":5763,"date":"2015-02-14T10:19:05","date_gmt":"2015-02-14T09:19:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=5763"},"modified":"2015-03-10T09:44:38","modified_gmt":"2015-03-10T08:44:38","slug":"mittagessen-fuer-einen-fuenfliber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=5763","title":{"rendered":"Mittagessen fuer einen Fuenfliber."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?attachment_id=5766\" rel=\"attachment wp-att-5766\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5766\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Marroni-mit-Milch_s.jpg\" alt=\"Marroni mit Milch_s\" width=\"600\" height=\"784\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Marroni-mit-Milch_s.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/Marroni-mit-Milch_s-230x300.jpg 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich war diese Woche beruflich wieder in Z\u00fcrich. Ein kurzer Termin am Vormittag. Konzentriert und produktiv. Zufrieden machte ich mich auf den Weg zur\u00fcck zum Bahnhof. Weitere Arbeit wartete. Was eigentlich falsch ausgedr\u00fcckt ist. Arbeit wartet nie. Die Tippt genervt auf ihre Armbanduhr und sagt uns, dass wir zu sp\u00e4t dran sind. Keine Zeit f\u00fcr einen Lunch.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zu letzter Woche. Da war der einzige Sinn und Zweck meines Besuchs in der Zwinglistadt ein ausgedehnter Lunch. Das mehrg\u00e4ngige Men\u00fc dauerte \u00fcber drei Stunden. Auch das hat sich gelohnt. Sehr sogar.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend ich zu Fuss vom Kunsthaus durchs Niederdorf zum Bahnhof gehe, denke ich, soll ich doch etwas essen? Hm, aber was? Ich w\u00fcrde gerne einkehren. Am liebsten in die Alpenrose. Oder den neuen Hamburger-Laden ausprobieren: The Bite. Oder zu Andr\u00e1s, ins Berg und Tal? Aber eben: Kostet alles zu viel Zeit.<\/p>\n<p>Lieber daheim dann was Kleines essen. Brot und K\u00e4se. Einen Apfel. K\u00f6nnte mir auch den Reis von gestern w\u00e4rmen. Ist schnell gemacht. Ein Pasta auch. Ach, zu viel Aufwand. Bis ich da bin, ist halb zwei. Komm, dann doch lieber jetzt etwas kaufen. Sandwich? Bratwurst? Banane? Sushi?<\/p>\n<p>Sushi? Ja, genau. Das ist doch kein Sushi, das da in den Plastikboxen zwischen gef\u00fcllten Bretzeln und geschmackskastriertem Caprese-Salat in der K\u00fchltruhe liegt! Das ist ein N\u00e4hrboden f\u00fcr Keime. Das ist verschwendeter Fisch. Das ist die Verspottung einer Ess-Kultur, die sich rigoros an der Frische und an der G\u00fcte der Zutaten orientiert.<\/p>\n<p>Und dann passierte das, was mir immer passiert, wenn ich unterwegs bin und die Zeit f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges, gesetztes Essen fehlt: Ich verwerfe eine Option nach der anderen. Weil \u2013 lieber esse ich nichts, als etwas, das keine Freude macht, ohne Freude zubereitet wurde oder sonst wie von schlechter Qualit\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Davon werden ja t\u00e4glich Tonnen an Leute verkauft, die sich nicht so sperrige Gedanken machen wie ich. Und die sich \u00fcber Mittag im Hetzen einfach etwas ins Gesicht dr\u00fccken. Tonnenweise! Will mir gar nicht vorstellen, woher dieses billige, vorgefertigte Essen \u201eto go\u201c herkommt, unter welchen Bedingungen und mit welchen Zutaten es zubereitet wurde. Da wird mir schlecht.<\/p>\n<p>Schon klar, nicht alles ist so mies wie ich es rede. Gibt bestimmt auch gute Sandwiches. Mit Brot vom B\u00e4cker. Guter Butter. Und was Anst\u00e4ndigem dazwischen.<\/p>\n<p>Aber ich sehe doch, was diese Menschen verdr\u00fccken. Diese gehetzten, gestressten Arbeitstiere. Massen-Menschhaltung ist das, denen billiges Futtermittel in die Hand gedr\u00fcckt wird. Nichts anderes.<\/p>\n<p>Da kommt mir einer auf der Rolltreppe entgegen, der sieht aus wie ein Beisser aus Walking Dead. Was ist mit seiner gereizten Haut? Will die sich vom Gesicht abl\u00f6sen? Dem gehts nicht gut. Sieht man sofort. Sein ganzer aufgeblasener K\u00f6rper scheint zu sagen, aufh\u00f6ren bitte, stopp! Aber er selbst h\u00f6rt es nicht. Sein Blick ist matt. Macht einfach weiter. Und beisst gedankenverloren in einen Industrie-Teigling, dem die laschen Salatbl\u00e4tter zu Seite raush\u00e4ngen. Der sieht echt aus wie ein Zombie, der an einem vergammelten K\u00f6rperteil nagt.<\/p>\n<p>Wer zwingt denn diese Leute, sich so minderwertig zu ern\u00e4hren? So fettig. So \u00fcberw\u00fcrzt und \u00fcberzuckert. Die ganzen leeren Kalorien. W\u00fcrden sie tot umfallen, wenn sie nicht dauernd eine Plastikverpackung aufreissen und sich billigen Brennstoff zuf\u00fchren w\u00fcrden? Die sind doch kein Michael Phelps, der 10&#8217;000 Kalorien pro Tag reinschaufeln muss.<\/p>\n<p>Und dann die ganzen Plastikschalen, PET-Flaschen und Megamaxibecher. Der ganze M\u00fcll, den dieses portable Essen produziert. Und \u00fcberhaupt, hat die SBB das Essen im Zug nicht verboten? Dieser Gestank im Waggon! D\u00f6ner, Fastfood, asiatisches irgendwas im Kunststoff-Napf. Haben sich nett eingerichtet auf ihrem Sitz. Mit Ohrh\u00f6rer mampfend vor dem Laptop. Schuhe ausgezogen, Tennissocken auf dem Sitz gegen\u00fcber. Widerlich. Einfach widerlich. Zum Gl\u00fcck finde ich noch einen Platz in einem Waggon, wo nicht gegessen wird: Im Speisewagen! Was f\u00fcr ein Witz.<\/p>\n<p>In Basel angekommen, entdecke ich mein Mittagessen vor dem Bahnhofsplatz. Es wird gerade frisch zubereitet. Fast Food vom Feinsten. Gesund. Nachhaltig. Nahrhaft. Marroni! Archaisch. In der eigenen Schale \u00fcber Holzkohle gebraten. Ein Naturprodukt ohne Additive. Nicht von der Industrie oder einem Foodkonzern bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet und mit hohlem Marketing aufgeblasen.<\/p>\n<p>Ich bin gl\u00fccklich und kaufe mir 150 Gramm f\u00fcr f\u00fcnf Franken. Ein Lunch f\u00fcr einen F\u00fcnfliber, sag mal! Danach bin ich zufrieden und satt. Und auch ein wenig stolz. Dass ich die Geduld aufgebracht habe, nicht das Erstbeste in mich hineinzustopfen. Dass ich mich zur\u00fcckhalten konnte und meine Mitmenschen nicht mit einem unw\u00fcrdigen Anblick oder penetrantem Geruch bel\u00e4stigt habe. Dass mein Lunch keine schwer abbaubaren Abfallberge hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die schnelle Verpflegung unterwegs ist in meinen Augen\u00a0zum grossen Teil eine kulinarische Kapitulation. Da halte ich mich lieber raus. Klar, manchmal ist es echt schwer, etwas Schlichtes zum Essen zu finden.<\/p>\n<p>Aber mir ist es jede M\u00fche wert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war diese Woche beruflich wieder in Z\u00fcrich. Ein kurzer Termin am Vormittag. Konzentriert und produktiv. Zufrieden machte ich mich auf den Weg zur\u00fcck zum Bahnhof. Weitere Arbeit wartete. Was eigentlich falsch ausgedr\u00fcckt ist. Arbeit wartet nie. Die Tippt genervt auf ihre Armbanduhr und sagt uns, dass wir zu sp\u00e4t dran sind. 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