{"id":643,"date":"2009-01-10T01:31:18","date_gmt":"2009-01-10T00:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=643"},"modified":"2009-01-10T01:52:45","modified_gmt":"2009-01-10T00:52:45","slug":"ehrlich-nahrt-am-langsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=643","title":{"rendered":"Ehrlich naehrt am laengsten"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/bohnen-in-schale.jpg\" alt=\"Augenbohnen\" \/><\/p>\n<p>Auch wenn es uns nicht schmeckt: Es ist Januar, und das Loch dazu wird kommen.<\/p>\n<p>Wir haben gefestet und gefeiert und dazu hoffentlich ordentlich geschlemmt. Jetzt k\u00f6nnten wir dem \u00dcberfluss nachtrauern oder \u00fcber Verluste weinen und in das allgemeine Lamento \u00fcber die Krise einstimmen.<\/p>\n<p>Oder wir k\u00f6nnten dankbar sein. Dankbar, dass sich uns jetzt die Gelegenheit bietet, etwas k\u00fcrzer zu treten und unser Wohlstandsb\u00e4uchlein abzubauen (hat man den nicht eh schon seit einer Ewigkeit vor sich hergeschoben?).<\/p>\n<p>Oder dankbar, dass wir uns wieder \u00fcber einfaches und ehrliches Essen freuen d\u00fcrfen. Denn wie schon so oft auf diesem Blog gepredigt, heisst weniger opulent noch lange nicht, dass Schluss ist mit Genuss.<\/p>\n<p>Und dass einfach nicht einf\u00e4ltig heisst und erschwinglich nicht billig bedeutet, das wollen wir bei den Anonymen K\u00f6chen auch 2009 weiterhin beweisen.<\/p>\n<p>Eine Dummheit gilt es vorab strengstens zu vermeiden: nach billigen Lebensmitteln ausschau zu halten. Bitte, jetzt ist die Chance da, mal ernst zu machen mit dem Vorsatz, lieber kein Fleisch, als ein billiges St\u00fcck unbekannter Herkunft zu essen. Und auch keine g\u00fcnstigen Fertigprodukte, die einen ohnehin die Gesundheit kosten.<\/p>\n<p>Geradezu einladend unteuer, aber umso wertvoller ist der Urtyp des italienischen Klassikers: \u00abPast\u2018 e fagioli\u00bb.<\/p>\n<p>Getrocknete H\u00fclsenfr\u00fcchte, allen voran Bohnen, haben ohnehin erstaunliche Qualit\u00e4ten: sie sind extrem lange haltbar (bis zu zwei Jahre) und das erst noch ungek\u00fchlt. Sie strotzen vor Energie und sie sind \u2013 das geeignete Rezept vorausgesetzt \u2013 eine wahre Geschmacksoffenbarung.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle die sich <a href=\"http:\/\/www.esskultur.at\/index.php\/2009\/01\/05\/nicht-wurst\/\" target=\"_blank\">gerade gr\u00e4men<\/a>, ob es \u00fcberhaupt noch das Richtige ist, Fleisch zu essen, d\u00fcrfen wir in Erinnerung rufen, dass H\u00fclsenfr\u00fcchte nicht nur erstklassige Eiweisslieferanten sind, sondern als solche auch die N\u00e4hrstoffe von Fleisch w\u00fcrdig ersetzen \u2013 im Gegensatz zu den meist erb\u00e4rmlichen veganen Attrappen.<\/p>\n<p>Aus Umbrien habe ich diese wunderh\u00fcbschen Augenbohnen mitgebracht. Die sind wirklich etwas f\u00fcrs Auge. Geschmacklich finde ich Cannellini oder Borlottibohnen aber fast besser. Was gar nicht geht, als Beispiel, sind rote Kidneybohnen, das ist was f\u00fcr die Texas-Pfanne.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/augenbohnen.jpg\" alt=\"Fagioli occhio nero\" \/><\/p>\n<p>Am Vorabend werden die Fagioli occhio nero in der dreifachen Menge Wasser eingeweicht. Am n\u00e4chsten Tag dann gut abgesp\u00fclt.<\/p>\n<p>In einer Pfanne Oliven\u00f6l, Knoblauch, Peperoncino und eine Sellerierippe sanft erhitzen und 10 Minuten ziehen lassen. Dann ein paar L\u00f6ffel passierte Tomaten hinzuf\u00fcgen und kurz aufkochen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/olio-e-sedano.jpg\" alt=\"Olio e sedano\" \/><\/p>\n<p>Bohnen dazu, mit frischem Wasser zu etwa einem Drittel \u00fcberdecken und ganz langsam k\u00f6cheln lassen, bis sie weich sind. Zwei Stunden d\u00fcrfte das schon gehen. Gesalzen und gepfeffert wird erst am Schluss, wenn alles sch\u00f6n eingedickt ist und sich alle Aromen vermengt haben.<\/p>\n<p>Es gibt hierzu einige Rezeptvariationen: ohne Tomaten, mit Salbei, Basilikum, Karotten etc. Aber das Auff\u00e4lligste ist der Knoblauch-Zwiebelgraben, der durch Italien zu laufen scheint. W\u00e4hrend bis in die Toskana Zwiebeln zu den Bohnen kommen, wird weiter s\u00fcdlich nur Knoblauch verwendet. Ich bin f\u00fcr die s\u00fcdliche Version. Eindeutig!<\/p>\n<p>Aus Freude an der Vorfreude machen wir die Pasta nat\u00fcrlich selbst. Und aus den Abruzzen kommt die f\u00fcr Past\u2018 e fagioli passende Form: Gnocchetti (kleine Gnocchi).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnocchetti.jpg\" alt=\"Gnocchetti\" \/><\/p>\n<p>Diese Pasta wird ohne Ei hergestellt. Nur aus Hartweizenmehl, Wasser und etwas Salz. Ich habe hier etwa 200 Gramm Mehl mit vier, f\u00fcnf Umdrehungen aus der M\u00fchle gesalzen. Dazu kommt jetzt lauwarmes Wasser, Schluck f\u00fcr Schluck.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/hartweizenmehl.jpg\" alt=\"Hartweizenmehl\" \/><\/p>\n<p>Ich mache meinen Teig gerne in einer Steingutsch\u00fcssel. W\u00e4hrend die eine Hand das Mehl r\u00fchrt, kippe ich mit der anderen Hand Wasser nach. Und bald merkt man, ob die Mischung stimmt. Es sollte ein feuchter, weicher Klumpen sein. Und den rollt man etwa 5 Minuten mit sanftem Druck in der Sch\u00fcssel umher, bis er eine glatte Oberfl\u00e4che aufweist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/gnochetti_teig.jpg\" alt=\"Gnocchetti Teig\" \/><\/p>\n<p>Dann kommt der Teig auf das Pastabrett und wird nochmals gute 5 Minuten mit den Handballen geknetet. Ab und zu das Brett bemehlen, bis der Teig nicht mehr kleben bleibt.<\/p>\n<p>Jetzt werden Rollen geformt. Zuerst dicke und dann immer d\u00fcnnere. Bis auf einen Durchmesser von etwa 4 mm. Davon schneidet man etwa 6 mm lange St\u00fcckchen ab und rollt sie zur Seite.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/rollen.jpg\" alt=\"Teigrollen\" \/><\/p>\n<p>Gekocht werden die Gnocchetti im sprudelnden Salzwasser, bis sie an die Oberfl\u00e4che kommen. Dann sch\u00f6pft man sie zu den Bohnen und gibt so viel Pastawasser dazu, bis eine suppige Konsistenz erreicht wird in welcher ungef\u00e4hr doppelt so viele Gnocchetti wie Bohnen schwimmen.<\/p>\n<p>Es ist fast unversch\u00e4mt, jetzt mit so etwas hervor zu kommen, aber ein Teller reicht mir in der Regel nicht, ich muss mir davon meistens ein oder zweimal nachsch\u00f6pfen (so viel zum K\u00fcrzertreten!).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/past-e-fagioli.jpg\" alt=\"Past\u2019 e fagioli\" \/><\/p>\n<p>Das Einzige was man in Kauf nehmen muss, so ehrlich muss man sein, ist die bl\u00e4hende Wirkung. Aber was solls, andere produzieren auch ohne Bohnen haufenweise warme Luft \u2013 und das f\u00fchrt dann alle in die Krise!<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn es uns nicht schmeckt: Es ist Januar, und das Loch dazu wird kommen. Wir haben gefestet und gefeiert und dazu hoffentlich ordentlich geschlemmt. Jetzt k\u00f6nnten wir dem \u00dcberfluss nachtrauern oder \u00fcber Verluste weinen und in das allgemeine Lamento \u00fcber die Krise einstimmen. Oder wir k\u00f6nnten dankbar sein. 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