{"id":7210,"date":"2016-10-27T02:27:58","date_gmt":"2016-10-27T00:27:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=7210"},"modified":"2016-10-28T10:45:04","modified_gmt":"2016-10-28T08:45:04","slug":"essen-will-gelernt-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=7210","title":{"rendered":"Von der Essenz des Essens."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?attachment_id=7211\" rel=\"attachment wp-att-7211\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7211\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/il-molo-portonovo.jpg\" alt=\"Il Molo Portonovo\" width=\"600\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/il-molo-portonovo.jpg 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/il-molo-portonovo-300x263.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Italienische Esskultur. What else?<\/p>\n<p>In Italien f\u00fchlt sich ein\u00a0Sonntagsessen im Restaurant manchmal an, als geh\u00f6re man zu einer grossen Familie. Neugeborene, Kleinkinder,\u00a0Jugendliche,\u00a0Eltern und Grosseltern \u2013 alle\u00a0sitzen gelassen beisammen\u00a0und lassen sichs gut gehen. Und auch\u00a0wenn sich\u00a0die G\u00e4ste nicht kennen, so erkennen sie\u00a0doch, dass sie Teil einer Gesellschaft sind,\u00a0f\u00fcr die es nichts Wichtigeres gibt, als: Essen in Gesellschaft.<\/p>\n<p>Jemand am grossen Tisch hat Geburtstag. Geschenke werden ausgepackt. \u00abOh! Eine Uhr. Grazie, grazie mille!\u00bb Und was ist in dieser Schachtel?\u00a0Seidenpapier raschelt.\u00a0Schuhe!\u00a0Richtig\u00a0sch\u00f6ne Herrenschuhe aus Leder. So was. Ich hab noch nie Schuhe verschenkt. Geschweige denn, welche geschenkt bekommen und in einem Restaurant ausgepackt. Der Kellner kommt zum\u00a0Tisch. Nicht wegen den\u00a0leeren Tellern. Nein. Er m\u00f6chte was anderes und streckt die Hand aus: \u00abDarf ich?\u00bb. Er wiegt den Schuh in seinen H\u00e4nden, dreht und kippt ihn. Begutachtet ihn von allen Seiten. Dann sagt er in\u00a0existenzialistischem Tonfall: \u00abTja. So ein Schuh. Das ist nat\u00fcrlich immer etwas Faszinierendes.\u00bb<\/p>\n<p>Wann immer ein Kind einen Anflug von Langeweile aufzeigt, wird es von einem Erwachsenen in ein Gespr\u00e4ch verwickelt. Droht\u00a0ein Baby mit\u00a0Weinkrampf, wird es sofort von jemandem auf den Arm genommen, geh\u00e4tschelt\u00a0und liebkost. Oder mit etwas versorgt, dass es kauen, trinken oder nuckeln kann. Die Alten\u00a0sitzen prominent\u00a0in der Mitte. Nicht abgeschoben am Rand. Nie ist die Gruppe zu laut. Nie versiegt das Tischgespr\u00e4ch in peinliches Schweigen. Es ist, als w\u00e4re die Familie bei sich zuhause. Ganz normal.<\/p>\n<p>Eine\u00a0Frau\u00a0isst\u00a0alleine. Sie hat einen Einzeltisch mitten im Raum. Ihr K\u00f6rper ist\u00a0von monumentalen Ausmass. Wie die Mengen an Speisen, die eine nach der anderen aufgetragen werden. Sie geniesst jeden Happen und schenkt jedem,\u00a0der in ihre Richtung blickt, ein strahlendes, ansteckendes L\u00e4cheln. Diese Frau\u00a0kann essen. Das kann jeder sehen. Deshalb erntet sie Anerkennung. Und nicht etwa Verachtung oder H\u00e4me.<\/p>\n<p>An einem anderen Tisch sitzt ein junges Paar. Ihr kleines\u00a0Kind ist dabei. Keine Frage. Und es isst, was die Eltern essen. Auch keine Frage. Nicht die geringste.<\/p>\n<p>Wenn ich dann in unseren Breitengraden immer wieder lese, dass Leute ernsthaft ein Verbot f\u00fcr Babys und Kinder im\u00a0Restaurant fordern, denke ich mir: Wie derangiert ist so eine\u00a0Gesellschaft eigentlich? Wie krank,\u00a0egomanisch, unmenschlich\u00a0und unf\u00e4hig, sich\u00a0auf etwas einzulassen, das nicht zu 100 Prozent den eigenen\u00a0Erwartungen entspricht. Die ganze Welt soll sich der\u00a0eigenen Befindlichkeit unterordnen oder wie?\u00a0Das ist doch ziemlich paradox. Denn so ein\u00a0Verhalten zeigen\u00a0eigentlich nur verzogene Kinder.<\/p>\n<p>Damit wir uns richtig verstehen: Wenn ich mit Kumpeln Saufen und Essen gehe, nehme ich keine Kinder mit. Wenn ich\u00a0einen sch\u00f6nen Abend zu zweit in einem Sternerestaurant geniessen m\u00f6chte, auch nicht. Dennoch haben\u00a0wir unsere Kinder von klein auf in fast jedes\u00a0Restaurant mitgenommen, auch in gehobene Lokale. So lernen sie ungezwungenes Benehmen in der Gastronomie. (Und der kluge Wirt freut sich auf die n\u00e4chste Generation G\u00e4ste). \u00a0Auf der anderen Seite geh\u00f6rten\u00a0wir nie zu der Spezies Eltern, die ihre Kinder mit verschmiertem Mund und klebrigen H\u00e4nden durch den Gastraum Amok laufen l\u00e4sst. Oder alle daran teilhaben l\u00e4sst, dass jetzt die wer-hat-denn-da-einen-Stinki-gemacht? Windeln gewechselt werden m\u00fcssen. Aber, Leute: Es gibt einen Mittelweg des Miteinanders. Einfach fordern Kinder m\u00fcssen draussen bleiben, wie auf dem Hundeschild, das ist\u00a0krank.<\/p>\n<p>Das Restaurant liegt \u00fcbrigens an einem Ausflugsort. Am Strand. In der sch\u00f6nen Bucht von Portonovo im Naturschutzgebiet des C\u00f2nero in den Marken. An jedem\u00a0anderen Ausflugsort auf dieser Welt w\u00e4re das Verpflegungsangebot, gelinde ausgedr\u00fcckt,\u00a0bescheidener. Vermutlich w\u00fcrde die sch\u00f6ne Aussicht mit dem unsch\u00f6nen Gestank von ranzigem Frittierfett getr\u00fcbt. Oder das Essen in den Ausflugsrestaurants w\u00e4re so schlecht und\u00a0teuer wie nirgendwo sonst. Daf\u00fcr w\u00fcrde es auch von st\u00f6rrischem Personal serviert. Ist dann ohne Zweifel\u00a0Erlebnisgastronomie.<\/p>\n<p>Hier aber, in dieser besseren Strandbude namens <a href=\"http:\/\/www.ilmolo.it\" target=\"_blank\">Il Molo<\/a>, hat Slow Food eine Auszeichnung hinterlassen. Es gibt zum Beispiel wilde Moscioli (Slow Food Presidio) \u2013\u00a0die besten, zartesten und aromatischsten Miesmuscheln, die ich je hatte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?attachment_id=7224\" rel=\"attachment wp-att-7224\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7224\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/moscioli-selvatici-cozze.png\" alt=\"moscioli selvatici cozze\" width=\"600\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/moscioli-selvatici-cozze.png 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/moscioli-selvatici-cozze-257x300.png 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Oder das: Spaccasassi. Knackiger Meerfenchel, der geschmacklich an Kapern erinnert.\u00a0W\u00e4chst ebenfalls wild auf den umliegenden Felsen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?attachment_id=7226\" rel=\"attachment wp-att-7226\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7226\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/meerfenchel-spaccasassi.png\" alt=\"meerfenchel spaccasassi\" width=\"600\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/meerfenchel-spaccasassi.png 600w, https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/meerfenchel-spaccasassi-257x300.png 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kombiniert mit einem Salat aus ged\u00e4mpften Puntarelle und Sardellen, wahnsinnig gut. Wie \u00fcbrigens alles andere auch, vor allem die traditionelle handgefertigte Pasta aus Campofilone\u00a0mit Meeresfr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Ich kann alles empfehlen. Den Ausflugsort. Das Restaurant. Das Essen. Und das Beobachten der heiteren G\u00e4ste!<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Italienische Esskultur. What else? In Italien f\u00fchlt sich ein\u00a0Sonntagsessen im Restaurant manchmal an, als geh\u00f6re man zu einer grossen Familie. Neugeborene, Kleinkinder,\u00a0Jugendliche,\u00a0Eltern und Grosseltern \u2013 alle\u00a0sitzen gelassen beisammen\u00a0und lassen sichs gut gehen. 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