{"id":785,"date":"2009-08-14T03:45:50","date_gmt":"2009-08-14T01:45:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=785"},"modified":"2009-08-15T21:58:01","modified_gmt":"2009-08-15T19:58:01","slug":"drehmoment-in-muc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/?p=785","title":{"rendered":"Drehmoment in MUC"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/tribu.jpg\" alt=\"Tribu\" \/><\/p>\n<p>Es logiert sich angenehm, oberhalb vom Bayerischen Landtag. Mein Verlag schenkt mir die Aufmerksamkeit, als w\u00e4re ich ein Ambasciatore. Was ich ja im Grunde f\u00fcr sie auch bin. Und ich bin es gern. Schliesslich ist es auch mein <a href=\"http:\/\/www.gu-online.de\/gu-online\/suche\/detail.php?isbn=383381814&amp;word=anonyme+k%F6che&amp;start=0&amp;handle=151143016&amp;hits=7\" target=\"_blank\">Buch<\/a>.<\/p>\n<p>Am Abend vor dem Drehtag h\u00e4tte ich noch gerne eine weitere Episode meiner liebsten Fernsehserie, <a href=\"http:\/\/www.rescueme.com\/\" target=\"_blank\">Rescue me<\/a>, gesehen. Das ist die Serie, welche die Programmleitung des Schweizer Fernsehens \u00fcberforderte. Sie wurde mal fr\u00fcher, mal sp\u00e4ter ausgestrahlt, mal dahin, mal dorthin geschoben und irgendwann komplett in den Leutschenbach gekippt. Hat bestimmt keiner gesehen.<\/p>\n<p>Montags ist sie (vizi\u00f6se Programm\u00e4nderung vorbehalten) auf ORF zu sehen \u2013 nach 24 Uhr. Ist halt ne taffe Serie, also muss man auch bis sp\u00e4t in die Nacht ausharren k\u00f6nnen, oder sich halt einen DVD-Recorder zulegen. Aber das Hotel verf\u00fcgt leider nicht \u00fcber ORF. Daf\u00fcr \u00fcber einen Toilettensp\u00fclkasten, der ununterbrochen sein Pl\u00e4tscherprogramm spielt. Ich tue einfach so, als w\u00e4re ich ein Shaolin-M\u00f6nch.<\/p>\n<p>Das seichte Gluckern soll mich in einen Zustand h\u00f6chster Harmonie versetzen und mich sanft in einen hypnotischen Schlaf wiegen. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst mich die Zufriedenheit \u00fcber den relaxten Abend im <a href=\"http:\/\/www.negronibar.de\/joomla\/\" target=\"_blank\">Negroni<\/a> mit meinen liebsten Autorenkollegen <a href=\"http:\/\/www.deliciousdays.com\/\" target=\"_blank\">Nicky<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.rettet-das-mittagessen.de\/blog\/\" target=\"_blank\">Sebastian<\/a> einen beschwipsten Schlaf finden.<\/p>\n<p>St\u00e4dte sollen ja einen ihnen eigenen Geruch haben. Ich h\u00e4tte das bis jetzt nie zuordnen k\u00f6nnen. Aber bei M\u00fcnchen ist es sehr pr\u00e4sent. Es ist eine Mischung aus s\u00fcssem Senf, feinem Essig, Gew\u00fcrzen und Abkochbr\u00fche. Oder griffiger: M\u00fcnchen riecht wie ein Gurkenglas.<\/p>\n<p>Ich besuche M\u00fcnchen erst das vierte Mal. Man darf besuchen sagen, weil diese Stadt einen zu empfangen und zu bewirten versteht. Es ist unfassbar, wie wichtig M\u00fcnchnern gutes Essen ist. An jeder Ecke kann man sich mit Essen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Allerdings muss man aufpassen, dass man unbeschadet dorthin kommt. Kampfradler k\u00f6nnten einen auf dem Weg zu Brei fahren. In der Schweiz werden solche \u00dcbeltreter auch Bikenazis genannt. Aber die sind geradezu harmlos im Gegensatz zu den M\u00fcnchner Tret-Eseln.<\/p>\n<p>Die Daumen scheinen denen mit der Fahrradklingel verwachsen zu sein. Nur bimmeln sie immer erst eine Sekunde bevor es kracht, wenn \u00fcberhaupt. Die <a href=\"http:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/\" target=\"_blank\">Kaltmamsell<\/a> weiss nicht nur \u00fcber diese M\u00fcnchner Marotte zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Nachts mit einem Roadster durch die sommerlich leergefegten Strassen zu knattern ist fast surreal sch\u00f6n. Friedlich. Nicht wie in Z\u00fcrich, wo dich laufend Testosteron anp\u00f6belt, anhupt oder bl\u00f6d anmacht.<\/p>\n<p>Ja, Roadster. Ich hab die Kurve gerade noch gekriegt. Das Drehbuch f\u00fcr den Buchtrailer sah Szenen mit einem Auto vor. Wie w\u00e4re es mit einem neuen Fiat 500? Unm\u00f6glich, sagte ich. Kamera, Ton und mein Ego haben dort niemals Platz.<\/p>\n<p>Ich bin echt gespannt, wie dieser 14-Stunden-Drehtag auf einen 4-Minuten-Clip eingedampft werden soll. Aber ich mache ja auch aus 10 Litern Fond einen Liter Demiglace. Die bekommen das bestimmt hin, so wie sie ein enorm unaufgeregtes, angenehmes Setting hinbekommen haben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/kamera.jpg\" alt=\"Kamera\" \/><\/p>\n<p>Wir haben an vielen aufregenden Orten gedreht. Und die Postkartensujets M\u00fcnchens sind nur so vorbeigeflogen.<\/p>\n<p>Aber ich will auch die kleinen, unauff\u00e4lligen Dinge sehen. Das Unscheinbare, Allt\u00e4gliche. Manchmal Hilflose. \u00abMacht\u2018s ihr an Fuim?\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/asia-huette.jpg\" alt=\"Asia Huette\" \/><\/p>\n<p>Asia H\u00fctte II. Das klingt nach einem billigen Horrorstreifen. Irgendwelche zivilisationsm\u00fcde Kiffer, die den ultimativen Freedom for Globetrottel suchen, werden in ihrem Dschungelcamp von heimt\u00fcckischen Biestern aufgefressen \u2013 schnell im Biss.<\/p>\n<p>Was ist falsch an richtigen Namen f\u00fcr Restaurants? Warum nennen die sich nicht einfach Huin? Chen oder Wang?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/backshop.jpg\" alt=\"Backshop\" \/><\/p>\n<p>Und was bitte verkauft ein \u201eHinterer Laden\u201c? Falls \u201eBackshop\u201c irgendwie Appetit auf Frischgebackenes evozieren soll \u2013 nein, tut es nicht. Das sieht f\u00fcr mich aus wie die Beschriftung f\u00fcr einen PC-Ersatzteil-Shop. Und disqualifiziert sich ein \u201eStehcaf\u00e9\u201c nicht aus dem Stegreif selbst?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/barista.jpg\" alt=\"Barista\" \/><\/p>\n<p>Diese zarten Wesen stehen wohl auf Cappuccino mit einem Herzilein auf dem \u201ei\u201c. Und ich weiss nicht, was man da genau \u201ehaben\u201c kann: Kaffee, Espresso &amp; einen Barista? Ist das der mit den Tattoos?<\/p>\n<p>Im Oberpollinger ist nat\u00fcrlich alles anders. Fast noch trauriger. Vor der Heimreise besorge ich Kindergeschenke. Lasse sie im Vierten einpacken. Einzeln bitte. \u00abNa h\u00f6ren Sie. Ich weiss nicht, ob ich das kann. Wenn dann eine Schlange kommt?\u00bb \u00abDann schauen Sie, dass sie nicht gebissen werden\u00bb, erwidere ich. \u00abLassen Sie sich Zeit. Ich bin im F\u00fcnften und esse kurz etwas, danke!\u00bb<\/p>\n<p>Ich setze mich an die schicke Bar und bestelle einen Salamiteller mit Antipasti und ein San Pellegrino. Hocken drei Alkis da. Es ist halb drei. Draussen ballert die Sonne dreissig Grad hin.<\/p>\n<p>Ich schaue konzentriert weg. Auf die handbetriebene, rotlackierte Berkel. Wie sie schwungvoll hauchd\u00fcnne Scheiben schneidet. Die drei M\u00e4nner starren derweil auf einen tonlosen Michael Schumacher, der auf dem Flatscreen hinter dem Tresen seine Lippen bewegt wie ein kleiner Pilotfisch. Jeder von Ihnen ein Weizen vor sich. Nicht das erste.<\/p>\n<p>\u00abServus, Vroni\u00bb, sagt die Bedienung. Vroni sagt nichts. Die Bedienung stellt ihr ein Glas Champagner hin. \u00abServus\u00bb, sagt ein vierter Mann, der sich zwischen den ersten und den zweiten Mann setzt. Er starrt auch auf Schumacher und sagt zu ihm: \u00abDer Alois is gschdorbn\u00bb.<\/p>\n<p>Keiner reagiert. Nach einer Minute nimmt das Pockengesicht neben mir einen grossen Schluck Weizen, haucht ein langes \u201eH\u201c aus und fragt: \u00abWann isser denn gschdorbn?\u00bb \u00abNa, gestern.\u00bb \u00abWia alt wara denn?\u00bb \u00abZwaiasibzg wara wordn\u00bb, sagt die mit dem Champagner \u2013 die kennen sich alle!<\/p>\n<p>Vielleicht sollten wir doch eine Lesung auf die Beine stellen. Wer weiss. Warten wir erst mal den Film ab. One day in September irgendwann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.anonymekoeche.net\/wp-content\/uploads\/dachterasse.jpg\" alt=\"Dachterasse\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es logiert sich angenehm, oberhalb vom Bayerischen Landtag. Mein Verlag schenkt mir die Aufmerksamkeit, als w\u00e4re ich ein Ambasciatore. Was ich ja im Grunde f\u00fcr sie auch bin. Und ich bin es gern. Schliesslich ist es auch mein Buch. 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