Hauptmahlzeit Zucchini

Ich habe kein Problem damit, mich fleischlos zu ernähren. Nur, wenn ich das tue, und das betrifft täglich mindestens eine Mahlzeit, dann ist das eine selbstverständliche Nebensächlichkeit. Keine Extrawurst. Da spielt meistens ein einzelnes Gemüse die Hauptrolle.

Ich finde es auch etwas anstrengend, wenn vegetarische Gerichte unbedingt immer vollwertig sein müssen. Müssen sie nicht. Man muss nicht 5 verschiedene Gemüse mit 3 Getreidesorten, 2 Hülsenfrüchten und einem Dip kombinieren, damit man ein vollwertiges vegetarisches Gericht hat.

Man kann auch einfach nur einen Teller unverschämt schmackhafte Zucchini essen, ein pochiertes Ei dazu und Brot. Viel Brot. Denn die Sauce ist so herzerwärmend gut, dass man am liebsten darin baden möchte.

Es ist schon etwas länger her, da habe ich ja bereits über den Kniff der Italiener geschwärmt, abends nur noch ganz bescheiden etwas Gemüse zu essen. Diese Zucchini in umido gehören auch zu dieser Art schlichtem Schmaus.

Wisst ihr eigentlich, was in umido ist? Nein, hat nichts mit Umami zu tun (aber könnte, jetzt wo ich so darüber nachdenke).

Wann immer man in umido (die Betonung liegt auf dem “u”, nicht auf dem “i” – in u-mido) liest, bedeutet das in der italienischen Küche, dass etwas langsam, bei geringer Temperatur und geschlossenem Deckel in Sauce geschmort wird. Egal ob Fleisch, Fisch oder Gemüse. Da entwickelt sich extra viel fünfte Geschmacksrichtung – wobei hiermit die Schlaufe zu Umami gemacht wäre.

Ich habe es schon einmal bei Brokkoli beschrieben: Habt keine Angst, Gemüse richtig weich zu kochen! Lasst euch von den Gesundheitsaposteln nicht um den Geschmack bringen mit diesen garstig ungaren Gemüsen. (Wenn knackig, dann lieber gleich roh – ist doch wahr).

Pro Person empfehle ich 2 kleine Zucchini in fast fingerdicke Scheiben zu schneiden. Zwiebeln in Olivenöl dämpfen (kommt bitte nicht auf die Idee, da Knoblauch reinzuschmuggeln! Braucht es nicht, hier geht es wieder einmal um das Weniger-ist-Mehr). Zucchini dazu und etwas Farbe nehmen lassen. Salzen, Pfeffern und etwas frisch gemahlenen Muskat dazu.

Zwei vollreife, enthäutete Tomaten würfen und 2 Tassen Wasser dazugeben. Dann gute 20 Minuten mit Deckel auf der untersten Stufe köcheln lassen.

Jetzt kommt das mit dem pochierten Ei!

Passt unglaublich gut dazu und ist so simpel: Frisches Ei aufschlagen, vorsichtig in die Pfanne zu den Zucchini gleiten lassen, Deckel drauf und 4 Minuten pochieren.

Vor dem Servieren mit grob gezupfter, flacher Petersilie bestreuen.

Fleur de Sel zum wachsweichen Dotter bereit zu halten, wäre nicht das Dümmste.

Oh, Madonna, da willst du sicher sein, dass du genügend Brot zum Auftunken der Sauce hast, sonst beisst du dir die Zunge ab!


37 Kommentare zu Hauptmahlzeit Zucchini

  1. Su am 27. September 2011 at 01:00:

    Ehrlich Claudio, das ist so schön, ich könnte heulen. Warum gibt es nur wässrige Zucchini in meiner Stadt.

    Im übrigen ist meine bescheidene Meinung: in einen Salat geht nur gegarter UND knackiger Brokkoli. Vollwertig braucht man nur auf den ganzen Tag gerechnet essen. Bin mir jedoch ziemlich sicher, dass die meisten nicht einmal das schaffen und noch weniger die Massenfleischkonsumierer.

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  2. Claus am 27. September 2011 at 09:47:

    Rischtisch! Hartes Gemüse ist was für Karnickel!

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  3. Turbohausfrau am 27. September 2011 at 11:54:

    Hmmmm, schaut genial aus!
    Da fällt mir was ein: Ich hab ein Rezept für türkische Fisolen (breite grüne Bohnen), das kocht im Original 2 Stunden. Ich habe es nur 20 Minuten gekocht und hatte da schon Sorge um die Vitamine. Aber alle Türken rümpfen nur die Nase und sagen, das kann nix werden in dieser kurzen Zeit. Vielleicht sollte ich meine Kochgewohnheiten doch überdenken und diese Fisolen noch einmal machen?

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  4. anie's delight am 27. September 2011 at 12:32:

    Ich liebe es Gemüse, Fleisch, Fisch und sonstiges UMIDO zu garen. So kommt es bei uns, verrückterweise bei Zeitmangel, auf den Tisch. Ich finde diese Gerichte sind viel schneller zu zubereiten und vom der Explosion des Geschmacks muß man nicht erst reden. Der zieht sowieso durchs Haus und lockt jeden in die Küche. Die Variante mit dem pochiertem Ei kannte ich noch nicht – wird jetzt ausprobiert.

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  5. Eline am 27. September 2011 at 13:17:

    Ich würde nur das „Saftl“(unser regiolales Synonym für „in umido“) mit Brot auftunken und das Ei dazu geniessen. Zucchini sind mir heftig gebraten, in dünnen Scheiben willkommen.
    Halbrohe Fisolen sind ganz, ganz schlimm, wenn sie so mit letscherten Speck eingewickelt am Teller liegen!

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  6. Nathalie am 27. September 2011 at 16:55:

    „A presto!“ Ja, der Witz war wirklich gut. Aber ich werds ausprobieren. Nächste Woche, ziemlich sicher. Werde berichten.

    A presto! Wirklich!
    Nathalie

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  7. Claudio am 27. September 2011 at 18:25:

    Das ist ja rührend, Su, und das früh morgens! Versuch mal andere Gemüsehändler: Türkische? Danke, Claus, und das darf man laut sagen. Au nein, Turbohausfrau, ich hör die Fisolen schon gummig quietschen zwischen den Zähnen. Unbedingt noch Mal an den Herd und die 2 Stunden einhalten! Stimmt genau, anie’s delight, „aus Zeitmangel“ ist die faule Ausrede, dabei mangelts den Leuten nicht an Zeit sondern an GEDULD! Die wollen Essen auspacken, erwärmen und sofort in sich reinstopfen. Das ist die andere Variante, Eline, mag ich auch sehr, mit Betonung auf heftig gebraten, dann schmeckts auch nach was. Hallo, Nathalie, lass dir ruhig Zeit, ich hab GEDULD. Bin gespannt, was du vom pochierten Ei hältst.

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  8. Armin am 28. September 2011 at 13:50:

    gegen dieses Rezept habe ich als manchmal nörgelnder Gesundheitsapostel
    doch gar nichts einzuwenden.Ich mag solche einfachen Sachen, und werde es ausprobieren,sobald ich frische Eier gefunden habe wo ich einigermaßen sicher sein kann das sie von glücklichen Hühnern kommen.
    Gruß Armin

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  9. » Maison de Franc – anonyme Zucchini orangespicy | o* am 28. September 2011 at 20:50:

    […] koch ich mal zu Hause. Rezept gefunden bei den anonymen Köchen. War einfach, aber am Ende etwas – äh, plöppering. Also […]

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  10. anke am 29. September 2011 at 09:53:

    dieses rezept werde ich definitiv nicht ausprobieren. zucchini in 2 tassen wasser 20 minuten gekocht? das geht allenfalls bei ratatouille, finde ich. zeitmangel ist kein argument, sehe ich auch so. 20 minuten für tomaten allein. die zucchini brate ich in der pfanne und pochiere das ei in essigwasser. das dauert alles noch länger, vor allem muss man 3 töpfe spülen später, aber so schmeckt es wirklich richtig gut. jedem das seine…

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  11. Armin am 29. September 2011 at 12:55:

    also ich habe das Rezept gestern gekocht, mit Eiern vom Bio-Bauenhof für
    41 cent.Das pochieren hat bei mir länger gedauert, bis es wachsweich war, daher war die insgesamte kochzeit ca. 30min, was aber nicht schlimm war. Von mir aus hätte da aber gar kein Ei dabei sein müssen, weil ich fand das Ei passte gar nicht so gut dazu, und es wäre auch so ohne Ei sehr lecker. Also, das nächste Mal ohne Ei. Aber pochieren kannte ich nicht, da hab ich wieder was gelernt.Gruss Armin

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  12. Einfaches Kürbis-Geschmurgel mit Ei | Salat rezepte. am 29. September 2011 at 16:09:

    […] ungaren Gemüsen. (Wenn knackig, dann lieber gleich roh – ist doch wahr)”, war neulich bei Anonyme Köche zu lesen – und das war mir aber sowas von aus der Seele geschrieben! Nichts gegen knackiges […]

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  13. Claudio am 29. September 2011 at 22:37:

    Zwei unterschiedliche Auslegungen zum Thema „Probieren geht über studieren“, danke Armin und Anke. Das ist es wohl, jedem das Seine und für mich das Meine.

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  14. NUR DAS GUTE ZEUGS » Blog Archiv » Nachkochen! DAS IST EIN BEFEHL!!! am 30. September 2011 at 18:09:

    […] einfach und so genial. Typisch Claudio. Die Anleitung gibt´s hier. Ein richtiges Rezept brauchen sie nämlich nicht, […]

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  15. barbara am 1. Oktober 2011 at 10:10:

    schon der lang geschmorte broccoli war so gut! und daher gibt’s morgen dieses zucchinirezept. zunächst wird mal noch das no knead bread angesetzt. die eier direkt in das gericht fallen zu lassen finde ich hier besser als sie extra zu pochieren. erinnert mich etwas an huevos rancheros, was ich ganz köstlich finde.

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  16. Bloomsbury am 1. Oktober 2011 at 18:50:

    Sieht lecker aus! Auch wenn ichs gern knackig hab ;).

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  17. Linktipps KW40 – VaupsBlog am 7. Oktober 2011 at 10:19:

    […] Hauptmahlzeit Zucchini – muss ich unbedingt mal nachkochen […]

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  18. Lily am 7. Oktober 2011 at 10:34:

    ich liebe zucchini, danke für das tolle rezept!

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  19. loreley am 9. Oktober 2011 at 16:56:

    Gedünstetes Gemüse muss gut gar sein, sonst schmeckt es nicht.

    Ich war etwas skeptisch wegen dem Ei. Aber es passt perfekt.

    http://loreley.twoday.net/STORIES/42997815/

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  20. capitan am 9. Oktober 2011 at 21:49:

    so, sonntag abend nachgekocht und für sehr lecker befunden!

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  21. barbara am 11. Oktober 2011 at 20:24:

    dieses „in wasser gekochte gemüse“ war so gut, und das im umido pochierte ei- köstlich. was man glaubt an kalorien einzusparen, frißt man sich aber mit dem guten brot wieder drauf, egal.
    ja.

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  22. Claudio am 12. Oktober 2011 at 01:23:

    Keep it short and simpel, könnte auch eine Geling-Formel für schnörkellose, schmackhafte Gerichte sein. Freut mich, dass es Anklang findet und bei euch hinhaut.

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  23. Su am 17. Oktober 2011 at 11:55:

    lieber claudio, habe nun dieses wunderbare gericht gekocht (außerdem auch den brokkoli) und muss sagen, die schmorrzeit war es jedes mal wert! danke für die großzügige und humorvolle weitergabe von kochwissen. habe schon einiges dazugelernt und dachte zuvor, in der ital. gemüseküche am wenigstens nachhilfe zu brauchen 🙂

    bin sogar über meinen schatten gesprungen und hab für dich gevotet (außerdem für cuccina piccina. musste sein. aber psst… offiziell bin ich brigitte-phob :))

    grüße von der stillen mitleserin

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  24. Su am 17. Oktober 2011 at 12:03:

    ps: eine galerie zum späteren rezeptefinden wäre toll! (lese mich zwar sowieso durch den archiv aber…)

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  25. gesche clasen am 18. Oktober 2011 at 09:02:

    gestern bei meiner mutter stand genau dieses gericht auf dem küchentresen. das hatte sie in diesem blog gefunden und es sollte ihr mittagessen sein. ich probierte eine zucchini-scheibe und fiel fast in ohnmacht vor wonne. dann gab ich meinem mann zu probieren, und ich hab ihn so noch nie erlebt, er gab uns beiden keinen bissen mehr ab-weg war mamis mittagessen. „I would have killed for that!“ sagte er, ein eher un-gieriger esser, später.
    ich werd’s gleich zum frühstück kochen!

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  26. Dirk am 20. Oktober 2011 at 11:08:

    Junge, Junge: Skulptur!

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  27. Claudio am 22. Oktober 2011 at 23:48:

    Super, Su, ich mag es, wenn Leute über ihren Schatten springen. Das mit der Galerie ist eine gute Idee. Früher oder später muss ich mich wohl um ein Redesign des Blogs kümmern und ebenfalls über meinen Schatten springen. Ist ja unglaublich, gesche, und wie ist es so zum Frühstück? Ich kanns mir sehr gut vorstellen. Sul serio, Dirk? Davon siehst du doch in Rom täglich tausende.

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  28. Frau Ziii am 23. Oktober 2011 at 00:02:

    Claudio, ich hab´s getan. Ich hab dein Zucchinigemüse nachgekocht, obwohl mich gekochte Zucchini so gar nicht reizen. Ich hab jede einzelne Deiner Anweisungen befolgt, sogar die mit der Muskatnuss. Die Zwiebel haben mich kurz irritiert: wieviele Würfel, wieviele Ringerl? Das pochierte Ei ist mir 1A gelungen und das Fleur de Sel habe ich mir auch auf dem Tisch bereit gestellt – war nicht das Dümmste. Oh Madonna, was war ich froh, dass ich genügend Brot zum Auftunken der Sauce hatte.

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  29. Dirk am 23. Oktober 2011 at 10:34:

    Stimmt, Claudio, tausende, aber nicht als Skulptur mit pochiertem Ei. Hier gibt’s ja auch noch den zucchino romanesco; den hab ich genommen, um die Sache nachzukochen. Das mit dem Ei hat allerdings überhaupt nicht hingehauen… 🙂

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  30. Claudio am 24. Oktober 2011 at 22:07:

    Ah, die Romanescos liebe ich heiss, aber die sind hier Mangelware. Was hat mit dem Ei nicht geklappt, Geschmack oder Geschick?

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  31. Dirk am 25. Oktober 2011 at 11:05:

    Das Eiweiß ist zu schnell zerlaufen, möglicherweise – ich hab mich inzwischen natürlich informiert – war das Ei nicht frisch genug; jedenfalls sah das Ganze ziemlich zerfranst aus. Besonders geschickt habe ich mich aber auch nicht angestellt. Gestern habe ich mir ein Video angesehen und zum Abendessen gab’s nochmal pochierte Eier, diesmal nach allen Regeln der Kunst, im richtigen Moment mit einem Schwenk im kochenden Wasser (mit einem Eßlöffel Essig) gedreht: Fransenfrei!

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  32. Kochmädchen am 30. Oktober 2011 at 09:32:

    Köstlich! Und mit solch lockerer Zunge geschrieben, gefällt mir! Muss glatt mal schauen, was meine ungeliebte Zucchini im Kühlschrank so macht. Hoffentlich ist sie immer noch allein, das wäre mir sehr Recht.

    Viele Grüße
    Kochmädchen

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  33. Victorius am 3. November 2011 at 11:33:

    …sieht sehr gut aus ! In 30 min. ist Mittagspause, es muss sofort ausprobiert werden 🙂

    Übrigens krasser Blog 😉

    Viele Grüße aus,

    San Colombano a. L., Italia.

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  34. NUR DAS GUTE ZEUGS » Blog Archiv » Quer durch´n Garten… am 12. November 2011 at 16:58:

    […] so ähnlich wie Marios sehr geniale Zucchininummer. Ich mein´ ja […]

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  35. antonio am 2. Dezember 2011 at 17:38:

    Ottima l’idea! Grazie Claudio

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  36. VereTu am 2. Februar 2012 at 12:16:

    schaut sehr gut aus!
    und wenn man das brot weg lässt ist´s auch figurtauglich 🙂
    umido bedeutet feucht/Feuchtigkeit

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  37. Mangiare, capisce? | Littlejamie 2.0 am 20. Oktober 2013 at 05:41:

    […] den Mittagshunger habe ich gerettet mit Zucchini in umido, die ich gestern hier gefunden hatte. Zucchini, Tomate, Ei: easy-peasy. Gestern hatte ich ja noch schnell eingekauft, […]

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