Webmeisterin

Es gibt sehr viele Menschen, die sich davor ekeln, wie andere vor Spinnen: Web 2.0

Diese Menschen schreiben meistens für Medienunternehmen und meistens gegen das böse Internet. Vor allem gegen die vielen lästigen Blogs, in denen sich der Unachtsame unabsichtlich verfangen kann.

Deren Autoren, glauben sie, verstecken sich feige in dunklen Ecken. Und in ihrer Langeweile wissen sie nichts besseres zu tun, als ihre langweiligen Artikel, pardon, ihr langfädiges Gesabber ins Netz zu schlingen, um den bezahlten (und deswegen designierten) Schreibern hinterlistigt die rechtmässige Leserschaft abzufangen.

Eine kuriose Ansicht. Eine, die, wie ich finde, einer selbsternannten Schreibelite nicht zusteht. Weil sie schlicht undifferenziert und unreif ist.

Und ich muss zugeben, solche Blog-Bashing-Artikel würden mich anekeln, wenn ich sie nicht mit einem Wisch wegputzen könnte .

Deshalb will ich auch gar keine Debatte darüber anzetteln. Auch wenn ich selbstverständlich einräume, dass es viel Gesabber und langweilige Texte gibt – und zwar hüben wie drüben.

Nun, ich schreibe zwar auch für Geld und hin und wieder für Medienunternehmen. Vor allem aus Freude am Schreiben. Und ich kenne viele, die das auch tun und – oh, was für ein Zufall – sogar richtig gute Blogs betreiben.

Eine, die mich damit (wieder einmal) sehr beeindruckt hat, ist die Journalistin und Bloggerin Katharina Seiser aus Wien.

Sie zeigt (wieder einmal) mit einer Reportage in eins, zwei, drei, vier, fünf Teilen, was es heisst, in erster Linie leidenschaftlich zu schreiben – und das sowohl als Journalistin wie auch als Bloggerin.

Das, liebe Angsthasen, ist Web 2.0!


10 Kommentare zu Webmeisterin

  1. Thea am 27. September 2009 at 08:55:

    Dem ist absolut nichts hinzuzufügen, vor allem was Katharina Seiser betrifft…

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  2. katha am 27. September 2009 at 13:34:

    ich bin doch noch gar nicht tot!
    und deshalb danke ich dir ganz besonders für diese zeilen.

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  3. katha am 27. September 2009 at 17:56:

    ps: das ist ein weberknecht. und die habe ich als kind schon gemocht (wie fast alle viecher) und ständig herumtragen wollen – was den langen beinchen der schönen tiere nicht ganz so gut bekommen ist. heute weiss ich, dass die abgefallenen beine bei weberknechten nachwachsen. gut für mein karma. jedenfalls: es kann kein zufall sein, dass du hier einen weberknecht als beispiel für etwas, wovor man sich fürchten (du schreibst zwar „ekeln“, aber ich interpretiere das mal kurz um) könnte, abbildest. weil die nämlich völlig harmlos sind, in ihrer nische leben und einfach nur ihren aufgaben nachgehen…
    ich verstehe im übrigen nicht, warum so viele journalisten und journalistinnen in den online-ablegern der printmedien nicht auf kommentare von leserinnen und lesern zu den von ihnen geschriebenen artikeln antworten. das finde ich schade, feig und sehr altmodisch. warum orientieren sich die herkömmlichen medien da nicht an den blogs und interagieren viel mehr mit ihrem publikum? wirklich deshalb, weil sie blogs per se geringschätzen? oder viel eher deshalb, weil sie nicht auch noch mit lästigen leser/inne/n arbeit haben und in frage gestellt werden wollen, sondern lieber unnahbar und anonym bleiben wollen? viel lieber noch, als man es bloggern und bloggerinnen nachsagt?

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  4. barbara am 27. September 2009 at 20:42:

    Zum Glück gibt es die vielen guten Blogs, sonst hätte ich das Lesen längst verlernt. Die große Münchner Tageszeitung bringt mich nur noch am Wochenende zum Gähnen und den Spiegel halte ich mir als Einschlafhilfe.
    Eine große Ödnis, da.

    Ja, es gibt auch ein paar Labertaschen und eitle Selbstdarsteller unter den Bloggern. Eine Seite angeguckt, dann haut man halt wieder ab.

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  5. Claudio am 27. September 2009 at 22:34:

    Danke, Thea. Gerne, Katha, auch das könnte man als Haar in Schreibers Suppe sehen: Tote bekommen meistens die netteren Zeilen als Lebende, vermutlich weil sie sich nicht wehren können, oder warum auch immer. Den Weberknecht kennt man in der Schweiz auch als „Zimmermann“. Ich hab ihn im Sommer mal fotografiert und hatte keine Ahnung, dass es Monate später das treffende Bild werden würde, das ich für diesen Beitrag gesucht habe. Und ja, also nein, das mit der fehlenden Online-Interaktion/-Kommunikation zwischen Journalisten und Leserschaft verstehe ich auch nicht. Aber meine Vermutung geht in dieselbe Richtung wie bei der Pseudo-Ehrung von Toten: Alles was lebt, könnte sich ja theoretisch wehren. Du hast soeben meine Sichtweise erweitert; vielleicht verstecken sich viele Journis tatsächlich viel lieber in dunklen Ecken als Blogger? Genau, barbara, eine Leserin weiss eben selbst am besten, was sie unterhält und was sie zum einschlafen bringt.

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  6. nata am 27. September 2009 at 22:36:

    Bei den Blogs gibt es so viel zu entdecken, dass es einfach eine Freude ist. Nichts lese ich lieber zur Zeit! Die Seiten der Blogger sind ehrlich und authentisch. Viele überraschen mich täglich mit ihrer Kreativität.

    Mit gekauftem Content oder Agenturmeldungen sieht das Ergebnis halt anders aus.

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  7. Claudio am 27. September 2009 at 22:44:

    Hi, nata, deshalb bist du kürzlich auch unter die Foodblogger gegangen? Na, dann willkommen und viel Spass beim Lesen UND Schreiben!

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  8. nata am 27. September 2009 at 23:16:

    Ja, die Anregungen aus den Foodblogs waren der entscheidende Antrieb. Zuvor hatte ich nur hin und wieder etwas auf meiner Homepage gepostet. Das hat aber nicht diese Dynamik wie das Bloggen.

    Merci vielmals + herzliche Grüße in die Schweiz!

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  9. Claus am 28. September 2009 at 08:52:

    es ist wie bei allem, es gibt gutes zeugs und weniger gutes. Mir machts Spaß, das Lesen wie das Schreiben. Seitdem ich auch blogge, erlebe ich die kulinarischen Geschichten noch intensiver. Wenn ich nur noch hinter die Geheimnisse des Seitenlayouts käme…

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  10. BECK am 30. September 2009 at 22:30:

    Vielen Dank, Claudio: Noch ein genialer Blog, den man lesen MUSS. Werden wir eines Tages nur noch am Bildschirm lesen? Das macht mir ein bisschen Sorgen.

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