Wie jetzt, noch nie Pasta zerbrochen? Dann hatten wir nicht dieselbe Kinderstube.

Gewisse Situationen erfordern es, dass man lange Pasta zu kurzer Pasta bricht. Klassiker etwa: Zita oder Bucatini zu kompakteren Maccheroni.

Warum? Gute Frage. Weiss nicht recht. Denn es gibt ja die meisten langen Pastaformate auch als kurzes Format. Aber die Kurzversion hat man vielleicht gerade nicht vorrätig. Oder man kriegt den Kick out of it, wenn die Längen durch das händische Kürzen unterschiedlich werden und dadurch die Sensorik etwas gekitzelt wird.

Andere Leute finden es schlicht unpraktisch, lange hohle Nudeln ab einem gewissen Durchmesser auf dem Teller zu domptieren, ohne sich mit Sauce vollzukleckern. Aber wozu kaufen sie dann die lange Pasta in the first place?

Jedenfalls, bei uns zuhause war und ist es gang und gäbe, lange Pasta aus dem ein oder anderen Vorwand vor dem Kochen über einem Suppenteller oder einer Salatschüssel in kürzere Stücke zu brechen.

Mir gefällt es, die jeweils richtige Anzahl Nudeln abzuschätzen, die man in die Hand nehmen muss, damit der Widerstand nicht zu stark ist, sie zu brechen, aber dass es auch nicht so wenig Nudeln aufs Mal sind, dass man für vier Personen eine halbe Ewigkeit dafür benötigt.

Aber egal wie viele man zwischen Daumen und Zeigefinder klemmt, schon sehr bald bekommt man die typisch rauen und geröteten Daumenkuppen.

Daran musste ich vorhin denken, als ich etwas gar spontan beschlossen hatte, heute Abend Past‘ e Lenticchie zu kochen.

In meinem Vorratsschrank sind immer genügend Linsen, die ich jeweils in Italien am Mercato kaufe, vorrätig. Aber ich hatte keine Quadrettini, mein Lieblingsformat zu Past‘ e Lenticchie, mehr übrig.

Also habe ich einfach Linguine runtergebrochen. Und es ist (einmal mehr) eine wunderbare Minestra daraus entstanden.

Als Secondo Piatto gab es dann butterzarte Artischocken. Gut geputzt und grosszügig von den harten Blättern befreit, koche ich sie zur Hälfte mit Wasser und einem Schuss Weissweinessig bedeckt, bis sie schön weich sind (gute 30 Minuten).

Danach schneide ich sie gerne der Länge nach auf und röste sie in einer Bratpfanne mit Knoblauch im Olivenöl . Salzen, pfeffern und mit Petersilie bestreuen. Lauwarm servieren und versuchen bei Verstand zu bleiben, so gut sind die.

Dazu passt – auf dem Bild erkennbar – sehr grob gewürfelter Parmaschinken.

Bitte, hauchdünn aufgeschnitten ist italienischer Rohschinken sicher ganz toll. Aber so fleischige Mocken davon zu kauen, ist kein Vergleich dazu! Unbedingt probieren.

Kleine Regeln zu brechen, bringt manchmal ungeahnte Genussfreude.


12 Kommentare zu Nicht das Fasten; die Pasta brechen.

  1. Antonio am 28. Oktober 2013 at 07:34:

    Eine meiner ersten Fragen an meine Mutter war just die, warum Sie denn die langen maccheroni bricht?
    Und heute noch hat man diese Frage im Hinterkopf wenn man genau dies tut! Che buona la minestra!

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  2. Alex am 28. Oktober 2013 at 08:57:

    Oh ja, wir hatten die gleiche Kinderstube. Und bei mir gibt es auch nie Suppen mit kurzen Nudelnsorten (wenn überhaupt, dann nur la pastina grattata, conosci?) Pasta e lenticchie oder einfach nur eine minestrina, wenn es mir nicht gut geht, und die Welt ist wieder in Ordnung. Und auch Artischocken können bei mir Wunder bewirken.
    Un caro saluto, Alex

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  3. Mike am 28. Oktober 2013 at 09:45:

    Das Brechen der Pasta hat bei Dir fast etwas Meditatives, Claudio. Ich wickele sie in ein Geschirrtuch und ziehe dieses über die Tischkante. Das geht schnell, und die Fingerkuppen werden nicht in Mitleidenschaft gezogen.
    Herzliche Grüße in die Schweiz, Mike

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  4. Claudio am 28. Oktober 2013 at 18:36:

    Forte, Alex e Antonio! Ihr wisst genau, was ich meine. Und ja, Pastina grattata, c’è sempre in casa! Guter Tipp, Mike, danke (wobei, du hast es natürlich wieder mal erfasst mit dem Meditativen, mir gefällt nämlich auch das klickernde Geräusch, das die kleinen Pastastückchen machen, wenn sie in den Porzellanteller fallen, wie in den alten TV-Spots von Merz Spezial-Dragées, kennste?). Und hast du einen plausiblen Grund für die Pastabrecherei?

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  5. Mike am 29. Oktober 2013 at 10:23:

    Minestrone, Claudio. Für andere Gerichte nehme ich eher die passenden Nudeln. Die Dragées kenne ich allerdings noch. Weiß aber nicht mehr, wer dafür geworben hat; Marika Rökk?

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  6. HansPeter am 29. Oktober 2013 at 14:37:

    Das Problem mit dem geröteten Daumen kann man vermeiden, in dem man die leicht gebrochene Pasta (um sie etwas kürzer zu machen) in ein Geschirrhandtuch einschlägt, etwas zusammenbindet und zwischen Handballen und Arbeitsplatte „zerbricht“. Gibt ein tolles Geräusch! Erinnert mich immer an meine Oma. Dank des Tuchs, fliegt die Pasta nicht durch die Gegend.

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  7. HansPeter am 29. Oktober 2013 at 14:42:

    Oh sorry….das wisst ihr ja bereits, wie ich grade lese. Nehme alles zurück! 😉

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  8. Claus am 30. Oktober 2013 at 21:14:

    Ist irgendwie ein großes Thema. Verdammt, Claudio, da haste wieder was angezettelt…

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  9. Thea am 2. November 2013 at 17:15:

    Ich bin auch mit „Crquelée“-Nudeln aufgewachsen. In irgendeiner der vielen Schulen, die ich besucht habe, hatte ich auch Kochunterricht. Dass wir dort aber die Spaghetti im Bündel einmal brechen mussten, hat mich entsetzt.
    @Mike: Frau Rökk war die „Expertin“ für Hormocenta 😉

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  10. Thea am 2. November 2013 at 17:16:

    1. Zeile, 5. Wort: Ich gebe ein „a“ 😉

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  11. Mike am 2. November 2013 at 17:36:

    @Thea: Danke, ich wusste doch, dass die für irgendein Präparat plappernd Werbung machte.

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  12. Thea am 2. November 2013 at 17:49:

    @Mike: Aber unnachahmlich, wie sie mit spatzig-tschilpender Stimme und grandios rollendem „R“ dieses Produkt anpries. Noch lange nach ihrem Tod schmückte ihr Konterfei die Tiegel und Verpackungen. 😉

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