Es gibt genau ein Mal im Jahr die Möglichkeit, die Kirschen von unserem gebrechlichen Kirschbaum zu pflücken. Wenn uns die Junisonne über Tage mit voller Kraft von heute auf morgen in den Sommer katapultiert.

Dann muss man sie nehmen. Bevor der Regen kommt und die pralle Frucht verletzt und faulen lässt. Dann sind alle gefragt, die pflücken können – oder willens sind.

Und will man das Glück perfekt machen, bäckt man damit schleunigst den besten Kirschpfannkuchen, den man hinbekommen kann.

An so einem perfekten, heissen Frühsommertag, will man ein rauschendes Festmahl im Freien feiern. Also bäckt man gleich weiter. Und ist glücklich, dass die Focaccia dank dem lievito madre, der eigenen Mutterhefe, die man hegt und pflegt, so luftig und knusprig glückt.

Zur Vorspeise einen meiner liebsten Sommersalate. Mit Cannellini-Bohnen, Sellerie und leicht bitterem Cicorino rosso.

Angemacht mit einem fantastischen Olivenöl, das ich neu entdeckt habe: L’Olio Tenero aus den Marken. Kalt gepresst aus der Monovarietät Tenera Ascolana. (Die Olivensorte, mit denen die berühmten gefüllten Olive all‘ Ascolana zubereitet werden). Mehrfach ausgezeichnet. Mild und gleichzeitig intensiv fruchtig mit Noten von grünen Tomaten und Kräutern.

Das Öl kann übrigens auch im Kontor meines lieben Bloggerkollegen Mike bezogen werden.

L'olio tenero_s

Und weil es so heiss ist, und man aber trotzdem das Essen mit einem passenden Wein begleiten möchte, aber bitte keinen so schweren, kommen die Schaller vom See genau richtig.

Das hingebungsvolle Winzerpaar aus Podersdorf produziert gleich drei neue, besonders leichte Weine.

Zum Antipasto mit handwerklich hergestelltem neapoletanischem Affettato – Salsiccia piccante, geräucherte Salami tipo napoletano und eine zartwürzige Pancetta – gesellt sich der prickelnde Rosé secco aus Cabernet Sauvignon und Zweigelt und macht richtig gute Laune.

Collage Antipasto

Zu der ultradünnen, ebenfalls neuen Pasta extra fine von Lieblings-Pastamacher und amico Cemal kommt die Cuvée weiß sehr, sehr gut. Fruchtbetont, knackig und sehr erfrischend.

Die dünnen und sehr feinen Maccheroncini, wie sie im Ursprungsort Campofilone genannt werden, sind mit sizilianischer Zitrone verfeinert – schlicht genial. Sie sind schon in 2 Minuten al dente und man könnte sie ohne weiteres einfach mit Butter geniessen.

Natürlich passen dazu auch Meeresfrüchte oder Fisch hervorragend. Ich habe dazu frische Scampi mit Zucchinistiften kombiniert. Mit einer Sauce aus den gerösteten Krustentierschalen, mit Weisswein deglaciert und mit wenig Butter gebunden.

Man kann das Meeresrauschen hören!

PPURA pasta extra fine_s

Zum Hauptgang dann Medaillons vom Lammrücken in der Pfefferkruste. Eine einfache Parmigiana di melanzane dazu und ein Kräuterpesto mit dem Olio Tenero.

Lamm Medaillon_s

Dazu die Cuvée rot und die Freude wird richtig gross. Mit schmalbrüstigen 11,5 % vol. holt dieser Wein ganz schön tief Atem. Zweigelt und Sankt Laurent mit viel Struktur, viel Frucht, viel Beeren und dabei so leicht wie eine Sommerbrise. Davon kann man nicht genug bekommen.

Collage Rotwein

Man könnte tanzen vor Freude.

Schaller Etikette rot_s

Doch dann kommt das Dessert. Also lässt man die Geschmacksknospen weiter tanzen und geniesst zum Schluss den saftigen Kirschpfannkuchen mit den nur wenige Stunden zuvor geernteten Kirschen.

Vielleicht ist das alles so einmalig gut, gerade weil man es nicht jeden Tag hat. Aber von mir aus könnte der Sommer das ganze Jahr über bleiben.


13 Kommentare zu Alles passt, es muss Sommer sein.

  1. Mike am 1. Juli 2014 at 12:19:

    Lieben Dank für die Promotion des Olio Tenero,Claudio! Ein wirklich tolles Öl, das ich sehr gerne selbst verwende. Unser Kirschbaum (Süßkirsche) wurde im Frühjahr radikal beschnitten, der muss erst mal wieder frisch ausschlagen, um Früchte zu tragen, und unser Sauerkirschbaum ist leider von einer Krankheit befallen, gegen die er – laut Aussage des Gärtnereibetriebs – resistent sein sollte, also auch keine Sauerkirschen. Dafür Stachel-, Him-, Erd- und Johannisbeeren, die frisch gepflückt verzehrt werden, gerade ein paar Erdbeeren schaffen es in eine Marmelade. Wir wünschen Euch einen schönen, immerwährenden Sommer!
    Liebe Grüße

    Mike

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  2. Eva am 1. Juli 2014 at 12:22:

    Ihr zelebriert den Sommer aber mit den besten Leckerbissen! 🙂

    Schön, dass du den Kirschpfannkuchen nochmals zeigst – im ersten Post von dir hatte ich ihn nicht bemerkt….nun werde ich ihn aber ganz schnell kosten, denn dieses Jahr ist ein super Kirschenjahr!

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  3. Bonjour Alsace am 1. Juli 2014 at 15:16:

    Herrlich, genau so stelle ich mir Sommer vor!

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  4. HansPeter am 2. Juli 2014 at 10:13:

    Wow! ! !

    Das Rezept für den Salat mit den Cannellini-Bohnen bitte! 🙂
    Und wo zum Teufel krieg ich Mutterhefe her?

    Danke.

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  5. Noémie am 2. Juli 2014 at 20:19:

    Hallo erstmal 😉
    ich verfolge Ihren blog schon seit längerem und muss sagen ich bin einfach beeindruckt. Meiner Meinung nach der beste deutschsprachige foodblog. Authentische Küche, die die Zutat in den Mittelpunkt stellt. Mit schönen Bildern die einen aus jedem noch so trockenen „Inspirationsengpass“ schleudern ! Und dann sind da natürlich auch die unterhaltsamen Anekdoten …DANKE

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  6. Claudio am 3. Juli 2014 at 09:17:

    Danke Mike, euch ebenso! Mein Sauerkirschenbaum hatte einen Unfall: Der schwere Sonnenschirm, der vom Wind umgehauen wurde, hat ihm zwei Äste abgebrochen 🙁
    Eva, die Gunst der Stunde will genutzt sein. Plötzlich schlägts wieder um und die Temperaturen fallen mit Dauerregen auf 15 Grad. Müsste einfach länger dauern, Bonjour Alsace. HansPeter, Mutterhefe musst du selbst herstellen, aus Mehl, Wasser, einem Starter und viel Geduld. Ich mach dann mal einen speziellen Post dazu. Der Bohnensalat ist ganz einfach: Über Nacht eingeweichte Cannellinibohnen weich kochen, Stangensellerie und Streifen von Ciccorino Rosso Salat dazu, salzen, pfeffern und mit bestem Olivenöl und Aceto balsamico anmachen. Ja, sag mal, Noémie, du brauchst dich ja auch nicht zu verstecken! Wunderbar aufgeräumter Blog mit superschönen Bildern (ich liebe das Erbsenbild!), seit wann bloggst du?

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  7. Dieter am 5. Juli 2014 at 20:57:

    Wie immer verlockende Vorschläge. Das Olivenöl Hab ich gleich mal geordert. Über eine kurzen Tip zur melanzane würde ich mich freuen. Ansonsten Blag at the best.
    Gruß Dieter

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  8. Astrid am 7. Juli 2014 at 08:31:

    Einfach nur lecker!!!!! Das Rezept für die Parmigiana hab ich schon gesucht und sogar gefunden (7.2.2009)!!!!! Salutoni da Hannover! ASTRID

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  9. Eva am 7. Juli 2014 at 08:48:

    Kirschenpfannkuchen gestern nachgebacken und bei herrlichem Sommerwetter auf der Terrasse verspeist = ein Traum, danke fürs Rezept!

    http://deichrunnerskueche.de/2014/07/nachgebacken-kirschpfannkuchenkirschenplotzer.html

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  10. Chrisi am 11. Juli 2014 at 14:52:

    Hallo Claudio !
    Perfekt dein Kuchen ! schon 2mal nachgemacht 🙂 !
    Will heute Abend deine Pasta mit Scampi ausprobieren ..heute früh ist die PPURA – Lieferung gekommen *FREUFREU* !
    Hättest eine kleine Anleitung für mich damit ich nicht mehr so in Stress heute komme 🙂 ?

    LG vom Attersee !

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  11. Claudio am 21. Juli 2014 at 11:10:

    Danke, Dieter, die Anleitung für Melanzane alla parmigiana, die Astrid bereits gefunden hat, steht hier: https://www.anonymekoeche.net/?p=679. Cool, Eva! Sorry, Chrisi, war im Urlaub! Pasta machen ist kein Stress: Scampi waschen und schälen. Nur die Schalen in wenig Olivenöl rösten, Knoblauch dazu, mit Weisswein ablöschen, einkochen lassen, 1 Tasse vom gesalzten Pastawasser dazugiessen, Sauce absieben und beiseite stellen (Schalen wegwerfen). Zucchinistifte in Olivenöl braten, salzen pfeffern. Pasta al dente kochen (brauchen nur 2 Minuten!) gleichzeitig die geschälten Scampi 1 Minute mit den Zucchini braten. Pasta absieben und zu den Scampi/Zucchini geben, Sauce dazu, 25 kalte Butter dazu und alles bei mittlerer Hitze gut durchmischen, bis sich die Sauce perfekt an die Pasta schmiegt.

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  12. Nachgebacken: Kirschpfannkuchen/Kirschenplotzer › Deichrunners Küche am 31. Januar 2015 at 15:37:

    […] ein paar Tagen bei Claudio vom Blog Anonyme Köche, den ich gerne lese und sehr schätze, diesen Beitrag las, wusste ich sofort, was ich dieses Jahr noch mit Kirschen backen würde: seinen […]

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  13. Noémie am 20. April 2015 at 21:39:

    Hallo Claudio !
    Ich habe ehrlich gesagt gar nicht auf eine Antwort gewartet und sehe daher erst jetzt, dass ich doch eine bekommen habe 🙂 Aber trotz der etwas sehr langen Verzögerung antworte ich trotzdem mal. Denn besser zu spät als nie.
    Vielen Dank. Es ist immer schön zu sehen, dass sich jemand tatsächlich anschaut was man so von sich gibt.
    Ich blogge jetzt seit ungefähr anderthalb Jahren..und würde das Backen und Kochen später auch gerne zu meinem Beruf machen (ich mache gerade Abitur-also der richtige Moment um sich über sowas Gedanken zu machen).
    Also ich würde ja nochmal mit Komplimenten bezüglich „anonymekoeche“ um mich schmeißen, aber dass wäre dann ja doch nur eine Wiederholung dessen was ich bereits oben geschrieben habe 😀
    Ich wünsche dir ganz viel Spaß noch bei deinen kulinarischen Errungenschaften und Verkostungen !
    Noémie

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