Schuster bleib beim Feisten

Sellerieschnitzel

Es scheint, wir hangeln uns hier von einem Post zum anderen. Auch mal schön.

In den Kommentaren des vorigen Beitrags dreht sich die Unterhaltung um Authentizität und die unterschiedliche Auffassung darüber, was das überhaupt ist, respektive, wann ein Versuch missglückt, diese erreichen zu wollen oder – schlimmer noch – wann etwas zur platten Kopie verkommt.

Nicht nur die Fragestellung ist kompliziert.

Wenn man schon nichts mehr Neues erfinden kann, so könnte man resümieren, sollte man wenigstens dem Original eine neue, eigenständige und spannende Facette abgewinnen: Improvisation geht über Imitation.

Aber um das gepflegte Gespräch wieder an den Esstisch zu lenken, widmen wir uns nun dem Phänomen der Fleischimitation. «Seitan», um genauer zu sein. Unnötig? Gewiss. Absolut unnötig, sogar. Aber es ist nun mal ein Thema.

Wenn auch ein streitbares.

Fast zeitgleich habe ich darüber bei der charmanten Sigrid Vebert gelesen wie auch beim nicht weniger eloquenten Herr Paulsen, welcher übermorgen übrigens eine Lesung hält.

Hamburg ist leider nur virtuell ums Eck und ich bin untröstlich, dass ich da nicht zuhören kann. Wiederum fast zeitgleich jedoch, erscheint sein Buch mit meinem diesen September. Eine doppelte Vorfreude!

Doch zurück zum Non-Fleisch. Ich lehne alle Fleisch-Imitationen ab. Keine Frage. Die italienische Küche hat einfach zu viele echte fleischlose Gerichte, die glücklich machen, als dass man sich als hilfloser und wüster Kopist betätigen müsste.

Bei diesen panierten Schnitzeln aus Knollensellerie allerdings könnte man auf dumme Gedanken kommen. Aber nur die Ruhe, es ist nicht das, wonach es ausschaut. Nach der heftigen, fleisch-exzessiven Grillerei in letzter Zeit war mir einfach nach Gemüse.

Also tauchten 8 mm dünn geschnittene Selleriescheiben einer ganzen Knolle 10 Minuten zum Blanchieren ins Salzwasser. Und dann, tatsächlich paniert und gebraten wie Schnitzel, als Hauptakt auf einen sommerlichen Salatteller.

Salatteller

Der Clou ist: Sellerieschnitzel esse ich ausgerechnet dann, wenn ich keine Lust auf Fleisch habe. Deshalb ist es keinesfalls ein Fleischersatz sondern, im Gegenteil, eine Fleischerholung sozusagen.

Und das hält mich nicht einmal davon ab, tags darauf ein veritables Schnitzelbrot damit zu machen. Mit Butter und Dijonsenf. Ja, so gut kann Sellerie schmecken!

Sellerieschnitzelbrot


16 Kommentare zu Schuster bleib beim Feisten

  1. Number 22 and abeer am 16. Juni 2009 at 18:47:

    Sieht gut aus, schmeckt wohl auch so! Ich mache gerne ähnliches mit Portobellopilzen, die triefen dann durch die Panierung auch nicht mehr so vor Fett wie sonst.

    Und überhaupt: Immer wieder ist es eine Freude deinen (euren) Blog zu lesen. Vielen Dank für die (kumulativ) vielen schönen Stunden beim Lesen hier!

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  2. Claudio am 17. Juni 2009 at 08:28:

    Darauf trinken wir 22 Biere!

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  3. Zoolicious am 17. Juni 2009 at 08:30:

    Ja, mag‘ ich auch.
    Gern auch panierte Austernpilze.
    Seltsamerweise sehe ich das ähnlich wie Du – keinesfalls eine billige Alternative für Pseudovegetarismus, sondern wenn ich (man glaubt es kaum) keine Lust auf Schnitzel und Konsorten habe.
    Da betreibe ich auch keinerlei Aufwand, sondern esse ganz banal mit Ketchup. 😀

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  4. Herr Paulsen am 17. Juni 2009 at 08:46:

    Das Gericht ist sowas von gekauft!

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  5. Daniela am 17. Juni 2009 at 09:24:

    Oh ich freu mich schon auf das Buch 🙂 Ich war im Mai im Cilento, da könnte ich mich komplett fleischlos ernähren – der Clou waren gebratene, mit Rührei und Parmesan gefüllte Auberginenscheiben zusammengeklappt, im Ofen gegart. Legga.

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  6. Mike Seeger am 17. Juni 2009 at 09:30:

    Ich panierte auch schon vieles: Kohlrabi, Auberginen, Fleischwurst, Schwammtücher …, aber auf Sellerie bin ich noch nicht gekommen. Zur Zeit haben die hiesigen auch nur die Größe von Hühnereiern, muss also noch warten, um es auszuprobieren. Keine Lust auf Fleisch kommt allerdings eher selten vor, leider. Der erhobene Zeigefinger der DGE und der meiner Frau hatten da wenig Einfluss auf meinen Appetit.

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  7. Ellja am 17. Juni 2009 at 11:53:

    ich wäre eigentlich noch nicht auf die idee gekommen, dass alles, was paniert ist, auch gleichzeitig als fleischersatz daherkommt. Ganz unbescholten paniere ich daher wie Du den Sellerie (namnam), die Pilze, den Spargel… zwischen die Auberginen lege ich sogar des öfteren Käse (jetzt hab ich glatt ein Cordon Bleu imitiert). Generell hab ich ein unverkrampftes Verhältnis zu Fleisch und Fleischlosem, mag beides zu seiner Zeit. Panieren dagegen erzeugt mir immer ein schlechtes Gewissen, dem Gemüse gegenüber und meiner Figur 😉

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  8. katha am 17. Juni 2009 at 12:41:

    bochana zölla (sehr gschead, gebackener zeller, sprich sellerie) ist in österreich ein klassiker, nicht nur freitags. wir backen (panieren und dann in heissem fett herausbacken) aber auch gerne schwammerln oder karfiol (blumenkohl) oder oder oder (und natürlich auch fleisch, innereien,…). das ist garantiert kein ersatz für irgendwas, sondern ein eigenständiges gericht. zum thema passt auch noch irgendwie tempura, ein gericht, das ich heiss liebe (vor allem die sauce dazu), von dem mir aber gemeinerweise regelmässig schlecht wird (was ich sonst von keinem gericht ausser von ameisenkuchen kenne…).
    die schwiegereltern-in-spe haben übrigens die lustige angewohnheit, beim schnitzerl backen (kalb, schwein) immer auch zellerschnitzerln (so heissen die dann) zu machen. da verschwimmen die fleisch-nicht-fleisch-ersatz-grenzen schon heftig. ich mag lieber entweder oder.

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  9. anette am 17. Juni 2009 at 14:19:

    solche selleriescheibchen gehören glaube ich schon immer? in mein repertoire…einst konnte ich sogar einen ausschliesslich der fleischeslust fröhnenden dänischen wikinger davon überzeugen ! nur bissfest muss er bleiben (der sellerie…)

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  10. Mario am 17. Juni 2009 at 14:31:

    Oh Valerie… ähhh Sellerie.
    Würde Amy Whinehouse sagen.

    Ich wein auch gleich.

    Grillsaison ist auf Hochtouren, ich kann Sellerie nicht riechen – geschweige denn essen.

    Aber so ist das nun mal 😛

    Claudio mach BBQ!

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  11. BECK am 17. Juni 2009 at 14:38:

    Meine Frau brachte das Selleriescheiben-Rezept in die Ehe: Wir salzen die Selleriescheiben, lassen sie ein wenig liegen und tun sie ohne Blanchieren und Panieren direkt in die Pfanne. Probier’s aus!

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  12. ikoordo am 17. Juni 2009 at 15:01:

    ES kommt bald. Und wir dürfen den neuen Äon erleben. Ich Freue mich so auf DAS BUCH. Wollte in München an der ersten Lesung beiwohnen, hab mich jedoch beim Beischlaf verhederet. Kann passieren. War mit einem Stück Schafsfleisch im Bett und musste es lange weichklopfen. Im Anschluss kam es zu einer ungewollten Panierung mit den vom Vorgänger liegengelassenen Bettkrümel. Habe für diesen grossen Moment im Herbst schonmal ein neues weisses fleischfreies Buchgestell herstellen lassen. Meine zahnlose Freundin wird mir noch die eine oder andere Flasche von ihrem Zaubertrank beisteuern. Ein Grosser Moment. Claudio du bist unser „Schamanah“, wir danken dir für deine Tat.

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  13. Claudio am 18. Juni 2009 at 01:10:

    Richtig, billige Alternativen sind nichts für uns Zoolicious, aber Ketchup dazu ist auch keine Lösung! „Einmal eine extra grosse Portion Sellerieschnitzel und Getränk auf Haus für den Herrn Paulsen! „. Hach! Cilento. Hatte bis eben keine Ahnung, dass es diesen Fleck auf dem Stiefel gibt, Daniela, klingt gut! Bist wohl ein Allespanierer, Mike, wie die Allesfrittierer in Schottland. Schon mal Pizza oder Schokoriegel paniert? Aber Ellja, so unverkrampfte Geschöpfe müssen doch gegenüber nichts und niemandem ein schlechtes Gewissen haben. Du hast ja wieder einmal einen Ton drauf, sag mal,Katha, das ist ein veritabler Wortschatz! Ja, Tempura, wär bei mir auch schon lange wieder mal fällig: https://www.anonymekoeche.net/?p=400 Hm, diese Geschichte mit dem Wikinger, anette, gibts da eine Fortsetzung? Du sollst den Sellerie nicht riechen, Mario, du sollst ihn essen: Dann kommt noch was ganz anderes auf Hochtouren! Diesen Satz bitte mit güldenen Lettern in rosaroten Carrara-Marmor meisseln, BECK: „Meine Frau brachte das Selleriescheiben-Rezept in die Ehe.“ ikoordo, du liest dich wie Nietzsche und Uriella die gemeinsam gequirlte Scheisse geraucht haben und dann die heisse Luft durchs Sprachrohr Gottes blasen – aber ich mags irgendwie 😉

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  14. Mario am 18. Juni 2009 at 19:24:

    Vater unser!

    Sowohl (1) als auch (2).

    Tatzeit:
    (1) BECK am 17. Juni 2009 um 14:38:
    (2) Claudio am 18. Juni 2009 um 01:10:

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  15. palinuro am 7. September 2009 at 16:34:

    Vor allem wenn Kinder beim Essen beteiligt sind, ist es eine sehr gute Idee das Gemüse zu panieren.Zucchini eignen sich auch hervorragend.Eine weitere Abwandlung meinerseits ist,zum Paniermehl Mandelsplitter hinzuzugeben.

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  16. Anonyme Köche » Blog Archive » Hochkantig zitronig. am 8. März 2015 at 14:32:

    […] jetzt fällts mir ein: Sogar die extrem empfehlenswerten Sellerieschnitzel habe ich in Italien schon als Cotoletta di Sedano […]

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