Nicht die Hellste

Sie ist gewiss keine Adlige, kein Konfekt mit Glam-Faktor, oder Gebäck mit Heiligenschein.

Sie wirkt wie die karierte Tischdecke in Omas Küche. Altbacken. Aber unzerstörbar. Und sie ist nahrhaft. Ein grosszügiges Stück davon ersetzt eine komplette Mahlzeit.

In Bäckereien wird sie oft stiefmütterlich als 08/15-Standardtorte geführt. Lieblos fast, trocken, teigig, mit übersüsster, langweiliger Konfitüre. Im schlimmsten Fall gar als kleines doofes Törtchen in einer Käseküchlein-Aluschale.

Sie taugt nicht zum meisterlichen Gesellenstück. Spornt die Zuckerbäcker nicht dazu an, sie zur besten des Landes küren zu lassen.

Aber eines muss man diesem Nachtschattengewächs der Konfiserie lassen. Sie ist die Hausmachertorte par exellence.

Daheim, in der guten Backstube, läuft sie zur Höchstform auf. Zu Geburtsagen und vor allem zur Weihnachtszeit – dann besonders wegen ihrem schweren Odeur von Zimt und Nelken.

Sie ist solide Mittelklasse, bei der man weiss, was man hat. Sofern sie viele gute Zutaten und noch mehr Liebe mit auf den Weg in den warmen Ofen bekommt.

Meine Version kommt von Gotti Erna, der unbestrittenen Queen der Linzertorte! Alle nennen Sie Gotti, by the way, ob sies nun tatsächlich ist oder nicht.

Sie schafft es auch, glaubhaft einen Riesenkrampf vorzuspielen, den die Herstellung einer Linzertorte mit sich bringt (jedoch, seit sie mir das Rezept anvertraut hat – DANKE GOTTI!!! – weiss ich, es gehört zu den einfacheren Backleistungen, einen Linzer zu produzieren.).

Wohl deshalb ist noch niemand auf die Idee gekommen, einen Pimp my Linzer-Contest anzuzetteln.

Ich habe meiner Frau dummerweise erzählt, dass dieser Blog auf Rang 37 im Wikio-Ranking steht, deshalb verbietet sie mir, hier das Rezept von Gotti Erna preiszugeben. Weil sonst die ganze Welt diese Torte nachmacht!

Ich kann hier also nur drei Dinge verraten:

1. Das Original-Rezept unterscheidet sich nur ganz knapp (aber wesentlich)
2. Dunkler ist sie besser, als zu hell
3. Vor dem Genuss muss sie mindestens zwei Tage ruhen.

Die ultimative Suggestiv-Frage von Gotti ist dann jeweils: «Ist sie zu hell? Gell, sie ist zu hell?»

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  1. Matthias Metze am 8. November 2007 at 23:30:

    Hmmmm, ich liieeebe Linzer Torte – und mag sie noch so einfach sein!
    (Vielleicht kannst du das Rezept unter dem Siegel der Verschwiegenheit meiner Frau verraten – die ist die Bäckerin bei uns, ich bin der Koch…)
    ;-)

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  2. Mike Seeger am 9. November 2007 at 00:28:

    Mal abgesehen von der Torte. Der Beitrag ist spitze. Mir persönlich zu religiös, vom Spannungsaufbau toll. Lediglich das “im Dunkeln lassen” bezüglich des Rezeptes ist unfein. Ich mag eigentlich nichts Süßes, aber das Rezept hätte ich nachgebacken. Verrätst Du das Rezept unter dem Siegel der Verschwiegenheit???? Ich publiziere dann auch keine Klischees mehr, sind sie auch noch so verlockend. Ehrlich!
    Hezlichst
    Mike

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  3. Claudio am 9. November 2007 at 00:34:

    Moment, lass mich überlegen: Ich hab genau – zwei und fünf sind sieben plus 10 macht 17 – siebzehn Jahre darauf gewartet, das Rezept von Gotti Erna zu bekommen. Nein. Abgesehen davon, deine Frau wäre bestimmt unglücklich, wenn du ihr Rezept durch meines ersetzen würdest, meinst du nicht? ;)

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  4. Claudio am 9. November 2007 at 00:44:

    Mike, die Story ist IMMER wichtiger als das Rezept. Gerade du hast es bestimmt schon erlebt, dass ein einfacher Wein, sagen wir in Italien, hammermässig eingeschlagen hat, aber zuhause irgendwie enttäuschte, oder? Habt ihr Anthony Bourdain gelesen “Auf der Suche nach der perfekten Mahlzeit”? Das Setting und die Menschen um einen herum entscheiden, ob etwas über die Massen gut schmeckt oder nicht. Ich freu mich schon auf den nächsten Beitrag von Comenius – der wird euch gefallen! Genau dieses Thema!

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  5. Mike Seeger am 9. November 2007 at 10:03:

    Hallo Claudio! Nein, ich habe Anthony Bourdain noch nicht gelesen (hole ich umgehend nach); ja, ich habe es auch schon erlebt, dass mir ein Wein in Italien besser schmeckte als der gleiche Wein zu Haus. 17 Jahre auf ein Rezept warten? Dann kann ich mit meinen – bis dahin sicherlich arthritischen – Fingern gar nicht mehr backen. Adé Linzer Torte; hallo Mettwurstbrot! :-)

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  6. katha am 9. November 2007 at 14:30:

    als oberösterreicherin kann ich mich nicht zurückhalten. wirklich gute linzer torte gibt’s selten, am ehesten zuhause, das stimmt. obwohl die von jindrak in linz schon super ist. es ist aber nicht einmal gewiss, ob die torte aus linz kommt oder nach dem schon seit 300 jahren bekannten “linzer teig” (mürbteig mit mandeln) benannt wurde. jedenfalls: ich mag himbeermarmelade, aber in eine linzer gehört ribiselmarmelade (rote johannisbeermarmelade), da gibt’s kein pardon. dunkel stimmt, aber nicht zu, sonst schmeckt sie verbrannt. durchziehen unbedingt. und das rezept auf der linzer seite ist ein gutes, man könnte aber z. b. weniger mehl nehmen und die nüsse durch mandeln ganz oder zum teil ersetzen. natürlich interessiert mich der “wesentliche” unterschied. und ich finde mund wässrig machen und rezepte zurückhalten gemein und unsinnig, weil: zutaten (welches mehl welchen alters, welche butter, welcher zucker, welche gewürze welcher qualität, wieviel zitrone, welche nüsse, wie lange geröstet usw.), geräte, wetter, können, backtemperatur, dauer entscheiden alle übers ergebnis. es wird sowieso keine zweite gotti-linzertorte geben. also her damit, ich will’s wissen! und ich verspreche ein beweisfoto samt kulinarischer notiz auf esskultur.at… ist doch gut, wenn sehr viele leute sehr viele sehr gute rezepte zur verfügung haben!

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  7. Claudio am 9. November 2007 at 17:52:

    Habe die Ehre, verehrte Katha! Fühle mich selten so bauchgepinselt. Mein Bericht liegt säuberlich seziert da. Das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen. Respekt. Darüber hinaus beim Spekulieren noch voll ins Schwarze getroffen, und zwar mit zwei Dingen: 1. Ja, Himbeermarmelade. 2. Ja, gemahlene Mandeln statt Nüsse. Jetzt sind wir schon sehr nahe. Gegenüber dem “Original Rezept” ist das Verhältnis wie folgt: 250 g Butter, 300 g Zucker, 300 g Mehl, 300 g Mandeln (das macht das Ganze mürbe statt trocken), dann noch die Vanille weg lassen und dafür einen Schluck Kirsch dazu. Simple as that. Ich habe Ihnen soeben 17 Jahre geschenkt, wie fühlen Sie sich?

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  8. katha am 9. November 2007 at 18:31:

    lieber claudio, wenn du mich weiter siezt, werde ich dich in zukunft mit kommentarentzug strafen. ich komme mir ja vor wie eine alte schagarelle! (bringt nix, das wort zu googlen. ist eine private erfindung und bedeutet in unserem ganz privaten verständnis so eine ältliche dame mit zweifelhafter frisur – blauschimmerndes grau -, zweifelhafter kleidung – rocklänge in etwa bis zur mitte der nicht mehr ganz so zierlichen waden – und zweifelhafter handtasche nebst zweifelhaften ansichten – früher war alles besser und ausländer brauch’ma keine in unserem schönen wien – und zweifelhaften kulinarischen vorlieben – margarine ist gesund, dr. oetker hilft in der küche und packerlpüree geht viiiel schneller und schmeckt viiiel besser als frisches.) ich gehe jetzt jedenfalls extra für die linzer noch durch den wiener sturm einkaufen. 17 ist eine wunderschöne zahl! neben 7 meine liebste. habe dank! ps: hände küssen weiterhin erlaubt.

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  9. Claudio am 9. November 2007 at 22:52:

    Wenn du so dezidiert darauf bestehst, ist es mir natürlich eine grosse Freude, dich zu duzen! Gedanklich hab ich dich eigentlich schon immer geduzt. Aber ich finde diese Koketterie des Siezen mit Vornamen manchmal unwiderstehlich prickelnd – und weit entfernt von zweifelhaften Unterstellungen! Umgekehrt duze ich gute Freunde schon mal per Nachnahme: «Mein lieber Widmer!». Das finde ich ebenfalls flamboyant. Wieder andere werden von mir auf brasilianisch (das ich nicht spreche) angesprochen, wie Comenius, zum Beispiel: «Meo figu mas lindu!». Sollte ich also aus stilistischen Gründen wieder einmal auf das Sie zurückgreifen, darfst du das ruhig als Kompliment auffassen. Ich freu mich schon auf deinen Linzer-Bericht. Küss die Hand!

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  10. comenius am 10. November 2007 at 01:25:

    natürlich übernehme ich überaus gerne wieder die andere hand. sie sei geküsst, mit/im sandwich lebt sich besser. wie doch mike so schön geschrieben hat, (ein) hoch (auf) die mettwurst! bonap! “falco is alive”

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  11. linzer, aber echt » Beitrag » esskultur.at am 10. November 2007 at 16:30:

    […] ich dagegen einspruch erhoben habe, muss ich ihm jetzt – versprochen ist versprochen – zeigen, wo der bartl den most […]

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  12. kaltmamsell am 12. November 2007 at 14:00:

    Schlagn’S mich, aber was mich am meisten interessiert: Woher haben Sie die Backform auf dem Foto? Ich suche seit einiger Zeit vergeblich für Tartes, Pies, Linzertorten etc. eine solche Form mit 22 bis 24 cm Durchmesser. Gerne Weißblech, vor allem aber mit diesem kurzen, leicht ausgestellten Rand. Oder kam die Form mit dem Geheimrezept direkt vor der Gotti?

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  13. Claudio am 12. November 2007 at 15:00:

    Liebstes Kaltmamsell. Warum sollt ich Sie schlagen wollen? Vielmehr frag ich mich, wie die Katha drauf kommt, eine Springform zu verwenden (oje, jetzt riskier ich Schläge!). Googeln Sie doch mal nach “Kuchenblech” – hier in der Schweiz findet man die von emailliert über teflonbeschichtet bis Weissblech in jedem guten Hauswarengeschäft. Noch was, ich vergesse es jedesmal: So oder so rate ich zur Verwendung von Backpapier; ich buttere die Form zwar ordentlich aus, aber ohne Papier ists jedesmal ein Krampf, die Torte zu lösen.

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  14. kaltmamsell am 12. November 2007 at 15:27:

    Ach Claudio, Durchmesser 30 cm aufwärts habe ich in München schon gefunden – die sind nämlich für Pizza gedacht. Aber kleiner…?
    Sie kennen doch sicher die Apple-Pies aus den Donald-Duck-Heften. Die kann ich doch genauso wenig auf diesen riesigen Pizzablechen machen wie Linzertorte. Ich suche weiter.
    (Selbstverständlich Backpapier, die beste Erfindung seit der Ofeninnenbeleuchtung.)

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  15. Ché Borko am 12. November 2007 at 19:46:

    Linzer Torte… die muss man wirklich mit Liebe machen, sonst schmeckt sie eher nach ab-in-den-Müll.

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  16. katha am 12. November 2007 at 21:37:

    heisst ja auch linzer torte und nicht linzer tarte, linzer fleck oder linzer kuchen, stimmt’s, claudio? (und springform habe ich ja nur aus nettigkeit gegenüber nicht-österreicher/inne/n geschrieben. in österreich heisst sie nämlich tortenform…) schläge gibt’s keine, ich muss dich enttäuschen. dafür das dritte viertel von unserer linzer, die versuchsreihe muss fortgesetzt werden!

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  17. Claudio am 12. November 2007 at 21:46:

    We have a situation!

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  18. Vorspeisenplatte » Blog Archive » Linzertorte nach Internet Art am 16. Mai 2010 at 13:37:

    […] schwappte eine Welle Linzertortenrezepte durch die Foodblogs meines Internets. Aus den Angaben von Claudio, des Linzer Fremdenverkehrsamts, kathas und aus eigenen Vorstellungen habe ich jetzt nach einigen […]

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  19. Anonyme Köche » Blog Archive » Gehet hin und backet am 29. September 2012 at 17:28:

    […] habe ich das umgehend und – habe die Ehre – noch so gerne erledigt. Hier ist der aktualisierte Beitrag über Gotti Ernas Linzer Torten Rezept inklusive […]

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  20. Jasmine (die in Zürich) am 11. Juni 2013 at 15:43:

    Hoi Claudio

    Ich bin auf der SUche nach dem besten Linzertortenrezept – weil meine Mutter das Rezept meiner leider verstorbenen Oma nicht aufbewahrt hat (“ich mag keine Linzertorte”) Na vielen Dank, Mama! Das deiner lieben Tante ist mein zweiter Versuch (Nach Haselnuss) und ich bin ziemlich begeistert, trotz der komischen Teigschneiderei. Hübscher könnte sie noch werden, aber dazu braucht es wohl etwas Übung.
    Vielen Dank für’s grosszügige Teilen :-) Ich erzähls auch keinem weiter.
    Herzlich, Jasmine

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  21. Claudio am 12. Juni 2013 at 23:49:

    Wie heisst es so schön? Tradition ist nicht das Aufbewahren des Linzer-Rezepts, sondern das Entfachen der neuen Backlust! Und es würde mich wundern, wenn deine Mama Gotti Ernas Linzer verschmähen würde, versuchs mal!

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  22. Erprobtes und Gemochtes | missboulette am 4. Dezember 2014 at 20:45:

    […] Anonyme Köche bzw. Gotti Ernas Linzer-Rezept (Mengenverhältnisse und “weiche-Butter-Methode”) […]

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