X-Trem Urban Picnic

Immer mehr junge Frauen essen anscheinend besonders gerne auswärts. Damit meinen sie draussen. Auf der Strasse. Ganz egal wo. An Orten, die man im wahrsten Sinne als unwirtlich bezeichnet, machen sie es sich ganz spontan gemütlich und hocken sich mampfend auf den Asphalt.

Gerade heute habe ich das in der Stadt wieder beobachtet. Konkret: Linke Hand irgendetwas aus einer Tüte, reche Hand Zigarette, am Ohr das Mobile Phone.

Gut, ich war sensibilisiert: Joerg Utecht hat heute auf seinem sehr lesens- und ebenso hörenswerten (weil er immer auch gute Musik aufspürt) Blog eine Blitzumfrage an zehn ausgewählte Genussmenschen im sozialen Netz gestartet.

Er wollte wissen, was Foodblogger, Winzer und Gastronomen heute, Samstag – dem dedizierten Shopping/Putztag – zu Mittag essen.

Bei mir stand zur Stärkung des gemeinsamen Familyshoppings in der City Döner auf dem Menuplan. Obwohl das durchaus als Take Away und Street Food geht, nehme ich selbst dieses handliche Essen ausschliesslich und immer an einem Tisch sitzend im Lokal ein. Kompromiss im Sommer: Am Tisch sitzend auf der Gartenterrasse eines Lokals.

Ach komm, was ist schon gegen ein Picknick im Freien auszusetzen? Nichts, gar nichts. Eine Wurst im Wald, selbst gebratenes kaltes Hühnchen und Tabouleh mit Picknickdecke auf der Wiese oder von mir aus ein Gelato im Cono auf einer Parkbank mit Blick aufs Meer – wunderbar!

Aber Mädels – bitte: In Industriesauce ertränkter Fertigsalat auf der Treppe zum Parkhauseingang aus der PP-Schale reinschaufeln sieht soo scheisse aus. Aber so richtig. Abgesehen davon, dass euch dieser Convenience-Dreck nicht gut tut und unmöglich gut schmecken kann, blockiert ihr mit euren unpassenden Sit-ins Durchgangswege, wie eine beschissene Horde Büffel das Wasserloch.

Der Eingang zum Detailhändler, Kiosk, Lebensmittelladen oder zur Tankstelle könnt ihr doch nicht ernsthaft als Picknickzone in Erwägung ziehen?

Geht es euch wirklich an eurem legginsbespannten Hintern vorbei, dass ihr Passanten an der Busstation in die Enge treibt? Oder soll man euch – ach so! – wenn ihr an der Hauswand kauernd wie Penner altes Brot vorbeibringen?

Von euren grosszügigen Give-Aways, die ihr jeweils der Öffentlichkeit überlässt, ganz zu schweigen.

[Edit 3. März]: Ich merke aufgrund der Kommentare, dass ich etwas präzisieren muss. Mir geht es vorwiegend um diese eine Gruppe junger Frauen: Vermeintlich stilsicher, modebewusst und eigentlich sehr gepflegt. Warum tun gerade die das?

Gerade weil man es wohl von vernünftigen, auf die äussere Erscheinung so penibel achtende Mädchen nicht erwartet, finde ich es so befremdlich, wenn sich ausgerechnet sie mit ihrem Hosenboden auf dem blanken Asphalt niederlassen und sich mit ihren Plastikschälchenfood ausbreiten.

In diesem Zusammenhang, habt ihr dieses andere Phänomen schon gesehen? Mädels die ihr Softgetränk bei McD mit Alkohol pimpen. Nein? Ich verweigere meinen Söhnen nicht den Besuch in Burgerketten. Und als wir letzthin nach 22 Uhr dort waren, haben wir beobachtet, wie derselbe Typ junger Frauen den Plastikdeckel ihrer Softdrinks unauffällig anhebt, um dann ein Schnapsfläschchen rein zu kippen. Wahnsinn, wie gemütlich.

Dass allgemein fressendes, schleckendes, schmatzendes und schlürfendes Volk immer mehr Innenstädte und ÖVs bevölkert, ja, auch das ist kein schöner Anblick. Man fragt sich, wozu noch in den Zoo gehen und die Affen beim fressen beobachten.


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  1. Fritz - Ulrich Hein alias hein-tirol am 2. März 2013 at 21:41:

    Die heutige Jugend hat zum großen Teil eben keine Esskultur mehr – vor allem die jungen Mädel. Ich kann schon Ihren Frust darüber verstehen, rege mich aber über solche Zustände nicht mehr auf. Dafür kenne ich eine Minderheit an Jugendlichen, Die noch Spaß am gepflegtem Essen haben du es mit mir zusammen zubereiten. Es ist jedesmal ein Heidenspaß. Und den wünsche ich Ihnen auch, wenn Sie einmal Jugendlich dafür begeistern können, bei Ihnen frisch zu kochen.
    Mit freundlichen Grüßen
    F.-U. Hein

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  2. Eva am 2. März 2013 at 22:41:

    Nicht nur junge Mädchen…hier in Hamburg mache das fast alle, stehend in der U-bahn stinkendes Asianudelzeugs aus einem Pappkarton pickend, die vierspurige Hauptverkehrsstraße mit etwas, das aus der Hand gegessen werden kann, entlang eilend. Nebenbei hinein gestopft. Mit Picknick hat das nicht viel zu tun. Und ich liebe Picknick… den Lauf der Dinge werden wir dennoch nicht aufhalten können… (Was um Himmels Willen ist ein Detailhändler?)

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  3. chris am 2. März 2013 at 23:20:

    Im Schweizerdeutschen-Sprachraum sind es Detailhändler und nördlich davon sagt man Einzelhändler dazu. 😉

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  4. Ellja am 3. März 2013 at 08:41:

    Dazu fallen mir auch noch die coffee-to-go-Becher ein. Es gibt Leute, die geben das sogar offen zu, dass es dabei nur um den „Coolnessfaktor“ geht. Und ja, mit Genuss kann das ja schließlich nichts zu tun haben… im gehen, stehen, auf der Straße essen, ich finde das befremdlich.

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  5. Turbohausfrau am 3. März 2013 at 11:54:

    Hier in Wien dasselbe. Manchmal frage ich mich, wie ich erwachsen werden konnte, ohne dauernd unterwegs zu essen oder Kaffee aus Wegwerfbechern zu trinken. Und jetzt geh ich zu einer Freundin – bei ihr gibt es coffee to stay. 😉

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  6. nata am 3. März 2013 at 12:39:

    Die Abneigung gegen diese Art, irgendwas ohne Hinzusehen in sich hinein zu stopfen, kann ich gut nachvollziehen. Und ich finde es gut, dass mal jemand darüber schreibt. Alle reden immer über „bewusste Ernährung“ und gleichzeitig sieht man, wie sich die Leute überall irgendwelche dubiosen Sachen reinschaufeln. Allerdings kann ich nicht feststellen, dass diese Sitte neu sein soll. Auch, dass es sich vorwiegend um Mädchen handeln soll, wundert mich.

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  7. Claudio am 3. März 2013 at 14:20:

    Danke für eure Kommentare. Ich habe soeben noch eine Präzisierung in Artikel ergänzt, Nata.. Einverstanden, Fritz, da kenne ich auch ganz viele gute Beispiele. Eva, Chris, danke für die Aufklärung. Ellja, befremdlich! Danke, dieses Wort trifft es perfekt. Sehr schön, Turbohausfrau, Coffe to Stay, der Anfang einer Comeback-Bewegung?

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  8. Ursula am 3. März 2013 at 15:04:

    Wenn ich Deinen Bericht so lese, geht es tatsächlich nicht um das Essen – und schon gar nicht um Genießen….. Essen ist gemütlich am Tisch sitzen oder von mir aus bei einem Picknick.

    Man müssten „den-auf-der-Straße-Mampfern“ mal vor Augen führen, welchen Müll sie in sich hinein schaufeln und welche Müll-Berge sie dabei hinterlassen……

    Ob es was hilft? Ich bezweifle das. Wenn man nur an die Unmengen Fertiggerichte denkt, die in den Lebensmittelgeschäften verkauft werden – das ist auch nichts anderes, nur versteckt in den eigenen vier Wänden.

    Mir graust……

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  9. coriandre am 3. März 2013 at 17:33:

    Einfach nur „Danke für diesen Beitrag“!
    So ziemlich auf meiner Linie.

    Allerdings kam mir beim Lesen, auch der Kommentare, schon der eine oder andere, vielleicht etwas ketzerische, Gedanke. Diese Gedanken entwickelten sich zur Gedanken-Explosion…
    Und diese hier niederzuschreiben würde den Briefkasten sprengen.
    Ich erlaube mir deshalb einen Link zu meinem Blogeintrag, der mein Kommentar ist.
    http://kraeutersturm.typepad.com/im_hexentopf/2013/03/ich-mach-mir-mal-luft.html

    Uebrigens, solange wir Jugendlichen von gestern unseren Kindern auch im guten Speiserestaurant eher Chicken Nuggets, Pommes und Spaghetti Bolo auftischen als sie an unserem Essen teilhaben lassen oder unter gemeinsam Kochen verstehen, gemeinsam eine Büchse zu öffnen, sollten wir uns nicht wundern.
    Wir tollen Vorbilder wir!

    Coriandre

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  10. zorra am 3. März 2013 at 19:00:

    Oops, das habe früher auch gemacht auf der Asphalt-Treppe in Genf an der Rhone gesessen und ein Sandwich verdrückt. Da sassen aber nicht nur Mädels sondern auch ganz viel Banker und andere Anzugs-Typen und nein das waren keine Perverslinge. 😉

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  11. nata am 3. März 2013 at 21:03:

    Danke, Claudio! Du hast es jetzt noch deutlicher erklärt. Mir ist irgendwie ganz flau im Magen, wenn ich sowas lese. Ich denke dann an Leute, mit denen man zufällig die Mittagszeit verbringt und die gar nicht verstehen können, warum man sich zum Essen gerne an einen Tisch setzen möchte. Mir verdirbt sowas die Laune.

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  12. Claudio am 3. März 2013 at 21:19:

    Hei, Coriandre, da musste aber auch was raus! Musste bei einigen Zusammenhängen beipflichtend nicken. Ein Aussichtsplatz in der ersten Reihe auf die Rhone und erst noch in belle Genève kann ja mindestens so schön sein, wie der Blick aufs Meer, liebe Zorra, da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Genau, nata, richtige Launenverderber sind das, weil man ja auch so in die Spiesserecke gestellt wird – oh, der feine Herr braucht einen gedeckten Tisch – und den Magen ziehts mir da zusammen und das Essen bleibt in der Speiseröhre stecken, ach, grässlich.

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  13. jürg am 3. März 2013 at 23:52:

    Köstlich dein Beitrag. Den perversesten Auswuchs dieser Fress-Mode finde ich die DÖNER-BOX! Hast Du dir schon einmal so eine Box von innen angesehen wenn sie schon zur hälfte leergeschlürft wurde . . . mir wird übel!

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  14. Tom am 4. März 2013 at 10:10:

    Ja, die Hipster-Welle ist noch lange nicht abgeebbt!

    Hier in Berlin ist es (wie fast immer) noch ein wenig schräger. Ich sehe regelmäßig Menschen, die ihr Fast Food (bevorzugt Döner) beim Radfahren essen. True story! Beim Radeln rauchen ist für mich auch völlig unverständlich.

    Daß „normale“ Menschen mit gepflegter Kleidung ihr Feierabend-Bier in der U-Bahn trinken ist hier auch absolut normal.

    Ich hatte auch Kollegen, die sich täglich bis zu 5 Starbucks-„Kaffees“ gegeben haben. Vom Geschmack und Müll mal ganz abgesehen: Da ist mir mein Geld echt zu schade für.

    Wo ich keinen Stein werfe ist das „Aufbohren“ von Cola & Co. Als junger Mensch mit wenig Geld hab ich das am Wochenende auch gemacht. 😉

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  15. Magdi am 4. März 2013 at 10:42:

    Aber das fängt schon bei den Kleinkindern an. Ich staune immer, wenn Mütter für ihre Kinder fast in jedem Alter immer und überall etwas zu Essen und Trinken dabei haben. Ganze Vorratsdosen mit Knabberzeugs und Flaschen mit Trinken schleifen sie mit. Logisch dass die Kinder dann zu Hause beim Mittagstisch keinen Hunger mehr haben. Und wenn sie dann älter sind müssen in jeder Situation diese Bedürfnis sofort gestillt werden.

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  16. Claudio am 4. März 2013 at 14:45:

    Is nich dein Ernst, Tom, ich glaub ich komm nach Berlin, ich muss mir das ansehn! Gute Beobachtung, Magdi, ein Gastroenterologe an der Kinderklinik hat mir erklärt, wohin dieser Dauer-Ess- und Trinkwahn (vergleichbar mit nuckeln) führt: Konzentrationsschwäche, Karies und Verdauungsstörungen. Seiner Meinung nach sollten Kinder (und Erwachsene) ihrem Gaumen/Magen jeweils mindestens 3 Stunden Ruhe gönnen.

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  17. Junk Food, Littering und die Jugend von – gestern! am 5. September 2016 at 07:29:

    […] Claudio hat einen Blog-Eintrag verfasst, der bei mir geradezu eine Explosion von Gedanken ausgelöst hat. Seinen Kommentar-Briefkasten wollte ich nicht sprengen, aber Luft muss ich mir wirklich mal machen. Zumal einmal mehr der Ausdruck „Jugend von heute“ im Raum stand. […]

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