Ehrlich naehrt am laengsten

Augenbohnen

Auch wenn es uns nicht schmeckt: Es ist Januar, und das Loch dazu wird kommen.

Wir haben gefestet und gefeiert und dazu hoffentlich ordentlich geschlemmt. Jetzt könnten wir dem Überfluss nachtrauern oder über Verluste weinen und in das allgemeine Lamento über die Krise einstimmen.

Oder wir könnten dankbar sein. Dankbar, dass sich uns jetzt die Gelegenheit bietet, etwas kürzer zu treten und unser Wohlstandsbäuchlein abzubauen (hat man den nicht eh schon seit einer Ewigkeit vor sich hergeschoben?).

Oder dankbar, dass wir uns wieder über einfaches und ehrliches Essen freuen dürfen. Denn wie schon so oft auf diesem Blog gepredigt, heisst weniger opulent noch lange nicht, dass Schluss ist mit Genuss.

Und dass einfach nicht einfältig heisst und erschwinglich nicht billig bedeutet, das wollen wir bei den Anonymen Köchen auch 2009 weiterhin beweisen.

Eine Dummheit gilt es vorab strengstens zu vermeiden: nach billigen Lebensmitteln ausschau zu halten. Bitte, jetzt ist die Chance da, mal ernst zu machen mit dem Vorsatz, lieber kein Fleisch, als ein billiges Stück unbekannter Herkunft zu essen. Und auch keine günstigen Fertigprodukte, die einen ohnehin die Gesundheit kosten.

Geradezu einladend unteuer, aber umso wertvoller ist der Urtyp des italienischen Klassikers: «Past‘ e fagioli».

Getrocknete Hülsenfrüchte, allen voran Bohnen, haben ohnehin erstaunliche Qualitäten: sie sind extrem lange haltbar (bis zu zwei Jahre) und das erst noch ungekühlt. Sie strotzen vor Energie und sie sind – das geeignete Rezept vorausgesetzt – eine wahre Geschmacksoffenbarung.

Für alle die sich gerade grämen, ob es überhaupt noch das Richtige ist, Fleisch zu essen, dürfen wir in Erinnerung rufen, dass Hülsenfrüchte nicht nur erstklassige Eiweisslieferanten sind, sondern als solche auch die Nährstoffe von Fleisch würdig ersetzen – im Gegensatz zu den meist erbärmlichen veganen Attrappen.

Aus Umbrien habe ich diese wunderhübschen Augenbohnen mitgebracht. Die sind wirklich etwas fürs Auge. Geschmacklich finde ich Cannellini oder Borlottibohnen aber fast besser. Was gar nicht geht, als Beispiel, sind rote Kidneybohnen, das ist was für die Texas-Pfanne.

Fagioli occhio nero

Am Vorabend werden die Fagioli occhio nero in der dreifachen Menge Wasser eingeweicht. Am nächsten Tag dann gut abgespült.

In einer Pfanne Olivenöl, Knoblauch, Peperoncino und eine Sellerierippe sanft erhitzen und 10 Minuten ziehen lassen. Dann ein paar Löffel passierte Tomaten hinzufügen und kurz aufkochen.

Olio e sedano

Bohnen dazu, mit frischem Wasser zu etwa einem Drittel überdecken und ganz langsam köcheln lassen, bis sie weich sind. Zwei Stunden dürfte das schon gehen. Gesalzen und gepfeffert wird erst am Schluss, wenn alles schön eingedickt ist und sich alle Aromen vermengt haben.

Es gibt hierzu einige Rezeptvariationen: ohne Tomaten, mit Salbei, Basilikum, Karotten etc. Aber das Auffälligste ist der Knoblauch-Zwiebelgraben, der durch Italien zu laufen scheint. Während bis in die Toskana Zwiebeln zu den Bohnen kommen, wird weiter südlich nur Knoblauch verwendet. Ich bin für die südliche Version. Eindeutig!

Aus Freude an der Vorfreude machen wir die Pasta natürlich selbst. Und aus den Abruzzen kommt die für Past‘ e fagioli passende Form: Gnocchetti (kleine Gnocchi).

Gnocchetti

Diese Pasta wird ohne Ei hergestellt. Nur aus Hartweizenmehl, Wasser und etwas Salz. Ich habe hier etwa 200 Gramm Mehl mit vier, fünf Umdrehungen aus der Mühle gesalzen. Dazu kommt jetzt lauwarmes Wasser, Schluck für Schluck.

Hartweizenmehl

Ich mache meinen Teig gerne in einer Steingutschüssel. Während die eine Hand das Mehl rührt, kippe ich mit der anderen Hand Wasser nach. Und bald merkt man, ob die Mischung stimmt. Es sollte ein feuchter, weicher Klumpen sein. Und den rollt man etwa 5 Minuten mit sanftem Druck in der Schüssel umher, bis er eine glatte Oberfläche aufweist.

Gnocchetti Teig

Dann kommt der Teig auf das Pastabrett und wird nochmals gute 5 Minuten mit den Handballen geknetet. Ab und zu das Brett bemehlen, bis der Teig nicht mehr kleben bleibt.

Jetzt werden Rollen geformt. Zuerst dicke und dann immer dünnere. Bis auf einen Durchmesser von etwa 4 mm. Davon schneidet man etwa 6 mm lange Stückchen ab und rollt sie zur Seite.

Teigrollen

Gekocht werden die Gnocchetti im sprudelnden Salzwasser, bis sie an die Oberfläche kommen. Dann schöpft man sie zu den Bohnen und gibt so viel Pastawasser dazu, bis eine suppige Konsistenz erreicht wird in welcher ungefähr doppelt so viele Gnocchetti wie Bohnen schwimmen.

Es ist fast unverschämt, jetzt mit so etwas hervor zu kommen, aber ein Teller reicht mir in der Regel nicht, ich muss mir davon meistens ein oder zweimal nachschöpfen (so viel zum Kürzertreten!).

Past’ e fagioli

Das Einzige was man in Kauf nehmen muss, so ehrlich muss man sein, ist die blähende Wirkung. Aber was solls, andere produzieren auch ohne Bohnen haufenweise warme Luft – und das führt dann alle in die Krise!


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  1. katha am 10. Januar 2009 at 09:18:

    ja eh, gar kein zweifel, und nähr- (samt bläh-)wert der hülsenfrüchte: alles klar. das problem ist ja viel eher, dass ich (und du…) sehr gern fleisch esse, weil es mir schmeckt. und nicht, weil ich glaube, es zu brauchen (gesundheitlich ist das, wie wir wissen, schwachsinn). und wer anspruchsvoll beim essen ist, hat mit schneller vegetarischer küche so seine/ihre probleme: es dauert einfach länger und braucht meist einen oder zwei schritte mehr, um einen komplexen geschmackseindruck zu erzeugen. und das geht im alltag zu mittag nur schwer. meine armada an vegetarischen kochbüchern (zuletzt ein grossartiges aus irland mitgebracht) hilft da auch nicht weiter. es muss eben viel geputzt, vorgegart, blanchiert, eingeweicht etc. werden. aber ich nehme mir sowieso vor, wieder viel mehr zu kochen. koste das zeit, was es wolle.

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  2. Franz am 10. Januar 2009 at 12:53:

    Für mich ist die Welt wieder in Ordnung. Jedenfalls wenn so köstliche, einfache Genüsse auf dem Tisch stehen. Ein paar Kräuter, ein Faden Olivenöl, etwas grobes Salz dazu: perfekt.

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  3. Alex am 10. Januar 2009 at 13:16:

    Das sieht ja sehr sehr lecker aus! Aber kürzertreten will ich noch nicht so richtig. Also doch schon, was die Kalorienmenge angeht. Also Weihnachtsplätzchen und Co Ade, aber auf manche nahrhafte und gar nicht so günstige Zutaten will ich trotzdem noch nicht verzichten. In allen Markthallen bei uns werden nämlich gerade frische leckere Austern feilgeboten. Und insbesondere wenn man bedenkt, daß es diese, trotz möglichen wirtschaftlichen Aufschwungs in 2010 dann trotzdem nicht mehr gibt (zumindest die französischen), muß man einfach zulangen.
    Prost Neujahr. Alex

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  4. Zoolicious am 10. Januar 2009 at 14:22:

    Und wo bleibt die Maillard-Reaktion?
    Knusprige, würzige Krusten?
    Ich werde, von Deinem Beitrag angeregt, sicherlich einmal Bohnen besorgen – hab’ ich sowas doch noch nie gemacht.
    Aber eine vollwertige Alternative zu Fleisch kann das einfach nicht sein.
    :D

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  5. Claudio am 10. Januar 2009 at 15:51:

    Mach es wie die Haute Couture, Katha, koche heute, was du morgen essen wirst ;) Im Ernst, mit Antizipieren erreichst du schon mal viel (du weisst noch: http://www.anonymekoeche.net/?p=596) und es muss ja nicht immer auf Biegen und Brechen Fleisch auf den Teller kommen. Du hast ja den Dreh schon länger raus, Franz, das finde ich wirklich beeindruckend! Ohh, Alex! Dann musst du unbedingt das hier lesen: http://dasmagazin.ch/index.php/ein-biss-vom-meer/ Das kommt nicht zu kurz, Zoolicious, aber eben nicht jeden Tag. Wenn du Bohnensuppe das erste Mal machst, musst du ja nicht gleich die Pasta selbst machen, Ditali Lisci, Nr. 45 von Barilla, passen auch sehr gut zu Past e fagioli!

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  6. Alex am 10. Januar 2009 at 16:24:

    Danke für den Link. Mir schmecken Austern aber auch weit weg von der Küste, denn irgendwie ist jede geschlürfte Auster wie ein sekundenlanger Kurzurlaub ans Meer, und vielleicht deshalb auch Ihre 3 Euro wert. Geschmacks-Jet-Set sozusagen, Luxus für den Gaumen. Grüße,Alex

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  7. Mario am 12. Januar 2009 at 09:55:

    ein wundervollter Text!

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  8. Claudio am 12. Januar 2009 at 15:33:

    Danke, Mario.

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  9. Kirsten am 13. Januar 2009 at 19:41:

    Ich bin auch nicht die große Fleischesserin. Da kommt mir solch ein Rezept gerade gelegen. Auch wenn’s immer heißt: “Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen” – lasst uns großzügig darüber hinwegsehen und genießen (das Essen, nicht die Tönchen ;-))) )

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  10. peppinella am 13. Januar 2009 at 20:06:

    Cosa devo dire adesso? Perfetto. Amo i piatti semplicissimi ed inoltre a trovarli veramente deliziosi mi fanno venire sempre quella sensazione di stare “a casa”. Für mich: Das perfekte Dinner….
    Zum Kürzertreten: Der Herr Peppinello ißt solche Gerichte immer aus einer Suppenschüssel…….

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  11. david am 18. Januar 2009 at 18:58:

    heyho!

    hab grad in den letzten 8 stunden alle 13 seiten dieses blogs gelesen. viel viel lektüre. jetzt bin ich platt und koche erstmal was.

    weiter so!

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  12. Claudio am 19. Januar 2009 at 22:25:

    8 Stunden?!? Respekt!

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  13. Nachgekocht: Past‘ e fagioli « lamiacucina am 22. Januar 2009 at 04:01:

    […] Claudio von den Anonymen Köchen kocht, wird meine Nachkochliste jeweils um eine Zeile länger. Gut, dass er nicht jeden Tag kocht  […]

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  14. mipi am 22. Januar 2009 at 18:21:

    Bei diesem Essen würde ich auch ein paar Male nachnehmen. Fette Feiertage und warme hin oder her.

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  15. Zusammenfassung vom Fremdkochen Ente am 1. Februar 2009 at 17:20:

    […] Zwar nicht mit Ente, aber Frau L. möchte das Rezepte der AnonymenKöche unbedingt in gedruckter Form haben. Die Bohnen sind mit Sicherheit auch eine perfekte Vorspeise für jedes Entengericht. Fremgekocht: lamiacucina.wordpress.com Original: anonymekoeche.net […]

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  16. Anonyme Köche » Blog Archive » Frankfurt, gemessenen Schrittes am 21. Oktober 2009 at 00:12:

    […] treue Leserschaft von Foodblogs. Weil, ehrlich nährt am längsten, wie ich einmal ein einfaches Rezept betitelt […]

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  17. Lagane e ceci « Mestolo am 2. November 2009 at 05:49:

    […] Regionen beliebt, eine lustige Variante ist hier von Robert, eine sehr puristische von den Anonymen Köchen und eine Nachgekochte unserer Anfänge aus eigenem […]

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  18. Anonyme Köche » Blog Archive » Rauchzeichen am Pastahimmel am 13. August 2012 at 00:55:

    […] über dem brodelnden Pastatopf macht sich der Duft von Borlottibohnen breit. Sofort denke ich an Past’ e Fagioli  und an die Kombination Knoblauch, Sellerie und […]

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  19. Anonyme Köche » Blog Archive » Abstimmungswochenende am 9. November 2012 at 21:25:

    […] Für den 2008 Herdade da Servas (70% Syrah, 30% Touriga Nacional) wähle ich schlichte Past’ e fagioli. […]

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