Erhellung zu Pfingsten

Etwas Schöneres als knusprigfrisches, selbst zubereitetes Brot an Pfingstmontag? Weiss nicht, Frieden auf Erden?

Ach, es gibt Geschichten, die sich seit zweitausend Jahren halten, weil Menschen nicht müde werden, sie immer wieder von neuem weiter zu zwitschern – und das ganz ohne angesagte Kommunikationsmittel.

Und dann gibt es andere die von einem kleinen Wunder handeln. Die ihre Reise vor vier Jahren durch die Food-Blogs gestartet haben (was für dieses Medium eine halbe Ewigkeit ist) und demnach eigentlich schon so etwas wie tot sein müssten.

Das wäre jedoch mehr als jammerschade. Deshalb muss wieder mal jemand zur Posaune greifen und engelsgleich verkünden: Das No Knead Bread ist das beste Brot, das jeder zuhause selber backen kann!

Alles was man sehen muss, wird in diesem Video gezeigt. Alles, was man darüber lesen muss, hat Katha von esskultur.at in ihrer akribischen Art und Weise in vier Teilen zusammengetragen (inklusive Zeitplan als PDF). Danke an dieser Stelle.

Genau genommen ist die Geschichte ja überhaupt nicht neu. Mehr neu erzählt. Denn waren nicht schon die Ägypter die Weltmeister im Brotbacken? Und das vor über 5000 Jahren? Es gibt doch auch diesen Song von den Armreif-Bäckerinnen «Bake like an Egyptian» oder so ähnlich.

Und wie die aktuelle ZEIT-Beilage «MAHLZEIT – richtig essen, erster Teil», Vermutungen bestätigt, soll es ja auch immer mehr Menschen geben, die endlich, endlich wieder auf den echten Geschmack von einfachen Lebensmitteln zurückkommen. Na wer sagts denn.

Im Interview zum Thema Brot zum Beispiel, antwortet Rainer Hensen auf die Frage, was ist drin im guten Brot? «Was ist nicht drin, muss die Frage heissen.» – Ich bin vor Freude an die Decke gesprungen.

In meinem erstgebackenem No knead Bread hatte es 425 g Halbweissmehl, 1 g Trockenhefe, 325 ml Wasser und 10 g Meersalz – und das Resultat mehr als in sich!

Mysteriöse Dinge spielen sich unter dem Deckel der altehrwürdigen, gusseisernen Dru 18-Cocotte ab.

Zutaten zusammenrühren (nicht kneten) 18 Stunden gehen lassen, Teig falten, 2 Stunden ruhen lassen und dann in einer brandheissen Cocotte bei 280 Grad 30 Minuten backen. Deckel entfernen und bei 250 Grad weitere 15 Minuten backen.

Es ist ohne Zweifel das beste Brot, das ich je gebacken habe. Und bei weitem eines der besten, das ich in meinem Umkreis bekommen kann.

Katha fragt sich, zu Recht, ob es nicht einen besseren, deutschen, Namen für das No knead Bread gibt. Ich nenne es ab jetzt schlicht Hausbrot.

Denn so und nicht anders sollte ein gutes, einfaches Hausbrot schmecken. Und weil ja auch nichts Kompliziertes dabei ist. Wie in «Hauskatze» oder «Hausschuhe». Sogar die Gefahr, dass dieser Hefeteig wie eine Mieze rumzickt und dann schmeckt wie ein warmer Hausschuh ist gleich Null.

Knetet nimmer und werdet glücklich.

Es ist vollbracht! Nach dem ersten Mal wird man es kaum glauben können.


Hand hoch, wer hat noch nie ein Parfait hergestellt?

Na schön, dann waren wir ja bis vor kurzem zu zweit. Wer seine Unschuld verlieren möchte: Jetzt wäre eine Parade-Gelegenheit, mit einer Premiere die perfekte Begleitung für Erdbeeren zu kreieren.

Mich hat neulich Magdi mit ihrem Semifreddo verführt. Ich habe es praktisch identisch kopiert, mit Ausnahme der Butterzugabe. Die habe ich weggelassen.

Stattdessen habe ich mich an das Basisrezept vom Grossen Lafer gehalten. Dort wird statt der Butter Eischnee von 3 Eiern mit 250 ml geschlagener Sahne unter die Ei-Zucker-Vanille-Masse gehoben.

Zum Schluss dann einfach den mit Zucker eingekochten, pürierten Rhabarber (oder jedes andere beliebige Früchtepüree) unterrühren.

Das Buch entpuppt sich ohnehin als wertvoller Begleiter für sehr viele Basisrezepte mit sehr schönen Abwandlungen. Und es wartet mit Selbstverständlichkeiten auf, die man als Nichtprofi schlicht ignorieren würde: Erdbeeren für eine Sauce zu pürieren zum Beispiel.

Klingt banal, aber mich hätte es bis vor kurzem einfach gereut, so schöne Erdbeeren durch den Blender zu jodeln! Dabei ist die Sauce schlicht genial: 200 g Erdbeeren mit 50 g Zucker pürieren, durch ein Sieb streichen, fertig.

Und das Schöne am Semifreddo, Parfait oder von mir aus auch Halbgefrorene ist, dass man mit relativ wenig Zubereitungsaufwand lange von diesem Desserttraum zehren kann.

Wartet es doch geduldig im Tiefkühlfach, um allfällige Gelüste nach Süssem zu stillen. Aber nicht sofort; wie Magdi empfiehlt, eine halbe Stunde vor Servieren im Kühlschrank antauen lassen.


Stimmt, Bourdain kann man ja auch auf dem Web schauen. Auf DMAX zum Beispiel. Dem Fernsehen für die tollsten Menschen der Welt: Männer.

Ha! Der ist gut.

Dieses Video zeigt einen Koch in Venedig, der den Risotto zu einer Eruptionssäule, die ihresgleichen sucht, emporschwenkt. Nicht schlecht.

Noch etwas habe ich in diesem Clip mit einer wohligen Genugtuung aufgeschnappt – es sei hier noch einmal für alle Sahnepanscher abgetippt: Die Kunst ist, ihn OHNE SAHNE so schön cremig hinzubekommen. Word!

Das mit dem Schwenken muss noch geübt werden. Einen delikaten Risotto mit Spargeln bekommt man aber auch ohne Küchenakrobatik hin.

Für die Spargelbrühe: Grünspargel bis 2/3 unterhalb der Spitzen schälen, Enden zwei Finger breit abschneiden, mit dem Messerrücken etwas andrücken und zusammen mit den Spargelschalen in wenig Wasser zehn Minuten auskochen. Sud durch ein Sieb auffangen.

Spitzen schneiden und beiseite legen, restliche Spargelstangen klein schneiden. In einem Topf Butter erhitzen, Schalotten weich schmoren, die kleinen Spargelstücke dazugeben, salzen, zuckern und mit etwa 2 Liter Wasser aufgiessen. Einmal aufkochen und dann Brühe etwa 15 Minuten leise ziehen lassen.

Risotto zubereiten: Schalotten in Butter weich schmoren. Den guten Reis aus Vercelli , zum Beispiel «Baldo», dazugeben und „auf Temperartur“ bringen bis er glasig wird.

Mit einer Tasse Weisswein, zum Beispiel Arneis delle Langhe, löschen und fast komplett reduzieren. Nach und nach von der warmen Spargelbrühe zum Reis geben bis er cremig wird und dennoch Biss hat (etwa 15 Minuten).

Fertigstellen: Spargelspitzen 10 Minuten vor dem Anrichten in der Spargelbrühe blanchieren (für knackige Spitzen reichen 2 Minuten). Herausheben und in einer Pfanne mit Butter schwenken, salzen, pfeffern.

Reis vom Herd ziehen, 50 g geriebenen Parmesan und 50 g Butter energisch unterziehen oder, für eine filmreife Eruptionssäule, Topf virtuos schwenken.

Risotto ein paar Minuten ruhen lassen. In Suppenteller heben, Spargelspitzen und feine Parmesanspäne darauf verteilen.

Es ist nur Reis – aber was für einer!


Die Schweinescholle

Meine lieben Leserinnen und Leser monieren, ich solle hier endlich wieder einmal Rezepte bieten. Ja, sind euch denn meine geistigen Ergüsse etwa zuwenig nahrhaft!?

Wisst ihr denn nicht, dass der Mensch vom Brot allein nicht lebt?

Aber ich will mal nicht so sein. Für dass ich jeden Tag koche, ist das Berichten darüber in letzter Zeit zu knapp gekommen, das stimmt. Hier also mein Angebot:

Ja, ja. Ich musste auch zweimal hinsehen! Was ist das?! Eine Scheibe ungekochter Schinken? Eine krude Prosciutto-Schnitte? Und wie soll man so etwas essen?

Gebraten wie ein Kotelett? Gegrillt wie ein Steak? Geschmort wie ein Braten? Steht ja drauf: Schweins-Braten. Und: Stotzen. Ach so! Von der Lammkeule schneidet mir mein liebster türkischer Metzger doch manchmal auch mit der Bandsäge solche Steaks, wenn er keine Koteletts mehr hat.

Dass die Schwarte noch dran ist, gefällt mir natürlich. Ich denke plötzlich an das Entrecôte persilée aus diesem Louis de Funès-Film und mache mich ans Werk.

Die Schwarte muss etwas eingeschnitten werden, weil sich das Fleisch beim anbraten zusammenzieht und dann nicht mehr flach auf dem Pfannenboden liegt.

Ich salze Fleisch und Boden meiner gusseisernen «Le Creuset» und gebe das Fleisch in die kalte(!) Pfanne. Das Fleisch soll ganz langsam Hitze bekommen und im austretenden Fett der Schwarte brutzeln. Alle zwei Minuten wenden und geduldig warten bis erste Röstaromen aufkommen.

Nach zwölf Minuten gebe ich zusätzlich Butterschmalz hinzu und das Fleisch fängt an Farbe zu nehmen. Alles brutzelt weiterhin auf sanfter Hitze. Nach zwanzig Minuten röste ich eine Handvoll weisser Senfkörner und 3 Knoblauchzehen mit.

Danach mit einem guten Schluck trockenen Weisswein löschen und reduzieren. Jetzt kommt so viel Rahm hinzu, bis das Fleisch fast bedeckt ist. Etwas Senf, Demiglace und reichlich schwarzer Pfeffer aus der Mühle. Weitere 20 Minuten sanft köcheln. Immer wieder wenden.

Wenn das Fleisch beim Andruck schön weich nachgibt und die Sauce eingedickt ist, kommt viel fein geschnittene Petersilie dazu und noch mehr Freude auf den ersten Bissen auf!

Man kann dazu wunderbare Bratkartoffeln mit etwas Rosmarin machen. Oder ein paar Nouilles au beurre, welche die cremige Sauce sicher dankbar aufnehmen würden. Auf jeden Fall aber will man reichlich knuspriges Baguette bereithalten und damit nicht ein Tröpfchen dieser zauberhaften Sauce übriglassen.

Auch wenn die eigene Schwarte davon um weitere Zentimeter wachsen wird!


Zweite Chance zum Beeindrucken

Wer öfters Fond zubereitet, und das werden viele sein, die diese Zeilen lesen, sollte sich einmal mit diesem Gedicht belohnen: Ravioli mit Kalbfleischfüllung.

Mehr aus Zufall denn als Absicht, ergab es sich eines schönen Tages, dass mein Metzger mir für einen Fond nebst blanken Knochen und Füsschen vom Kalb auch Kalbs-Brustknochen mit etwas Fleisch dran einpackte.

Natürlich kann man auch extra Kalbshaxen oder Ochsenschwanz zubereiten, um damit ganz wunderbare Füllungen für Ravioli herzustellen.

Aber so ganz belanglos mit – zu unrecht – als wertloser Abschnitt bezeichnetem Kalbfleisch nach der Herstellung eines Fonds ein so elegantes Essen hinzuzaubern ist, im besten Sinne, erfüllend!

Es folgen leider keine präzisen Angaben, denn hier ging mir alles so irgendwie von der Hand und dieser Umstand macht das Gericht gerade nochmal so selbstbewusst.

Ist das Fleisch erst Mal von seinem Zweck befreit, sein wunderbares Aroma an den Fond abzugeben, bekommt es seine zweite Chance.

Fleisch vom Knochen lösen und in eine Schüssel geben. Nicht zu zimperlich, die gelatinösen Teile dürfen ruhig dran bleiben.

Dazu kam, in einem für mich stimmigen Verhältnis, Mirepoix aus Sellerie, Karotten, Knoblauch und Schalotten. Frisch mit etwas Tomatenmark in Butter geröstet und in einem Schuss Weisswein weichgedünstet.

Weiter ein Ei, glatte Petersilie, Paniermehl, Parmesan, Salz, Pfeffer, Thymian. Alles gut miteinander vermengen, jedoch auf keinen Fall cuttern, pürieren oder was auch immer komisches damit anstellen, was daraus eine unkenntliche Spachtelmasse fabrizieren würde.

Gerade das Faserige macht die Füllung aus. Man will doch keinen undefinierbaren Klumpen in seinen Ravioli. Das überlassen wir schön der Nahrungsmittel-Industrie.

Für den Teig 4 Eier mit so viel Mehl vermengen, wie sie aufnehmen können (schätze so 250 bis 300 Gramm). Den Teig gut bearbeiten und mit der Pastamaschine auf der kleinsten Einstellung so dünn wie möglich ausziehen.

Mit einem Kaffeelöffel kleine Häufchen auf einer Teigbahn placieren, Ränder mit einem Pinsel leicht befeuchten, Bahn umklappen, Ränder andrücken und mit einem Teigrad Ravioli daraus schneiden.

Eine Anmerkung zum Charme von handgeformten Ravioli: unförmig gleich sexy, uniform gleich spiessig!

Sollte man mehr davon herstellen, als man zu essen gedenkt (und das sollte man), kann man die Ravioli auch als geheimen Vorratsschatz einfrieren.

Dünn sollten sie sein, hauchdünn, so dünn, dass die Füllung durchscheint.

Diese Ravioli schwenkt man am besten nur in «Burro e Salvia», geschmolzener Butter mit ein paar Salbeiblättchen drin oder, besser noch (!), im köstlichen Fond, den man hergestellt hat, mit etwas kalter Butter gebunden e basta.


Fischsuppe fuer Nichtschwimmer

Unter Werbetextern kursiert eine Kurzgeschichte, die als kürzeste aller Kurzgeschichten gilt. Und die geht so: «Treffen sich zwei Jäger.»

Wenn Köche zu einer Fischsuppe wie dem Brodetto di Pesce (mit mehr als 13 Sorten Fisch) oder einer Bouillabaisse ansetzen, wird es schneller Abend, als man mit Gähnen ansetzen kann.

Natürlich gibt es nichts Vergleichbares, als eine Soupe de poisson, die mit einem sorgfältig zubereiteten Fumet beginnt und schonend langsam mit verschiedensten frischen Meeresfischen, Krusten- und Schalentieren und dem dazugehörenden Gemüse vollendet wird.

Aber wer nicht das Meer oder mindestens einen raubeinigen Fischhändler vor seiner Hütte hat, kommt bei solch einem Ansinnen schnell ins Rudern.

Rasch kann aus dem schönen Kochvorhaben eine Welle der Frustration werden. Die Fische sind nicht nur schwer aufzutreiben, sondern auch ein halbes Vermögen wert, so sie denn auch der geforderten Frische und Qualität entsprechen sollen.

Wer also mal schnell ein Gericht, das aus Suppe plus Fisch bestehen soll, aus der Hüfte schiessen will, kann sich vielleicht mit folgendem Rezept über Wasser halten.

Ich habe da nämlich ein Unschuldslamm von einem Fisch, weil MSC, entdeckt, den ich auch mal als Vorrat im Tiefkühler habe. Für eben solche spontanen Gelüste nach einem Fischsuppen-Schnellschuss.

An weiterem winterlichem Vorrat braucht es lediglich Kartoffeln, Fenchel und passierte Tomaten.

Zuerst gutes Olivenöl mit einem guten Teelöffel zerstossener Fenchelsamen, einem Lorbeerblatt, Peperoncino und zwei angerdrückten Knoblauchzehen bei sanfter Hitze parfümieren.

Dann pro Person je eine in kleine Würfel geschnittene Kartoffel glasig dünsten. Mit einer Tasse Weisswein löschen. Etwas reduzieren. Zwei Tassen passierte Tomaten dazu. Kurz aufkochen.

Mit vier Tassen Fond aufgiessen (wer hat, nimmt natürlich Fischfond, natürlich hausgemacht, alle anderen gekauften Fischfond oder – so wie ich – durchaus, und ohne nach Luft zu schnappen, hausgemachten Hühnerfond!).

So lange halb zugedeckt köcheln, bis die Kartoffeln anfangen auseinander zu fallen.

Fisch in mundgerechte Stücke schneiden und kurz in Butter braten. Salzen, pfeffern und dann für fünf Minuten in der Suppe ziehen lassen.

Grosszügig mit frischem Fenchelgrün bestreuen und mit getoasteten Brotscheiben servieren. Petri Heil!


Vom Treiben getrieben

Man kann sich schon fragen, ob es tatsächlich möglich ist, eine so triebhafte Lust auf einen kulinarischen Genuss zu entwickeln, die nichts mit Fleisch zu tun hat.

Die Sehnsucht nach der weltbesten Pizza bianca reisst mich aber immer wieder in einen unaufhaltsamen Tatendrang, dass es für mich keine Zweifel gibt.

Ich weiss, dass es eigentlich ein sinnloses Unterfangen ist. Ich habe weder das geeignete Mehl (Typ 00 W 250), noch die geeignete Hefe und schon gar nicht den nötigen Ofen dazu. Egal – wenn du musst, dann musst du.

Am Vortag einen Vorteig ansetzen aus 20 g Frischhefe, 500 g Weissmehl (viel zu schweres vom Typ 405) und 250 ml kaltem Wasser. Abdecken, 24 h ruhen lassen.

Am nächsten Tag weitere 100 g Mehl, 10 g Salz und nach und nach Wasser dazugeben. Kneten, kneten, kneten, bis ein superglatter, superelastischer Teig entsteht. Weitere 6 h gehen lassen.

Und wie das ging – meine Güte, welch luftige Euphorie!

Backblech einölen, mit den Händen locker einen Pizzafladen darauf formen und nochmals abgedeckt 1 h ruhen lassen. Den Ofen ebensolange auf 250 Grad jagen.

Mit den Fingern Dellen in den Teig formen, verschwenderisch mit bestem Olivenöl bepinseln und mit grobem Meersalz bestreuen. Gute 30 Minuten goldgelb backen.

Diesmal haben Optik und Konsistenz Höchstwerte erreicht! Aber der Geschmack? Wo?! Eine Enttäuschung. So durchschnittlich, so fad.

Ich hasse dieses Mehl, ich hasse diese Hefe. Ich will meine eigene! Wie mach ich die bloss? Und woher bekomme ich das Mehl?


Und hier die weiteren Aussichten:

Gut, wer sichs jetzt in der Stube gemütlich machen und sich auf das passende Essen freuen kann. Inmitten von diesem hysterischen Wettergequake habe ich wieder auf einen Klassiker zurückgegriffen, den ich hier wärmstens empfehlen möchte.

PS: Einen schweren Rotwein dazu nicht vergessen. Wohl bekomms!


Morgen ist wieder hier und jetzt

Die wohl schlichteste Mahlzeit im letzten Jahr: Ravioli al Tartufo bianco.

Die in hauchdünnen Teig verpackte Glückseligkeit wird von Patrizia Fontana in Zürich hergestellt.

Die Frau von Boris „Yello“ Blank betreibt an der Scheuchzerstrasse seit Jahren einen italienischen Feinkostladen und das Handwerk der hausgemachten Pasta.

Mehr als eine Weisswein-Schalottenreduktion, die mit einer Butter-Rahm-Mischung aufgeschäumt wird, braucht es dazu nicht – und man fliegt auf und davon.

Direkt in die Arme von Dieter „Yello“ Meier flog ich Ende Jahr – ebenfalls in Zürich. Meier, erfolgreicher Biozüchter von argentinischem Beef und Wein betreibt nebst dem schicken Restaurant Bärengasse ein schnuckeliges, kleines Kontor.

Eher unerwartet für ein Weinkontor, laden vier Bistrotische zur traulichen Einkehr. Eine Flasche seines vorzüglichen Malbecs ist schnell geordert.

Noch schneller geht die Bestellung des Essens. Denn es stehen genau zwei Dinge auf der Schiefertafel: Entrecôte double oder Tartar von seinen argentinischen Rindern. Nada más!

Ob solcher Reduktion aufs Wesentliche bleibt sogar mir die Spucke weg. Darauf muss man mit einer weiteren Flasche anstossen.

Im nächsten, glasigen, Augenblick der Weinseligkeit klingelt das Glöckchen der Ladentüre und Meier himself tritt ein. Also auf. Es kommt einem vor, wie ein Besuch des Heiligen Nikolaus an diesem Vorweihnachtsabend.

You Gotta Say Yes to Another Excess: Finkus, Monique & Dieter Meier, Claudio

Es war nicht der Hellseher, der mir mitteilte, dass ich dann zur Krönung des Jahres bei Gott zuhause speisen würde. Sondern die Schwester meiner Frau, die uns dorthin zum Essen einlud. Aber davon im nächsten Post.

Wer hat die grösste Aura im ganzen Land? Die zukünftige Schweizer Boxlegende Angelo Gallina, der helle Wahnsinn Mike Shiva oder der anonyme Koch?

Ich wünsche euch allen grandiose kleine und grosse Momente in Zwanzigzehn – der Genuss steckt im Detail!

Danke für die Lesetreue, die Kommentare und Anregungen und die vielen Komplimente zu meinem Buch. Es heisst, es sei ein wunderbares Geschenk. Und das ist das grösste Geschenk für mich.

Ich freue mich, das nächste Jahr mit euch zu teilen!


Endlich im Topf gelandet.

Mein Nachbar hat sein Jägerversprechen gehalten und mir die in Aussicht gestellten Rebhühner überreicht. Meine ersten, langersehnten Rebhühner!

Obwohl, genau genommen war es seine Frau. Sie jagt ja zusammen mit ihrem Mann. Oder manchmal mir einen Schrecken ein: Wollt ich doch morgens, schlaftrunken und struwwelig, bloss kurz die Tonnen mit dem Grünabfall vors Haus karren, da schiesst sie über die Gartenhecke: «Hallo! Ihre Rebhühner!».

Ich habe einen Hüpfer gemacht, als hätte jemand nach mir geschossen! Aber der Schreck wich schnell strahlend heller Freude, als ich die kleinen Tierchen sah.

Jetzt ist mir auch klar, weshalb meine Lieblingszeile, bei ein paar Rebhühnern lässt es sich besser reden, in Patrice Lecontes Film «Ridicule» gar nicht so ridikül ist. Die Vögel waren kaum grösser als Wachteln!

Ach, manchmal tagträume ich doch tatsächlich, dass mir die Nahrungsmittel immer buchstäblich zugeflogen oder über den Weg gelaufen kämen. Ich brauchte mir nicht mehr den Kopf darüber zu zerbrechen, was auf den Teller kommt, sondern wie.

Wäre das nicht das wahre Schlaraffenland für uns Kochsüchtige, wenn jeden Tag ein Bauer klingeln würde, um frisches Gemüse abzuladen, Jäger ihr Wildbret, Bäcker ihr Brot, Fischer ihren Fang? Irgendein Wurzelsepp ein Kräutersträusschen und ein paar schmackhafte Pilze? Alles aus der Umgebung und der Jahreszeit entsprechend.

Und dann muss man daraus das Beste machen. Ob man nun ein Rezept dafür kennt oder nicht. Alleine die Erfahrung und der Verstand müssten es richten.

Mir fällt wieder der Bader ein in Noah Gordons «Der Medicus». Die Passagen, in denen er unterwegs für sich und den jungen Rob Cole rurale Gerichte zubereitet, habe ich am liebsten verschlungen.

Im Gegensatz zu dem kürzlich gekochten Fasan oder der Wildente hatten die Rebhühner einen ausgeprägteren Hautgout. Ich habe mich deshalb entschlossen, die Vögel in Rotwein einzulegen: Mit gewürfelten Karotten und Sellerie. Zwiebeln, Wacholderbeeren, Lorbeer, schwarzen Pfefferkörnern und zwei Gewürznelken. Für 24 Stunden im Kühlschrank.

Am nächsten Tag gut trockentupfen, innen und aussen reichlich salzen und pfeffern, zubinden und in Butterschmalz langsam von allen Seiten bräunen. Beiseite stellen.

Fett verwerfen. Abgetropftes Gemüse in derselben Pfanne in Butter anrösten. Mit Portwein deglacieren, reduzieren. Den Rotwein der Marinade zugiessen und ebenfalls reduzieren lassen.

Auf der Suche nach einem geeigneten geschlossenen Kochgeschirr bin ich auf meinen Steinguttopf gekommen, in welchem mir mein Tajine immer besonders gut gelingt.

Gemüse, Reduktion und Rebhühner mit der Brust nach unten darin placieren und mit guter Hühnerbrühe aufgiessen, bis die Schenkel der Vögel von der Flüssigkeit umgeben sind.

Für eine Dreiviertelstunde im geschlossenen Topf bei 180 Grad schmoren. Inzwischen Linsen zubereiten wie für Past‘ e Lenticchie aber stärker einkochen.

Die Rebhühner eine gute Viertelstunde leicht zugedeckt beiseite stellen. Sauce durch ein Sieb geben und stark reduzieren. Abschmecken und mit eiskalten Butter montieren. Wunderbar!

Ein Rebhuhn pro Gast – schön wären ja mehrere pro Gast (sic!) – auf die Linsen in der Mitte des Tellers setzen und dazu in Butter geschwenkte Spätzli (wie ulkig, die Verkleinerungsform von Spatzen!) servieren.

Alles mit der Sauce nappieren: Ein Geschenk.

Von Jean Anthèlme Brillat-Savarin stammt der Aphorismus: «Ein echter Feinschmecker, der ein Rebhuhn verspeist hat, kann sagen, auf welchem Bein es zu schlafen pflegte».

Nun, das ist mir eigentlich ziemlich schnuppe. Der Vogel hat geschmeckt wie schon lange nichts mehr. Und er war butterzart und saftig und sehr aromatisch.

Die Frau Nachbarin hat mich auf zwei weidmännische Dinge aufmerksam gemacht: Erstens ist am 15. Dezember schluss mit der Vogeljagd (ausser Wildenten) und zweitens sind die Rebhühner mit ihrem ungestümen Geflattere sehr viel schwerer zu treffen als die im Gleitflug sinkenden Fasane.

Sie kann mir deshalb nicht versprechen, ob es am Sonntag nochmals Rebhühner für mich gibt. Ich lasse mich einfach überraschen, denn das ist so oder so das Schönste.



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