Wer hat Angst vorm Wolfsbarsch?

Lustig, gerade gestern hab ich das neue Buch Depardieu trifft Trettl aufgeschlagen. Schau, schau, dachte ich. Der Herr Depardieu isst und trinkt nicht nur gerne auswärts. Er kocht auch gerne dort.
Zum Beispiel im «Ikarus» im «Hangar 7». Das ist ja hochinteressant. Logisch, muss man da sofort ein Buch darüber schreiben.
Ob er auch Pflaumentüten macht? Wäre eine schöne Reminiszenz an einen seiner ersten Filme: «Die Ausgebufften» (Les Valseuses).
In der deutschen Synchronversion kommt dort mein Lieblingswort numéro un für Höschen vor: Pflaumentüte («Jean-Claude, schau mal, die Schlampe trägt ja nich mal ne Pflaumentüte!»)
Roland Trettl hat mich etwas erschreckt. Nicht, weil ich ihn nicht kannte (ich hab ja so was von keinen Plan über das Who‘s who am Sternekochhimmel).
Nein, seine Frisur ist es. Ich hatte mal so was ähnliches auf dem Kopf. Heute wär mir das peinlich.
Lieber Roland, du hast noch eine Gnadenfrist bis 40. Dann, spätestens, sollte dieses Schaut-alle-her-was-ich-für-ein-wilder-Hund-bin-Nest von deinem talentierten Köpfchen verschwunden sein. Du bist nämlich schon lange angekommen.
Dann bin ich abends bei Nikos Weinwelten wieder über Depardieu gestossen und habe dieses Interview mit ihm gelesen.
Überraschendste Aussage darin: «Für mich ist Italien das Land Nummer eins für Essen. Denn dort werden die Produkte noch respektiert. Die französische Küche hingegen ist Dekoration, die Präsentation des Essens.»
Hoppla! Irgendwie wird dieser Mann immer sympathischer. Vielleicht kauf ich sein Buch doch noch.
Ich mag nämlich undekoriertes Essen ebenso. Ich hätte um eine Schuppe diesen Post hier nicht gemacht, weil ich die Fotos zu undekoriert fand. Aber eben, wie Herr Depardieu schon sagt, es geht hier nicht um die Präsentation des Essens.
Endlich hab ich mich an einen Wolfsbarsch gewagt. Dazu gibt es ja eine Vorgeschichte. Der Zufall wollte es so. Eigentlich waren Forellen vorgesehen.
Aber als ich die vier Prachtskerle in der Auslage sah, habe ich angebissen.
Seit meiner Erkenntnis des Lebens gelingt mir jeder Fisch auf dem Grill. So wurde auch dieser Wolfsbarsch richtig gut abgetrocknet, mit Meersalz bestreut, noch mal abgetrocknet und dann mit nur einer Prise Salz im Bauch auf den knallheissen Rost gelegt.


Die dazugesellte Forelle und der Mais bilden übrigens das Kindermenü.
Auf dem Tisch standen zwar Salz und Pfeffer bereit. Aber das blieb unangetastet. Alles, was dieser deliziöse Fisch zu sehen bekam, war ein Fädlein mit einem Hauch Zitrone aromatisiertes Olivenöl. Basta.

Es kostet einige Anstrengung, alles weg zu lassen. Aber wie einfach das auch aussehen mag, man macht sich keine Vorstellung, wie göttlich das schmeckt.

Vielleicht ist es das, was Gérard mit Respekt gegenüber den Produkten meint.
Weckt den Tiger in dir

Idealmasse in den Augen des wahren Fleischliebhabers: 5 cm hoch, 1‘000 g schwer.
Weil ich meinen Mund andauernd offen habe und immerzu von prachtvoll zubereiteten Bistecche Fiorentine oder Côtes de Bœuf schwärme (die ich jedoch fast nie fotografiere, weil die Zubereitung höchste Konzentration fordert und noch höhere Extase provoziert), bekommen meine Freunde mitunter so einen Hals.
Den voll zu bekommen, geht natürlich nicht mit Worten – es müssen Taten folgen!
Boris (das Raubtier in ihm), hat sich das schon lange von mir gewünscht. Also bin ich losgezogen, um eine schöne Fiorentina zu besorgen und sie bei ihm zu grillen.

Aber der gute Pippo war in den Ferien. Und eine andere, als eine seiner gut gereiften Bistecce Fiorentine, kommt mir nicht auf den Rost.
Also Plan B: Ab ins Elsass zu Eckert, zwei schöne Côtes de Bœuf holen (la vrai Côte de Bœuf, wie der Chefmetzger dort zu präzisieren pflegt). Die sind eben auch so was von gut gereift. Wie seine Sprüche: «Une pour Monsieur et une pour Madame?»

Das Fleisch stammt von Irischen Charolais-Rindern. (Ja, hab mich auch etwas gewundert; Irisches sei eben wesentlich besser, als Französisches, sagte mein Metzger bedeutungsvoll.)
Es wird etwa eine Woche am Stück abgehangen, dann, zerteilt, beim Grosshändler eine weitere Woche nachgereift und schliesslich bei Eckert nochmals eine Woche gelagert, bevor es in den Verkauf kommt (ein Grund übrigens, jeweils ein paar Tage vorher vorbei zu gehen und zwei Stück auf den Wunschtag reservieren zu lassen, so bekommt man ein optimal gereiftes Stück!)
Mariniert mit Olivenöl, Rosmarin und Knoblauch übernachten die zwei irischen Rinderkoteletts erst mal bei mir im Kühlschrank und bescheren mir schöne Träume. Vor der Zubereitung dürfen sie sich dann gute drei Stunden an die Aussentemperatur akklimatisieren.

Gesalzen und gepfeffert wir erst im Augenblick der Wahrheit, wenn es auf den Rost geht – und zwar nur die zur Glut gewandte Seite!
Die andere Seite kommt nach der Wende dran. Das ist je nach Hitze zwischen fünf und zehn Minuten der Fall.
Man muss es riechen und fühlen, wann der richtige Zeitpunkt ist.

Das gute Stück wird also genau einmal von mir gewendet. Danach darf es sich, mit Alufolie zugedeckt, zehn Minuten an einem warmen Ort erholen, bevor es aufgeschnitten wird.
Der Metzger bei Eckert hat mir zwar eine ganz andere Methode empfohlen, aber der trau ich nicht: Nur 1 Minute je Seite scharf anbraten, dann Abstand zur Glut erhöhen und alle 2 Minuten wenden (insgesamt 10 bis 15 Minuten lang).
Ich weiss nicht, ich mag eine ultrakrosse Kruste (mit knusprigen Salzkristallen darauf) und ein halbblutiges Innere. Und mit meiner Methode klappt das immer. Das sieht dann so aus:

Verschlingen darf man das mit weiter nichts. Keine Sauce, keine Beilagen. Man kann natürlich schon, was immer man mag, aber wieso ablenken vom Wesentlichen? Schon mal Raubtiere gesehen, die nebenher noch Fritten futtern?
Das zweite Kotelett bekam dann immerhin noch einen Schuss dickflüssigen alten Balsamico, okay selbstgemachte Kräuterbutter wäre auch noch gegangen.

Nach dem Verzehr eines solchen Kalibers öffnet man dann am besten noch eine Flasche Wein und setzt sich gemütlich zurück ans Lagerfeuer, wo man bis tief in die Nacht mit glänzenden Äuglein vom Essen weiterschwärmen kann.

Fast Sea Slow Food

Von Slow Food empfohlen, obwohl es ein Fast Food Restaurant ist.
Die Idee ist verlockend: Fischer tun sich zusammen und eröffnen eine Kneipe, wo sie ihren Fisch so zubereiten, wie sie ihn zuhause am liebsten essen.
Das heisst, einfach zubereitet. Nach traditionellen Rezepten. Und günstig. So soll es sein: Das täglich wechselnde Fünfgang-Menü, das entsprechend dem Tagesfang zusammengestellt wird, kostet wässrige 10 Euro – inklusive einem (zu) lieblichen Viertelliter Wein, Mineralwasser, Brot und Coperto!
Damit erschöpft sich jedoch jegliche Romantik, die da eventuell aufschwappen mag. Denn das Gastrounternehmen der Fischereikooperative «Coomarpesca» mit Namen Il Pesce Azzurro ist riesig und auf Massenverpflegung ausgerichtet.
Täglich bildet sich vor dem Restaurant (das ein wenig aussieht, wie die Kantine eines maritimen Vergnügungsparks) ein Pulk von Landratten, die einen von tausend Plastikstühlen an den langen Plastikbänken ergattern wollen, um daran Plastikschalen voller Fisch leer zu essen.

So abtörnend das für viele sein mag. Das Essen schmeckt gut. Wirklich gut. Und es ist der Beweis (und deshalb nicht ohne Stolz bei Slow Food vermerkt), dass Massengastronomie in Selbstbedienung eben nicht gleich Junkfood bedeutet.

Ich hatte als Antipasto in Essig eingelegte Sardellenfilets und herrlich knusprig panierte Sardinen. Als Primo gab es gedämpfte Vongole und die beiden Secondi waren butterzarte Calamari mit Erbsen in Tomatensauce und eine Pasta (Casareccie) mit Thonsugo.

Bei einem grossen Plastikbecher Caffè freddo ist mir aufgefallen, wie viele Grossfamilien da waren. Viele Einwanderer, Nordafrikaner oder Leute, die sich offensichtlich kein Essen in einem normalen Fischrestaurant für 40 Euro leisten können (oder wollen, wie Pauschaltouristen). Sie müssen trotzdem nicht auf anständigen Fisch verzichten.

Für Roberts Gruselkabinett gibts noch ein ekliges Mitbringsel: Nicht den ganzen Kunststoffkoch, dafür das grusligste Detail – seine pink lackierten Fingernägel!

Die Koffeinpeitsche

Gut gegen Klimaerwärmung: Caffè Shakerato.
Natürlich sind Ferien (3 Wochen Italien) zum Auftanken da. Sommer, Sonne, Süden und die Seele fliegt im Dauerhoch.
Auftanken ist bei mir aber auch wörtlich gemeint: mit Caffè.
Zuhause reichen mir normalerweise zwei bis drei Espressi am Tag. Aber wenn ich an das unverschnittene, reine Zeug komme, gibts kein Halten mehr. Je mehr ich in meinen Körper schütte, desto mehr Glückshormone schüttet er aus.
Und wenn der Koffeinpegel im Gleichschritt mit der Sommertemperatur hoch klettert, dann ist es wieder Zeit für eisgekühlten Caffè Shakerato.
Italiener trinken ja Caffè freddo wie andere Eistee. Zuckersüss und eiskalt. Aber der wahre Snob gibt sich nur mit einer Espressobombe aus dem Shaker zufrieden – geschüttelt eben, nicht gerührt, das kennen wir ja.
Den macht jeder anständige italienische Barista oder in Ermangelung eines solchen, jeder selbst zuhause:

Auf 2 Espressi (2x eine halbe Tasse = 1 volle Espressotasse) kommen 4 Teelöffel Zucker, ein Spritzer Zitrone und drei Eiswürfel. (Die beiden Ausstechformen aus Blech wandern auch noch in den Shaker, das gibt zusätzlichen Schaum!)
Schütteln, bis man den Shaker vor Kälte fast nicht mehr halten kann und dann in ein Longdrink oder Cocktailglas giessen.
Das peitscht schön auf und gibt wieder Schub für die nächsten Arbeitsstunden am hitzigen Arbeitsplatz.
A propos auftanken, mit diesen drei Sorten (Pulver und Pads) hab ich mich reichlich eingedeckt, damit sollte ich bis zum nächsten Italienaufenthalt überleben können:
Einfach aus Gewohnheit

Achtung! Das hier ist kein Originalrezept für Vitello Tonnato.
Das fällt mir jetzt erst auf: Ich predige zwar oft Wasser, dabei bin ich immer für Wein zu haben.
So stehe ich oft vehement für ein Originalrezept ein und werde sogar äusserst ungehalten, wenn das vermeintliche Originalrezept nicht eingehalten wird.
Dabei schau ich so gut wie nie in ein Kochbuch. So wie andere, die ihre Sammlung klein nennen (was ist dann meine, mikroskopisch?).
Ja, ich war noch nicht einmal in einem einzigen Kochkurs. Woher nehme ich also den Anspruch, Hüter der Originale zu sein?
Mir scheint eher, es handelt sich bei mir um eine grassierende Selbstüberschätzung (welcher ich als Entschuldigung immerhin diese neu gewonnene Einsicht entgegenhalten kann). Ich koche so, wie ich es für echt (also original) halte und deshalb ist es so, basta!
Meine Täuschung beruht dabei auf etwas familiärem Erbe, persönlicher Erfahrung und dreistem abkupfern. Das Abkupfern kann visuell, literarisch oder gustatorisch inspiriert sein.
Bei Vitello Tonnato war es schon immer so. Als ich es vor Jahren das erste Mal zubereitet habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Rezept zu suchen (weder in einem Kochbuch und schon gar nicht im Web – wie ging das früher eigentlich alles ohne Internet?).
Ich habe einfach einige Dinge zusammengemixt, bis ich das Gefühl hatte, jetzt schmeckt es „richtig“, oder eben so, wie ich es von einem Restaurantbesuch in Erinnerung hatte.
Das Kalbfleisch habe ich bis heute auch noch nie selbst zubereitet, sondern immer beim Metzger aufschneiden lassen.
Jetzt habe ich extra für diesen Post einmal das „Originalrezept“ aus dem Silberlöffel mit meiner Sauce verglichen:
Original nach Silberlöffel:
200 Gramm Thon
3 Sardellenfilets
2 Esslöffel Kapern
2 (gekochte) Eidotter
Olivenöl
Zitronensaft
Brühe vom zuvor gekochten Kalbfleisch
Alle Zutaten im Mixer (lustiges italienisches Wort: Tritatutto!) glatt rühren zu einer nicht zu dicken und nicht zu dünnen Sauce.
Meine Version:
160 Gramm Thon
1 Esslöffel Mayonnaise aus der Tube (sic!)
1 Essiggurke
2-3 Esslöffel Olivenöl
1 Esslöffel weisser Balsamico-Essig
Schwarzer Pfeffer
1,5 dl Halbrahm
Kapern zum garnieren
Ebenfalls im Tritatutto zu einer sämigen Sauce mixen.
Was soll ich sagen? Ich finde beide Saucen haben ihre Berechtigung auf meinem Teller. Meine ist einen Tick, wie soll man sagen, leichter? luftiger?
Ist vielleicht nur Einbildung (oh je, doppeldeutig!).
Aber wenn ich dann in „Delikatessabteilungen“ lese, was auf diesen Fertigpackungen «Vitello Tonnato» steht, könnt ich wieder ausrasten: Sojasauce! Senf! Milchpulver! Emulgatoren! Geschmacksverstärker! Stärke! Säuerungsmittel!
Wie können die es wagen!?
Asketisches Abendmahl

Die italienische Küche wird für so vieles gelobt und geliebt.
Für die Einfachheit und die Authentizität. Für die Natürlichkeit der Cucina della Nonna. Für die Kunst der bäuerlichen Hausfrauen, Rezepte von Generation zu Generation weiterzureichen, um damit das Beste aus dem zu machen, was Boden und Umland gerade hergeben.
Oder für das stoische Ignorieren französischer Gastrorevolutionen oder spanischer Schaumschlägerei.
Und doch, eine leichte Schwärmerei kann durchaus in ernster Völlerei münden. Denn auch dafür sorgt die italienische Küche: üppige Portionen, nicht mehr enden wollende Speisefolgen aus reichen Antipasti, Minestre und Minestroni, verlockenden Primi – gefüllt, gestopft und geschichtet – und Secondi, die so viel Platz für sich beanspruchen, dass die Contorni auf separate Beilagenteller verteilt werden müssen.
Von den Dolci ganz zu schweigen, eine schlichte Panna Cotta scheint noch das Harmloseste, aber auch sie ist ein Kalorienkoloss.
Aber die Italiener haben ein Hintertürchen. Und dort, in den eigenen vier Wänden, gibt es etwas, das sie abends genügsam verspeisen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Etwas, das sie keinem Gast als Hauptspeise auftischen würden und dessen Rezept es kaum je ins Buchregal schafft: Verdura cotta.
Wörtlich gekochtes Grünzeug (von verde, grün), steht hier für diverse Blattgemüse wie Bietola (Mangold), Catalogna (Blattzichorie), Cima di Rapa (Stängelkohl), Spinat oder Salat wie zum Beispiel Lattich. Diese dürfen einzeln oder auch miteinander gemischt gekocht werden.
Die Zubereitung ist, wie könnte es anders sein, völlig simpel und ohne Allüren.
Zuerst wird das Gemüse klein geschnitten und dann in Salzwasser weich gekocht. Anschliessend kommt das, was man «ripassare al olio» nennt: Im Öl schwenken.
Dazu wird bestes Olivenöl extra vergine erwärmt, um es mit etwas Knoblauch und Peperoncino zu aromatisieren. Alsdann wird das Gemüse mit einem Schaumlöffel direkt aus dem Sud ins Öl gehoben.
Das Öl sollte nicht zu heiss sein, um garstige Spritzer zu vermeiden. Und das Sudwasser sollte sich etwa im Verhältnis 3:1 mit dem Olivenöl mischen.
Das asketische Abendmahl besteht dann aus diesem Gemüse und allenfalls etwas Käse. Meistens einer schönen Mozzarella in Form von Bufala, Fior di Latte oder Treccina (Zöpfchen).
Ich mag es gerne, einen Teller mit dem warmen Gemüse, in diesem Fall Krautstiel, auszulegen und mittendrin eine kalte Mozzarella di Bufala zu placieren.

Kommt das einer genussvollen, leichten, gesunden, natürlichen Ernährung nicht viel, viel näher, als all die verzweifelt angestrengten Fit- und Schlankmacher und „natürlichen“ Abwehrstoffe stärkenden Scheusslichkeiten?
Also, ich kann da nur ein genügsames Lächeln entgegenhalten.
Zwei Steaks, eine Meinung

Das wirklich Erstaunliche an Basel ist die Nähe zu Frankreich und Deutschland.
Auch der moderne Mensch hat sich noch so etwas wie einen Jagdinstinkt oder zumindest ein einträgliches Beuteschema bewahrt. Als Konsument im Allgemeinen und als bekennender Fleischfresser sowieso.
Wer nicht selbst zu Jagd geht oder Grossvieh aufzieht, pirscht eben durch das Angebot der Metzgereien.
Und so wie sich das Jagdrevier des Neandertalers nicht auf ein begrenztes Gebiet beschränkte, wird heute wohl kaum jemand sein Fleisch bei ein und demselben Metzger einkaufen – und sei er noch so voll seines Vertauens.
Warum das so ist? Neugierde.
Der Mensch kommt voran, weil er sich für Neues interessiert. Tut er das nicht, bleibt er hocken. Und dann spielt es (für ihn) auch keine Rolle, ob er sich von Discounterfleisch oder marinierten Tankstellensteaks ernährt.
Wenn man in der Region Basel lebt, kann man folglich dreifach auswählen, wo man sein Hohrücken kaufen möchte. Und vor allem, was man dafür ausgeben will.
Im Basler Schnitt sind das immerhin rund 50 Franken das Kilo. Es kann aber auch, je nach Metzgerei, locker das Doppelte sein. In Frankreich dagegen ist man mit rund 20 Euro (32 Franken) dabei.
Entdeckt man in deutschen Gefilden jedoch die Schwarzwaldmetzgerei Kalbacher (die mit der lustigen Webseite), bekommt man das gute Stück für 15 Euro (24 Franken) angeboten. Das heisst, für einen Viertel vom höchsten Preis in der Schweiz.
Soll man jetzt eine Debatte darüber anzetteln?
Wer will kann. Auf der anderen Seite ist jeder frei, dort einzukaufen, wo es ihm passt. Das ist wohl, was den marktwirtschaftlich gesteuerten Menschen vom Jäger und Sammler doch wesentlich unterscheidet.
Ich kann nur sagen, das Steak von der Hochrippe war gut. Sehr gut sogar, wenn auch nicht super. Gut 2.5 cm dick und gute 450 Gramm schwer.
Am liebsten hätte ich es auf den Grill gehauen, aber beim aktuellen Sauwetter musste es mit der Bratpfanne vorlieb nehmen. Also habe ich gleich einen kleinen Salz- und Pfannentest gemacht.
Steaks mit Olivenöl, Rosmarin und Knoblauch über Nacht einlegen (Kühlschrank). Zwei bis drei Stunden vor dem Braten herausnehmen.
Steak 1 wurde in der Gusseisenpfanne gebraten. Zuerst Rosmarin und Knoblauch entfernen (verbrennt sonst) ordentlich salzen und pfeffern, dann 2 Minuten pro Seite auf höchster Stufe in Butter/Olivenöl und dann für 10 Minuten ins 100 Grad heisse Rohr (jetzt Rosmarin und Knoblauch wieder dazu geben).

Fantastisch zart, saftig und trotzdem mit einer knusprigen Oberfläche.

Steak 2 ging in die Chromstahlpfanne. Gleiches Prozedere, gleiche Garzeit. Jedoch habe ich bewusst erst nachträglich gesalzen und gepfeffert – welch ein Fehler!

Entgegen der landläufigen Meinung, man dürfe Fleisch niemals vor dem Braten salzen, weil sonst der Saft verloren geht, ist genau das Gegenteil passiert! Meine schöne Knusperkruste – dahin! Der Saft lief fast unkontrolliert aus dem Steak und machte es um einiges zäher und trockener als das erste.

Fazit: Kalbacher ja, Gusseisen ja, vorher salzen ja.
Was ich nicht ganz begriffen habe ist, ob das Steak die Hochrippe, das Hohrückensteak, das Rib Eye oder das Entrecôte ein und dasselbe Stück sind.
Für den nächsten Test, hier eine kleine Inspiration
Herr ueber Feuer und Flamme

Guter Rat ist Feuer – aber wie sieht der absolut perfekte Grill aus?
In unserer Rubrik «Gefragt» bittet ein Leser um Hilfe: Sein Weber Grill ist für ihn nur noch ein Ablöscher. Jetzt sucht er die ultimative Alternative, die sein Grillfieber erneut entfacht.
Ist es der marrokanische Tongrill, der mit Kerzenwachs und einer rostigen Blechdose als Kamin entfacht wird? Ist es ein längs aufgesägtes Ölfass, in welches man vier ungeöffnete Kohlesäcke legt, mit Benzin übergiesst und dann ansteckt, um ganze Schweinehälften darauf zu rösten? Oder die argentinische Variante; stundenlang direkt am Boden feuern, stundenlang im richtigen Abstand mit der richtigen (verdammt nicht nachvollziehbar niedrigen) Temperatur grillen?
Vermutlich hat jeder seine eigene Methode, mit seinem eigenen Grill und natürlich ist das der beste Grill und die beste Methode.
Deshalb starten wir auf diesem Blog zum ersten Mal eine Rally!
Mailt uns eure heissesten Tipps und glühendsten Argumente, weshalb ausgerechnet euer Grill der perfekte Grill sein soll als Link oder Trackback im Kommentar.
Wer einen Banner braucht, soll ihn sich selber basteln, ich hab keine Ahnung, wie so was geht.
Nichtblogger, die unbedingt eine Foto ihres Grills oder das Arschgeweih ihres Girls zeigen wollen, können mir das Bildmaterial auch auf claudio[at]anonymekoeche.net mailen. Ich weiss aber noch nicht, ob ich auch wirklich alles veröffentliche.
So then – the heat is on – gebt Gas!
Depp mit Kuechenmesser verletzt

«Cut! Nochmal, ohne diesen Depp, bitte», hätte ich am liebsten ausgerufen.
Stattdessen schoss mir Blut in den Kopf und nach (einundzwanzig, zweiundzwanzig) ein paar Sekunden aus den Fingern. Ich blickte nur stumm und ungläubig.
Wie es passiert ist, darf ich niemandem erzählen. Jeder würde mich für einen kompletten Idioten halten. Zu recht.
Nicht etwa, als ich vorhin eine kleine Schalotte zielsicher in allerfeinste Würfelchen geschnitten habe – geschnitten, nicht gehackt! (Oh, wäre das nicht ein cooler neuer Spruch für Mister Bond? Jetzt, wo es ihm scheissegal ist, ob der Vodka Martini geschüttelt oder gerührt ist. Muss morgen grad mal den Marc Foster anrufen.)
Nein, ich wollte meinem fünfjährigen Sohn eine neue Nocke in den kaputten Saugnapfpfeil (was für ein Wort) schneiden.
Das ist der Schlitz am Pfeilende, der auf die Bogensehne gesetzt wird. Linke Hand: Pfeil. Rechte Hand: Messer. Aufgestützt: nirgends.
Wir reden hier von einem billigen (und darüber hinaus sehr eigensinnigen) Plastikpfeil mit einem Durchmesser von knapp vier Millimetern.
Und wir reden hier von einem WMF-Chefmesser mit einer Klingenlänge von über zwanzig Zentimetern.
Das Messer ist scharf. Ich habe es gewissenhaft über den Stahl gezogen, bevor ich die Schalotte geschnitten habe. Und ich habe beim Schneiden keine einzige Träne vergossen (was einiges über die Schärfe des Messers aussagt, und auch über meine Schneidetechnik, aber ich glaube, das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um mich damit zu brüsten).
Wie auch immer: Es tut mir auch weh, wenn ich das jetzt lese. Nicht nur das Lesen.
Für CSI-Fans und Schadenfreudige: Nachdem mir auf Druck mit der Klinge der Pfeil wie durch Hexerei abschmierte, säbelte das Messer mittig auf die Daumenkuppe. Selbst der Fingernagel konnte den rasanten Fall nicht stoppen und teilte sich willig zu einer perfekten Nocke. Dazu kam, aber das bemerkte ich erst viel später, ein klaffender Schnitt auf dem Mittelglied meines Zeigefingers.
Keine Frage, es gibt interessantere Samstagabendbeschäftigungen als so was. Aber nachdem ich erst viele, viele Wundgazen später die Blutung einigermassen eindämmen konnte (poch, poch, poch) musste ich mich fragen, wie interessant ist ein Besuch in der Notaufnahme am Samstagabend?
Ich wollte das nicht auch noch herausfinden.
Man kann nicht Bill Buford‘s Hitze mögen und dann den Warmduscher raushängen.
Immerhin kann ich noch mit acht Fingern diesen Post hier schreiben. So schlimm wird es also nicht sein. Ich sehs ja dann morgen früh.
Warum nur gibt es im Leben keine Rewind-Taste?

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Und nach dem Schwimmen: Sushi

Sushi immer als grosse Portion bestellen. Normale Portionen sind für europäischen Appetit ein Witz.
Es dürfte langsam ein halbes Jahr sein, seit ich mit Boris jeweils freitags über Mittag schwimmen gehe. Zur Belohnung gabs deshalb eine grosse Portion Sushi.
Damit wir uns verstehen, nicht als Belohnung für den zurückgelegten Kilometer. Sondern dafür, dass wir es mit diesen militanten Schwimmern aushalten!
Schon aufgefallen? Schwimmer sind etwa so kleinkariert wie ambitionierte Minigolfspieler. Aber 100 mal aggressiver. Wenn in jedem Schweizer ein Polizist steckt, dann stecken in einem Schwimmer zwei plus ein hirnamputierter Grenadier.
Vielleicht kriegt ein Schwimmerhirn zu wenig Sauerstoff vom falschen Atmen?
Und den ganzen Hilfskram den die immer mitschleppen und provokativ am Beckenrand aufmunitionieren – eine Kampfausrüstung.
Die geben einem jedes Mal jeden nur erdenklichen Grund das Handtuch zu schmeissen. Sie sind wahre Meister der nonverbalen Kommunikation und ihre Hauptbotschaft lautet: weg da!
Zehennagel in den Schenkel rammen beim Vorbeischwimmen: normal. Von der Bahn drängen: normal. Extra anspritzen bei der Wende: normal. Den Spind vor der Nase wegschnappen: normal. Sich beim Umkleiden vor einem aufbauen wie ein Silberrücken: normal.
Das ist aber überhaupt nicht normal! Das wäre wie wenn ich willkürlich fremde Jogger anrempeln würde, weil sie das falsche Tempo haben, die falsche Lauftechnik, die falschen Hosen anhaben oder was auch immer.
Aber auch verbal sind sie sehr kreativ. Dabei geben sie wildfremden Menschen Verhaltensanweisungen, wie sie nicht mal der frustrierteste Schulhausabwart zu Jugendlichen raunzt. Apropos Abwart, Bademeister? Geht gar nicht, oder? Aus demselben Holz geschnitzt.
Sogar meine Frau kann das bestätigen. Während der exklusiven Schwimmzeit für Frauen hat ihr eine gesagt, Frauenschwimmen sei nur für Hausfrauen. Wer sportlich schwimmt, muss am Dienstag gehen (wobei das Hallenbad am Dienstag geschlossen ist!). Der Bademeister meinte dazu, kommen sie doch etwas später.
«Die Nasszone ist im Fall da draussen!», «Kästchen Nummer 82 ist mir – und zwar schon seit zwanzig Jahren!», «Haben Sie zuhause keine Dusche!?» «Barfusszone!», «Kraulen ist auf Bahn zwei verboten!».
Und wenns keine Militanten hat, dann hats Dilettanten. Schwer parfümierte Frauen zum Beispiel, die auf der Wasseroberfläche einen Film hinterlassen, als wäre soeben ein Moschus-Ochse ins Becken gestürzt. Das ungewaschene männliche Pendent dazu ist natürlich ein ebenso unappetitlicher Ochse.
Ganz zu schweigen von der Rentner-Rotte, die gemütlich nebeneinander in der für Längen schwimmen reservierten Bahn vor sich hin dümpelt. Scheinbar ahnungslos.
Aber damit muss man anscheinend leben. Schwimmen heisst überleben. Nicht schwimmen heisst untergehen. Gegen den Strom schwimmen braucht Kraft.
Sehr viel Kraft sogar.
Und die muss eben mit einer grossen Portion Sushi kompensiert werden.